Leistungs­antrag für die Berufs­unfähigkeits­versicherung

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von Swantje Niemann
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Das erwartet Sie hier

Welche Angaben Anbieter der Berufs­unfähigkeits­versicherung in einem Leistungs­antrag erwarten, wie Sie einen Antrag mit guten Erfolgsaussichten stellen und welche Fallstricke Sie kennen sollten.

Inhalt dieser Seite
  1. Wie sieht ein Leistungs­­antrag aus? (inkl. Beispiel)
  2. Das ist zu beachten
  3. Mögliche Fallstricke
  4. Weitere Fragen zum Leistungs­­antrag

Das Wichtige in Kürze

  • Der Leistungs­antrag in der Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) ist der Antrag auf die Berufs­­unfähigkeitsrente.
  • Lassen Sie sich von den engen formalen Vorgaben des Leistungs­­antrags nicht verunsichern und schildern Sie Ihren Fall genau, sachlich und logisch nachvoll­ziehbar.
  • Ihre Versicherung wird Kontakt zu Ihren Ärzten aufnehmen wollen. Es empfiehlt sich jedoch, lediglich eine beschränkte Schweige­pflicht­ent­bindung abzugeben.

Wie sieht der Leistungs­­antrag auf Berufs­­unfähig­keits­rente aus?

So füllen Sie den Antrag richtig aus

Sind Sie berufsunfähig geworden und möchten Leistungen beziehen, müssen Sie dies Ihrem Versicherer gegenüber zunächst nachweisen. Dazu dient der Leistungs­antrag.

Bevor der Versicherer eine Berufs­­unfähig­keits­rente (BU-Rente) auszahlt, wird genau geprüft, ob tatsächlich ein Leistungs­­anspruch gegeben ist. Dabei wird die sogenannte 50-Prozent-Regel angewendet: Der Versicherungs­nehmer kann nur noch 50 Prozent der vor Eintritt der Berufs­­unfähig­keit ausgeübten Tätigkeit verrichten. Laut Branchenverband GDV werden rund ein Viertel aller Anträge auf Berufs­unfähigkeitsrente abgelehnt. Damit Ihnen das nicht passiert, gilt es, den Leistungs­antrag für die Berufs­­unfähig­keits­ver­sicherung sorgfältig und gewissenhaft auszufüllen.

Der Leistungs­antrag besteht aus Formularen und Fragebögen, deren Aufbau und Inhalt jeder Versicherer individuell gestaltet. Er kann bis zu 20 Seiten und mehr umfassen. Nehmen Sie sich für das Ausfüllen dieser Formulare auf jeden Fall ausreichend Zeit. Fehlerhafte und unvollständige Angaben können dazu führen, dass sich die Auszahlung der Berufs­unfähigkeitsrente verzögert. Im schlimmsten Fall wird der Leistungs­antrag abgelehnt.

Von den Formalien nicht verunsichern lassen

Oft macht der Leistungs­antrag der Ver­sicherungs­gesell­schaften enge formale Vorgaben oder besteht nur aus einem Fragebogen, der kaum Raum für persön­liche Ausführungen lässt. Lassen Sie sich von solchen Vorgaben nicht ver­unsichern. Benötigen Sie mehr Platz, um Ihren individuellen Fall zu schildern, nutzen Sie zusätzliche Blätter. Bleiben Sie dabei möglichst sachlich und beschränken Sie sich auf relevante Informationen, die Ihre Versicherung zur Bearbeitung des Falles wissen muss. In der Regel erhalten Sie mit dem Leistungs­antrag auch ausführliche Hinweise, wie Sie den Antrag genau ausfüllen sollen.

Das sollten Sie bei Ihrem Leistungs­antrag beachten

Wann müssen Sie den Leistungs­antrag einreichen?

Wichtig für eine problemlose Bewilligung der Berufs­­unfähig­keit­srente ist auch der Zeitpunkt, zu dem Sie Ihren Leistungs­antrag ausfüllen und einreichen. Eine gute Versicherung zahlt die Leistungen rückwirkend zum Eintritt der Berufs­­unfähig­keit. Idealerweise füllen Sie den Antrag erst aus, wenn alle erforderlichen Unter­lagen vorliegen und Sie Ihren Fall lückenlos schildern können. Warten Sie jedoch auch nicht zu lange.


Unterlagen für den Leistungs­antrag

Zusammen mit Ihrem Leistungs­antrag müssen Sie eine Reihe von Unterlagen einreichen. Ist Ihr Antrag unvollständig, wird Ihre Versicherung die fehlenden Angaben nachfordern, die Sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums nachreichen müssen. Holen Sie daher alle erforder­lichen Unterlagen zum Nachweis so früh wie möglich ein.

