So funktioniert die Berufs­unfähigkeitsrente

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von Swantje Niemann
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Wie die gesetzliche Rente bei Berufs­- und Erwerbs­unfähigkeit funktioniert, warum sie nur selten ausreicht, und wie Sie Ihre private Berufs­unfähigkeitsrente so gestalten, dass Sie im Fall einer Berufs­unfähigkeit trotzdem finanzielle Sicherheit haben.

Inhalt dieser Seite
  1. Gesetzliche Berufs­­unfähigkeitsrenten
  2. Höhe der privaten BU Rente
  3. Wann zahlt die BU Versicherung
  4. Berufs­­unfähigkeitsrente beantragen
  5. Auszahlungsdauer der Rente
  6. BU Rente und Kranken­­geld
  7. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Ein Anspruch auf die ursprüngliche gesetzliche Berufs­unfähigkeits­rente besteht nur noch für Arbeitnehmer, die vor dem 01.01.1961 geboren wurden. Alle anderen erhalten maximal eine Erwerbs­unfähigkeitsrente. Diese fällt oft sehr gering aus.
  • Eine effektive finanzielle Absicherung für den Fall einer Berufs­unfähigkeit ist über eine Berufs­unfähigkeits­versicherung möglich. Diese zahlt eine Berufs­unfähigkeitsrente, wenn Sie Ihren aktuellen Beruf zu 50% nicht mehr ausüben können.
  • Bei der Festsetzung Ihrer Berufs­unfähigkeitsrente sollten Sie auch an die Kosten für Kranken­­versicherungs­beiträge und Altersvorsorge denken.

Die gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente und Erwerbs­­minderungsrente

Gibt es eine gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente?

Ein Anspruch auf die ursprüngliche gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente besteht nur noch für Bürger, die vor dem 01.01.1961 geboren wurden. Diese Personen haben einen Rentenanspruch, wenn sie ihren zuletzt dauerhaft ausgeübten Beruf oder aber ihren erlernten Beruf nicht mehr oder nur noch für maximal 6 Stunden am Tag ausüben können. Die Renten­versicherung darf sie nur auf gleichwertige Tätigkeiten verweisen, aber ihnen die Rente nicht mit der Begründung verweigern, dass sie einen ganz anderen Beruf ausüben könnten.

Für nach diesem Datum geborene Personen hat der Gesetzgeber diese Form von Rente bereits im Jahr 2001 abgeschafft. An ihre Stelle tritt die gesetzliche Erwerbs­minderungsrente. Berufs­tätige haben die Möglichkeit, privat mit einer Berufs­unfähigkeits­versicherung vorzusorgen.


Voraussetzungen für die Erwerbs­minderungsrente

Arbeitnehmer und freiwillig versicherte Selbständige gelten erst als erwerbsunfähig, wenn ihnen die Ausübung einer Tätigkeit, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen, gesundheitlich nicht mehr möglich ist. Konkret besteht Anspruch auf die gesetzliche Erwerbs­minderungsrente unter folgenden Voraussetzungen:

  • Betroffene können (aufgrund von Krankheit oder Behinderung) nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten.
  • Betroffene haben mindestens drei Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt.
  • Die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren wurde erfüllt.

Wer gesundheitlich noch imstande ist, zwischen drei und sechs Stunden täglich zu arbeiten, hat Anspruch auf eine anteilig gezahlte Rente. Eine volle Erwerbs­minderung im Sinne des Versicherungs­trägers liegt nur dann vor, wenn Beschäftigte auch in anderen als den erlernten Berufen nicht mehr arbeiten können.

Wer nur im bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten kann, jedoch imstande wäre, einer anderen Beschäftigung nachzugehen, ist lediglich berufsunfähig, nicht jedoch erwerbsunfähig. Zuständige Stellen prüfen exakt, ob eine mögliche Rehabilitation des gesundheitlichen Zustandes erreicht werden kann, bevor sie die Leistung bewähren. Die gesetzliche Erwerbs­minderungs­rente entfällt, wenn die Aussicht darauf besteht, durch Reha-Maßnahmen wieder einer einfachen Erwerbs­tätigkeit nachzugehen.

