So funktioniert der Pflege-Bahr

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von Swantje Niemann
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Wie der Pflege-Bahr und seine staatliche Förderung funktionieren, wer sich damit versichern kann und wie gut er sich für die private Vorsorge­ eignet.

Inhalt dieser Seite
  1. So funktioniert der Pflege Bahr
  2. Pflege Bahr im Test
  3. Wer kann sich versichern?
  4. Zusammenfassung

Das Wichtige in Kürze

  • Das Geld aus der gesetzlichen Pflege­versicherung kann bei Pflegebedürftigkeit nur einen Teil der anfallenden Kosten decken.
  • Aus diesem Grund empfiehlt sich eine private Vorsorge­. Dies ist seit 2013 mit dem Pflege-Bahr auch mit staatlicher Förderung möglich.
  • Bei der Versicherung mit dem Pflege-Bahr spielen Vorerkrankungen keine Rolle.

Wie funktioniert der Pflege-Bahr?

Der Pflege-Bahr ist eine staatlich geförderte private Pflege­versicherung, die in Form einer Pflegetagegeld­versicherung angeboten wird. Ziel ist es, die Leistungen der gesetzlichen Pflege­versicherung zu ergänzen und so die Versorgungslücke zu schließen beziehungsweise zu verkleinern. Der Gesetzgeber hat bestimmte Bedingungen formuliert, die die Tarife erfüllen müssen, damit sie die staatliche Förderung erhalten können. Werden diese eingehalten, erhalten Versicherte bei einem monatlichen Mindest­-Einzahlbetrag von 10 Euro eine staatliche Förderung von 60 Euro pro Jahr.

Pflege-Bahr: Förder­bedingungen

  • Es muss sich um eine Pflegetagegeld­versicherung handeln, bei der der Versicherte im Leistungs­fall frei über das ausgezahlte Geld verfügen kann
  • Verzicht auf Gesundheits­prüfung, Risikozuschläge und Leistungs­ausschlüsse
  • Kontrahierungszwang
  • Maximale Wartezeit von 5 Jahren
  • Versicherer ist an die Entscheidung der zuständigen Pflegekasse gebunden
  • Abschluss- und Verwaltungskosten dürfen nicht höher sein, als der Wert von zwei Monatsbeiträgen oder maximal 10 Prozent der Brutto­prämie entsprechen
  • Hilfebedürftige Versicherte können den Vertrag rückwirkend zum Eintritt der Hilfebedürftigkeit kündigen oder bis zu drei Jahre ruhend stellen
  • Mindest­leistungen je Pflegegrad

Expertinnen-Tipp:

„Auch wenn es sich um eine Pflegetagegeld­versicherung handelt: Das Geld landet nicht täglich auf dem eigenen Konto, wie einige Versicherungs­nehmer meinen. Die Auszahlungen werden zwar auf Tages­basis ermittelt, aber dennoch nur einmal im Monat überwiesen.“

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Katharina Krech
Beraterin

Mindest­leistungen je Pflegegrad

Pflegegrad12345
Mindest­-Erstattungssatz in Prozent10203040100
Leistung je Pflegegrad in Euro pro Monat60120180240600

Bei den aufgeführten Werten handelt es sich um die Beträge, die mindestens gezahlt werden müssen, damit die Tarife förderfähig sind. Zum Teil bieten Versicherungs­unternehmen jedoch auch höhere Erstattungssätze. Die Allianz zahlt beispielsweise bei Pflegegrad 4 bereits 80 Prozent der Versicherungs­summe.

Vergleich von Pflege-Bahr-Tarifen

Da die Versicherer nur insofern an die Vorgaben durch den Gesetzgeber gebunden sind, dass diese nicht unterschritten werden dürfen, lohnt sich ein Vergleich der verfügbaren Pflege-Bahr-Tarife. Die Versicherungs­unternehmen bieten zum Teil deutlich bessere Leistungen, als das gesetzlich vorgeschriebene Mindest­maß. So können durch einen unabhängigen Vergleich der Pflege­versicherungen enorme Preis-Leistungs­-Unterschiede zwischen den angebotenen Policen zu Tage treten.

Pflege-Bahr im Test

Eine weitere Möglichkeit sich über die Unterschiede zwischen den Angeboten des Pflege-Bahr zu informieren, bieten Testergebnisse. Sowohl zum Pflege-Bahr als auch zur ungeförderten Pflege­versicherung liegen Testergebnisse vor. Unabhängige Ratingunternehmen und Testinstitute prüfen und vergleichen Kosten und Leistungen und veröffentlichen die Ergebnisse im Pflege­versicherung-Test.

Wer kann den Pflege-Bahr abschließen?

Im Pflege-Bahr besteht Kontrahierungszwang. Das heißt, Versicherungs­unternehmen, die einen Pflege-Bahr-Tarif anbieten, sind verpflichtet jeden Antragsteller, der noch keine Leistungen aus der gesetzlichen Pflege­versicherung erhalten hat, über den Pflege-Bahr zu versichern.

Pflegezusatz­versicherung ohne Gesundheits­prüfung

Der Pflege-Bahr kann jeder abschließen, der mindestens 18 Jahre alt ist und noch keine Leistungen aus der gesetzlichen Pflege­versicherung bezogen hat.

Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, ist der Abschluss eines Pflege-Bahrs in jedem Fall möglich, da die Versicherungs­unternehmen keine Gesundheits­prüfung verlangen dürfen. Das heißt, ganz egal welche Vorerkrankungen vorliegen, eine private Vorsorge­ mit dem Pflege-Bahr ist möglich.

Ungeförderte Tarife meist mit Gesundheits­prüfung

Bei ungeförderten Pflege­versicherungen verlangen die Versicherer in der Regel eine Gesundheits­prüfung. Je nachdem wie das Ergebnis ausfällt, steht es den Anbietern dann frei den Antragsteller abzulehnen oder auf Vorerkrankungen mit Zuschlägen oder Ausschlüssen zu reagieren.

Pflege-Bahr: Die staatlich geförderte Pflege­versicherung

Mit Einführung des Pflege-Bahrs im Jahr 2013 hat die Bundes­regierung versucht eine Versicherung zu schaffen, die es allen Menschen ermöglicht, privat vorzusorgen und sich für den Fall einer Pflegebedürftigkeit abzusichern.

Durch den Kontrahierungszwang ist der Pflege-Bahr tatsächlich eine Versicherung, die jeder abschließen kann. Die staatliche Unterstützung schafft zusätzliche Anreize. Allerdings sind die versicherten Tage- beziehungsweise Monatsgelder zu niedrig, sodass auch mit einer privaten Vorsorge­ durch den Pflege-Bahr noch immer eine erhebliche Versorgungslücke bleibt.

Aus diesem Grund raten unsere Versicherungs­experten Tarife der geförderten und ungeförderten Pflege­versicherung zu kombinieren.

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