Berufs­unfähigkeits­versicherung und Burnout: Wann die BU zahlt und wie Sie sich trotzdem absichern

Von Maureen Menger
Fachlich geprüft durch Patrick Knittel
Zuletzt aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung zahlt bei Burnout, wenn eine ärztlich festgestellte Krankheit wie eine Depression dahintersteht. Sie muss Sie in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mindestens 50 % einschränken. Diese beiden Werte stehen in den meisten Verträgen, nicht im Gesetz.
  • Burnout allein ist keine Krankheit: Die WHO führt es auch in der ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen, in Deutschland gilt weiterhin die ICD-10-GM mit dem Code Z73.
  • Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache einer Berufs­unfähigkeit (32,34 % laut Morgen und Morgen 2026). Von der ersten Meldung bis zur Anerkennung vergehen laut Franke und Bornberg im Schnitt 286 Tage.
  • Ohne BU bleiben nach sechs Wochen Lohnfortzahlung nur Krankengeld bis Woche 78 und danach allenfalls eine volle Erwerbsminderungs­rente von durchschnittlich 1.126 € Zahlbetrag im Monat (Rentenzugang 2025).
  • Nach einem Burnout ist ein BU-Abschluss oft möglich, häufig mit Ausschluss psychischer Erkrankungen, Zuschlag oder Zurückstellung. Eine anonyme Risikovoranfrage zeigt das Ergebnis, bevor Sie einen Antrag stellen.
Patrick Knittel

Sie haben lange funktioniert, bis es nicht mehr ging …

Sie haben lange funktioniert, Termine gehalten und die Erschöpfung als Phase abgetan. Irgendwann geht nichts mehr, und mit der Krankschreibung kommt die Frage nach dem Geld. Ihre Berufs­unfähigkeits­versicherung zahlt bei Burnout aber nicht automatisch. Es kommt auf die Diagnose, Ihren Beruf und die Klauseln im Vertrag an. Ohne BU stellt sich eine andere Frage: Welcher Versicherer nimmt Sie nach einem Burnout noch, und zu welchen Bedingungen? Beide Wege erklären wir hier Schritt für Schritt.

Berufsunfähig durch Burnout: Wann zahlt die BU?

Ein Burnout kann Sie berufsunfähig machen. Ihre Berufs­unfähigkeits­versicherung, kurz BU, zahlt bei Burnout, wenn eine ärztlich nachgewiesene Krankheit Sie in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich auf Dauer einschränkt. In den meisten Verträgen heißt das: zu mindestens 50 Prozent und voraussichtlich mindestens sechs Monate. Maßgeblich ist Ihr Beruf so, wie er in gesunden Tagen aussah (Quelle: VVG § 172).

Für die BU-Leistung bei Burnout müssen in der Regel vier Voraussetzungen zusammenkommen:

  • Eine Krankheits­diagnose vom Facharzt, etwa eine depressive Episode oder eine Anpassungsstörung
  • Eine Einschränkung im konkreten Beruf, meist zu mindestens 50 Prozent
  • Eine Prognose: voraussichtlich auf Dauer, vertraglich meist mindestens sechs Monate
  • Keine Verweisung auf einen anderen Beruf, sofern Ihr Vertrag eine solche Verweisung überhaupt erlaubt

Was in Ihrer Lage jetzt zählt

Welcher nächste Schritt sinnvoll ist, hängt davon ab, wo Sie gerade stehen. Die wichtigste Unterscheidung: Haben Sie schon eine BU oder wollen Sie erst eine abschließen?

Ihre LageWas jetzt zähltMehr dazu
Erschöpft, aber ohne Diagnose und ohne BUBeschwerden ärztlich abklären lassen, alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten und vor dem Antrag anonym anfragen lassen→ Abschnitt „Gesundheitsfragen nach einem Burnout“
Krankgeschrieben mit bestehender BUBedingungen prüfen, Leistungsfall früh melden, Tätigkeitsbeschreibung sorgfältig erstellen→ Abschnitt „Leistungsfall bei Burnout“
Burnout liegt zurück, Abschluss geplantAbfragezeiträume kennen, Unterlagen sammeln, anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern→ Abschnitt „BU abschließen trotz Burnout“
SelbständigOhne Wahlerklärung gibt es kein Krankengeld, BU und Krankentagegeld deshalb früh klären→ Abschnitt „Wer zahlt bei Burnout?“
VerbeamtetBei Dienstunfähigkeit entscheidet der Dienstherr, eine BU ohne Dienstunfähigkeits­klausel greift dann nicht automatisch. Vertrag auf diese Klausel prüfen→ Abschnitt „Wer zahlt bei Burnout?“ (Beamte)
BU-Antrag schon abgelehntAndere Versicherer entscheiden oft anders, und mit wachsendem Zeitabstand steigen die Chancen→ Abschnitt „BU nach Burnout abgelehnt“

Was ist Burnout überhaupt?

Burnout ist nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Syndrom, das aus chronischem, nicht bewältigtem Stress am Arbeitsplatz entsteht. Die WHO beschreibt drei Merkmale: Erschöpfung, innere Distanz zum Job und nachlassende Leistungsfähigkeit im Beruf. Der Begriff gilt ausdrücklich nur für den Arbeitskontext. Eine Krankheit ist Burnout nach WHO nicht (Quelle: WHO).

In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) steht Burnout deshalb nicht bei den Krankheiten. Die ICD-11 führt es als berufsbezogenes Phänomen. So war es nach Angaben der WHO schon in der ICD-10, die Definition ist nur genauer geworden. Die verbreitete Behauptung, die WHO habe Burnout 2022 als Krankheit anerkannt, ist schlicht falsch.

In Deutschland gilt weiterhin die ICD-10-GM. Dort steht „Ausgebranntsein [Burn-out]“ unter dem Code Z73, also bei den Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen. Die psychischen Krankheiten stehen dagegen im Kapitel F (Quelle: BfArM).

Die ICD-11 ist international seit Januar 2022 in Kraft. Einen Termin für ihre Einführung in Deutschland gibt es nicht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rechnet für die Kodierung von Krankheiten mit noch mehreren Jahren bis zur Umstellung (Quelle: BfArM).


Welche Diagnose der Versicherer braucht

Das Versicherungs­vertrags­gesetz (VVG) verlangt für die BU eine Krankheit, eine Körper­verletzung oder einen Kräfteverfall. Die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verlangen zusätzlich einen ärztlichen Nachweis (Quelle: GDV-Musterbedingungen BU). Der Code Z73 allein erfüllt das nicht.

Ein Leistungsfall nach einem Burnout stützt sich deshalb in der Praxis auf eine psychische Krankheit aus dem Kapitel F. In unserer Beratung sehen wir dabei vor allem eine depressive Episode (F32), eine Anpassungsstörung (F43.2) oder eine Angststörung (F41). Mehr zu diesen Krankheits­bildern lesen Sie auf unserer Seite zur Berufs­unfähigkeits­versicherung bei Depressionen.

Wie viele Anträge trotzdem unter dem Burnout-Code laufen, zeigt die BU-Leistungspraxisstudie 2026 von Franke und Bornberg. 2024 entfielen von allen BU-Anträgen wegen psychischer Erkrankungen 541 Anträge auf die Gruppe Z73, das sind sieben Prozent. Depressionen kamen auf 2.572 Anträge oder 34 Prozent (Quelle: Franke und Bornberg).


50 Prozent und sechs Monate: Was im Vertrag steht

Die Grenzwerte 50 Prozent und sechs Monate stehen nicht im Gesetz. § 172 VVG spricht nur davon, dass der Beruf „ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer“ nicht mehr ausgeübt werden kann. Auch die GDV-Musterbedingungen lassen beide Werte offen. Jeder Versicherer legt sie in seinen Bedingungen selbst fest.

In den meisten Verträgen, die wir in der Beratung prüfen, gelten trotzdem 50 Prozent und sechs Monate. Die Ratingagentur Morgen und Morgen setzt beide Werte voraus, damit ein Tarif vier oder fünf Sterne erhält. Im Rating 2026 bekamen 537 von 636 bewerteten Tarifen fünf Sterne (Quelle: Morgen und Morgen).

Die Diagnose allein reicht nicht, der Grad der Einschränkung muss belegt sein. Das Landgericht (LG) Landshut wies 2022 eine Klage trotz mehrerer psychischer Diagnosen ab. Eine Beeinträchtigung von über 50 Prozent war nicht nachgewiesen (Quelle: LG Landshut). Laut Franke und Bornberg war der nicht erreichte BU-Grad 2024 der Grund für fast 60 Prozent aller Ablehnungen.


Muss die Berufs­unfähigkeit bei Burnout dauerhaft sein?

Nein, „dauerhaft“ heißt nicht „für immer“. Gemeint ist eine Prognose: Der Arzt erwartet, dass die Einschränkung voraussichtlich auf Dauer besteht. Vertraglich genügen meist sechs Monate. Gerade bei Burnout ist diese Prognose am Anfang oft unsicher, weil sich der Verlauf schwer vorhersagen lässt.

Hilfreich ist deshalb eine Klausel, nach der sechs Monate ununterbrochene Einschränkung als Berufs­unfähigkeit gelten. Steht dort „von Beginn an“, zahlt der Versicherer ab dem ersten Monat. Fehlt der Zusatz, tritt der Versicherungsfall laut Bundesgerichtshof (BGH) erst nach den sechs Monaten ein. Im entschiedenen Fall ging es um einen Geschäftsführer mit depressiver Episode (Quelle: BGH).

Dass Burnout zur BU-Rente führen kann, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) München von 2024. Ein Geschäftsführer war wegen eines Burnouts im Ausmaß einer Depression an der Arbeit gehindert. Das Gericht sprach ihm für einen weiteren Zeitraum Rente zu. Zugleich stellte es klar, dass der Versicherer bei nachgewiesener Besserung die Leistung einstellen darf (Quelle: OLG München).


