Das sind typische Gesundheits­fragen in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

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von Nina Bruckmann
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Welche typischen Gesundheits­fragen in der Berufs­unfähigkeits­versicherung auf jeden Fall gestellt werden und auf welche Formulierungen Sie achten sollten.

Inhalt dieser Seite
  1. Was gehört zur Gesundheits­­prüfung?
  2. Typische Gesundheits­­fragen
  3. Vorsicht bei diesen Formulierungen
  4. Gerichtsurteil zur vorvertraglichen Anzeigepflicht
  5. Gibt es vereinfachte Gesundheits­­fragen?

Das Wichtige in Kürze

  • Mit der Gesundheits­prüfung schätzen Versicherer das Risiko dafür ab, dass der Antragsteller berufsunfähig wird.
  • Hierfür müssen Sie eine Reihe von Fragen zur gesundheitlichen Verfassung beantworten.
  • Beantworten Sie die Fragen unbedingt wahrheitsgemäß. Ansonsten kann der Versicherer später die Leistung verweigern.
  • Wir als unabhängiger Versicherungs­­makler können bei Vorerkrankungen vorab anonyme Voranfragen stellen, um die Konditionen zu klären.

Was gehört alles zur Gesundheits­prüfung?

Wer eine Berufs­­unfähig­keits­versiche­rung abschließen will, muss eine Gesundheits­prüfung ablegen. Hiermit überprüft der Versicherer, wie hoch das Risiko dafür ist, dass jemand berufsunfähig wird. Werden die Fragen vom Antragsteller nicht wahrheitsgemäß beantwortet, kann dies zu einem Verlust des Versicherungs­schutzes führen. Doch keine Sorge: Die Gesundheits­prüfung ist bei den meisten Versicherern harmloser, als man denkt.

Fragebogen plus Nachfragen

Die Gesundheits­prüfung meint den gesamten Prozess, in dem der Versicherer gesundheitliche Angaben über die interessierte Person einholt. In manchen Fällen reicht es, einfach nur den Fragebogen mit den Gesundheits­fragen auszufüllen, den man vom Versicherer bekommt. Dieser wird dann automatisch ausgewertet. In anderen Fällen stellt der Versicherer im Anschluss noch Nachfragen zu spezifischen Angaben.

So unterstützen wir Sie

Unsere unabhängigen und erfahrenen Experten für Berufs­unfähigkeits­versicherung unterstützen Sie beim kompletten Antrag auf Versicherungs­schutz – also auch bei der Beantwortung der Gesundheits­fragen. Wir helfen Ihnen dabei, die Gesundheits­fragen zu Ihren Gunsten und natürlich korrekt zu beantworten und achten darauf, dass Ihre Angaben keine nachteiligen Folgen für Sie haben. Kontaktieren Sie uns direkt oder nutzen Sie unseren kostenfreien Tarifrechner, um passende Tarife zu vergleichen und ein individuelles Angebot anzufordern.

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Versicherer muss Angaben bei Antrag­stellung nicht prüfen

Manchmal müssen noch Unterlagen nachgereicht oder der behandelnde Arzt von der Schweigepflicht entbunden werden, sodass der Versicherer direkt dort Nachfragen stellen kann. Zu beachten ist: Der Versicherer ist nicht dazu verpflichtet, den Wahrheitsgehalt der Angaben zu überprüfen. Oftmals wird erst im Leistungs­fall nachgeforscht, ob die gemachten Aussagen tatsächlich stimmen. Beantworten Sie die Fragen dennoch nach bestem Wissen und Gewissen!


Zeit nehmen für die Beantwortung

Die Beantwortung der Gesundheits­­fragen sollte nicht auf die Schnelle beim Vermittler vonstatten gehen, sondern es sollte sich ausreichend Zeit hierfür genommen werden. Der Antragsteller kann den Fragebogen mit nach Hause nehmen und sollte dort in Zweifelsfällen auch ruhig Rücksprache mit seinem Arzt halten.

