Was Sie bei der Berufs­unfähigkeits­versicherung und einer Psychotherapie beachten müssen

Foto von von Munkhjin Enkhsaikhan
von Munkhjin Enkhsaikhan
aktualisiert

Das erwartet Sie hier

Wie Sie trotz Besuch einer Psychotherapie eine Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) abschließen und wie Sie Leistungen der BU bei psychischen Erkrankungen bekommen.

Inhalt dieser Seite
  1. Psychische Erkrankungen als Ursache für Berufs­­unfähigkeit
  2. Zahlt meine BU bei psychischen Erkrankungen?
  3. BU trotz Psychotherapie möglich?
  4. So bewerten BU Versicherer Psychotherapien
  5. Gesundheits­­fragen zur Psyche
  6. Weitere Möglichkeiten

Das Wichtige in Kürze

  • Psychische Erkrankungen, wie Burnout und Depressionen, sind die häufigste Ursache für Berufs­­un­fähig­keit.
  • Bei psychischen Vorerkrankungen und früheren Psychotherapien ist es schwierig, eine private Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung (BU) zu erhalten.
  • Wenn vor Versicherungs­abschluss keine psychischen Symptome bekannt waren und keine Psycho­therapie in Anspruch genommen wurde, sind psychische Erkrankungen durch die BU uneingeschränkt versichert.
  • Die BU ist die einzige Absicherung, die auch psychische Leiden versichert. Eine BU sollte man so früh wie möglich abschließen.

Die Psyche als Ursache für Berufs­unfähigkeit

Die Statistiken der Kranken­kassen weisen seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg der Fehlzeiten wegen psychischen Erkrankungen aus. Der Grund dafür sind nicht zuletzt die An­forderungen der Arbeits­welt, denen viele Menschen nicht gewachsen sind. Auf dauerhafte Überlastung reagieren sie irgendwann mit:

  • chronischer Erschöpfung,
  • Depressionen
  • oder einem Burnout.

Im ungünstigsten Fall kann daraus eine Berufs­unfähigkeit resultieren.


Psyche deutlich häufigste Ursache

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) gibt auf der Grundlage einer Befragung seiner Mitglieder aus dem Jahr 2016 an, dass 32 Prozent aller Fälle von Berufs­unfähigkeit durch Nervenleiden und psychische Erkrankungen verursacht werden. Im Vergleich zu allen anderen Krankheits­bildern bilden psychische Erkrankungen damit die häufigste Ursache für Berufs­unfähigkeit.

Was gilt als psychische Erkrankungen?

  • Psychosen
  • Depressionen
  • Shizophrenien
  • Bipolare Störungen
  • Angst- und Zwangsstörungen

Wenig Chancen mit psychischen Vorerkrankungen

Antragsteller mit psychischen Vorerkrankungen gehören aus Sicht der Versicherer zu einer Hochrisikogruppe, bei der der Eintritt des Versicherungs­falles sehr wahr­schein­lich ist. Wer sich aktuell in einer Psychotherapie befindet, wird kaum eine Chance haben, eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung (BU) abzuschließen. Auch früheren Psychotherapien stehen die Versicherer häufig skeptisch gegenüber. Falls der Antrag auf Berufs­unfähigkeits­versicherung trotzdem akzeptiert wird, kann der Versicherungs­beitrag durch ent­sprechende Risikoaufschläge beträchtlich steigen. Alternativ werden psychische Er­krankungen als Leistungs­grund für die Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung vertraglich aus­geschlossen. Mehr dazu im Abschnitt ‚BU trotz Psychotherapie möglich?‘.


Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung als Vorsorge­ in gesunden Zeiten

Eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung sorgt dafür, dass die finanzielle Exis­tenz­grundlage auch bei schweren gesundheitlichen Einschränkungen nicht verlorengeht. Optimal ist, wenn die Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung so früh abgeschlossen wird, wo noch keine Vorerkrankungen bestehen. Im Gegensatz zu anderen Versicherungs­formen bietet eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung auch bei psychischen Leiden zuverlässigen Schutz.

Wichtig ist lediglich, dass die Erkrankung vor dem Abschluss der Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung nicht bekannt war und der Versicherte folglich auch keine Psychotherapie in Anspruch nehmen musste. Zudem sind die Einstiegsbeiträge für junge, gesunde Versicherte besonders niedrig, was sich während der gesamten Laufzeit der Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung als finanzieller Vorteil auswirkt.

