Berufs­unfähigkeits­versicherung – Alternativen

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von Swantje Niemann
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Wieso Sie sich für den Fall der Berufs­unfähigkeit absichern sollten und welche Möglichkeiten dazu es neben der Berufs­unfähigkeits­versicherung gibt.

Inhalt dieser Seite
  1. Folgen der Ablehnung
  2. Erwerbs­­unfähigkeits­­versicherung
  3. Unfall­­versicherung
  4. Grundfähigkeits­­versicherung
  5. Dread Disease Versicherung
  6. Betriebliche Berufs­­unfähigkeits­­versicherung

Das Wichtige in Kürze

  • Die Berufs­unfähigkeits­versicherung lehnt immer wieder Anträge ab. Wer hier abgelehnt wurde, sollte sich jedoch nach Alternativen umsehen.
  • Unfall­versicherungen und Dread-Disease-Versicherungen decken spezifische Risiken ab.
  • Große, dauerhafte Einschränkungen wichtiger Fähigkeiten lassen sich über eine Grundfähigkeiten­versicherung oder Funktions­invaliditäts­versicherung absichern.

So wirkt sich die Ablehnung durch die Berufs­unfähigkeits­versicherung aus

Ablehnung wirkt abschreckend auf den Versicherungs­abschluss

Auch wenn die Berufs­unfähigkeits­versicherung hoch angepriesen wird, ziehen nur wenige ihren Abschluss tatsächlich in Erwägung. Dies ist auf eine Reihe von Gründen zurückzuführen. Einerseits ist der Abschluss einer Berufs­unfähigkeits­versicherung, je nach Berufs­gruppe und Gesundheits­zustand des Interessenten, mit einem hohen Kostenfaktor verbunden, andererseits gehen Versicherungen äußerst selektiv bei der Aufnahme ihrer Versicherungs­nehmer vor. Stufen Versicherer die bestehende Vorerkrankung als sehr riskant ein, wird dem Interessenten der Versicherungs­schutz verwehrt. Umso wichtiger ist es, sich mit den Alternativen zur Berufs­unfähigkeits­versicherung vertraut zu machen.

Gesetzliche Erwerbs­minderungsrente sichert nur bedingt ab

Zwar gibt es eine staatliche Erwerbs­minderungsrente, die ausgezahlt wird, wenn der Arbeitnehmer erwerbsunfähig wird, allerdings sind an den Erhalt dieser Rente viele Bedingungen geknüpft und die Höhe der ausgezahlten Rente reicht kaum aus, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten.

Um Anspruch auf volle oder teilweise Erwerbs­minderungsrente zu haben, muss der Arbeitnehmer 5 Jahre vor dem Eintritt der Erwerbs­minderung mindestens für 3 Jahre in die Renten­versicherung eingezahlt haben. Ob der Erwerbs­unfähige die volle oder nur eine Teilrente erhält, hängt davon ab, als wie arbeitsfähig der Arzt ihn einstuft. Wer nicht mehr als drei bis unter sechs Stunden pro Woche arbeiten kann, der bekommt eine teilweise Erwerbs­minderungsrente ausgezahlt. Anspruch auf die volle Erwerbs­minderungsrente hat nur derjenige, der nur noch weniger als drei Stunden pro Woche arbeiten kann.

Dabei bezieht sich die die Definition des Begriffes „Arbeit“ nicht bloß auf den aktuellen Job, sondern auf jede mögliche Tätigkeit, der Arbeitnehmer kann also auch auf einen anderen Job verwiesen werden. Die gesetzliche Erwerbs­unfähigkeits­versicherung beinhaltet also ähnliche Beschränkungen wie eine Berufs­unfähigkeits­versicherung, die keinen Verzicht auf die abstrakte Verweisung beinhaltet.

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Erwerbs­unfähigkeits­versicherung sichert Menschen ohne Vorerkrankungen ab

Alternative Erwerbs­unfähigkeits­versicherung

Eine alternative Versicherungs­möglichkeit bietet der Abschluss einer Erwerbs­unfähigkeits­versicherung. Unabhängig von dem vorher ausgeübten Beruf, wird dem Versicherungs­nehmer bei Arbeits­unfähigkeit eine vereinbarte Rente ausgezahlt. Bei der Auslegung der Begriffsdefinition Arbeits­unfähigkeit orientiert sie sich an der Definition der gesetzlichen Erwerbs­minderungsrente. In dem Zusammenhang erlangt ein Arbeitnehmer den Status “arbeitsunfähig“, wenn er nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann.

Mit ihrem Abschluss gelangt der Versicherungs­nehmer an einen bis zu 40 Prozent günstigeren Versicherungs­schutz, als bei einer herkömmlichen Berufs­unfähigkeits­versicherung. Ist sie im Vergleich zur Berufs­unfähigkeits­versicherung deutlich günstiger, geht sie bei der Aufnahme in den Versichertenkreis sehr viel strenger vor. Somit müssen sich all diejenigen mit einer Ablehnung abfinden, denen der Versicherungs­schutz bereits in der Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht ermöglicht wurde.

Mehr zur Erwerbs­unfähigkeits­versicherung

Unfall­versicherung zur Absicherung waghalsiger Hobbys und Berufe

Zahlreiche Menschen vermuten sich mit der Unfall­versicherung ausreichend abgesichert. Dabei bedenken sie jedoch nicht, dass sich ihr Versicherungs­schutz lediglich auf Unfälle bezieht. Tritt der Versicherungs­fall ein, hat der Geschädigte Anspruch auf eine Einmalzahlung, die dem Invaliditätsgrad entspricht. Bei einer Gliedertaxe von 30 Prozent und einer vereinbarten Versicherungs­summe von 100.000 Euro stünde dem Versicherten eine Einmalzahlung in Höhe von 30.000 Euro zu.