In der Regel verlangen die Versicherungen folgende Belege:

  • Ausführliche Erklärung über Ursache, Beginn und Art der Berufs­unfähigkeit
  • Detaillierte Berichte der behandelnden Ärzte zum Grad und der voraus­sichtlichen Dauer der Berufs­­unfähigkeit, zum Status quo der Erkrankung sowie eine Prognose über den Verlauf der Beschwerden
  • Angaben zu Ihrer ausgeübten beruf­lichen Tätigkeit zum Eintritt der Berufs­unfähigkeit inklusive genauer Zeitangaben, am besten in tabellarischer Darstellung

Verdeutlichen Sie Zusammen­hänge zwischen Arbeits­aufgaben

Aus der Tätigkeitsbeschreibung sollte für die Versicherung ersichtlich sein, welche Teil­tätigkeiten untrennbar mit einem Gesamt­vorgang verbunden sind. Mit einem steifen Knie können Sie zum Beispiel noch Bürotätigkeiten verrichten. Eventuell setzen diese Büro­tätigkeiten jedoch andere Auf­gaben voraus, etwa Ortsbegehungen, die Sie krankheitsbedingt nicht mehr ausüben können. Dieser Zusammenhang muss aus Ihrer Tätigkeitsbeschreibung hervorgehen.

Welche möglichen Fall­stricke gibt es beim Ausfüllen des Leistungs­­antrags?

Wahrheitsgemäße Angaben machen

Widersprüchliche oder gar falsche Angaben im Leistungs­antrag führen dazu, dass die Versicherung die Berufs­unfähigkeitsrente kürzt oder überhaupt keine Leistungen auszahlt. Ihre Angaben im Leistungs­antrag zur BU-Rente sollten daher mit den Angaben über­einstimmen, die Sie bereits gegenüber anderen Versicherungen, etwa Ihrer Kranken­­­versicherung, gemacht haben. Darüber hinaus müssen Ihre Angaben zu den Informationen Ihrer Ärzte passen, und zwar für die letzten zehn Jahre. Alle Angaben zu Ihrer beruflichen Tätigkeit sollten zudem von Ihrem Arbeitgeber bestätigt werden können. Stehen Ihre Aussagen im Konflikt mit dem Arbeits­recht, wird das kaum ein Arbeitgeber gerne zugeben.


Schweige­pflicht­entbindungs­erklärung

Stellen Sie einen Leistungs­antrag auf Berufs­unfähigkeitsrente, wird Ihre Versicherung Ihre Angaben prüfen und dazu auch Kontakt mit Ihren behandelnden Ärzten aufnehmen. Damit Ihre Versicherung die nötigen Informationen einholen kann, müssen Sie Ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden. Zu diesem Zweck haben Sie oft schon beim Abschluss Ihrer Berufs­unfähigkeits­versicherung eine Schweigepflichtentbindung ausgefüllt. Spätestens bei der Antragstellung zur Berufs­unfähigkeitsrente wird Ihre Versicherung eine solche Schweigepflichtentbindung verlangen.

Achten Sie genau darauf, welche Art von Schweigepflichtentbindung Sie gewähren:

  • Die umfassende Schweige­pflicht­entbindung: Ihr Versicherer darf pauschal bei allen Ihren Ärzten Informationen einholen, ohne Sie vorher darüber informieren zu müssen.
  • Die beschränkte Schweige­pflicht­entbindung: Ihr Versicherer darf erst Informationen von Ihren Ärzten einholen, wenn Sie für jeden Arzt eine separate Einverständnis geben.

Mit einer beschränkten Schweige­pflicht­ent­bindung behalten Sie die Kontrolle über Ihre Gesundheits­daten und können mit Ihrem Arzt besprechen, welche Informationen er an die Versicherung weitergibt.

Experten-Tipp:

„Um Rückfragen zu klären und fehlende Informationen einzuholen, rufen viele Versicherungen bei den Antragstellern an. Am besten geben Sie am Telefon jedoch keine Auskunft, sondern bitten darum, die Fragen schriftlich zu beantworten. Wir geben den Versicherern grundsätzlich keine Telefonnummern von Kunden weiter. Bei uns gehört es zum Service, dass wir mit den Kunden gemeinsam die fehlenden Unterlagen besorgen.“

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Alexander Velden
Berater

Weitere Fragen zum BU-Leistungs­antrag

Wie lange dauert die Bearbeitung des Antrags?

Wie lange es dauert, bis Ihr Leistungs­antrag bearbeitet und Sie die Berufs­unfähigkeitsrente ausgezahlt bekommen, hängt natürlich von der Ver­siche­rungs­gesell­schaft und deren inter­nen Abläufen ab. Grundsätzlich leistet jede gute Berufs­unfähigkeits­versicherung auch rückwirkend. Das heißt: Auch wenn die Prüfung länger dauern sollte, wird die BU-Rente rückwirkend ab Beginn der Berufs­unfähigkeit gezahlt.