Wie häufig psychische Erkrankungen zur Berufs­unfähigkeit führen

Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache einer Berufs­unfähigkeit. Laut Marktblick 2026 von Morgen und Morgen gehen 32,34 Prozent der BU-Fälle auf sie zurück, also knapp jeder dritte Fall. Franke und Bornberg kommt für 2024 auf 28,35 Prozent aller Leistungsanträge. Beide Häuser messen Unterschiedliches, die Rangfolge ist dieselbe.

Die Fehltage wegen Burnout haben sich in zehn Jahren fast verdoppelt. Nach dem Fehlzeiten-Report 2025 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Fehltage mit der Diagnose Z73 deutlich. 2015 waren es 101,6 je 1.000 AOK-Mitglieder, 2024 schon 186,0. Hochgerechnet waren 2024 rund 215.000 Beschäftigte wegen Burnout krankgeschrieben (Quelle: WIdO).

Am stärksten betroffen sind Berufe, in denen ständig eine helfende oder beratende Haltung gefragt ist. Spitzenreiter sind laut WIdO Führungskräfte in Pflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe mit 641,7 Fehltagen je 1.000 Mitglieder. Auch Dialogmarketing, Erziehung, Altenpflege und Sozialarbeit liegen weit vorn. Wer in der Pflege arbeitet, findet Beitragsbeispiele auf unserer Seite zur Berufs­unfähigkeits­versicherung für Pflegekräfte.

Fehltage wegen Burnout je 1.000 AOK-Mitglieder nach Beruf (2024)
  • Führungskräfte Pflege, Rettungsdienst, Geburtshilfe641,7 Tage
  • Dialogmarketing460,8 Tage
  • Erziehungswissenschaft394,9 Tage
  • Altenpflege369,3 Tage
  • Sozialarbeit und Sozialpädagogik355,0 Tage
  • Alle AOK-Mitglieder186,0 Tage

Quelle: WIdO, Fehlzeiten-Report 2025


Vier Burnout-Irrtümer rund um die BU

Rund um Burnout und Berufs­unfähigkeits­versicherung halten sich vier Irrtümer besonders hartnäckig. Der bekannteste lautet, die WHO habe Burnout 2022 als Krankheit anerkannt. Das ist nicht richtig, ebenso wenig wie die drei anderen Behauptungen in der Übersicht.

IrrtumWas tatsächlich giltBeleg
„Die WHO hat Burnout 2022 als Krankheit anerkannt.“Falsch. Die ICD-11 führt Burnout als berufsbezogenes Phänomen, in Deutschland steht es in der ICD-10-GM unter Z73 und nicht bei den Krankheiten.WHO, BfArM (ICD-10-GM 2026)
„Wer lange krankgeschrieben ist, ist berufsunfähig.“Falsch. Krankenkasse und BU-Versicherer prüfen getrennt, die BU verlangt eine voraussichtlich dauerhafte Einschränkung im Beruf, meist zu mindestens 50 %.GDV-Musterbedingungen BU mit AU-Absicherung
„Bei Burnout zahlt die Berufsgenossenschaft.“Praktisch nie. Burnout ist keine Berufskrankheit, von 2015 bis 2024 wurde unter 690 Anzeigen wegen psychischer Erkrankungen nur eine einzige anerkannt.Deutscher Bundestag, Drucksache 21/6579
„Vereinfachte Gesundheitsfragen sind ein Schlupfloch.“Nein. Sie gelten nur für das, was dort gefragt wird, und müssen genauso wahrheitsgemäß beantwortet werden wie ausführliche Fragen.VVG § 19

Noch keine BU? Vor dem Abschluss klären, zu welchen Bedingungen Sie eine Berufs­unfähigkeits­versicherung bekommen

Unsere Beratung zur Berufs­unfähigkeits­versicherung ist von Finanztip empfohlen. Ob Sie beschwerdefrei sind, erste Anzeichen von Erschöpfung bemerken oder ein Burnout schon hinter sich haben: Nach Ihrer Anfrage meldet sich Ihr Berater persönlich bei Ihnen. Gemeinsam gehen Sie Ihre Gesundheitsangaben vollständig durch, danach fragen wir sie ohne Ihren Namen bei mehreren Versicherern an. Das ist für Sie kostenfrei und unverbindlich.

  • Anonyme Risikovoranfrage über Ihren Berater, bei mehreren Versicherern parallel
  • Sie sehen vorab, ob normale Annahme, Zuschlag, Ausschluss oder Zurückstellung infrage kommt
  • Gesundheitsangaben gemeinsam und wahrheitsgemäß aufbereiten, bevor Sie einen Antrag stellen
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Berater

Wer zahlt bei Burnout? Lohnfortzahlung, Krankengeld, BU und Rente

Bei Burnout zahlt zuerst der Arbeitgeber sechs Wochen lang das volle Gehalt. Danach zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld, und zwar längstens bis Woche 78 nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit (AU). Eine private BU-Rente läuft parallel und nach eigenem Maßstab. Eine Erwerbsminderungs­rente (EM-Rente) gibt es nur, wenn Sie kaum noch irgendeine Tätigkeit ausüben können. Die Regeln stehen im Sozialgesetzbuch (SGB), im Entgeltfortzahlungsgesetz und im Versicherungs­vertrags­gesetz (VVG).

PhaseWer zahltWas giltRechtsgrundlage
Woche 1 bis 6ArbeitgeberVolles Gehalt als EntgeltfortzahlungEntgeltfortzahlungsgesetz § 3
Ab Woche 7Gesetzliche KrankenkasseKrankengeld: 70 % des Bruttos, höchstens 90 % des NettosSGB V § 47
Bis Woche 78Gesetzliche KrankenkasseHöchstdauer ab Beginn der AU wegen derselben Krankheit, die Lohnfortzahlung zählt mit, effektiv also rund 72 Wochen KrankengeldSGB V § 48
ParallelPrivate BUBU-Rente, wenn der eigene Beruf voraussichtlich dauerhaft eingeschränkt ist, meist zu mindestens 50 %VVG § 172
DanachDeutsche Renten­versicherungEM-Rente nur bei weniger als 6 Stunden Arbeitsfähigkeit täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, meist befristetSGB VI § 43
Praktisch nieBerufsgenossenschaftBurnout ist keine BerufskrankheitBerufskrankheiten-Verordnung, Anlage 1

Das Krankengeld hat 2026 eine feste Obergrenze. Die Beitragsbemessungsgrenze der Kranken­versicherung liegt bei 5.812,50 Euro im Monat (Quelle: Sozial­versicherungs-Rechengrößenverordnung 2026). Daraus ergibt sich ein Höchstkrankengeld von rund 135,63 Euro brutto pro Kalendertag (eigene Berechnung nach § 47 SGB V). Davon gehen noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflege­versicherung ab.

Krankengeld, BU und Rente werden getrennt geprüft. Eine lange Krankschreibung bedeutet also nicht automatisch Berufs­unfähigkeit. Selbst die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für BU-Tarife mit Arbeitsunfähigkeitsklausel halten fest, dass beide Leistungen „unabhängig voneinander geprüft und bewilligt“ werden (Quelle: GDV-Musterbedingungen BU mit AU-Absicherung).

Einen gesetzlichen Berufsschutz gibt es für die meisten Erwerbstätigen nicht mehr. Die gesetzliche Rente wegen Berufs­unfähigkeit erhalten nur Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind (Quelle: SGB VI § 240). Für alle Jüngeren zählt bei der Erwerbsminderungs­rente nur, ob sie irgendeine Tätigkeit ausüben können, nicht ihr eigener Beruf.


Die finanzielle Lücke ohne BU

Ohne BU fehlen bei einem langen Burnout in der Krankengeldphase rund 22 Prozent des Nettos. Nach dem Ende des Krankengelds fehlt oft weit mehr als die Hälfte. Das zeigt unser Rechenbeispiel für zwei typische Burnout-nahe Berufe mit mittlerem Bruttogehalt, Steuerklasse I und ohne Kinder. Die Bruttowerte sind die Mediangehälter für Vollzeit, Stichtag 31.12.2025 (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

MonatswerteBürokraftPflegefachkraft
Bruttogehalt (Median, Vollzeit)4.022 €4.587 €
Netto2.617 €2.917 €
Krankengeld netto2.049 €2.284 €
Lücke in der Krankengeldphase−568 €−633 €
Lücke über rund 72 KrankengeldwochenRund −9.540 €Rund −10.630 €
Lücke mit voller EM-Rente (Durchschnitt 1.126 €)−1.491 €−1.791 €
Lücke ohne EM-RenteDas gesamte Netto, bestenfalls zeitlich begrenzt ArbeitslosengeldDas gesamte Netto, bestenfalls zeitlich begrenzt Arbeitslosengeld

Netto, Krankengeld und Lücken sind eigene Berechnungen nach Lohnsteuertarif 2026 und den §§ 47, 48 SGB V. Als Bezugsgröße für die Rente verwenden wir bewusst die durchschnittliche volle Erwerbsminderungs­rente im Rentenzugang 2025, also 1.126 Euro als Zahlbetrag nach Abzug von Kranken- und Pflege­versicherung. Die teilweise EM-Rente lag im Schnitt bei nur 626 Euro (Quelle: Deutsche Renten­versicherung).

Bei Burnout ist selbst diese Rente keineswegs sicher. Die Renten­versicherung prüft, ob Sie irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mindestens sechs Stunden täglich ausüben können. Wer das kann, bekommt keine EM-Rente, auch wenn er in seinem eigenen Beruf nicht mehr arbeiten kann. Dann fehlt Ihr Arbeitseinkommen vollständig, bestenfalls springt zeitlich begrenzt das Arbeitslosengeld ein (Quelle: SGB III § 145). Wie groß Ihre eigene Lücke wäre, hängt von Ihrem Netto und Ihrem Beruf ab.