Zahlt meine Berufs­unfähigkeits­versicherung, wenn ich eine Psychotherapie in Anspruch nehmen muss?

Wenn eine Psychotherapie erst nötig wird, wenn die Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung bereits besteht und vor dem Vertragsabschluss nachweislich keine psychischen Erkrankungen bestanden, leistet der Versicherer in der Regel und zahlt die Berufs­unfähigkeitsrente aus. Voraussetzung ist, dass die psychische Erkrankung die Berufs­fähigkeit zu mind. 50 Prozent für mind. 6 Monate mindert. Die ärztlichen Bescheinigungen sollten in jedem Fall dem Leistungs­antrag beigefügt werden.

Vertrags­bedingungen genau prüfen

Trotzdem sollten Versicherungs­nehmer in diesem Punkt sehr genau auf die Ver­trags­gestaltung achten. Eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung versichert den aktuellen oder überwiegend ausgeübten Beruf. Allerdings können die Versicherer diese Leistungs­pflicht beschränken, wenn in den Vertrag eine konkrete oder abstrakte Verweisung aufgenommen wird. In diesem Fall muss die Versicherung erst zahlen, wenn der Versicherte weder in der Lage ist, den im Vertrag versicherten Beruf noch eine andere Arbeits­tätigkeit mit einer mehr als 50-prozentiger Einschränkung aus­zuüben. Im Hinblick auf künftige psychische Erkrankungen ist es besonders wichtig, dass der Versicherungs­vertrag diese Verweisungen nicht enthält, da psychische Probleme sehr häufig arbeits­bezogen sind und durch den ausgeübten Beruf verursacht werden.

Was ist die abstrakte Verweisung?

Bekomme ich trotz Psychotherapie eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung?

In der Vergangenheit war es kaum möglich, nach einer früheren Psychotherapie einen Vertrag für eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung zu bekommen. Heute stellt sich die Situation etwas differenzierter dar.


Unsere Tipps zum BU-Abschluss trotz Psychotherapie im Überblick

  1. Darauf achten, dass der Betrachtungszeitraum der Versicherer nach der letzten Therapiebehandlung liegt.
  2. Anonyme Risikovoranfrage durch unabhängige Experten wie uns bei mehreren Versicherern stellen
  3. Mehrere Angebote für eine Berufs­unfähigkeits­versicherung anfordern und vergleichen (beispielsweise mithilfe unseres Tarifrechners auf dieser Seite)
  4. Mithilfe einer unserer BU-Experten abwägen: Kommt ein Risikozuschlag oder Leistungs­ausschluss infrage?
  5. Wenn der BU-Abschluss nicht klappt: Über Alternativen informieren

Einmalige psychische Behandlung

Etwas bessere Voraussetzungen haben Antrag­steller, bei denen die psychische Erkrankung und die deshalb erforderliche Psycho­therapie ein einmaliges Ereignis waren. In diesem Fall besteht die Möglichkeit einer Ver­sicherung unter Normal­bedingungen, wenn es sich beispielsweise um eine Therapie aufgrund eines Todesfalls in der Familie handelte. Auch können bei kurzer und einmaliger Therapie ein Leistungs­ausschluss von psychischen Er­krankungen vereinbart werden.

Leistungs­ausschluss von psychischen Erkrankungen

Das Ausschließen von psychischen Erkrankungen als Ursache für Berufs­­unfähig­keit ist sehr kritisch zu sehen. Hier kommt es stark darauf an, wie der Versicherer psychische Erkrankungen definiert und welche Krankheiten konkret ausgeschlossen werden. Viele psychische Leiden stehen mit körperlichen Beeinträchtigungen im Zusammenhang. Die Auswirkungen sind im Vorfeld kaum einschätzbar. Aus diesem Grund ver­zichten einige Versicherer in der Praxis darauf, bei psychischen Erkrankungen überhaupt die Option Leistungs­ausschluss anzubieten.

Wann eine Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht mehr möglich ist

lesen

Für Antragsteller, die sich in einer laufenden Psychotherapie befinden, stehen die Chancen für den Abschluss einer Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung nach wie vor ausgesprochen schlecht. Das Gleiche gilt, wenn in der Vergangenheit bereits mehrere Psycho­therapien nötig waren.