Mehr dazu, wie die Erwerbminderungsrente funktioniert, wann Sie mit dieser rechnen können und wie Sie sie korrekt beantragen, erfahren Sie hier:

Mehr zur Erwerbminderungsrente


So hoch fällt die Erwerbs­minderungsrente aus

Die Höhe der Erwerbs­minderungsrente wird auf der Grundlage des bisher erworbenen Rentenanspruchs berechnet, also den bisher gesammelten Rentenpunkten, der Einzahlungszeit und den verbleibenden Jahren bis zur regulären Altersrente. Sie können ihre Höhe auch Ihrem Renteninformations­blatt entnehmen.


Eine zusätzliche Absicherung lohnt sich

In der Regel jedoch fällt die Erwerbminderungsrente gering aus. Typisch ist, dass diese weniger als ein Drittel des letzten Brutto­gehalts beträgt. Somit bleibt sie oft weit hinter der Summe zurück, die nötig wäre, um den Lebensstandard zu halten. Aus diesem Grund raten wir zum Abschluss einer privaten Berufs­unfähigkeits­versicherung – mehr dazu, wie hoch die Berufs­unfähigkeitsrente aus einer solchen Versicherung ist und wann Sie einen Anspruch darauf haben, erfahren Sie in den folgenden Kapiteln.

Was zahlen Versorgungswerke bei Berufs­unfähigkeit?

lesen

Neben der Renten­versicherung gibt es auch berufsständische Versorgungswerke, z.B. für Ärzte, Anwälte oder Tierärzte. Diese zahlen eine Berufs­unfähigkeitsrente, wenn weder der ursprüngliche noch ein verwandter Beruf ausgeübt werden kann. Ein Chirurg, der nicht länger als Chirurg arbeiten kann, kann z.B. auf eine Tätigkeit als Gutachter verwiesen werden.

Zudem muss das von der Berufs­unfähigkeit betroffene Mitglied zunächst die Möglichkeiten zur potenziellen Rehabilitation oder Weiterbildung für einen verwandten Beruf ausschöpfen und es sind Wartezeiten üblich, bis die Berufs­unfähigkeitsrente des Versorgungswerks in Anspruch genommen werden kann. Auch für Mitglieder von Versorgungswerken lohnt sich u.a. wegen der Hürden für den Zugang zu einer Berufs­unfähigkeitsrente der Abschluss einer privaten Berufs­unfähigkeits­versicherung.

Wie hoch sollte eine private Berufs­unfähigkeitsrente sein?

Diese Rentenhöhe empfehlen Experten

Bereits beim Abschluss einer Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) wird bestimmt, wie hoch die Berufs­unfähigkeitsrente sein soll. Grundsätzlich gilt, dass die Rentenhöhe im Fall des Eintritts der Berufs­unfähigkeit den entstehenden Einkommens­verlust ausgleichen sollte. In der Praxis erweist es sich als vorteilhaft, wenn diese Rente mindestens etwa 80 bis 90 Prozent des bisherigen Netto-Einkommens­ beträgt. Die Hannoversche Berufs­unfähigkeits­versicherung empfiehlt, 60 Prozent des Brutto­einkommens als monatliche Rente zu vereinbaren.

Eine vollumfängliche und hundertprozentige Absicherung des bisherigen Einkommens­ ist nicht bei sämtlichen Versicherungs­trägern möglich. Dies hängt mit den Annahmerichtlinien der Versicherer zusammen. Dort ist die vereinbarte Berufs­unfähigkeitsrente mitsamt ihrer Höchst­grenze festgelegt. Diese kann von Anbieter zu Anbieter schwanken. Einige ermöglichen nur die Absicherung bis zu 60 Prozent des Brutto­­einkommens. Auch wenn dies den Eindruck einer hohen Rente erweckt, ist zu berücksichtigen, dass dies mit Abzügen verbunden ist, beispielsweise aufgrund von Beiträgen für die Kranken­­versicherung, die im Eintrittsfall der Berufs­unfähigkeit vom Versicherten selbst zu tragen sind.