Zahlt die Berufsgenossenschaft bei Burnout?

Nein, die Berufsgenossenschaft zahlt bei Burnout praktisch nie, weil Burnout keine Berufskrankheit ist. Die Liste der Berufskrankheiten enthält keine einzige psychische Erkrankung. Als sogenannte Wie-Berufskrankheit kann eine nicht gelistete Krankheit nur anerkannt werden, wenn gesicherte medizinische Erkenntnisse eine berufstypische Risikoerhöhung belegen (Quelle: SGB VII § 9).

Die Zahlen der Bundesregierung bestätigen das. Von 2015 bis 2024 gingen 690 Anzeigen auf eine psychische Erkrankung als Berufskrankheit ein, 68 davon mit der Diagnosegruppe, zu der Burnout gehört. Anerkannt wurde in diesen zehn Jahren eine einzige psychische Erkrankung, eine posttraumatische Belastungsstörung (Quelle: Deutscher Bundestag).

Auch die Gerichte sehen das so. Das Bayerische Landessozialgericht entschied am 27.04.2018 (Aktenzeichen L 3 U 233/15), dass Depressionen, das Burnout-Syndrom und die Neurasthenie nicht als Berufskrankheit aufgrund von Stress anzuerkennen sind. Seit Juni 2023 berät ein Sachverständigenbeirat über Depressionen in Berufen mit hoher psychosozialer Belastung. Eine Prognose zur Dauer gibt die Bundesregierung nicht ab.


Selbständige, Privatversicherte und Beamte

  • Hauptberuflich Selbständige bekommen kein Krankengeld, außer sie haben gegenüber ihrer Krankenkasse eine Wahlerklärung abgegeben. Nachrüsten während der Krankheit funktioniert nicht: Geht die Erklärung während einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit ein, wirkt sie erst ab dem Tag nach deren Ende (Quelle: SGB V § 44). Eine Alternative ist der Wahltarif Krankengeld der gesetzlichen Kassen. Die Kassen müssen ihn Selbständigen anbieten, der Beitrag richtet sich nicht nach dem Krankheits­risiko. Die Mindestbindung beträgt drei Jahre (Quelle: SGB V § 53). Für Selbständige mit Burnout-Vorgeschichte ist das wichtig, weil eine private BU eine Gesundheitsprüfung verlangt.
  • Privat Krankenversicherte erhalten bei Arbeitsunfähigkeit ein privates Krankentagegeld. Nach den Musterbedingungen des Verbands der Privaten Kranken­versicherung endet dieser Vertrag mit Eintritt der Berufs­unfähigkeit, bei laufender Arbeitsunfähigkeit spätestens drei Monate danach (Quelle: PKV-Verband). Ob Sie berufsunfähig sind, richtet sich dabei nach dem medizinischen Befund, nicht nach der Entscheidung Ihres BU-Versicherers. Erkennt der BU-Versicherer zu diesem Zeitpunkt noch nicht an, entsteht eine Lücke. Wer gar keine BU hat, steht dann ohne Arbeitseinkommen da.
  • Beamte erhalten bei Krankheit ihre Bezüge weiter. Dienstunfähig kann bereits sein, wer innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat und keine Aussicht auf baldige Genesung besteht (Quelle: Beamtenstatusgesetz § 26). Eine BU ohne Dienstunfähigkeits­klausel greift in diesem Fall nicht automatisch.
  • Für Lehrkräfte ist das Thema besonders relevant. In Hessen gingen von 2015 bis November 2021 bei 67 Prozent der wegen Dienstunfähigkeit pensionierten verbeamteten Lehrkräfte psychische und Verhaltensstörungen als Hauptgrund voraus (Quelle: Hessischer Landtag). Wer verbeamtet ist, sollte deshalb auf eine Dienstunfähigkeits­versicherung achten.

Experten-Tipp:
Erst das Krankengeld ausschöpfen, dann die BU beantragen? Bei Burnout ein teurer Umweg

„Viele warten mit dem BU-Antrag, solange Krankengeld fließt. Bei psychischen Erkrankungen vergehen aber von der ersten Meldung bis zur Entscheidung im Schnitt rund neun Monate. Ich habe erlebt, dass ein Versicherer über die AU-Klausel fünfstellig nachzahlte, obwohl der Antrag erst etwa ein Jahr nach Ende der Krankschreibung kam. Darauf wetten würde ich nie. Melden Sie früh und stimmen Sie den genauen Zeitpunkt mit uns ab, besonders bei privatem Krankentagegeld.“

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Berater

Leistungsfall bei Burnout: So beantragen Sie die BU-Rente

Wer wegen Burnout krankgeschrieben ist und eine BU hat, sollte den Leistungsantrag früh stellen. Bei psychischen Erkrankungen dauerte es 2024 von der ersten Meldung des Leistungsfalls bis zur Anerkennung im Schnitt 286 Tage, bis zur Ablehnung 278 Tage. Das sind die längsten Prüfzeiten aller Ursachen (Quelle: Franke und Bornberg). Rund neun Monate vergehen also, während das Krankengeld bereits läuft.

Wann die Entscheidung fällt, hängt deshalb stark davon ab, wann Sie melden. Das Krankengeld endet spätestens in Woche 78 nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit, also rund 18 Monate nach der ersten Krankschreibung (Quelle: SGB V § 48). Legen Sie die durchschnittliche Prüfdauer von 286 Tagen daneben, ergibt sich für gesetzlich versicherte Angestellte folgendes Bild:

Leistungsfall gemeldet inEntscheidung im Schnitt umKrankengeld (endet um Monat 18)
Monat 3 der KrankschreibungMonat 12 bis 13Läuft noch rund fünf bis sechs Monate
Monat 9 der KrankschreibungMonat 18 bis 19Endet etwa zur selben Zeit
Monat 12 der KrankschreibungMonat 21 bis 22Seit drei bis vier Monaten ausgelaufen

Wer erst nach einem Jahr Krankschreibung meldet, wartet im Schnitt drei bis vier Monate nach dem Ende des Krankengelds auf die Entscheidung. Erkennt der Versicherer an, zahlt er in vielen Verträgen rückwirkend, die Monate bis dahin müssen Sie aber selbst überbrücken.

Die Tabelle ist eine eigene Berechnung auf Basis der Durchschnittswerte von Franke und Bornberg. Sie setzt die Dauer wie die Studie ab der ersten Meldung des Leistungsfalls an. Darin stecken auch rund 44 Tage, die Kunden im Schnitt für Fragebogen und Unterlagen brauchen. Im Einzelfall weicht die Dauer stark ab, dazu mehr im Abschnitt zu Gutachten und Prüfdauer.

Über den Antrag entscheiden vor allem drei Dinge: eine fachärztliche Diagnose, eine genaue Tätigkeitsbeschreibung und vollständige Unterlagen. Weil Burnout selbst keine Krankheit ist, braucht der Versicherer eine psychische Krankheits­diagnose, zum Beispiel eine Depression oder Anpassungsstörung. Ein Hausarzt-Attest mit „Erschöpfung“ reicht dafür in der Regel nicht, das zeigt unsere Erfahrung aus begleiteten Leistungsfällen.


Erst die eigenen Bedingungen prüfen

Bevor Sie den Antrag stellen, lohnt ein genauer Blick in Ihre Versicherungs­bedingungen. Diese Fragen sollten Sie vorab klären:

  • Gibt es eine Meldefrist, nach der eine verspätete Meldung Geld kostet?
  • Leistet der Vertrag nach sechs Monaten rückwirkend „von Beginn an“?
  • Enthält er eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel), die schon bei längerer Krankschreibung zahlt?
  • Verzichtet er auf die abstrakte Verweisung, also auf den Verweis auf einen anderen Beruf, den Sie ausüben könnten, aber nicht ausüben?
  • Wurde beim Abschluss ein Ausschluss für psychische Erkrankungen vereinbart?

Die Meldefrist wird oft unterschätzt. Enthält Ihr Vertrag eine, zahlt der Versicherer bei verspäteter Meldung erst ab dem Monat der Meldung. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hält solche Klauseln für wirksam. Ein pauschaler Hinweis auf die psychische Erkrankung entschuldigt die Verspätung nicht, Sie müssen konkret begründen, warum Sie nicht melden konnten (Quelle: OLG Hamm).


Diese Unterlagen braucht der Versicherer

Welche Unterlagen der Versicherer verlangen darf, steht in den Bedingungen. Die GDV-Musterbedingungen nennen ärztliche Berichte, eine Berufsbeschreibung, Einkommensangaben und eine Liste aller Behandler, Arbeitgeber und Sozialleistungsträger (Quelle: GDV-Musterbedingungen BU).

UnterlageWorauf es bei Burnout ankommt
Fachärztliche BerichteDiagnose, Beginn, Verlauf, voraussichtliche Dauer und Grad der Berufs­unfähigkeit
TätigkeitsbeschreibungDer Beruf in gesunden Tagen mit Teiltätigkeiten und Stunden, dazu was heute nicht mehr geht
EinkommensnachweiseGehaltsabrechnungen, bei Selbständigen die Steuerbescheide
Liste der BehandlerAlle Ärzte, Psychotherapeuten, Kliniken und Reha-Einrichtungen
Angaben zu SozialleistungenKrankengeld, Reha-Antrag, Rentenantrag und andere Versicherer
Schweige­pflichtentbindungAuf Wunsch nur für jede einzelne Anfrage statt pauschal

Bei Therapieberichten ist der Datenschutz besonders wichtig. Sie dürfen verlangen, dass der Versicherer Sie vor jeder einzelnen Anfrage bei Ärzten, Kliniken oder Krankenkassen um Einwilligung bittet (Quelle: VVG § 213). So behalten Sie den Überblick, welche Berichte der Versicherer erhält.

