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Erwerbsminderungsrente

Wie hoch ist die gesetzliche Versorgung und wer bekommt sie?
Das Wichtigste in Kürze
  • Die gesetzliche Er­werbs­min­de­rungs­rente ersetzt einen Teil des Ein­kommen­saus­falls bei dauerhafter Arbeits­un­fähig­keit durch Krankheit oder Unfall.
  • Anspruch auf Er­werbs­min­de­rungs­rente hat, wer mind. die letzten 5 Jahre in der gesetzlichen Renten­ver­sicherung war und mind. 3 Jahre aktiv Beiträge eingezahlt hat.
  • Wer weniger als 3 Stunden am Tag arbeitsfähig ist, hat Anspruch auf die volle Er­werbs­min­de­rungs­rente. Wer noch 3 – 6 Stunden arbeiten kann, erhält eine halbe Er­werbs­min­de­rungs­rente.
  • Die durch­schnitt­liche Höhe der Er­werbs­min­de­rungs­rente liegt knapp über 700 Euro. Dies reicht in den meisten Fällen nicht aus.
  • Deutlich umfassenderen Schutz bietet eine private Berufs­unfähig­keits­ver­sicherung. Sie sollte so frühzeitig wie möglich abgeschlossen werden.

Was ist die Er­werbs­min­de­rungs­rente?

Wer dauerhaft zu krank ist, um ein berufliche Tätigkeit auszuüben und Mitglied in der gesetzlichen Renten­ver­sicherung ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Er­werbs­min­de­rungs­rente erhalten. Ein Antrag auf diese Rentenform ist möglich, wenn der Versicherte mindestens fünf Jahre Mitglied in der gesetzlichen Renten­ver­sicherung war und mindestens drei Jahre lang aktiv Beiträge eingezahlt hat. Diese drei Jahre müssen nicht aneinanderfolgend gewesen sein.

Selbständige, die keine Beiträge an die gesetzliche Rentenkasse zahlen, haben grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Er­werbs­min­de­rungs­rente. Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Renten­ver­sicherung sind für die meisten Selbständigen zu teuer, da sie keinen Arbeitgeberzuschuss zu den Rentenbeiträgen erhalten. Als Alternative zu einem Antrag auf eine Pflichtmitgliedschaft zu den regulären Beitragssätzen können sie eventuell den niedrigeren Regelsatz bezahlen, um ihre Rentenansprüche inklusive des Anspruchs auf eine Er­werbs­min­de­rungs­rente zu erhalten. In den alten Bundesländern liegt der Regelsatz bei 579,39 Euro und in den neuen Bundesländern bei 533,82 Euro (Stand: 2020).
Zuerst Krankengeld nutzen
Vor dem Antrag auf eine Er­werbs­min­de­rungs­rente sollten in der gesetzlichen Renten­ver­sicherung Versicherte ihren Anspruch auf Krankengeld voll ausschöpfen. Krankengeld zahlt die gesetzliche Kranken­ver­sicherung für maximal 72 Wochen. Die Krankenkassen können ihre Mitglieder vor Ablauf dieser Frist nicht zu einem Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente zwingen.
… mehr zur gesetzlichen Krankenversicherung

Wie hoch ist die ge­setz­liche Er­werbs­min­de­rungs­rente?

Die Höhe der gesetzlichen Er­werbs­min­de­rungs­rente richtet sich nach dem individuellen Rentenanspruch der Versicherten. Eine Rolle spielt dabei, wie viele Jahre Beiträge zur gesetzlichen Renten­ver­sicherung gezahlt und wie viele Rentenpunkte dabei gesammelt wurden. In die Berechnung der Er­werbs­min­de­rungs­rente fließt außerdem der Zeitraum bis zum Eintritt des gesetzlichen Rentenalters ein.

Die Deutsche Renten­ver­sicherung gab für vollständige Er­werbs­min­de­rungs­renten im Jahr 2017 eine durchschnittliche Rentenhöhe von 716 Euro an. Versicherte mit einer teilweisen Erwerbsminderung erhielten im Schnitt 410 Euro Rente. Wer eine Er­werbs­min­de­rungs­rente erhält und über kein weiteres Einkommen verfügt, ist neben der Rente somit in der Regel auf die staatliche Grundsicherung angewiesen.


Wann bekomme ich eine Er­werbs­min­de­rungs­rente?