Typische Gesundheits­fragen in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

  1. Wurde in den letzten 5 Jahren eine Versicherung auf Ihr Leben oder für den Fall einer Berufs­unfähigkeit von einem Versicherer abgelehnt, zurückgestellt, mit Beitrags­zuschlag oder mit einer Leistungs­einschränkung versehen bzw. angeboten?
  2. Sind bei anderen Unternehmen Versicherungen für den Fall Ihrer Berufs­unfähigkeit abgeschlossen oder beantragt?
  3. Sind Sie besonderen Gefahren im Beruf (z.B. Flugrisiko; Umgang mit Chemikalien, radioaktiven Stoffen/Strahlen; Aufenthalt in Krisengebieten), bei Sport oder Hobby (z. B. Flugsport/Drachenfliegen/Fallschirmspringen, Rennfahrten, Bergsteigen, Tauchen, Extremsportarten oder sportlichen Wettbewerben) ausgesetzt?
  4. Reisen Sie innerhalb der nächsten 12 Monate für länger als 6 Monate in ein außereuropäisches Land?
  5. Haben in den letzten 5 Jahren Kranken­haus­-, Rehabilitations-, Kuraufenthalte oder ambulante Operationen stattgefunden oder sind solche in den nächsten 12 Monaten beabsichtigt oder ärztlich empfohlen?
  6. Besteht derzeit ein körperliches Gebrechen, ein Organfehler, eine angeborene Erkrankung, eine Erwerbs­minderung, eine Wehrdienstschädigung oder eine Schwerbehinderung? Wenn ja, welches/aufgrund welchen Leidens?
  7. Bestehen derzeit oder bestanden in den letzten 5 Jahren Krankheiten, Behinderungen, medizinisch behandelte Beschwerden oder geistige bzw. körperliche Schäden als Folgen von Krankheiten oder Verletzungen
    • des Herzens oder des Kreislaufs?
    • an Lunge, Bronchien, Zwerchfell?
    • an Magen, Darm, Galle Bauchspeicheldrüse, Leber?
    • an Niere, Blase, Prostata, Unterleibsorganen, Brust?
    • des Stoffwechsels?
    • der Blut bildenden Organe, Blut- oder Tumorerkrankungen?
    • durch akute oder chronische Infektionen?
    • der Psyche?
    • des Gehirns oder Nervensystems?
    • der Wirbelsäule, Bandscheiben?
    • der Knochen, Gelenke, Bänder, Muskeln, Sehnen?
    • der Haut, Allergien?
    • der Augen?
    • der Ohren?
  8. Nehmen oder nahmen Sie derzeit oder innerhalb der letzten 5 Jahre Betäubungs­mittel oder Drogen ein?
  9. Sind Sie derzeit oder waren Sie innerhalb der letzten 5 Jahre länger als zwei Wochen in Behandlung von Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten oder Angehörigen sonstiger Gesundheits­berufe (z.B. Kranken­gymnast, Heilpraktiker­, Physiotherapeut)?
  10. Haben Sie in den letzten 12 Monaten Zigaretten, Zigarren oder Pfeife geraucht, Schnupftabak oder Kautabak oder sonst Nikotin aktiv zu sich genommen?

Es geht meist nur um die letzten Jahre

Wie Sie sehen, geht es bei den Gesundheits­fragen zur Berufs­unfähigkeits­versicherung nur um die letzten Jahre:

  • Ambulante Behandlungen und Arztbesuche: letzten 3 Jahre
  • Psychische Erkrankungen: letzten 5 Jahre
  • Operationen und stationäre Behandlungen: 10 Jahre

Liegen Erkrankungen und Behandlungen länger zurück, spielen Sie in der Regel keine Rolle mehr.

Welche Krankheiten und Sportarten sind unproblematisch und welche nicht?

Prinzipiell ist die Risikoeinschätzung der Versicherer individuell. Jeder Versicherer beurteilt nach unterschiedlichen Kriterien und Erfahrungs­werten und jeder Versicherte wird als Einzelfall geprüft. Dennoch gibt es einige Vorerkrankungen, die eher ein Problem darstellen oder Sportarten, die als zu riskant angesehen werden, wodurch Ihnen der Versicherungs­schutz abgelehnt oder nur eingeschränkt angeboten wird. Lesen Sie mehr dazu auf unseren weiterführenden Seiten:

Berufs­unfähigkeits­versicherung: Welche Vorerkrankungen sind kritisch?