Unser Rat: Reichen Sie nur die Dokumente ein, die der Versicherer tatsächlich anfordert, und lassen Sie alles vor dem Versand prüfen. Zusätzliche Befunde können neue Fragen aufwerfen, ohne Ihren Antrag zu stärken.


Die Tätigkeitsbeschreibung entscheidet

Der Gutachter misst den BU-Grad an Ihrer Tätigkeitsbeschreibung. Beschreiben Sie deshalb einen typischen Arbeitstag vor der Erkrankung mit allen Teiltätigkeiten und Stunden. Stellen Sie daneben, was heute nicht mehr geht. Die maßgebliche Fachleitlinie für Gutachter verlangt, den BU-Grad für jede einzelne Teiltätigkeit anzugeben (Quelle: Arbeits­gemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)).

Bei Burnout zählen dabei nicht nur Stunden. Konzentration, Zeitdruck, Kundenkontakt, Führungsaufgaben und Beziehungsarbeit gehören ausdrücklich in die Beschreibung. Gerade in sozialen und pflegenden Berufen machen sie oft den Kern der Arbeit aus.

Wie eine solche Beschreibung aussehen kann, zeigt ein konstruiertes Beispiel zur Veranschaulichung: ein Sachbearbeiter im Kundenservice mit 40 Wochenstunden.

Teiltätigkeit in gesunden TagenStunden pro WocheWas heute noch geht
Kundentelefonate mit Beschwerden unter Zeitvorgabe16Nicht möglich, Gespräche im Takt überfordern Konzentration und Belastbarkeit
Bearbeitung schriftlicher Anfragen und Reklamationen10Nur kurz und mit Pausen, mit deutlich mehr Fehlern
Abstimmung mit Fachabteilungen und Teambesprechungen6Eingeschränkt, keine Termine unter Zeitdruck
Einarbeitung neuer Kollegen4Nicht möglich
Dokumentation und Ablage4Möglich, in ruhiger Umgebung

Im Beispiel machen Telefonate unter Zeitdruck und Konzentrationsarbeit mehr als die Hälfte der Arbeitszeit aus. Fallen gerade diese Teiltätigkeiten weg, ist ein großer Teil des Berufs betroffen. Einen BU-Grad errechnet die Tabelle bewusst nicht, den ermittelt der Gutachter.

Haben Sie wegen der Erschöpfung schon Stunden reduziert oder Aufgaben abgegeben, schadet das in der Regel nicht. Maßgeblich bleibt die Tätigkeit in gesunden Tagen, auch wenn Sie zuletzt nur noch leidensbedingt eingeschränkt gearbeitet haben (Quelle: Bundesgerichtshof (BGH)). Die Tätigkeitsbeschreibung muss diesen früheren Zustand abbilden.


Gutachten, Prüfdauer und Beiträge

Der Versicherer darf auf eigene Kosten Untersuchungen durch Ärzte verlangen, die er selbst beauftragt. Bei psychischen Diagnosen ist das in unserer Beratungspraxis meist ein psychiatrisches Gutachten. Nach den GDV-Musterbedingungen zahlen Sie die Beiträge bis zur Entscheidung voll weiter. Erkennt der Versicherer an, erstattet er sie zurück. Wie lange es bis zum ersten Geld dauert, ist sehr unterschiedlich.


Rückwirkende Leistung über die AU-Klausel

Eine AU-Klausel zahlt die BU-Rente schon dann, wenn Sie eine vereinbarte Zeit ununterbrochen krankgeschrieben sind, nach unserer Erfahrung meist sechs Monate. Bei Burnout überbrückt sie die lange Prüfphase. Nach den GDV-Musterbedingungen setzt die AU-Leistung voraus, dass Sie auch BU-Leistungen beantragen, und beide Leistungen werden nicht gleichzeitig gezahlt (Quelle: GDV-Musterbedingungen BU mit AU-Absicherung).

Zwei Haken sollten Sie kennen. Ein Ausschluss für psychische Erkrankungen gilt in vielen Tarifen, die wir prüfen, auch für die AU-Leistung. Außerdem verlangen manche Tarife, dass mindestens eine Krankschreibung von einem Facharzt stammt. Eine reine Hausarzt-Krankschreibung wegen Erschöpfung reicht dann nicht.


Wenn es Ihnen besser geht: Befristung und Nachprüfung

Bei unsicherer Prognose darf der Versicherer seine Leistungspflicht nur einmal zeitlich begrenzt anerkennen. Bis zum Ablauf der Frist ist er an dieses Anerkenntnis gebunden (Quelle: VVG § 173). Bei Burnout und Depression liegt eine Befristung nahe, weil sich der Verlauf schwer vorhersagen lässt. Der BGH verlangt für jede Befristung einen sachlichen Grund und eine Begründung gegenüber dem Versicherten (Quelle: BGH). Fehlt beides, ist die Befristung angreifbar.

Läuft die Rente, darf der Versicherer prüfen, ob die Berufs­unfähigkeit fortbesteht. Einstellen darf er die Zahlung nur mit einer begründeten Mitteilung in Textform. Wirksam wird sie frühestens drei Monate nach Zugang (Quelle: VVG § 174). Eine Besserung oder einen neuen Job müssen Sie dem Versicherer selbst mitteilen.

Für eine Einstellung muss der Versicherer konkret darlegen, was sich gebessert hat. Das OLG München verlangt, dass er „konkret, im Einzelnen und tätigkeitsbezogen“ den früheren und den heutigen Zustand gegenüberstellt (Quelle: OLG München). Die bloße Möglichkeit eines Rückfalls hindert die Einstellung allerdings nicht.


Was passiert, wenn der Versicherer nicht zahlen will?

Ablehnungen sind bei psychischen Erkrankungen häufiger als bei anderen Ursachen. 2024 wurden nur rund 75 Prozent der psychisch bedingten BU-Anträge anerkannt, über alle Ursachen waren es nahezu 80 Prozent und bei Krebs rund 95 Prozent (Quelle: Franke und Bornberg).

Wir stehen in diesem Fall auf Ihrer Seite. Wir prüfen die Ablehnung, fordern die Begründung an und setzen Ihren Anspruch gegenüber dem Versicherer durch. Die häufigsten Streitpunkte kennen wir aus der Praxis: angeblich verschwiegene Gesundheitsangaben, ein nicht erreichter BU-Grad von 50 Prozent und Streit um die Krankheits­diagnose selbst.

Wichtig sind auch die Fristen. Ansprüche verjähren nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) regelmäßig nach drei Jahren (Quelle: BGB § 195). Die Verjährung ist nach § 15 VVG gehemmt, solange der Versicherer über Ihren angemeldeten Anspruch noch nicht in Textform entschieden hat.

Vor einer Klage bietet sich der Versicherungs­ombudsmann an. Die Beschwerde ist für Sie kostenlos. Bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro kann die Ombudsfrau den Versicherer zur Leistung ver­pflichten, darüber spricht sie Empfehlungen aus (Quelle: Versicherungs­ombudsmann). Bei BU-Renten ist diese Grenze schnell überschritten.

Leistungsfall bei Burnout: Ihre Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht allein durchsetzen

Bei psychischen Erkrankungen dauert die Prüfung oft viele Monate, und jedes Detail im Antrag zählt. Unsere BU-Experten stehen auf Ihrer Seite: beim Leistungsantrag, im Schriftwechsel mit dem Versicherer und wenn er ablehnt, befristet oder nachprüft.

  • Prüfung Ihrer Bedingungen auf Meldefrist, Verweisung, Arbeitsunfähigkeits- und Dienstunfähigkeits­klausel
  • Hilfe bei Tätigkeitsbeschreibung und vollständigen Unterlagen
  • Begleitung bei Ablehnung, Befristung oder Nachprüfung
  • Unsere BU-Beratung ist von Finanztip empfohlen
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Berater

Gesundheitsfragen nach einem Burnout: Was Sie angeben müssen

Sie müssen alles angeben, wonach der Versicherer in Textform fragt, und zwar im gefragten Zeitraum und soweit Sie es kennen (Quelle: VVG § 19). Ein Burnout außerhalb des Abfragezeitraums müssen Sie nicht nennen. Innerhalb des Zeitraums zählen auch Arztbesuche wegen Erschöpfung, Schlafstörungen oder einer Krankschreibung wegen Stress.

Wie weit die Fragen zurückreichen

Wie weit die Gesundheitsfragen zurückgehen, legt jeder Versicherer selbst fest. In den Anträgen, die wir mit Kunden durchgehen, sind für psychische Behandlungen drei, fünf oder zehn Jahre üblich, ambulant oft fünf und stationär oft zehn Jahre. Eine psychosomatische Reha ist meist stationär und bleibt damit länger sichtbar. Kürzere Fristen gelten als Qualitätsmerkmal. Die Stiftung Warentest bewertet es in ihrem BU-Test 2026 positiv, wenn sich die Fragen zu ambulanten psychotherapeutischen und psychologischen Behandlungen nur auf fünf Jahre beziehen (Quelle: Stiftung Warentest).

Der Markt bewegt sich in diese Richtung. Laut Franke und Bornberg verkürzen immer mehr Versicherer die Abfragezeiträume in der Risikoprüfung (Quelle: Franke und Bornberg). Das Analysehaus sieht darin allerdings vor allem ein Kalkulationsrisiko für die Versicherer. Für Sie heißt das trotzdem: Bei solchen Tarifen wird eine länger zurückliegende Behandlung gar nicht mehr abgefragt.

Achten Sie auf den genauen Wortlaut. Viele Fragen erfassen nicht nur Behandlungen, sondern auch Beratungen bei Psychologen. In einem vom Bundesgerichtshof (BGH) entschiedenen Fall lautete die Frage, ob der Antragsteller „von Ärzten, Heilpraktikern oder Psychologen untersucht, beraten oder behandelt“ worden sei (Quelle: BGH). Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite zu den Gesundheitsfragen der Berufs­unfähigkeits­versicherung.


