Diese Versicherungen brauchen Architekten

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von Nina Bruckmann
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Welche Versicherungen für Architekten unverzichtbar sind, was sie kosten und welche Leistungen Sie auf jeden Fall bieten sollten.

Inhalt dieser Seite
  1. Versicherungs­­pflicht nach Landesrecht
  2. So ergänzen sich Haftpflicht und Rechtsschutz
  3. Mitversicherte Personen und Tätigkeiten
  4. Sach­­versicherungen nicht vergessen
  5. Versicherungen für Architekten auf der Baustelle

Das Wichtige in Kürze

  • Für Architekten sind vor allem die Versicherungs­bereiche Haftpflicht und Rechtsschutz wichtig.
  • Die Privat­haftpflicht ist bei der Architekten­haftpflicht meistens bereits inbegriffen.
  • Für eigenständige Tätigkeiten gilt eine Versicherungs­pflicht – also nicht nur für Freiberufler, sondern u. U. auch für angestellte Architekten, die eigenständige Leistungen erbringen.

Versicherungs­pflicht nach Landesrecht

Der Architekt trägt bei Bauvorhaben eine hohe Verantwortung. Ansprüche auf Schadensersatz­ richten sich deshalb in erster Linie gegen ihn. Wegen dieser herausragenden Stellung gibt es in vielen Bundes­ländern eine Pflicht zur Versicherung von Architekten gegen dieses Risiko. Regelungen hierzu enthalten die jeweiligen Landesbauordnungen, die Architektengesetze und die Berufs­ordnungen der Architekten- oder Ingenieurkammern.

Eine Versicherungs­pflicht kann auch aus dem Vertrag mit dem Auftraggeber entstehen – viele Bauherren lassen sich das Bestehen einer Versicherung vertraglich zusichern. Aber auch ohne gesetzliche oder vertragliche Verpflichtung ist der Abschluss einer Haftpflicht­versicherung dringend zu empfehlen. Das deutsche Recht sieht selbst bei leichter Fahrlässigkeit eine summenmäßig unbegrenzte Haftung vor.

Der Architekt haftet für Personen-, Sach- und Vermögens­schäden auch mit seinem Privatvermögen und dem, was er in Zukunft verdient. Ein einziger kleiner Fehler kann die wirtschaftliche Zukunft ruinieren. Außerdem schafft die Haftpflicht­versicherung Vertrauen bei potenziellen Vertragspartnern, die im Schadensfall einen solventen Ansprechpartner haben.


Beachten Sie: Versicherungs­pflicht bei eigenständigen Tätigkeiten

Die Versicherungs­pflicht gilt für freiberuflich tätige Architekten. Beamtete oder angestellte Architekten müssen eine Haftpflicht­versicherung (genauer: eine Berufs­­haftpflicht­versicherung) nur abschließen, wenn sie eigenständige Leistungen zum Beispiel als Nebentätigkeit erbringen.

Wie die Versicherung im jeweiligen Bundes­land genau auszusehen hat, erklärt die zuständige Kammer. Eine rein projektbezogene Haftpflicht­versicherung reicht grundsätzlich nicht aus, vielmehr wird eine durchgehende Jahres­versicherung verlangt.


Hinweis: Nur wenige Anbieter auf dem Markt

Die Versicherung von Architekten gegen Haftungsrisiken ist ein Geschäft, das sowohl bei der Vertragsgestaltung als auch in der Schadensregulierung Expertenwissen erfordert. Es geht nicht nur um allgemeine Risiken, zum Beispiel wenn ein Kunde in den Geschäftsräumen über nachlässig verlegte Kabel stürzt. Architekten­haftpflicht bedeutet Risiken aus Planung und Projektsteuerung, als Bauträger oder Generalübernehmer, aus Beratungstätigkeiten nach den jeweiligen Verdingungsordnungen, jeweils in Kombination mit der Problematik von Spätschäden, die erst nach einiger Zeit erkennbar werden. Solche Verträge werden nur von wenigen Versicherern angeboten. Der Versicherungs­makler kennt die richtigen Ansprechpartner im Markt und berät über das am besten geeignete Deckungskonzept.