Ein Anspruch auf Er­werbs­min­de­rungs­rente ist an die folgenden Voraussetzungen gebunden:

  • Mindestens fünf Jahre Beitragszahlungen an die gesetzliche Renten­ver­sicherung
  • Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenkasse in den letzten fünf Jahren vor dem Rentenantrag
  • In den letzten fünf Jahren wurden für mindestens drei Jahre Beiträge an die gesetzliche Renten­ver­sicherung gezahlt. Dabei muss es sich nicht um einen zusammenhängenden Zeitraum handeln.
  • Dem Versicherten ist es pro Tag nicht möglich, länger als sechs Stunden einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Maßgeblich dafür ist nicht die Tätigkeit in einem bestimmten Beruf, sondern eine beliebige Arbeitstätigkeit. Die Qualifikationen der Betroffenen spielen dafür keine Rolle.
Eine volle Erwerbsunfähigkeit aus Sicht der Deutschen Renten­ver­sicherung liegt vor, wenn der Versicherte weniger als drei Stunden in der Lage ist, eine Arbeitstätigkeit auszuüben. Nur dann besteht ein Anspruch auf die volle Er­werbs­min­de­rungs­rente. Wer zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält lediglich die halbe Rente.
Teilzeitarbeit bei halber Erwerbsunfähigkeit

Bei einem Anspruch auf eine halbe Er­werbs­min­de­rungs­rente kann der Rentenversicherer die Aufnahme einer Teilzeitarbeit fordern. Im ungünstigsten Fall müssen ausgebildete Fachkräfte dabei auch unqualifizierte Tätigkeiten akzeptieren. Die volle Er­werbs­min­de­rungs­rente kann beantragt werden, wenn Versicherte belegen können, dass sie aufgrund der Lage auf dem Arbeitsmarkt keine Teilzeitstelle finden.

Sonderregelungen gelten für Versicherte, die vor 1961 geboren wurden. Sie können eine Er­werbs­min­de­rungs­rente erhalten, wenn sie in ihrem erlernten und/oder dauerhaft ausgeübten Beruf keine Teilzeitstelle finden. Die Renten­ver­sicherung besitzt bei diesem Personenkreis nicht das Recht, sie auf jede beliebige Tätigkeit zu verweisen.


Wie funktioniert bei der Er­werbs­min­de­rungs­rente die Wartezeit?

Um einen Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente stellen zu können, müssen Versicherte zunächst die fünfjährige Wartezeit erfüllen. Zur Wartezeit zählen insbesondere:

  • Zeiträume, in denen Pflichtbeiträge in die gesetzliche Renten­ver­sicherung eingezahlt werden
  • Freiwillige Beitragszeiten in der gesetzlichen Renten­ver­sicherung
  • Kindererziehungszeiten
  • Zeiten aus einem Versorgungsausgleich oder einem Rentensplitting
  • Häusliche Pflegezeiten ohne gewerbsmäßigen Charakter

In die Wartezeit werden von den Ren­ten­ver­siche­rungs­träg­ern jedoch auch Phasen einbezogen, in denen Versicherte eine oder mehrere der folgenden Leistungen erhalten haben:

  • Arbeitslosengeld I
  • Krankengeld
  • Übergangsgeld (während einer beruflichen Bildungsmaßnahme oder einer medizinischen Rehabilitation)

Hinweis: Arbeitslosengeld II wirkt sich inzwischen nicht mehr auf die Wartezeit für eine Er­werbs­min­de­rungs­rente aus. Zwischen Januar 2005 und Dezember 2010 hatte der Gesetzgeber eine Anrechnung zunächst vorgesehen.

Achtung bei Berufseinsteigern

Berufseinsteiger haben in den ersten fünf Jahren ihrer Berufstätigkeit kaum Chancen, eine Er­werbs­min­de­rungs­rente zu erhalten, da sie die Wartezeit noch nicht erfüllen können. Ausnahmen gelten lediglich bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Hier kann die Zahlung eines einzigen Rentenbeitrags anspruchsbegründend wirken. Freizeitunfälle können nach einem Jahr der Beitragszahlung einen Anspruch auf Erwerbsunfähigkeitsrente begründen.

Ausnahmeregelungen sind außerdem für die ersten Jahre nach dem Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums vorgesehen: Wenn innerhalb der ersten sechs Jahre nach dem Ausbildungsende eine volle Erwerbsminderung eingetreten ist und in den vorhergehenden zwei Jahren für mindestens zwölf Monate Rentenbeiträge bezahlt wurden, besteht ein Rentenanspruch.


Wie beantrage ich Er­werbs­min­de­rungs­rente?

Der Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente wird bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt. Dafür ist eine Reihe an Unterlagen nötig.