Müssen Sie vorher Ihre Krankenakte anfordern?

Nein, verpflichtet sind Sie dazu nicht. Die Unterlagen helfen aber, Diagnosen zeitlich einzuordnen. Ärzte rechnen häufig Codes wie Z73, F43.2 oder F32 ab, ohne dass Patienten davon wissen. Im Leistungsfall sieht der Versicherer genau diese Codes.

Was die häufigsten Codes bedeuten, zeigt die Übersicht. Die Bezeichnungen stammen aus der amtlichen Klassifikation, die Burnout ausdrücklich von der Neurasthenie abgrenzt (Quelle: BfArM).

CodeBedeutungKrankheit im Sinne der BU?Wirkung in den Gesundheitsfragen
Z73Ausgebranntsein (Burn-out), ein Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusstNein, allein trägt er keinen LeistungsantragZählt trotzdem, wenn Arztbesuch oder Krankschreibung in den Abfragezeitraum fallen
F43.2AnpassungsstörungJa, psychische Krankheit aus Kapitel FHäufig Zuschlag, Ausschluss Psyche oder Zurückstellung, je nach Abstand und Verlauf
F32Depressive EpisodeJa, psychische Krankheit aus Kapitel FWiegt schwerer als Z73, besonders bei wiederkehrendem Verlauf
F41AngststörungJa, psychische Krankheit aus Kapitel FAbhängig von Schwere, Behandlungsart und Abstand
F48.0Neurasthenie, umfasst auch das Ermüdungssyndrom, das Burn-out-Syndrom ist ausgenommenJa, psychische Krankheit aus Kapitel FWird wie andere psychische Diagnosen bewertet

Derselbe Code, der beim Abschluss abgefragt wird, trägt später auch den Leistungsantrag. Die Spalte zur Wirkung in den Gesundheitsfragen beschreibt typische Tendenzen aus unserer Beratungspraxis, jeder Versicherer bewertet anders. Als Patient haben Sie ein Recht auf Einsicht in Ihre Behandlungsakte. Die erste Abschrift erhalten Sie kostenlos (Quelle: BGB § 630g). Mit der Akte sehen Sie, welche Diagnosen tatsächlich dokumentiert sind, bevor Sie die Gesundheitsfragen beantworten.

Wer früher in Therapie war, findet weitere Hinweise auf unserer Seite zur Berufs­unfähigkeits­versicherung trotz Psychotherapie. Dort geht es um die Einordnung von Therapiestunden in den Gesundheitsfragen.


Verschleppte Beschwerden und laufende Abklärung

Das am meisten unterschätzte Risiko sind Beschwerden, mit denen Sie nie beim Arzt waren. Wer Erschöpfung monatelang aussitzt und später beim Arzt sagt, sie bestehe schon länger, hat die Gesundheitsfrage unter Umständen falsch beantwortet. Das gilt, wenn dieser Zeitraum in die Antragstellung fiel.

Auch eine laufende Abklärung gehört in den Antrag, wenn der Versicherer nach Untersuchungen oder Beschwerden fragt. Wer eine solche Frage verneint, obwohl er auf ausstehende Untersuchungsergebnisse wartet, antwortet falsch. Geschieht das bewusst, um den Vertrag zu bekommen, ist das eine arglistige Täuschung, und der Versicherer kann den Vertrag anfechten (Quelle: BGB § 123). Das gilt für jeden Vertrag mit Gesundheitsprüfung. Unsere Leitregel lautet deswegen: „Im Antrag nicht verharmlosen, im Leistungsfall nicht dramatisieren.“ Wer beides beherzigt, vermeidet die meisten Konflikte, bevor sie entstehen.

Experten-Tipp:
Wer mit Erschöpfung nicht zum Arzt geht, gefährdet seinen BU-Antrag

„Der Gedanke liegt nahe: Was keine Diagnose hat, muss nicht in den Antrag. Bei Erschöpfung ist genau das riskant. Verschleppte Beschwerden tauchen später in der Akte auf, oft mit dem Vermerk ‚besteht schon länger‘. Wer eine laufende Abklärung verschweigt, riskiert sogar die Anfechtung. Mein Rat: Läuft eine Abklärung, warten Sie den Befund ab. Danach zeigt eine anonyme Risikovoranfrage, welcher Versicherer Sie zu welchen Bedingungen nimmt.“

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Berater

Was bei falschen Angaben passiert

Was eine falsche Angabe kostet, hängt vom Grad des Verschuldens ab. § 19 VVG stuft die Folgen ab, die Anfechtung wegen Arglist regelt ein eigener Paragraph (Quelle: VVG § 22).

VerschuldenMögliche Folge
ArglistAnfechtung des Vertrags, kein Schutz
VorsatzRücktritt vom Vertrag
Grobe FahrlässigkeitRücktritt oder, wenn der Versicherer Sie zu anderen Bedingungen versichert hätte, rückwirkende Vertragsanpassung, etwa ein Ausschluss für psychische Erkrankungen
Einfache FahrlässigkeitKündigung mit Monatsfrist oder Vertragsanpassung
Kein VerschuldenKündigung mit Monatsfrist oder, wenn der Versicherer Sie zu anderen Bedingungen versichert hätte, Vertragsanpassung ab der laufenden Versicherungsperiode. Gut bewertete Tarife verzichten auf beides

Diese Rechte hat der Versicherer nicht unbegrenzt. Sie erlöschen fünf Jahre nach Vertragsschluss, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren. Das gilt nicht, wenn der Versicherungsfall vorher eingetreten ist (Quelle: VVG § 21). Nach unserer Beobachtung löst ein BU-Antrag in den ersten Vertragsjahren deshalb fast immer eine Prüfung Ihrer damaligen Angaben aus.

Für Burnout-Betroffene ist die rückwirkende Anpassung besonders bitter. Wird nachträglich ein Ausschluss Psyche eingefügt, gilt er auch für den laufenden Leistungsfall. Ist dieser psychisch bedingt, zahlt der Vertrag dann nichts. Laut Marktblick 2026 von Morgen und Morgen ging rund jede zwölfte Ablehnung (8,46 Prozent) auf eine verletzte Anzeigepflicht zurück, also auf falsch oder unvollständig beantwortete Gesundheitsfragen (Quelle: Morgen und Morgen).

Viele dieser Folgen entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus einer ungenau beantworteten Frage. Wer seine Gesundheitsangaben vor dem Antrag mit einem Experten durchgeht, erkennt Lücken und Widersprüche rechtzeitig. Genau das tun wir in der Beratung, gemeinsam mit Ihnen und vor der Unterschrift.

Können Sie trotz Burnout eine BU abschließen? Ausschluss, Zuschlag oder Zurückstellung

Ja, nach einem Burnout können Sie eine BU-Versicherung oft noch abschließen. Das Ergebnis hängt vom Versicherer ab: normale Annahme, Zuschlag, Ausschluss psychischer Erkrankungen, Zurückstellung oder Ablehnung. Patrick Knittel beobachtet, dass psychische Vor­erkrankungen bei uns meist mit einem Ausschluss für die Psyche enden und seltener mit einer Ablehnung.

BU-Versicherung nach Burnout: die möglichen Ergebnisse der Risikoprüfung

Nach der Risikoprüfung kommt einer von fünf Bescheiden. Was er für Sie bedeutet, zeigt die Übersicht.

ErgebnisWas es bedeutetFür Burnout-Betroffene
Normale AnnahmeVoller Schutz zum normalen BeitragRealistisch, wenn die Behandlung außerhalb des Abfragezeitraums liegt oder lange abgeschlossen ist
RisikozuschlagHöherer Beitrag, voller Schutz auch für die PsycheMeist die bessere Lösung, wenn Sie die Wahl haben
Ausschluss PsycheNormaler Beitrag, keine Leistung bei psychisch bedingter Berufs­unfähigkeitSchließt genau das größte Risiko aus
ZurückstellungKeine Entscheidung, neue Prüfung zu einem späteren TerminTypisch bei laufender oder gerade beendeter Therapie, bis dahin kein Schutz
AblehnungKein VertragBei anderen Versicherern oft ein anderes Ergebnis

Wie weit ein Ausschluss Psyche reicht

Ein Ausschluss wirkt so, als wäre die ausgeschlossene Erkrankung gar nicht vorhanden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat eine solche Klausel bestätigt: Bei der Bestimmung des BU-Grades bleibt die ausgeschlossene Erkrankung vollständig außer Betracht (Quelle: BGH). Der Fall betraf ein Auge, der Grundsatz gilt für jeden individuellen Ausschluss.

Für Burnout heißt das: Bei einem Ausschluss Psyche zählen nur körperliche Beschwerden, etwa Rückenschmerzen oder Tinnitus. Sie müssen allein den vereinbarten BU-Grad erreichen. Steht im Ausschluss „psychosomatisch“ oder „einschließlich Folgen“, fallen nach unserer Erfahrung mit solchen Klauseln auch körperliche Folgebeschwerden weg. Achten Sie deshalb auf eine möglichst eng formulierte Klausel.

Ein Ausschluss muss nicht für immer gelten. Manche Versicherer bieten eine Überprüfungsoption an. Die Alte Leipziger etwa nennt auf ihrer Seite zu psychischen Vor­erkrankungen eine Prüfung nach zwölf bis 36 Monaten, ob die Ausschlussklausel entfallen kann. Einen Anspruch darauf haben Sie nur, wenn die Option im Vertrag steht.