Ausreichend hohe Berufs­unfähigkeitsrente vereinbaren

Versicherte sollten grundsätzlich darauf Acht geben, dass die Höhe der Berufs­unfähigkeits­rente ausreicht, um den Lebensstandard abzusichern. Etwaige Sozialleistungen werden auf die Rentenzahlung aus einer BU angerechnet. Die vereinbarte Rente erhalten Begünstigte zwar vom Versicherer, doch werden Sozialleistungen entsprechend gekürzt.

Denken Sie bei der Festlegung Ihrer Berufs­unfähigkeitsrente auch daran, dass Sie während der Dauer der Auszahlung weiterhin z.B. in ihre Altersvorsorge investieren und gegebenenfalls weiterhin die Beiträge zu ihrer privaten Kranken­­versicherung zahlen können sollten. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass Sie nach dem Ende der Vertragslaufzeit der Berufs­unfähigkeits­versicherung nur mit geringen Zahlungen aus der gesetzlichen und eventuellen privaten Renten­versicherungen auskommen müssen, da sie nicht lange in diese eingezahlt haben.

Nachträgliche Rentenerhöhung durch die Nach­versicherungs­garantie

Wenn eine Berufs­unfähigkeits­versicherung eine Nach­versicherungs­garantie beinhaltet, können die Versicherten Ihre Berufs­unfähigkeitsrente später – z.B. wenn sie eine Familie gründen oder an wichtigen Wendepunkten ihrer Karriere – erhöhen, ohne dass eine weitere Gesundheits­prüfung nötig wird.

Aufgrund dessen lohnt es sich unter Umständen für Schüler und Studenten, eine Berufs­unfähigkeits­versicherung mit einer vorläufig kleinen Rente und einer Nach­versicherungs­garantie abzuschließen. Denn häufig haben sie noch keine Vorerkrankungen oder beruflichen Risiken, welche die monatliche Versicherungs­prämie in die Höhe treiben oder Versicherer zu einer Ablehnung bewegen könnten. Nach dem Einstieg ins Berufs­leben können sie dann die Rente erhöhen.

Voraussetzungen für die private Berufs­unfähigkeits­rente

Wann zahlt die Berufs­unfähigkeits­versicherung?

Für Versicherte stellt sich die Frage, wann sie ihre Berufs­unfähigkeitsrente empfangen bzw. ab wann sie anspruchsberechtigt sind. Haben Versicherte die Berufs­unfähigkeits­versicherung abgeschlossen, können sie unter folgenden Voraussetzung mit der Auszahlung rechnen:

  • 50-Prozent-Regel: Demnach besteht der Anspruch auf die Berufs­unfähigkeitsrente, wenn Versicherte den zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können.
  • Vorliegen einer bestimmten Ursache für die Berufs­unfähigkeit (typischerweise Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall)
  • Dauer der Berufs­unfähigkeit: Ursache muss entweder seit 6 Monaten vorliegen oder die Berufs­unfähigkeit voraussichtlich mindestens 6 Monate andauern.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, haben Versicherte Aussicht auf die Auszahlung der Berufs­unfähigkeitsrente. In der Versicherungs­praxis ist es auch denkbar, dass einem Versicherten eine Schlüsselqualifikation abhanden kommt, die für die Ausübung des Berufs­ erforderlich ist. Dazu gehören beispielsweise die Hör- oder Sehfähigkeit. In diesem Falle müssen Versicherer leisten, wobei sie häufig von den genannten zeitlichen Einschränkungen Abstand nehmen.


Wann verweigert die Berufs­unfähigkeits­versicherung die Zahlung?