Unterlagen für den Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente (Auswahl)
  • Name und Anschrift der behandelnden Ärzte
  • Nachweise über Krankenhausaufenthalte und Reha-Maßnahmen
  • Detaillierte Beschreibung und ärztliche Bestätigung der gesundheitlichen Einschränkungen
  • Chronologische Auflistung aller bisherigen Arbeitsverhältnisse inklusive Angaben zum jeweiligen Gehalt

Nach dem Eintritt der Arbeits­un­fähig­keit haben in der gesetzlichen Kranken­ver­sicherung Versicherte für 72 Wochen Anspruch auf die Zahlung von Krankengeld. Bei Arbeitnehmern sind diesem Zeitraum außerdem die sechs Wochen der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber vorgelagert.

Wenn absehbar ist, dass die Arbeits­un­fähig­keit dauerhaft besteht, sollten Versicherte ihren Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente jedoch vor Ablauf dieses Zeitraums stellen. Die Deutsche Renten­ver­sicherung empfiehlt angesichts langer Bearbeitungszeiten einen frühzeitigen Rentenantrag (drei Monate nach dem Eintritt der Erwerbsminderung, sofern die Voraussetzungen für eine mögliche Rentenzahlung erfüllt sind).

Die Deutsche Renten­ver­sicherung lässt Anträge auf eine Er­werbs­min­de­rungs­rente auch durch ihre eigenen sozial­medizinischen und juristischen Dienste prüfen. Die Zusage der Renten wird insgesamt restriktiv gehandhabt – derzeit wird jeder zweite Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente abgelehnt.

Versicherte, deren Antrag auf Er­werbs­min­de­rungs­rente abgelehnt wurde, können dieser Entscheidung innerhalb eines Monats schriftlich widersprechen. Alternativ können sie persönlich Widerspruch in einer Geschäftsstelle der Renten­ver­sicherung einlegen. Als Fristnachweis benötigen sie dann ein unterschriebenes Protokoll des Widerspruchs. Der Widerspruch kann zunächst formlos erfolgen. Für eine nachzureichende ausführliche und sachkundige Begründung sollten sich Betroffene professionelle juristische Unterstützung holen. Wenn der Widerspruch erfolglos bleibt, ist als letztes Mittel gegen den abschlägigen Bescheid eine Klage vor einem Sozialgericht möglich.

Wie lange erhalte ich Er­werbs­min­de­rungs­rente?
Er­werbs­min­de­rungs­renten werden in der Regel nur befristet gewährt, und zwar bis zum Eintritt des regulären Rentenalters. Ausnahmen bestehen, wenn eine Besserung des Gesundheitszustandes äußerst unwahrscheinlich ist. Wer bei einer befristeten Berentung absehen kann, dass auch nach dem Fristablauf Arbeits­un­fähig­keit besteht, sollte rechtzeitig einen Folgeantrag stellen. Bei einer vollen Er­werbs­min­de­rungs­rente prüft die Renten­ver­sicherung dann in der Regel auch, ob aufgrund einer Besserung des Gesundheitszustands der Übergang auf eine halbe Rente möglich ist.

Zusätzlich eine private Berufs­unfähig­keits­ver­sicherung ab­schließen?

Angesichts der Zugangshürden und der geringen Höhe der gesetzlichen Er­werbs­min­de­rungs­rente sollten Arbeitnehmer und Selbständige möglichst eine private Berufs­unfähig­keits­ver­sicherung (BU) abschließen. Die Leistung einer privaten BU besteht in einer monatlichen Rente, der sog. Berufs­unfähig­keits­rente. Die Höhe der BU-Rente kann bei Vertragsabschluss selbst bestimmt werden. So ist man im Fall der Fälle finanziell abgesichert.

Zudem wird in einer privaten Berufs­unfähig­keits­ver­sicherung nicht die Erwerbsfähigkeit an sich, sondern die Fähigkeit zur Ausübung eines bestimmten Berufes versichert. Der Versicherungs­schutz durch eine Berufsunfähigkeit greift immer dann, wenn die Fähigkeit zur Berufsausübung um mindestens 50 Prozent gemindert ist.

Je früher eine BU, desto günstiger
Eine private Berufs­unfähig­keits­ver­sicherung sollte so früh wie möglich abgeschlossen werden. Junge Versicherte ohne Vorerkrankungen können mit sehr günstigen Beitragssätzen rechnen.
… mehr zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung

Private BU ja oder nein?

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie eine private Absicherung brauchen, Hilfe bei der Suche nach einem guten BU-Tarif oder Unterstützung bei der Antragstellung benötigen, dann kontaktieren Sie unsere unabhängigen Versicherungs­berater. Unsere BU-Experten können Sie umfassend beraten und Ihnen Ihre Optionen aufzeigen. Sie erreichen uns unter 030 – 120 82 82 8 oder unter kontakt@transparent-beraten.de. Nutzen Sie auch gern unser kostenfreies Vergleichsformular.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.01.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Müni Enkhsaikhan
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