So bewerten Berufs­unfähigkeits­versicherer eine Psycho­therapie

Wie eine in Anspruch genommene Psychotherapie vor Versicherungs­abschluss gewertet wird, hängt oftmals von der Art und Ausprägung der Erkrankung ab. Auch bewerten die Ver­siche­rungs­gesell­schaften unterschiedlich, weshalb es stets eine Einzelfallentscheidung ist. Grundsätzlich ist bei einem BU-Antrag mit Psychotherapie ein Abschlussbericht der Therapie notwendig.


Bewertung der Psychotherapie

  • Abgeschlossene Psychotherapie: Je nach Grund der Behandlung Annahme unter Normal­bedingungen oder Beitrags­zuschlag. Genaue Prüfung notwendig.
  • Laufende Psychotherapie: Hier kann das Risiko einer Berufs­unfähigkeit durch psychische Leiden nicht ein­deutig genug abgeschätzt werden. Daher erfolgt häufig eine Zurück­stellung durch den Versicherer. Dies bedeutet, dass die Bewertung und Entscheidung des BU-Versicherers erst stattfindet, wenn die Therapie beendet und das Restrisiko einschätzbar ist.

So können psychische Vor­er­krankungen bewertet werden

Eingehende Prüfung erforderlichAngst-/Zwangsstörung Bulimie Depressionen Chronisches Müdigkeitssyndrom Stress-/Erschöpfungszustand Burnout-Syndrom Psychosomatische Beschwerden
Prüfung mit psychiatrischem BefundberichtNeurosen Persönlichkeitsstörung Suizidversuch
Annahme unwahrscheinlich, evtl. mit ErschwerungBestehende Psychosen
AblehnungDemenz

Jetzt Berufs­unfähigkeits­versicherungs­-Tarife direkt online vergleichen

Ihr kostenfreies Angebot wird passgenau und individuell von unseren mehrfach ausgezeichneten Experten erstellt.

Das fragen die Ver­sicherer in der Ge­sund­heits­prüfung

Mit dem Antrag auf Berufs­­un­fähig­keits­­versicherung müssen Sie eine Gesundheits­prüfung durchführen. Diese besteht aus einem Fragebogen mit Gesundheits­fragen zu Ihrer Kranken­­geschichte, Beschwerden, Ope­rationen und gefährlichen Hobbys, denen Sie eventuell nachgehen.

Bezüglich psychischer Erkrankungen und Depressionen fragen Versicherer in der Regel folgendes:

  • „Bestehen oder bestanden in den letzten X Jahren* Krankheiten der Psyche (auch Angst­störung, Essstörung, Schlafstörungen [mehr als 5-mal im Monat], Er­schöpfungs­zu­stände, Auf­merk­sam­keits­defizit­syndrom, Selbst­tötungs­versuch)?“
  • „Sind Sie in den letzten X Jahren von Ärzten, Psychologen, Kranken­gymnasten oder Heil­praktikern über die bereits gemachten Angaben hinaus untersucht, beraten oder behandelt worden?“

Beantworten Sie diese Frage mit „Ja“, müssen Sie genauere Angaben mit Einzelheiten zur Diagnose, Zeitpunkt und Behandlung machen.

*Der Betrachtungszeitraum kann je nach Anbieter variieren. Häufig sind 3, 5 oder 10 Jahre.

Mehr zu typischen Gesundheits­fragen in der BU

Betrachtungszeiträume beachten

lesen

Eine Möglichkeit, nach einer früheren Psychotherapie eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung zu bekommen, ergibt sich außerdem aus den Zeiträumen, die für die Beantwortung der Gesundheits­fragen vorgesehen wird. Die Ver­sicherungs­gesell­schaften sehen dafür meist Fristen von 5 oder 10 Jahren vor. Alle gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Behandlungen – also auch Psychotherapien – müssen für den abgefragten Zeitraum wahrheitsgemäß und vollständig angegeben werden. Eine Psychotherapie, die Versicherte vor dem Beginn der Abfrage­fristen in Anspruch genommen haben, fällt dagegen nicht unter die Pflichtangaben. Auf die Aufnahme in die Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung spielt eine frühere Psychotherapie dann keine Rolle mehr, da sie nicht angegeben werden muss. Betroffene sollten daher darauf achten, dass Sie einen Antrag bei einem Anbieter stellen, der für die Fragen zur Psyche einen kurzen Zeitraum vorsehen.