Einer Untersuchung von Franke und Bornberg von 2019 zufolge dauert es im Schnitt 143 Tage (etwas unter 5 Monate) vom Eingang des Kundenfragebogens bis zur Entscheidung. Während die Regulierung bei bestimmten Krankheits­bildern wie Krebs recht schnell geht, kann sie sich gerade bei psychischen Krankheiten länger hinziehen (Quelle).

Zu beachten ist jedoch, dass an der langen Bearbeitungsdauer nicht allein der Ver­sicherer Schuld ist. Franke und Bornberg erläutern in Ihrer Untersuchung, dass häufig Versicherungs­nehmer den Leistungs­­antrag zwar stellen, jedoch den Fragebogen nicht ausgefüllt wieder zurück­senden oder nur mit starker Verzögerung. Und auch dies ist nicht Verschulden des Versicherten allein: Rück­fragen bei allen Ärzten, Einholen aller Unterlagen und das Ausfüllen des umfang­reichen Fragebogens können viel Zeit kosten.

Kann mein Leistungs­antrag auch abgelehnt werden?

Natürlich kann Ihr Leistungs­antrag auf Berufs­unfähigkeitsrente auch abgelehnt werden. Haben Sie alle nötigen Unterlagen fristgemäß ein­gereicht und alles geschildert, kann der Berufs­unfähigkeits­versicherer dennoch aus verschiedenen Gründen ablehnen:

Die Experten von Franke und Bornberg ermitteln in ihrer Berufs­unfähigkeits-Leistungs­studie 2018, dass insgesamt 76 Prozent aller Leistungs­anträge auf Berufs­­un­fähig­keits­rente anerkannt werden. Nur knapp 24 Prozent werden abgelehnt. Dies bedeutet: 3 von 4 berufsunfähigen Versicherten erhalten ihre BU-Rente (Quelle).

Am besten schon vor Abschluss der Berufs­unfähigkeits­versicherung be­raten lassen

Der Leistungs­antrag für die Berufs­­unfähig­keits­ver­sicherung ist äußerst komplex. Von einer positiven Prüfung hängt zudem Ihre zukünftige finanzielle Versorgung ab. Entsprechende Sorgfalt sollten Sie beim Ausfüllen walten lassen. Viele Versicherungen bieten Be­troffenen an, sie beim Ausfüllen des Leistungs­­antrags zu unterstützen. Dabei sollten Sie sich jedoch bewusst sein, dass Ver­sicherungs­unter­nehmen in erster Linie darauf bedacht sind, keine unnötigen Leistungen zahlen zu müssen.

Auf der sicheren Seite stehen Sie, wenn Sie sich bereits vor Abschluss der Versicherung von uns beraten und betreuen lassen. Unsere Experten für die Berufs­unfähigkeits­versicherung helfen Ihnen nicht nur dabei, den richtigen Tarif und die besten Konditionen zu finden, sondern unterstützen Sie auch bei der allem, was nach Vertragsabschluss kommt. Dazu gehört auch die Bearbeitung des Leistungs­antrags. Kontaktieren Sie unser Maklerteam oder nutzen Sie auch gern unseren kostenfreien Tarifrechner, um direkt passende Tarife zu vergleichen und ein individuelles Angebot anzufordern.

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Die häufigsten Fragen zum Leistungs­antrag in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Wie beantrage ich Leistungen aus der Berufs­unfähigkeits­versicherung?

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Tragen Sie die relevanten Dokumente – z.B. das Attest Ihres Arztes – zusammen und füllen Sie den Leistungs­antrag Ihrer Berufs­unfähigkeits­versicherung aus. Den Antrag können Sie bei der Versicherung anfordern; unter Umständen finden Sie ihn auch online. Falls Ihre Angaben nicht in die dafür vorgesehenen Felder passen, fügen Sie weitere Blätter hinzu.

Was bedeutet Leistungs­antrag?

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Der Leistungs­antrag ist ein Antrag, den Versicherungs­nehmer der Berufs­unfähigkeits­versicherung im Fall einer Berufs­unfähigkeit an ihren Versicherer stellen, um die Berufs­unfähigkeitsrente zu erhalten.

Wird die Berufs­unfähigkeitsrente rückwirkend gezahlt?

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In der Regel wird die Berufs­unfähigkeitsrente auch rückwirkend gezahlt, ab dem Zeitpunkt, an dem die Berufs­unfähigkeit attestiert wurde.

Welche Voraussetzungen gibt es für Berufs­unfähigkeit?

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Eine Person gilt als berufsunfähig, wenn sie für mindestens sechs Monate lang maximal 50 Prozent ihrer bisherigen Arbeits­leistung erbringen kann. Ursachen dafür können Krankheit, ein Unfall oder Kräfteverfall sein. Der Versicherer entscheidet auf der Grundlage der ihm vorliegenden Diagnosen und Befunde über den Grad der Berufs­unfähigkeit und ordnet in einigen Fällen zusätzliche Gutachten an.

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