Die häufigsten Gründe, wieso die Berufs­unfähigkeits­versicherung einem Antrag nicht stattgibt, sind die folgenden:

  • Streit über das Vorliegen einer Berufs­unfähigkeit: Der Versicherer argumentiert auf der Basis eines von im beauftragten Gutachtens, dass der Versicherungs­nehmer z.B. nur zu 30 oder 40 Prozent eingeschränkt ist und damit nicht die Kriterien für Berufs­unfähigkeit erfüllt.
  • Vorsätzliches Verschweigen von Informationen: Hat der Versicherte dem Versicherer wichtige Informationen, z.B. über eine Vorerkrankung, nicht gegeben oder falsch dargestellt, kann der Versicherer den Vertrag wegen arglistiger Täuschung unter Beachtung bestimmter Fristen anfechten und kann sich so unter Umständen der Verpflichtung entziehen, zu zahlen.
  • Unvollständige Informationen: Manchmal werfen Versicherer ihren Kunden auch fahrlässige Täuschung vor. Das ist dann zulässig, wenn sie ihre Kunden vor Vertragsschluss auf die Folgen einer solchen Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten hingewiesen haben.
  • Leistungs­ausschlüsse: Manchmal sind bestimmte Ursachen für Berufs­unfähigkeit durch die Vertrags­bedingungen ausgeschlossen. Dann ist der Versicherer nur dann zur Leistung verpflichtet, wenn etwas anderes für die Berufs­unfähigkeit des Kunden verantwortlich ist – schauen Sie also auf jeden Fall ins Kleingedruckte.

Wie das Verhältnis von gestellten und bewilligten Anträgen auf Leistungen aussieht, wird in der Leistungs­quote eines Versicherers dargestellt. Allerdings gibt es auch verschiedene Faktoren, welche die Aussagekraft dieser Quote als Vergleichskriterium bei der Auswahl eines Versicherers einschränken.


Rückwirkende Zahlungen

Versicherer zahlen die Berufs­unfähigkeits­rente typischerweise auch rückwirkend, und zwar ab Beginn der Feststellung der Ursache. Auch wenn Versicherer die Berufs­unfähigkeit erst Monate nach Auftreten der Ursache anerkennen, erhalten Begünstigte die Berufs­unfähigkeitsrente rückwirkend. Ausschlaggebend ist der Eintrittszeitpunkt der Ursache der mindestens 50-prozentigen Berufs­unfähigkeit.

Experten-Tipp:

„Wer von der Berufs­unfähigkeits­versicherung abgelehnt wurde und somit keinen Anspruch auf eine Berufs­unfähigkeitsrente hat, kann alternativ eine Grundfähigkeiten­versicherung abschließen. Auf diese Art kann man sich im weitesten Sinne ebenfalls gegen eine Berufs­unfähigkeit unter bestimmten Voraussetzungen absichern. Dies kann auch eine Alternative für Berufs­gruppen sein, für die die Beiträge für die Berufs­unfähigkeits­versicherung sehr hoch sind – beispielsweise Handwerker oder Busfahrer.“

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Alexander Velden
Berater

Wie kommen Versicherte an ihre Berufs­unfähigkeitsrente?

So gehen Sie vor

Zur Inanspruchnahme der Leistungen aus der BU-Versicherung ist ein ausführlicher Leistungs­antrag erforderlich. Dieses umfassende Dokument hat einen Umfang von 20 Seiten und mehr, da Versicherer einen vollständigen und lückenlosen Nachweis der Berufs­unfähigkeit einfordern. In vielen Fällen kann eine professionelle Beratung bereits im Vorfeld der Antragstellung erforderlich sein.