Gefährliche Hobbys in der Berufs­unfähigkeits­versicherung (inkl. Liste)

Vorsicht: Formulierungen können verwirrend sein

Außerhalb vom Versicherungs­thema ist es oftmals egal, ob man die Begriffe Krankheitgesundheitliche Störung oder Beschwerden benutzt, da alle ähnliche Dinge beschreiben. Im Kontext der Versicherungen sollte man jedoch ganz genau darauf achten, was in den Unterlagen und Fragen des Versicherers steht, damit man die Fragen korrekt beantworten kann.

Krankheit

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Als Krankheit zählt im Bereich der Versicherungen ein Zustand, der vom Normalzustand abweichtbehandlungsbedürftig ist und auch die Arbeits­fähigkeit einschränkt. Beschwerden sind allerdings nicht unbedingt Voraussetzung: Bei der Gesundheits­prüfung müssen auch solche Krankheiten angegeben werden, die diagnostiziert wurden, aktuell aber keine Beschwerden (mehr) verursachen.

Störung

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Eine Störung ist etwas weiter gefasst als eine Krankheit. Hiermit sind Abweichungen vom Normalfall gemeint – auch wenn die Ursache hierfür ungeklärt ist –, die aber nicht so schwerwiegend wie eine Krankheit sind. Auch hier ist es keine Voraussetzung, dass beim Betroffenen Beschwerden auftreten. Eine Störung kann beschwerdefrei sein, wie z.B. bei Unfallfolgen. Beispielsweise, wenn jemand sich vor langer Zeit einmal ein Bein gebrochen hatte, im Moment aber keine Probleme mehr damit hat.

Beschwerden

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Beschwerden sind Beeinträchtigungen des Wohlbefindens, die psychischer oder körperlicher Natur sein können. Sie sind nicht unbedingt sofort als Störung oder Krankheit zu werten. Hierzu gehören z.B. ein Hexenschuss, gelegentliche Kopfschmerzen oder Sodbrennen. Auch wenn man nicht beim Arzt war und keine Diagnose gestellt wurde, müssen Beschwerden unter Umständen trotzdem bei der Gesundheits­prüfung angegeben werden.

Bagatell­erkrankungen

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Natürlich gibt es auch Krankheiten und Beschwerden, die nicht angegeben werden müssen, da sie harmlos und folgenlos sind. Hierzu gehören z.B. gelegentliche Kopfschmerzen oder einfache Erkältungen (nicht Grippe, dies ist eine potenziell lebensgefährliche Krankheit). Auch Bagatell­erkrankungen können jedoch relevant werden, wenn sie auffällig häufig auftreten. Dann müssen sie evtl. doch angegeben werden.

Experten-Tipp:

„Grundsätzlich müssen Sie in der Gesundheits­prüfung nur die Krankheiten und Beschwerden angeben, nach denen Sie auch gefragt werden. Geben Sie bei der Beantwortung jedoch lieber zu viel als zu wenig preis. Denn letztendlich entscheidet das Versicherungs­unternehmen über die Relevanz der Krankheit für die Risikobewertung. Damit Ihnen kein vorsätzliches Verschweigen einer Krankheit unterstellt werden kann, sollten Sie alle Ihnen bekannten gesundheitlichen Einschränkungen im gefragten Zeitraum nach bestem Wissen und Gewissen angeben. Achten Sie außerdem bei der Beantwortung der Gesundheits­fragen auf deren Formulierung. Manche Versicherer stellen diese sehr offen.“

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Alexander Velden
Berater

Gerichtsurteil zum Thema vor­vertrag­liche Anzeige­pflicht

Wer sich für eine Berufs­­unfähig­keits­versiche­rung interessiert, hat die Pflicht, bei der Gesundheits­prüfung wahre Angaben zu machen und nichts zu verschweigen. Darum sollte man nicht selbst entscheiden, was eine Bagatell­erkrankung ist, sondern entweder alles angeben oder sich an einen erfahrenen Versicherungs­­makler wie uns wenden, der bei der Bewertung unterstützt.

Im Jahr 2013 ist ein Versicherter am Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 8 U 50/13) mit einer Klage gegen seinen Versicherer gescheitert. Dieser hatte die Zahlung der Berufs­unfähigkeitsrente verweigert, nachdem herausgekommen war, dass der Versicherte mehrfach bei einer Hals-, Nasen- und Ohrenärztin wegen chronischer Sinusitis, Gesichtsschmerzen und anderen Beschwerden in Behandlung gewesen war, dies aber bei Vertragsabschluss nicht angegeben hatte.

