Diese Versicherungen brauchen Ingenieure und Ingenieurbüros (2021)

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Welche Versicherungen für Ingenieure wirklich wichtig sind, welche Leistungen sie bieten sollten und was für die Kosten entscheidend ist.

Inhalt dieser Seite
  1. Haftpflicht­­versicherung als wichtigster Baustein
  2. Personen, Sach und Vermögensschäden
  3. Problematik der Spätschäden
  4. Beitrags­­kalkulation nach Umsatz und Mitarbeiterzahl
  5. Versicherungen für Büro und Baustelle
  6. Versicherung der Gesundheit

Das Wichtige in Kürze

  • Im Maschinen­bau, in der Umwelttechnik, in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Entwicklungshilfe tragen Ingenieure Verantwortung für Grundlagenforschung, technische Konzepte, Beratung, Bau, Inbetriebnahme und Wartung.
  • So vielfältig wie das Berufsbild sind auch die Risiken, die mit der Tätigkeit verbunden sind.
  • Eine spezielle Versicherung für Ingenieure schützt Sachwerte und das Vermögen als Ganzes.

Haftpflicht­versicherung als wichtigster Baustein

Die wichtigste Versicherung für Ingenieure ist die Berufs­haftpflicht­versicherung (s. a. Berufs­haftpflicht für Ingenieure). Sie ist unverzichtbar, weil hier ein Schaden in unbegrenzter Höhe droht (s. a. Infobox weiter unten in diesem Beitrag). Ein Sachschaden, beispielsweise ein Brand im Ingenieurbüro, ist stets begrenzt durch den Wert der vorhandenen Einrichtung. Ein Haftpflichtschaden kann dagegen lebenslange Verschuldung bedeuten. Für viele Ingenieurberufe ist eine Haftpflicht­versicherung gesetzlich vorgeschrieben.

Der Gesetzgeber hat bei der verpflichtenden Berufs­haftpflicht weniger das Wohl des Ingenieurs im Kopf, sondern eher den Opferschutz. Deshalb sind es auch nur bestimmte Sachverhalte, für die im Recht der jeweiligen Bundes­länder eine Versicherungs­pflicht verankert ist.

Eine Berufs­haftpflicht­versicherung müssen insbesondere Prüfingenieure für Baustatik abschließen, denn ein Fehler in der Statik kann enorme Sach- und Personenschäden nach sich ziehen. Auch Vermessungsingenieure, beratende Ingenieure, sogenannte Entwurfsverfasser, Aussteller von Sicherheitsnachweisen und öffentlich bestellte Sachverständige im Ingenieurwesen sind in der Regel ­versicherungs­pflichtig. Eine Pflicht zum Abschluss einer Versicherung kann sich auch aus einer Berufsordnung ergeben.

Soweit keine spezifische Regelung greift, ist die Mindest­deckungssumme im Versicherungs­vertragsgesetz geregelt (§ 114 VVG). Erforderlich sind pro Versicherungs­fall mindestens 250.000 Euro, für alle Versicherungs­fälle eines Jahres sogar 1.000.000 Euro. Eine Versicherungs­pflicht kann auch vertraglich vereinbart sein. Viele Ingenieure, die über eine durchgehende Jahres­versicherung haben, schlagen ihren Vertragspartnern eine solche Vereinbarung sogar von sich aus vor. Denn für den Kunden bedeutet die finanzkräftige Haftpflicht­versicherung eine zusätzliche Sicherheit für den Schadenfall.

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So ist die Haftung im Gesetz geregelt

Die zentrale Grundlage des Haftungsrechts in Deutschland ist der § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Danach ist derjenige, der einem anderen schuldhaft ein Schaden zufügt, zum Ersatz verpflichtet. Schuldhaft bedeutet vorsätzlich oder fahrlässig. Bereits leichte Fahrlässigkeit – ein kleiner Fehler, eine Nachlässigkeit – reicht aus.

Berechtigte Ansprüche Dritter können die wirtschaftliche Existenz vernichten: Das Gesetz sieht selbst in Fällen leichter Fahrlässigkeit keine Begrenzung der Ersatzpflicht vor. Der Schädiger haftet also mit seinem gesamten Vermögen und dem, was er in Zukunft noch verdient.