Was Ihre Chancen verbessert

Wie ein Versicherer eine Burnout-Vorgeschichte bewertet, hängt von mehreren Faktoren ab. Diese verbessern Ihre Chancen nach unseren Erfahrungen aus Risikovoranfragen spürbar:

  • Ein großer zeitlicher Abstand zur letzten Behandlung
  • Eine abgeschlossene Behandlung und Beschwerdefreiheit seit längerer Zeit
  • Eine einmalige Episode statt wiederkehrender Beschwerden
  • Ambulante statt stationärer Behandlung
  • Ein fachärztliches Attest über den Abschluss und gegebenenfalls der Reha-Entlassungsbericht

Dieselbe Vorgeschichte kann je nach Versicherer ganz unterschiedlich ausgehen. Ein Rück­versicherer, die Deutsche Rück­versicherung, nimmt nach eigenem Handbuch eine einmalige Anpassungsstörung, die mehr als drei Jahre zurückliegt und keine Beschwerden mehr macht, normal an. Eine vergleichbare depressive Episode erhält dort einen Ausschluss statt einer Ablehnung (Quelle: Deutsche Rück­versicherung).


Zuschlag, Ausschluss oder warten? So gehen Sie nach einem Burnout vor

Ihr nächster Schritt hängt vor allem davon ab, ob die Behandlung abgeschlossen ist und wie lange sie zurückliegt. Diese vier Fragen führen Sie der Reihe nach zum passenden Vorgehen:

  • Läuft Ihre Behandlung noch? Wenn ja, warten Sie den Abschluss ab. Während einer laufenden Therapie stellen Versicherer erfahrungsgemäß meist zurück oder lehnen ab. Wenn nein, weiter mit Frage 2.
  • Liegt Ihre letzte Behandlung außerhalb der Abfragezeiträume, die uns in Anträgen meist begegnen, also drei, fünf oder zehn Jahre? Wenn ja, ist eine normale Annahme realistisch. Fragen Sie trotzdem anonym an, weil jeder Versicherer andere Zeiträume abfragt. Wenn nein, weiter mit Frage 3.
  • Bietet Ihnen ein Versicherer nur einen Ausschluss Psyche an? Dann prüfen Sie, wie eng der Ausschluss formuliert ist und ob er eine Überprüfungsoption enthält. Fragen Sie außerdem bei weiteren Versicherern an, ob einer Sie mit Zuschlag statt Ausschluss annimmt. Nach einem Burnout ist der Zuschlag meist das kleinere Übel, wie das Rechenbeispiel im Abschnitt „Zuschlag oder Ausschluss: Was am Ende teurer ist“ zeigt.
  • Lehnen alle angefragten Versicherer ab? Dann überbrücken Sie mit einem Krankentagegeld, als Selbständiger auch mit dem Wahltarif Krankengeld Ihrer Krankenkasse. Einen neuen Anlauf nehmen Sie, sobald frühere Behandlungen aus den Abfragezeiträumen fallen.

An jeder dieser Stellen gilt dieselbe Regel: Den eigentlichen Antrag stellen Sie erst, wenn Sie das Ergebnis kennen. Die Antworten mehrerer Versicherer liefert vorab eine anonyme Risikovoranfrage.


Warum Sie Ihren BU-Antrag nicht selbst stellen sollten

Wer direkt beim Versicherer einen Antrag stellt, legt seine Gesundheitsdaten unter eigenem Namen offen. Stellt der Versicherer ein erhöhtes Risiko fest, kann er die Person im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer vermerken, ohne Diagnose. Eine solche Meldung führt laut GDV allein nicht zur Ablehnung, der nächste Versicherer prüft aber genauer (Quelle: GDV).

Dazu kommt: Viele Anträge, die wir kennen, fragen, ob Sie schon einmal abgelehnt, zurückgestellt oder erschwert angenommen wurden. Der Antrag ohne vorherige Voranfrage ist einer der häufigsten Fehler, der neben der Vorerkrankung selbst zu Ablehnungen führt.

Eine anonyme Risikovoranfrage vermeidet das. Ihr Versicherungsexperte schickt Ihre Gesundheitsangaben ohne Namen an mehrere Versicherer. Ohne Personendaten kann nach unserer Beratungserfahrung kein Versicherer Sie im HIS vermerken. Sie erfahren vorab, wer Sie zu welchen Bedingungen annehmen würde. Ein AI-Auskunftstool kann eine solche Voranfrage nicht stellen. Und nach einer Absage fragen wir weitere Versicherer an, statt aufzugeben.

Erst anonym anfragen, dann die Berufs­unfähigkeits­versicherung beantragen

Finanztip empfiehlt unsere Beratung zur Berufs­unfähigkeits­versicherung. Nach Ihrer Anfrage melden wir uns persönlich bei Ihnen und bereiten Ihre Gesundheitsangaben gemeinsam auf. Danach fragen wir mehrere Versicherer parallel an, ohne Ihren Namen weiterzugeben und bevor Sie etwas unterschreiben.

  • Sie sehen vorab, wer Sie zu welchen Bedingungen annehmen würde
  • Hilfe bei den Gesundheitsfragen und den Abfragezeiträumen jedes Versicherers
  • Zuschlag oder Ausschluss Psyche: Wir vergleichen beide Varianten mit Ihnen
  • Haftung für unsere Beratung nach § 63 VVG
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Was kostet eine BU bei Burnout-Risiko oder nach einem Burnout?

Der Beitrag hängt vor allem vom Beruf ab. Eine Burnout-Vorgeschichte wirkt sich erst über einen möglichen Zuschlag aus. Das zeigt ein Beispiel bei gleichem Tarif, 30 Jahren, 1.500 Euro Rente und Endalter 67. Ein Kaufmann zahlt bei der Allianz im Tarif BU Komfort 72,37 Euro im Monat, ein Erzieher 139,12 Euro (nach Angaben des Anbieters, Stand 22.06.2026).

Gerade Burnout-nahe Berufe kosten mehr. Die Stiftung Warentest ordnet Erzieher, Lehrer und Pflegefachkräfte in eine erhöhte Risikogruppe ein, Büroangestellte in eine normale (Quelle: Stiftung Warentest). Der Grund ist das allgemeine Berufsrisiko, nicht speziell das Burnout-Risiko. Weitere Beispiele finden Sie auf unserer Seite zu den Kosten der Berufs­unfähigkeits­versicherung.


Zuschlag oder Ausschluss: Was am Ende teurer ist

Eine öffentliche Tabelle mit typischen Zuschlägen bei psychischer Vorgeschichte gibt es nicht. Kein Versicherer und kein Ratinghaus veröffentlicht solche Werte. Unser Rechenbeispiel arbeitet deshalb mit angenommenen Zuschlägen von zehn, 25 und 50 Prozent. Das sind Rechenwerte, keine Marktwerte.

Beruf (30 Jahre, 1.500 € Rente, bis 67)GrundbeitragMit 10 % ZuschlagMit 25 % ZuschlagMit 50 % Zuschlag
Kaufmann72,37 €79,61 € (+3.213 € gesamt)90,46 € (+8.033 € gesamt)108,56 € (+16.066 € gesamt)
Erzieher139,12 €153,03 € (+6.177 € gesamt)173,90 € (+15.442 € gesamt)208,68 € (+30.885 € gesamt)

Die Mehrkosten sind über 37 Jahre gerechnet, ohne Dynamik (planmäßige jährliche Erhöhung) und ohne Änderungen der Überschussbeteiligung. Selbst ein hoher Zuschlag von 50 Prozent kostet den Kaufmann über die gesamte Laufzeit rund 16.000 Euro mehr (eigene Berechnung auf Basis der Allianz-Beiträge).

Ein Ausschluss kann im Ernstfall weit mehr kosten. Werden Sie mit 45 Jahren psychisch bedingt berufsunfähig, entgehen Ihnen bei 1.500 Euro Rente bis 67 rund 396.000 Euro Leistung (eigene Berechnung). Psychische Erkrankungen sind laut Morgen und Morgen mit 32,34 Prozent die häufigste BU-Ursache (Quelle: Morgen und Morgen). Für Burnout-Betroffene ist der Zuschlag deshalb meist das kleinere Übel.

Ein Zuschlag muss nicht für immer bleiben. Fallen die Umstände weg, für die er vereinbart wurde, können Sie eine angemessene Herabsetzung verlangen (Quelle: VVG § 41). Bei psychischen Erkrankungen ist das nach unseren Erfahrungen schwer durchzusetzen, weil Versicherer das Rückfallrisiko hoch gewichten. Auch ein Ausschluss lässt sich mit neuen Nachweisen manchmal nachverhandeln.

Experten-Tipp:
Der Ausschluss Psyche ist nach einem Burnout die teuerste günstige Lösung

„Psychische Vor­erkrankungen enden bei uns meist mit einem Ausschluss Psyche, nicht mit Ablehnung. Das wirkt günstig, der Beitrag bleibt ja normal. Nach einem Burnout streicht der Ausschluss aber genau das Risiko, das für Sie am größten ist. Nehmen Sie ihn deshalb nicht einfach hin.“

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Wo Sie bei Burnout-Risiko nicht sparen sollten

Manche Spartipps passen für Menschen mit Burnout-Risiko schlecht. Burnout-Krankschreibungen sind laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) bei 60- bis 64-Jährigen am häufigsten (Quelle: WIdO). Wer das Endalter senkt, spart Beitrag, verliert aber genau diese Jahre.