Beim Antrag ist auf eine möglichst detaillierte Dokumentation zu achten. Daher sollten Versicherer gemeinsam mit dem Antrag selbst mindestens folgende Unterlagen gleich mitreichen:

  • Detaillierte Darstellung und Begründung zur Ursache der Berufs­unfähigkeit
  • Ausführliche Berichte der behandelnden Ärzte: Diese begründen die Ursache und prognostizieren die voraussichtliche Dauer der Berufs­unfähigkeit.
  • Dokumente über den ausgeübten Beruf, die Stellung sowie die konkreten Tätigkeiten, inklusive genauer zeitlicher Angaben, wie lange Versicherte im Betrieb welchen Tätigkeiten nachgegangen sind.

Auszahlungsdauer der Berufs­unfähigkeitsrente

Wie lange zahlt die Berufs­unfähigkeits­versicherung?

Nachdem Versicherer die Berufs­unfähigkeit anerkannt haben, zahlen sie die Berufs­unfähigkeitsrente grundsätzlich so lange, wie die gesundheitlichen Einschränkungen anhalten. Maximal erfolgt die Auszahlung jedoch bis Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit.

Im typischen Fall ist dies gleichzusetzen mit dem Beginn der Altersrente. In vielen Fällen tritt schon vorher eine Verbesserung des Gesundheits­­zustands ein, sodass die Voraus­setzungen der Berufs­unfähigkeit nicht mehr erfüllt sind. Die durchschnittliche Berufs­unfähigkeitsrenten-Bezugsdauer beträgt in Deutschland nach einer Studie zum Leistungs­verhalten der Versicherer durch die Circle Deutschland GmbH aus dem Jahr 2017 etwa 6,5 Jahre.

Vorsicht bei gesundheitlichen Verbesserungen

Versicherte sollten darauf achten, dass die Vertrags­bedingungen der Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht vorsehen, dass gesundheitliche Verbesserungen im Leistungs­fall aktiv zu melden sind. Andernfalls kann es vorkommen, dass Versicherte die im Leistungs­fall zu viel gezahlten Berufs­unfähigkeitsrenten zurückzahlen müssen.

Berufs­unfähigkeitsrente in der Steuer

Auf die Berufs­unfähigkeitsrente sind regulär Steuern zu entrichten, wobei die Höhe der Steuern primär von der Vertragslaufzeit abhängt. Für die Besteuerung ist also maßgeblich, bis zu welchem Alter, die Rente geleistet wird. Der zu versteuernde Anteil ist entsprechend umso größer, je länger die Bezugsdauer ausfällt. Auf die ausgezahlte Berufs­unfähigkeitsrente fallen im Allgemeinen nur geringe Steuern an. Versteuerung der Berufs­unfähigkeitsrente erfolgt nach dem Ertragsanteil, vergleichbar mit der privaten Altersrente.

Mehr zur Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuer

Berufs­unfähigkeitsrente und gesetz­liches Kranken­geld

Sind Überschneidungen möglich?

Für Betroffene ist es wichtig, wie die Kranken­kasse im Leistungs­fall auf eine Berufs­unfähigkeitsrente reagiert bzw. ob die Zahlung des gesetzlichen Kranken­geldes sowie der Berufs­unfähigkeitsrente gleichzeitig möglich sind.

Überschneidungen der Leistungen sind in der Praxis möglich. Unter anderem hängt dies mit der rückwirkenden Zahlung zusammen. Da die Bearbeitung der Anträge Monate dauern kann, sind entsprechend lange rückwirkende Zahlungen üblich. Daher kommt es zu Überschneidungen mit dem gesetzlichen Kranken­geld. Gemäß Urteil des Sozialgerichts Trier aus dem Jahr 2011 kann die gesetzliche Kranken­versicherung ihre Kranken­geldzahlungen nicht zurückfordern.


Berufs­unfähigkeits­versicherung und private Kranken­tagegeld­versicherung

Es ist hingegen nicht möglich, gleichzeitig Zahlungen aus einer privaten Kranken­tagegeld­versicherung und aus der Berufs­unfähigkeits­versicherung zu erhalten. Ein Urteil des Landgerichts Cottbus bestätigt, dass man in einem solchen Fall die Versicherung, die das Kranken­geld zahlt, unverzüglich informieren muss, sobald man eine Berufs­unfähigkeitsrente erhält. Der Beklagte wurde vom Gericht zu einer Rückzahlung der Kranken­tagegeldauszahlungen verpflichtet (Quelle).