Unwahre Beantwortung einer Frage

Die Frage des Versicherers lautete: „Bestehen oder bestanden bei Ihnen in den letzten 10 Jahren Störungen, Krankheiten oder Beschwerden (z.B. des Herzens, der Kreislauf-, Atmungs-, Verdauungs-, Sinnes-, Harn- oder Geschlechtsorgane, der Haut, des Gehirns, der Nerven, der Psyche, des Stoffwechsels, des Bewegungsapparates, Geschwülste, Allergien) …?“

Diese Frage hatte er mit „nein“ beantwortet und damit die oben genannte Behandlung – die wiederholt, und zum letzten Mal nur 2 Monate vor Vertragsabschluss stattgefunden hatte – verschwiegen. Daraufhin kam die Versicherung zustande. Der Versicherte wurde dann berufsunfähig aufgrund einer Lungen­embolie und Bein­venen­thrombose, der Versicherer weigerte sich, die BU-Rente auszuzahlen.

Entscheidung zugunsten des Versicherers

Das Gericht entschied zugunsten des Versicherungs­unternehmens. Der Versicherte hatte behauptet, die genannten Beschwerden nicht als Erkrankung angesehen zu haben. Dies sah das Gericht jedoch als nicht glaubwürdig an und entschied, der Versicherte habe vorsätzlich und arglistig gehandelt, um die Versicherung zu täuschen.

Gibt es Berufs­unfähigkeits­versicherer mit vereinfachten Gesundheits­fragen?

Einige Versicherer bieten Tarife mit vereinfachten Gesundheits­fragen an, zum Beispiel für Menschen unter einer bestimmten Altersgrenze (meist 30 oder 35), für bestimmte Berufs­gruppen oder bei bestimmten Aktionen. Es lohnt sich, diese auf jeden Fall einmal anzuschauen. Man sollte jedoch darauf achten, dass in den Versicherungs­­bedingungen keine signifikanten Einschränkungen der Leistungen vorgesehen sind. Beispielsweise, dass nur Berufs­unfähigkeitsrenten bis zu einer bestimmten Höhe versichert werden können. Unsere Versicherungs­­makler können Ihnen bei der Bewertung helfen, ob sich ein solcher Tarif für Sie trotzdem lohnt.

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Die häufigsten Fragen zur Gesundheits­prüfung in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Welche Gesundheits­fragen werden im BU-Antrag gestellt?

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Im Antrag zur Berufs­unfähigkeits­versicherung werden Gesundheits­fragen zu vergangenen oder aktuellen Erkrankungen, Beschwerden, Störungen, Operationen, Medikamenten und Infektionen gestellt. Es wird Ihre gesundheitliche Verfassung abgefragt.

Wann werden die Gesundheits­fragen geprüft?

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Die Gesundheits­prüfung legen Sie beim Antrag auf Versicherungs­schutz ab. In diesem Antrag erhalten Sie einen Fragebogen zu Ihrer gesundheitlichen Verfassung der letzten 3-10 Jahre.

Bei welchen Krankheiten gibt es keine Berufs­unfähigkeits­versicherung?

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Besonders schwere Erkrankungen führen oftmals zu einer Ablehnung der Berufs­unfähigkeits­versicherung. Dazu gehören etwa Multiple Sklerose, Morbus Chron, HIV oder auch Rheuma.

Was passiert, wenn meine Erkrankung später ausheilt?

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Haben Sie eine Berufs­unfähigkeits­versicherung mit einem Leistungs­ausschluss abgeschlossen und ist Ihre Erkrankung daraufhin ausgeheilt, dann können Sie unter Umständen diesen Ausschluss wieder aufheben lassen. Achten Sie dabei darauf, dass Ihr Vertrag einen „Leistungs­ausschluss mit Prüfoption“ enthält. In diesem Fall können Sie nach Heilung eine erneute Überprüfung anfordern und den Ausschluss entfernen lassen. Dies können Sie jedoch nur einmal und frühestens 2 Jahre nach Abschluss tun.

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Katharina Tennius
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