Experten-Tipp:

„Eine frühere Psychotherapie, die in den von der Versicherung abgefragten Zeitraum fällt, darf bei der Beantwortung der Gesundheits­fragen auf keinen Fall verschwiegen werden. Ansonsten kann der Versicherer bei einer eingetretenen Berufs­unfähigkeit die Versicherungs­leistung grundsätzlich verweigern. Das Recht zur Leistungs­verweigerung besitzen die Versicherungs­gesellschaften in solchen Fällen nicht nur bei Berufs­unfähigkeit wegen einer psychischen Erkrankung, sondern auch aus jedem anderen gesundheitlichen Grund. Versicherte hätten in solch einem Fall ihre vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt.“

Foto von Alexander Velden
Alexander Velden
Berater

Anonyme Risiko­voranfrage bei Psycho­therapien

Wenn ein Versicherer den Abschluss einer Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung wegen psychischer Erkrankungen und einer psychotherapeutischen Behandlung ablehnt, haben die Betroffenen meist auch keine Chance mehr, eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung von einem anderen Anbieter zu erhalten. Die Ablehnungen werden in einer gemeinsamen Datenbank, dem Hinweis- und Informationssystem (HIS) gespeichert, auf die alle Versicherungs­gesellschaften Zugriff haben.

Um eine Ablehnung zu vermeiden, bietet sich eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherungen an. Möglicherweise wird auf diesem Weg auch eine Versicherung gefunden, die trotz Psychotherapie zur Absicherung der Berufs­unfähigkeit bereit ist.


So können wir Ihnen helfen

Unsere unabhängigen und erfahrenen Experten für die Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung können für Sie diese anonyme Voranfrage durchführen. Dabei kennen sie den Versicherungs­markt und die Versicherungs­gesellschaften so gut, dass sie abschätzen können, bei welcher Gesellschaft die Chancen für Sie am besten stehen. Kontaktieren Sie uns am besten. Kontaktieren Sie uns direkt oder nutzen Sie unseren kostenfreien Tarifrechner – Ihre Anfrage landet direkt bei unseren Experten.

Jetzt Berufs­unfähigkeits­versicherungs­-Tarife direkt online vergleichen

Ihr kostenfreies Angebot wird passgenau und individuell von unseren mehrfach ausgezeichneten Experten erstellt.

Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung mit vereinfachten Gesundheits­fragen

Als Aktionsangebote bringen verschiedene Versicherer Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rungen mit ver­ein­fachten Gesundheits­fragen auf den Markt. Möglicherweise ergibt sich aus einem solchen Angebot die Chance, trotz einer früheren Psychotherapie eine Be­rufs­un­fähig­keits­ver­siche­rung zu erhalten. Aufgelegt werden diese Angebote allerdings fast ausschließlich für jüngere Versicherte bis zum Alter von 45 Jahren, die außerdem mit einer reduzierten Versicherungs­summe rechnen müssen. Dafür umfassen die Gesundheits­fragen keine Angaben zu früheren psychischen Behandlungen. Nach laufenden Therapien wird allerdings gefragt.

Mehr zur BU ohne Gesundheits­fragen


Die häufigsten Fragen zur Berufs­unfähigkeits­versicherung und Psychotherapie

Welche psychischen Erkrankungen führen zur Berufs­unfähigkeit?

lesen

Stresserkrankungen wie Burnout oder Depressionen können zur Berufs­unfähigkeit führen. Generell bilden psychische Erkrankungen die Nummer 1 Ursache für Berufs­unfähigkeit.

Wann verjähren Gesundheits­fragen zur Psyche?

lesen

Die meisten Berufs­unfähigkeits­versicherer fragen nach Krankheiten der Psyche der letzten 5 oder 10 Jahre. Dies ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich.

Weitere mögliche Ursachen für Berufs­unfähigkeit

Haben Sie alles gefunden?

Schnelle Frage, Kritik oder Feedback?

Wir helfen Ihnen gerne. Professionelle Beratung von echten Menschen. Rufen Sie uns zum Ortstarif an oder schreiben Sie uns per E–Mail.

Foto von Katharina Tennius
Katharina Tennius
Ihre Ansprechpartnerin