Dabei muss aber bedacht werden, dass nur etwa 10 Prozent aller Berufs­unfähigkeitsfälle durch einen Unfall ausgelöst werden. Die Versicherung zahlt beispielsweise nicht, wenn der Versicherte aufgrund einer chronischen oder einer psychischen Erkrankung berufsunfähig wird.

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Was sichert die Grundfähigkeits­versicherung ab?

Grundfähigkeits­versicherung setzt eine dauerhafte Einschränkung der Grundfähigkeit voraus

Seit 2000 wird dem Versicherungs­nehmer die Möglichkeit eingeräumt, die Grundfähigkeiten sehen, hören, greifen und sprechen umfassend abzusichern. Dabei erfolgt die Inanspruchnahme der Leistung relativ einfach. Verliert der Versicherungs­nehmer sein Hör- oder Sehvermögen, zahlt ihm die Versicherung eine Rente aus.

Doch so einfach gestaltet sich der Zuspruch der jeweiligen Versicherungs­leistung nicht. Damit der Versicherungs­leistung stattgegeben wird, muss der Geschädigte beispielsweise sein Sehvermögen nahezu komplett verloren haben und das für mindestens ein Jahr. Wer die Versicherungs­leistungen aufgrund motorischer Einschränkungen wahrnehmen möchte, bei dem müssen mindestens drei Kräfte wie gehen, stehen oder sitzen nicht mehr funktionstüchtig sein.

Dread-Disease-Versicherung sichert den Eintritt einer schweren Krankheit ab

Anstelle der Erwerbs­tätigkeit konzentriert sich die Dread-Disease-Versicherung auf einzelne Grundfunktionen des Körpers. Hinsichtlich ihrer Zusammensetzung behandelt die Dread-Disease-Versicherung drei Versicherungs­bereiche: Absicherung der Grundfähigkeiten, Pflegezusatz­versicherung und zusätzliche Unfallrente. Mit dem Versicherungs­abschluss sichert sich nicht die Arbeits­unfähigkeit ab, sondern den Eintritt bestimmter Krankheitsbilder und Ereignisse. Um eine vorübergehende Arbeits­unfähigkeit abzusichern, bietet sich der Abschluss einer Arbeits­unfähigkeits­versicherung an.

Bei der Dread-Disease-Versicherung werden Krankheiten, wie zum Beispiel bestimmte Krebsarten, Multiple Sklerose, Herzinfarkt sowie Leber- und Lungenkrankheiten abgesichert. Der Versicherungs­nehmer hat auch nur dann Anspruch auf die Versicherungs­leistung, wenn die vertraglich vereinbarten Krankheiten auftreten. In dem Fall wird ihm eine Einmalzahlung ausgeschüttet. Alternativ zur Einmalzahlung kann er auch einen monatlichen Auszahlplan mit der Versicherung vereinbaren.

Funktions­invaliditäts­versicherung kombiniert alle Versicherungs­bereiche in einer Police

Haben sich die vorherigen Versicherungen auf einen bestimmten Versicherungs­bereich spezialisiert, vereint die Funktions­invaliditäts­versicherung sämtliche Bereiche in einer einzigen Police. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Unfall-, Dread-Disease-, Grundfähigkeits- und Pflege­versicherung. Treten bestimmte Krankheiten bei dem Versicherungs­nehmer auf oder verliert er die Kraft zur Ausübung einiger Grundfähigkeiten, hat er Anspruch auf Rentenzahlung. Die Rentenzahlung steht ihm nur zu, wenn ein bestimmter Behinderungsgrad erreicht wurde, die Erkrankung dauerhaft und nicht heilbar ist.

Betriebliche Berufs­unfähigkeits­versicherung: Absicherung über die Firma

Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung kann man auch über das eigene Unternehmen abschließen, im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge. Die Berufs­unfähigkeits­versicherung kann in diesem Fall über die Firma als Gruppenvertrag abgeschlossen werden. Ein großer Vorteil für den Arbeitnehmer: Die Gesundheits­prüfung bei solchen Gruppenverträgen ist meist stark vereinfacht.

Experten-Tipp:

„Welche der unterschiedlichen Möglichkeiten als Alternative zur Absicherung des existenziellen Risikos genutzt werden sollte, lässt sich pauschal nicht beantworten. Denn jede alternative Absicherung zur Berufs­unfähigkeits­versicherung hat ihre Vor- und Nachteile. Mit dem Abschluss einer Erwerbs­unfähigkeits­versicherung zum Beispiel, erhalten Versicherungs­nehmer im Krankheitsfall eine Rente ausgezahlt, die sich nach den Vorgaben der gesetzlichen Erwerbs­minderungsrente richtet. Damit ihr Versicherungs­schutz jedoch aktiv wird, darf der Versicherungs­nehmer innerhalb der ersten fünf Versicherungs­jahre nicht krank werden.

Möchten sich körperlich Tätige für den Ernstfall mit einer Grundfähigkeits­versicherung absichern, erhalten sie den Versicherungs­schutz nicht gleich bei dem ersten Leiden. Im Zuge dessen müssen sie nachweisen, dass die motorische Fähigkeit ihrer Gelenke dauerhaft eingeschränkt bzw. verloren ist. Nichtsdestotrotz ist eine Alternative zur Berufs­unfähigkeits­versicherung sinnvoller als ohne Versicherungs­schutz dazustehen – auch wenn sie nur einen eingeschränkten Versicherungs­schutz bietet.“

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Alexander Velden
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