Diese Punkte sollten Sie deshalb nicht wegsparen:

  • Ein Endalter von 67 Jahren statt 65 oder darunter
  • Eine Arbeitsunfähigkeitsklausel, weil sie die lange Prüfphase bei psychischen Erkrankungen überbrückt
  • Den Verzicht auf eine Karenzzeit, also eine Wartezeit bis zur ersten Zahlung, denn sie gilt oft auch für die Leistung bei Arbeitsunfähigkeit
  • Eine Nach­versicherungsgarantie, mit der Sie die Rente später ohne neue Gesundheitsfragen erhöhen, geprüft werden nur Anlass und Einkommen

Früh abschließen lohnt sich mehr als Warten. Der Alterseffekt ist vergleichsweise klein: Bei der Allianz kostet derselbe Schutz mit 40 Jahren rund 15 Prozent mehr als mit 30 Jahren (nach Angaben des Anbieters, Stand 22.06.2026). Teuer wird es also nicht mit jedem Geburtstag, sondern mit jeder neuen Behandlung in der Akte. Wer heute beschwerdefrei ist, hat die meisten Optionen. Ein persönliches Angebot zeigt Ihnen, was dieser Schutz für Sie heute kostet.


Abschluss ab 50: Was sich ändert

Ein Neuabschluss ab 50 wird deutlich schwieriger. Je nach Tarif endet die Annahme bei einem Eintrittsalter zwischen 54 und 60 Jahren, so etwa nach Angaben der Anbieter bei der Allianz und der Alten Leipziger. Die Alte Leipziger verlangt nach eigenen Angaben ab 51 Jahren schon ab 12.001 Euro Jahresrente einen Arztbericht.

Bis zum Endalter 67 bleiben bei einem Abschluss mit 50 höchstens 17 Jahre Laufzeit, der Beitrag fällt entsprechend hoch aus. Mit Burnout-Vorgeschichte kommen Zuschlag oder Ausschluss hinzu. Ob sich der Abschluss dann noch rechnet, zeigt in unseren Beratungen erst ein Vergleich mit Alternativen wie einem Krankentagegeld.

Welche Berufs­unfähigkeits­versicherung zahlt bei Burnout? Diese Klauseln entscheiden

Keine BU-Versicherung zahlt „wegen Burnout“, jede BU zahlt bei einer psychischen Erkrankung, sofern kein Ausschluss vereinbart ist. Ob Sie im Ernstfall schnell und vollständig Geld bekommen, entscheiden aber die Klauseln. Bei Burnout sind vor allem Verweisung, rückwirkende Leistung, Meldefrist und Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) wichtig. Die Musterbedingungen des GDV lassen viele dieser Punkte offen (Quelle: GDV-Musterbedingungen BU).

KlauselGut für Burnout-BetroffeneUngünstig
Abstrakte VerweisungVerzicht daraufVerweisung auf eine Tätigkeit, die Sie ausüben könnten, auch wenn Sie es nicht tun
Konkrete VerweisungKlare Grenze beim Einkommen oder vollständiger VerzichtKeine Einkommensgrenze, ein ruhigerer neuer Job kann die Rente beenden
Rückwirkende LeistungNach 6 Monaten berufsunfähig „von Beginn an“Leistung erst nach Ablauf der 6 Monate
MeldefristKeine Frist, rückwirkende Leistung auch bei später MeldungLeistung erst ab dem Monat der Meldung
AU-KlauselRente schon bei längerer Krankschreibung, 24 Monate oder längerKeine AU-Klausel oder kurze Leistungsdauer
Beruf in gesunden TagenEigene Regel für leidensbedingten Berufswechsel und TeilzeitKeine Regelung
BeitragsstundungZinslose Stundung bis zur EntscheidungBeiträge laufen während der Prüfung voll weiter
Ärztliche AnordnungenKeine Pflicht, bestimmten Therapien oder Medikamenten zu folgenAllgemeine Pflicht, ärztlichen Anordnungen zu folgen
Nach­versicherungsgarantieErhöhung ohne neue Gesundheitsfragen bei vielen Anlässen, mit Prüfung von Anlass und EinkommenKeine Garantie oder nur wenige Anlässe

Die AU-Klausel hat bei Burnout besonderes Gewicht. Psychisch bedingte BU-Anträge brauchten 2024 von der ersten Meldung bis zur Anerkennung im Schnitt 286 Tage (Quelle: Franke und Bornberg). Eine AU-Klausel zahlt in dieser Zeit schon, sobald die vereinbarte Krankschreibungsdauer erreicht ist.

Auch die Klausel zu ärztlichen Anordnungen verdient einen zweiten Blick. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschied 2021, dass das Absetzen von Antidepressiva wegen erheblicher Nebenwirkungen der BU-Leistung nicht schadet. Versicherte müssen keinen „Raubbau“ an ihrer psychischen Gesundheit betreiben (Quelle: OLG Hamm).

Wichtig für den Wiedereinstieg nach Burnout ist die konkrete Verweisung. Wer nach der Erkrankung in einen ruhigeren Job wechselt, kann bei den meisten Tarifen die BU-Rente verlieren. Nach unserer Erfahrung verzichten nur sehr wenige Anbieter umfassend auf die konkrete Verweisung. Wie die Arbeitsunfähigkeitsklausel im Detail funktioniert, erklären wir auf einer eigenen Seite.

Experten-Tipp:
Fünf Sterne im Rating verraten wenig darüber, wie gut Ihre BU bei Burnout schützt

„Ein Fünf-Sterne-Tarif klingt nach Sicherheit. Doch im BU-Rating 2026 von Morgen und Morgen tragen mehr als acht von zehn Tarifen diese Note. Bei Burnout zählen andere Details: eine lange AU-Klausel, keine Meldefrist und der Umgang mit der konkreten Verweisung. Diese Klausel entscheidet, ob Ihre Rente weiterläuft, wenn Sie nach dem Burnout in einen ruhigeren Job wechseln. Umfassend verzichten darauf nur wenige Anbieter. Lassen Sie genau diese drei Punkte prüfen.“

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BU nach Burnout abgelehnt: Welche Wege und Alternativen bleiben?

Eine Ablehnung ist kein endgültiges Urteil. Andere Versicherer bewerten dieselbe Vorgeschichte oft anders, und mit jedem Jahr Abstand fallen Behandlungen aus den Abfragezeiträumen. Ein Vermerk im Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherer enthält keine Diagnose und wird in der Regel nach vier Kalenderjahren gelöscht, spätestens nach zehn Jahren. Ob Sie gemeldet sind, erfahren Sie über eine Selbstauskunft (Quelle: GDV).

Neuer Anlauf nach einer Ablehnung

Zeit ist der wichtigste Hebel. Liegt Ihre ambulante Burnout-Behandlung zum Beispiel drei Jahre zurück, fällt sie bei einer Fünf-Jahres-Abfrage nach zwei weiteren Jahren aus dem Zeitraum. Ein neuer Anlauf über eine anonyme Risikovoranfrage kann dann, so zeigt unsere Beratungspraxis, ganz anders ausgehen. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite Berufs­unfähigkeits­versicherung abgelehnt.

Einen zweiten Weg bieten vereinfachte Gesundheitsfragen bei der BU über den Arbeitgeber. Ein Kurzfragebogen der Alten Leipziger fragt zum Beispiel nur nach Krankschreibungen von mehr als zwei Wochen in den letzten zwölf Monaten. Dazu kommen Behandlungen von mehr als drei Wochen in den letzten 24 Monaten (nach Angaben des Anbieters, Stand 11/2023). Die Höchstrenten sind dort begrenzt. Auch vereinfachte Fragen sind kein Schlupfloch. Sie gelten nur für das, was dort gefragt wird, und müssen genauso wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wer aktuell krankgeschrieben ist, kommt über diesen Weg in der Regel nicht hinein.


Alternativen zur BU bei psychischer Vorgeschichte

Klappt die BU nicht, bleiben andere Bausteine. Entscheidend ist die Frage, ob sie bei einem psychisch bedingten Ausfall überhaupt leisten.

AlternativeLeistet sie bei psychisch bedingtem Ausfall?
BU mit Ausschluss PsycheNein bei psychischen Ursachen, ja bei allen anderen Ursachen
Erwerbsunfähigkeits­versicherungNur wenn Sie gar keine Tätigkeit mehr ausüben können, die Gesundheitsprüfung ist oft ähnlich streng
Grundfähigkeits­versicherungMeist nein, psychische Erkrankungen sind nicht oder nur sehr eng versichert
Dread-Disease-VersicherungIn der Regel nein, psychische Erkrankungen gehören nicht zu den typischen Katalogdiagnosen
Krankentagegeld oder Wahltarif KrankengeldJa, aber nur für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit, der Wahltarif der Krankenkasse kommt ohne Gesundheitsprüfung aus
BU über den ArbeitgeberMöglich, oft mit vereinfachter Gesundheitsprüfung und begrenzter Rente

Die Einordnung beruht auf typischen Bedingungswerken, wie wir sie in der Beratung prüfen. Eine marktweite Erhebung dazu gibt es nicht. Vorsicht bei Angeboten, die als günstige BU-Alternative beworben werden. Eine Grundfähigkeits­versicherung knüpft meist an körperliche Fähigkeiten an.

Welcher Weg für Sie passt, hängt von Ihrer Vorgeschichte, Ihrem Beruf und Ihrem Einkommen ab. Oft ist eine Kombination sinnvoll, etwa eine BU mit Ausschluss plus Krankentagegeld, bis der Ausschluss überprüft werden kann. Ob das in Ihrem Fall die beste Lösung ist, lässt sich erst mit Blick auf Ihre Unterlagen und die Annahmepraxis mehrerer Versicherer beurteilen.

Abgelehnt ist nicht das Ende: neuer Anlauf für Ihre Berufs­unfähigkeits­versicherung

Andere Versicherer bewerten dieselbe Vorgeschichte oft anders. Nach Ihrer Anfrage meldet sich Ihr Berater persönlich bei Ihnen. Gemeinsam prüfen wir, ob sich eine neue Risikovoranfrage lohnt oder welche Kombination aus BU, Krankentagegeld und Alternativen Ihre Lücke schließt, kostenfrei und unverbindlich.