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Fazit

Damit die Berufs­unfähigkeitsrente ausgezahlt wird, muss ein Arzt dem Versicherungs­nehmer mindestens 50 Prozent Unfähigkeit, den bisherigen Beruf auszuüben, attestieren. Auch darf die Ursache der Berufs­­versicherung nicht von einem Leistungs­ausschluss betroffen sein. Die Höhe der Rente wird bei Vertragsschluss vereinbart und sollte nicht zu niedrig angesetzt werden.

Die häufigsten Fragen zur Berufs­unfähigkeitsrente

Wer bekommt eine gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente?

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Eine gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente ist nur noch für Menschen möglich, die vor 1961 geboren worden. Alle anderen Personen erhalten eine volle Erwerbs­minderungsrente, wenn sie nur noch 3 Stunden pro Tag arbeiten können und eine teilweise Erwerbs­minderungsrente, wenn sie zwischen 3 und 6 Stunden am Tag arbeiten können. Darüber hinaus müssen Empfänger der Erwerbs­unfähigkeitsrente eine gewisse Versicherungs­zeit in der gesetzlichen Renten­versicherung vorweisen und die Zahlungen fallen oft sehr gering aus.

Der Unterschied zur privaten Berufs­unfähigkeitsrente ist, dass Personen hier auch auf einen ganz anderen Beruf verwiesen werden können. Außerdem ist die Auszahlung der privaten Berufs­unfähigkeitsrente daran geknüpft, ob man den bisherigen Beruf zu weniger als 50 Prozent ausüben kann. Die Höhe der Rentenzahlung wird hier bei Vertragsschluss vereinbart.

Wie bekomme ich die Berufs­unfähigkeitsrente?

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Damit die Versicherung zahlt, müssen Sie einen Antrag stellen und Unterlagen zu ihrer Arbeit sowie den Diagnosen und Prognosen Ihrer Ärzte einreichen.

Wann kann man eine Berufs­unfähigkeitsrente bekommen?

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Welche Gründe die Versicherung für eine Berufs­unfähigkeit akzeptiert, ist in den Versicherungs­unterlagen festgehalten. Die Bedingung für die Auszahlung der Berufs­unfähigkeitsrente ist, dass der Versicherungs­nehmer zu 50 Prozent berufsunfähig ist. Die Berufs­unfähigkeit wird in der Regel vom behandelnden Arzt festgestellt und durch ein Attest bestätigt. Manchmal gibt der Versicherer zusätzlich ein Gutachten in Auftrag, wenn er nicht von der Berufs­unfähigkeit überzeugt ist.

Bei welchen Krankheiten ist man berufsunfähig?

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Viele Krankheiten und Beschwerden können zu einer Berufs­unfähigkeit führen. Die häufigsten Ursachen sind psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout oder Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats. Entsprechend ist es wichtig, darauf zu achten, dass diese Ursachen in einer Berufs­unfähigkeits­versicherung mitversichert sind.

Wie wird die gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente berechnet?

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Die gesetzliche Berufs­unfähigkeitsrente entspricht etwa zwei Dritteln der gesetzlichen Altersrente. Berechnungsgrundlage sind die bisher gesammelten Rentenpunkte, wie lange man zuvor eingezahlt hat und wie lange es noch bis zum eigentlich vorgesehenen Rentenbeginn dauert.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden?

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Die Deutsche Renten­versicherung und die Deutsche Aktuarvereinigung geben an, dass durchschnittlich jeder vierte Arbeitnehmer berufsunfähig wird und dass es auch jüngere Menschen treffen kann. Berufs­unfähigkeit muss aber nicht lange anhalten. Viele Menschen können nach einigen Jahren Rentenbezug wieder ins Arbeits­leben zurückkehren.

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