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So ergänzen sich Haftpflicht- und Rechtsschutz­versicherung

Die Haftpflicht­versicherung erbringt eine dreifache Leistung: Sie prüft zunächst die Haftungsfrage. Das Haftungsrecht ist kompliziert, und gerade bei mehreren Beteiligten eines Bauvorhabens ist oft nicht klar, wer in welchem Umfang für einen Schaden verantwortlich ist.

Im Schadenmanagement der Versicherungs­unternehmen sind Spezialisten tätig, die herausfinden, ob gegen den Architekten erhobene Forderungen dem Grunde und der Höhe nach überhaupt berechtigt sind. Von begründeten Forderungen stellt der Versicherer seinen Kunden frei, das heißt, er bezahlt Schadensersatz­ an den Geschädigten. Unbegründete Forderungen weist er zurück und übernimmt notfalls sogar die Verteidigung vor Gericht. Dies bezeichnet man als passive Rechtsschutzfunktion der Haftpflicht­versicherung.

Der passive Rechtsschutz greift nur, wenn der Architekt von dritter Seite auf Schadensersatz­ in Anspruch genommen wird. Verfolgt er selbst sein Recht, zum Beispiel wenn es Streit um einen Vertrag oder ein ausstehendes Honorar gibt, ist die Rechtsschutz­versicherung zuständig. Sie ist deshalb eine wichtige Ergänzung der Haftpflicht­versicherung.


Die richtige Höhe der Deckungssumme

Haftpflicht­versicherungen sind auf eine bestimmte Versicherungs­summe (Deckungssumme) limitiert. Die Mindest­­versicherungs­summe für eine Pflicht­versicherung ergibt sich aus dem Versicherungs­vertragsgesetz (§ 114 VVG). Sie beträgt 250.000 Euro pro Versicherungs­fall und 1.000.000 Euro für alle Versicherungs­fälle eines Jahres. In der Praxis ist dies aber zu wenig. Zumindest für Personenschäden sollte die Deckungssumme drei oder besser fünf Millionen Euro betragen. Kommt es aufgrund eines Architektenfehlers zu einem Unfall, erreichen Kosten der Heilbehandlung sowie unter Umständen lebenslange Pflegekosten leicht solche Größenordnungen. Ideal ist eine gemeinsame (pauschale) Deckungssumme. Sie steht nicht nur für Personenschäden, sondern auch für Sach- und Vermögens­schäden zur Verfügung. Damit wird steigenden Baukosten Rechnung getragen. Die Summe von heute muss auch reichen, wenn sich ein Schaden erst in vielen Jahren zeigt. Da große Schäden zum Glück selten sind, ist der Aufpreis für eine höhere Deckungssumme vergleichsweise gering.

Mitversicherte Personen und Tätigkeiten

Der Versicherungs­schutz in der Haftpflicht­versicherung umfasst nicht nur Ansprüche gegen den versicherten Architekten selbst, sondern auch gegen Angestellte, Praktikanten und Zeitarbeitnehmer. Freie Architekten, die in den Betrieb des Versicherungs­nehmers eingegliedert sind, sind ebenso mitversichert wie Subunternehmer. Zur richtigen Gestaltung des Versicherungs­schutzes und zur Beitrags­kalkulation ist es wichtig, die ausgeübten Tätigkeiten exakt zu erfassen. Grundsätzlich orientiert sich der Versicherungs­schutz an der Gebühren- und Leistungs­ordnung (HOAI).