  • Neue anonyme Risikovoranfrage über Ihren Berater, bei mehreren Versicherern
  • Prüfung, wann frühere Behandlungen aus den Abfragezeiträumen fallen
  • Gesamtblick auf BU, Krankentagegeld und Erwerbsunfähigkeits­versicherung
  • Finanztip empfiehlt unsere BU-Beratung
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Berater

Häufige Fragen

Warum gilt Burnout nicht als Berufskrankheit, und wann zahlt die Berufsgenossenschaft doch?

Burnout steht nicht in der Liste der Berufskrankheiten, deshalb zahlt die Berufsgenossenschaft praktisch nie. Nach Angaben der Bundesregierung wurde von 2015 bis 2024 unter 690 Anzeigen wegen psychischer Erkrankungen nur eine einzige anerkannt, eine posttraumatische Belastungsstörung.

Anders sieht es bei einem einzelnen traumatisierenden Ereignis aus, das auf höchstens eine Arbeitsschicht begrenzt ist. Das wird nach geltendem Recht bereits als Arbeitsunfall anerkannt. Chronischer Arbeitsstress ist kein solches Ereignis. Seit Juni 2023 berät ein Sachverständigenbeirat über Depressionen in stark belastenden Berufen, ein Ergebnis steht aus. Die Rechtslage im Detail lesen Sie weiter oben im Abschnitt „Zahlt die Berufsgenossenschaft bei Burnout?“.

Berufsunfähig wegen Burnout: Wer hat Erfahrung damit?

Wie oft Burnout in der BU-Praxis vorkommt, zeigen die Zahlen von Franke und Bornberg: 2024 gab es 541 Leistungsanträge mit der Diagnose Burnout (Z73) und 2.572 mit Depression. Von allen psychisch bedingten Anträgen wurden rund 75 Prozent anerkannt, so wenige wie bei keiner anderen Krankheits­gruppe.

Wie ein Verlauf aussehen kann, zeigt das OLG München im Jahr 2024. Es sprach einem Geschäftsführer mit einem Burnout „von der Stärke einer leicht- bis mittelgradigen Depression“ Rente für einen weiteren Zeitraum zu, nachdem der Versicherer die Leistung eingestellt hatte. Das oft zitierte Urteil des LG München I vom 22.03.2006 (25 O 19798/03) taugt dagegen nicht als Burnout-Beleg. Es beruhte auf einer schweren Persönlichkeitsstörung.

Was ist der Unterschied zwischen arbeitsunfähig und berufsunfähig bei Burnout?

Arbeitsunfähig sind Sie nach der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wenn Sie Ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit wegen Krankheit nicht oder nur mit der Gefahr einer Verschlimmerung ausüben können. Das kann auch nur vorübergehend sein. Berufsunfähig sind Sie erst, wenn Ihr Beruf voraussichtlich auf Dauer nicht mehr im vertraglich festgelegten Umfang möglich ist, meist ab 50 Prozent.

Eine Krankschreibung bedeutet deshalb nicht automatisch Berufs­unfähigkeit. Krankenkasse und BU-Versicherer prüfen getrennt, die gesetzliche Erwerbsminderung dagegen nach einem dritten Maßstab: Gefragt ist, ob Sie irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben können. Nur eine BU mit Arbeitsunfähigkeitsklausel zahlt schon bei längerer Krankschreibung.

Welche Nachweise braucht der BU-Versicherer, wenn ich in Psychotherapie war?

Der Bericht Ihres Psychotherapeuten allein reicht nicht immer. Die GDV-Musterbedingungen verlangen, dass die Krankheit ärztlich nachgewiesen ist. Psychologische Psychotherapeuten sind keine Ärzte. Ob ihr Bericht allein genügt, regelt, wie wir aus der Beratung wissen, jeder Tarif in seinen eigenen Bedingungen.

Sicherer ist es, beide Berichte einzureichen: den Bericht des Psychotherapeuten über Verlauf und Behandlung und einen fachärztlichen Befund aus Psychiatrie oder Psychosomatik mit der Diagnose. In der Beratung sehen wir außerdem Tarife, die für die Leistung bei Arbeitsunfähigkeit ausdrücklich verlangen, dass mindestens eine Krankschreibung von einem Facharzt stammt. Welche Nachweise Ihr Vertrag fordert, steht in Ihren Versicherungs­bedingungen.

Wie lange sollte ich nach einem Burnout mit dem BU-Antrag warten?

Erfahrungsgemäß ist ein Antrag selten sinnvoll, solange Ihre Behandlung noch läuft, weil Versicherer dann meist zurückstellen oder ablehnen. Nach dem Abschluss hängt alles vom Abfragezeitraum ab. Aus unserer Beratung kennen wir für psychische Behandlungen Abfragezeiträume von drei, fünf oder zehn Jahren je nach Tarif, für stationäre Aufenthalte meist länger als für ambulante.

Eine feste Wartezeit gibt es nicht. Laut Franke und Bornberg verkürzen immer mehr Versicherer ihre Abfragezeiträume. Warten hat zudem einen Preis: Mit dem Alter steigt der Beitrag, und jede neue Behandlung verschlechtert die Ausgangslage. Ob ein Abschluss schon jetzt möglich ist, zeigt eine anonyme Risikovoranfrage, bei der Ihr Name nicht an die Versicherer geht.

Unter welchen Voraussetzungen bekomme ich bei Burnout eine Erwerbsminderungs­rente?

Die gesetzliche Erwerbsminderungs­rente gibt es, wenn Sie wegen einer Krankheit auf nicht absehbare Zeit weniger als sechs Stunden täglich (teilweise) oder weniger als drei Stunden täglich (voll) arbeiten können. Dazu kommen drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren, so steht es in § 43 SGB VI, und die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren nach § 50 SGB VI.

Maßstab ist jede Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, nicht Ihr bisheriger Beruf. „Chronische Erschöpfung“ allein reicht nicht, es braucht eine Krankheits­diagnose. Die Rente wird in der Regel befristet bewilligt. Wer noch sechs Stunden täglich arbeiten kann, bekommt sie nicht. Solange die Renten­versicherung keine verminderte Erwerbsfähigkeit festgestellt hat, kann nach dem Ende des Krankengelds unter Umständen Arbeitslosengeld gezahlt werden. Die Voraussetzungen dafür regelt § 145 SGB III.

Was passiert mit dem Krankengeld, wenn die Krankenkasse mich zur Reha auffordert?

Ist Ihre Erwerbsfähigkeit nach ärztlichem Gutachten erheblich gefährdet oder gemindert, kann die Krankenkasse Ihnen eine Frist von zehn Wochen setzen. Innerhalb dieser Frist müssen Sie einen Antrag auf medizinische Rehabilitation stellen. Tun Sie das nicht, entfällt Ihr Krankengeld mit Ablauf der Frist, so regelt es § 51 SGB V. Stellen Sie den Antrag erst später, lebt der Anspruch auf Krankengeld mit dem Tag der Antragstellung wieder auf.

Hinter der Aufforderung steht der Grundsatz „Reha vor Rente“ nach § 9 SGB VI. Legen Sie ein solches Schreiben deshalb nicht zur Seite, sondern notieren Sie sich sofort das Fristende. Mit dem Krankengeld würde Ihre wichtigste Einkommensquelle in dieser Phase wegfallen.

Welches Geld bekomme ich, solange der BU-Versicherer meinen Antrag noch prüft?

Die BU-Rente selbst gibt es erst nach der Anerkennung. Die Prüfung dauert bei psychischen Erkrankungen im Schnitt gut neun Monate. Sie können aber nach § 14 VVG Abschlagszahlungen verlangen, wenn die Feststellung einen Monat nach Ihrer Anzeige noch nicht abgeschlossen ist. Gezahlt wird der Betrag, den der Versicherer voraussichtlich mindestens leisten muss. Ob und in welcher Höhe das bei psychischen Erkrankungen greift, hängt vom Einzelfall ab.

Die Beiträge laufen nach den GDV-Musterbedingungen bis zur Entscheidung voll weiter und werden bei Anerkennung zurückgezahlt. Einzelne Tarife bieten eine zinslose Beitragsstundung. Die Alte Leipziger etwa stundet die Beiträge nach ihren Bedingungen (Ausgabe 01.2026) bis zur Entscheidung.

Was passiert mit meiner bestehenden BU, wenn ich nach einem Burnout kündige oder wechsle?

Eine Erkrankung, die erst nach Vertragsschluss auftritt, müssen Sie Ihrem BU-Versicherer nicht melden. Die Anzeigepflicht endet mit Ihrer Vertragserklärung, bei Nachfragen des Versicherers mit der Annahme, so steht es in § 19 VVG. Ihr bestehender Vertrag schützt Sie also weiter, auch wenn Sie inzwischen in Behandlung sind.

Wer kündigt oder den Vertrag beitragsfrei stellt, verliert Schutz. Ein neuer Vertrag verlangt eine neue Gesundheitsprüfung, diesmal mit der Burnout-Vorgeschichte. Auch beim Wiederinkraftsetzen kann der Versicherer nach den Musterbedingungen neu prüfen.

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Lena Mierbach
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Regelaltersgrenze Das gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter, ab dem eine Person ohne Abschläge die reguläre Altersrente beziehen kann. Aktuell liegt dies bei 67 Jahren. Entgeltumwandlung Bei der Entgeltumwandlung zahlen Arbeitnehmer einen Teil ihres Bruttoeinkommens in eine betriebliche Altersversorgung. Dadurch verringert sich das zu versteuernde Einkommen, wodurch Arbeitnehmer Steuern- und Sozialabgaben sparen. Beitragsbemessungsgrenze Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine Rechengröße, die festlegt, bis zu welchem Betrag das Einkommen von gesetzlich Versicherten zur Beitragsberechnung der gesetzlichen Sozialversicherungen herangezogen wird. Es gibt verschiedene Werte für die Kranken- und Rentenversicherung.
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