Bei freiberuflich tätigen Ingenieuren oder Personengesellschaften wie OHG und KG erstreckt sich die Haftung auch auf das Privatvermögen. Kommen aufgrund einer fehlerhaften Berechnung Menschen zu Schaden und erleiden sie dauerhafte Gesundheits­schäden, summieren sich Forderungen für Heil- und Pflegekosten sowie Verdienstausfall und Unterhaltsansprüche leicht auf Millionenbeträge.

Pauschale Deckung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden

In der Praxis bieten die wenigen auf die Versicherung der Ingenieure spezialisierten Unternehmen aber deutlich höhere als die gesetzlich geforderten Mindest­deckungssummen an. Sie entsprechen damit dem Kundenwunsch, sich auch bei hohen Haftungssummen auf die Versicherung verlassen zu können. Während das bürgerliche Recht nur zwischen Vermögensschäden und Nicht-Vermögensschäden (zum Beispiel Schmerzensgeld) unterscheidet, differenzieren die Versicherer zwischen Personen-, Sach- und (reinen) Vermögensschäden.

Vermögensschäden, die Folge eines Personen- oder Sachschadens sind, zum Beispiel Minderverdienst durch Umschulung oder frühere Verrentung, fallen unter diese Schadensarten. Vermögensschäden im Sinn der Haftpflicht­versicherung sind nur solche, die nicht mit einem Personen- oder Sachschaden zusammenhängen. Stellt etwa ein Vermessungsingenieur die Größe eines Grundstücks fehlerhaft fest und wird deswegen ein unangemessener Kaufpreis vereinbart, ist das ein echter Vermögensschaden. Der versicherte Ingenieur muss sich aber mit dieser Abgrenzung nicht beschäftigen, wenn er eine Berufs­haftpflicht­versicherung mit pauschaler Deckungssumme wählt. Bei dieser Form sind alle drei Schadensarten mit einer gemeinsamen Summe, zum Beispiel drei oder fünf Millionen Euro, versichert.

Experten-Tipp:

„Die Privat­haftpflicht­versicherung des Ingenieurs ist bei einigen Tarifen bereits enthalten. Bei Abschluss einer neuen Berufs­haftpflicht­versicherung kann es also sein, dass eine bereits bestehende Privat­haftpflicht überflüssig geworden und gekündigt werden kann.“

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Signatur von Katharina Krech
Katharina Krech
Beraterin

Die Problematik der Spätschäden

Bei Ingenieurleistungen machen sich Fehler oft erst nach Jahren bemerkbar. Die Versicherungs­unternehmen sprechen hier von Spätschäden. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, wann nach den Versicherungs­­bedingungen der Versicherungs­fall eingetreten ist.

Während bei gewöhnlichen Haftpflicht­versicherungen das Ereignisprinzip (Eintritt des Schadens) gilt, zählt bei den für Ingenieure typischen Vermögensschaden das Verstoßprinzip, also der Zeitpunkt, zu dem der Fehler, das berufliche Vergehen stattgefunden hat. Bei der Wahl des Versicherungs­unternehmens als Vertragspartner für die Haftpflicht­versicherung sollten deshalb nur solche Anbieter in die engere Wahl kommen, die auch nach vielen Jahren noch Gewähr dafür bieten, einen Spätschaden zu regulieren – auch, wenn der Versicherungs­vertrag zur Zeit des Schadenseintritts schon nicht mehr bestehen sollte. Die Spätschädenproblematik ist übrigens auch ein wichtiges Argument für eine ausreichend hohe Deckungssumme. Denn die zum Zeitpunkt des Verstoßes geltende Summe gilt auch für den späteren Schaden, der durch Inflation deutlich höher ausfallen kann.


Rechtsschutz-Versicherung für Ingenieure – zusätzlich nötig?