Wertermittlungen oder die Beratung von Bauherren bei der Auswahl eines Grundstücks gehören zu den normalen Tätigkeiten eines Architekten, eine Grundstücksvermittlung dagegen nicht. Auch die Mitgliedschaft in Arbeits­gemeinschaften, eine Tätigkeit als Generalplaner, Generalübernehmer oder die Übernahme des technischen Facility Managements für eine Liegenschaften sollten beim Beantragen des Versicherungs­schutzes besprochen werden.

Der Preis der Versicherung für Architekten richtet sich neben der Tätigkeitsbeschreibung und den gewählten Deckungssummen zum Beispiel nach dem Jahresumsatz und der Zahl der Mitarbeiter.

Experten-Tipp:

„Die Privat­haftpflicht­versicherung des Architekten ist bei vielen Anbietern schon im Preis enthalten und muss nicht mehr separat abgeschlossen werden. Bei dem Abschluss einer neuen Berufs­­haftpflicht­versicherung sollte entsprechend geprüft werden, ob eine bestehende Privat­haftpflicht gekündigt werden kann.“

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Signatur von Katharina Krech
Katharina Krech
Beraterin

Sach­versicherungen nicht vergessen

Auch wenn die Haftpflicht­versicherung fraglos die erste Priorität haben muss, sollten die Sach­versicherungen für das Architekturbüro nicht vernachlässigt werden. Üblicherweise wird die technische und kaufmännische Betriebs­einrichtung in einem verbundenen Vertrag gegen verschiedene Gefahren versichert. Das sind zum Beispiel Brand, Blitzschlag, Einbruchdiebstahl, Raub, Leitungswasser und Sturm. Der Einschluss weiterer Elementar­gefahren, insbesondere Überschwemmung durch Hochwasser und Starkregen sowie Erdbeben, ist sinnvoll (s. a. Elementar­schaden­versicherung).

Die Sach­versicherung kann mit einer Betriebs­unterbrechungs­­versicherung (Ertragsausfall­versicherung) kombiniert werden. Sie zahlt, wenn das Büro nach einem Sachschaden aufgrund einer versicherten Gefahr geschlossen werden muss. Von der Versicherung übernommen werden entgangener Gewinn und fortlaufende Kosten, aber auch Aufwendungsersatz zum Beispiel für die Anmietung anderer Räumlichkeiten.

Geräte der Informations- und Kommunikationstechnik, also Computer oder Telefonanlage, können durch eine Elektronik­versicherung besonders abgesichert werden. Im Gegensatz zur Sach­versicherung, die sich nur auf bestimmte Gefahren bezieht, ist die Elektronik­versicherung als Allgefahren­versicherung konzipiert. Sie zahlt bei jedem plötzlich und unvorhergesehen eintretenden Schaden an den versicherten Sachen, soweit in den Bedingungen keine Ausschlüsse formuliert sind.

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Versicherungen für Architekten auf der Baustelle

Sach­versicherungen sind grundsätzlich ortsgebunden. Im Vertrag wird ein bestimmter Versicherungs­ort vereinbart, nämlich die Anschrift des Büros. Da der Architekt aber häufig bei Außenterminen unterwegs ist, sollte die Versicherung den Architekten dorthin begleiten. Hierfür gibt es verschiedene Optionen. Die allgemeine Sach­versicherung enthält regelmäßig eine sogenannte Außen­versicherung. Bis zu einer vereinbarten Entschädigungsgrenze besteht dann auch Versicherungs­schutz außerhalb der Büroräume. Allerdings bleibt es bei der Begrenzung auf die benannten Gefahren. Ein Einbruch kann nach den Versicherungs­­bedingungen nur in ein Gebäude erfolgen – das Aufbrechen eines Autos ist dagegen kein Einbruch. Eine interessante Ergänzung ist deshalb die Auto-Inhalts­versicherung. Sie deckt neben dem Diebstahl aus dem Kfz zum Beispiel auch Schäden an den transportierten Sachen durch Unfall sowie beim Be- und Entladen.

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