Die Haftpflicht­versicherung enthält bereits eine Rechtsschutz-Komponente. Zunächst prüfen die Experten aus dem Schadenmanagement des Versicherungs­unternehmens, ob die gegen den Ingenieur erhobenen Ansprüche überhaupt berechtigt sind – dem Grunde, aber auch der Höhe nach. Erst dann entscheidet sich die weitere Bearbeitung des Versicherungs­falls: Berechtigte Forderungen bezahlt der Versicherer für seinen Kunden bis zur Höhe der Deckungssumme. Ist der Versicherer aber der Auffassung, eine Forderung sei nicht begründet oder überzogen, stellt er sich schützend vor den Versicherten und wehrt die Ansprüche auf seine Kosten ab. Notfalls geht er deswegen auch vor Gericht.

Diese Abwehrfunktion wird als passiver Rechtsschutz bezeichnet. Und hier wird auch der Unterschied zu einer eigenständigen Rechtsschutz-Versicherung deutlich. Während der Haftpflicht­versicherer für die Fälle zuständig ist, in denen der Ingenieur (passiv) auf Schadensersatz­ in Anspruch genommen wird, übernimmt der Rechtsschutz­versicherer die Kosten der aktiven Rechtsverfolgung, also zum Beispiel das Eintreiben ausstehender Honorare oder die Geltendmachung eigener Ersatzforderungen.

Beitrags­kalkulation nach Umsatz und Mitarbeiterzahl

Um den passenden Versicherungs­schutz zu erhalten, muss der Ingenieur den genauen Umfang seiner Tätigkeit skizzieren. Angestellte oder beamtete Ingenieure sind meist über ihren Arbeitgeber bzw. Dienstherrn versichert. Sie benötigen eine separate Versicherung deshalb nur, wenn sie selbst nebenberuflich Ingenieurleistungen erbringen. Freiberufler brauchen aber die Berufs­haftpflicht­versicherung, entweder aus einer gesetzlichen oder vertraglichen Versicherungs­pflicht, einer Berufsordnung, oder weil sie einfach im eigenen Interesse ihr Vermögen vor Ersatzansprüchen schützen möchten.

Mitarbeiter, Praktikanten und Freelancer im Betrieb sind mitversichert, wenn sich Forderungen aus ihrem Verschulden ergeben. Der Beitrag richtet sich nach der gewählten Deckungssumme, der exakten Tätigkeit und dem Jahresumsatz oder der Mitarbeiterzahl.

Versicherungen für Büro und Baustelle

Während die Haftpflicht­versicherung das aktuelle und zukünftige Vermögen des Ingenieurs insgesamt schützt, erstreckt sich die ebenfalls empfehlenswerte Sach­versicherung auf bestimmte konkrete Werte. Damit nicht jeder Einrichtungsgegenstand einzeln versichert werden müssen, bildet man sogenannte Sachinbegriffe. Für ein Ingenieurbüro ist das insbesondere die technische und kaufmännische Geschäftsausstattung. Sie wird im Rahmen einer Sach-Inhalts­versicherung gegen bestimmte Gefahren wie Brand, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser und Sturm versichert. Auf Wunsch lässt sich diese Versicherung ergänzen um weitere Elementar­gefahren wie Hochwasser und Erdbeben sowie um eine Ertragsausfall-Komponente, die nach einem Sachschaden Gewinne und fortlaufende Kosten ersetzt (s. a. Elementar­schaden­versicherung). Enthalten ist bereits eine Außen­versicherung für solche Gegenstände, die vorübergehend außerhalb des Büros sind. Wer auch andere als die oben genannten Gefahren versichern will, schaut sich im Bereich der Elektronik­versicherung sowie der Auto-Inhalts­versicherung um.

Versicherung der Gesundheit

Unter Umständen ist eine private Kranken­versicherung für Ingenieure vorteilhaft, da diese je nach Situation Vorteile gegenüber der gesetzlichen Versicherung mit sich bringen kann. Besonders wichtig für selbständige Ingenieure ist es auf jeden Fall, entweder durch eine private Kranken­versicherung oder durch einen Wahltarif der gesetzlichen Kranken­versicherung ein ausreichendes Krankentagegeld zu garantieren.

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