So funktioniert die gesetzliche Pflege­versicherung

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von Swantje Niemann
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Wie die gesetzliche Pflege­versicherung gestaltet ist, wie hoch der Beitrag in 2021 ist und welche Möglichkeiten Sie haben, zusätzlich privat vorzusorgen.

Inhalt dieser Seite
  1. Beitrag zur Pflegepflicht­­versicherung
  2. Steigender Pflegebedarf
  3. Pflege­­versicherung: Pflicht­­versicherung
  4. Neuerungen durch Gesetze

Das Wichtige in Kürze

  • Die gesetzliche Pflege­versicherung als fünfter Zweig der deutschen Sozial­versicherung wurde 1995 in Deutschland eingeführt.
  • 2019 wurden die Versicherungs­beiträge um 0,5 Prozent angehoben.
  • Eine steigende Lebenserwartung und sich ändernde Familienstrukturen machen staatliche Unterstützung und private Vorsorge­ immer wichtiger.

Beitrag zur Pflegepflicht­versicherung 2021

Zum 1. Januar 2019 wurde der Beitrag zur gesetzlichen Pflege­versicherung um 0,5 Prozent angehoben.

Beitrag zur Pflege­versicherung 2021

  • 3,05 Prozent

kinderlose Personen ab 23 Jahre

  • 3,3 Prozent

Beitrag in Sachsen

  • Arbeitnehmer: 2,025 Prozent
  • Arbeitgeber: 1,025 Prozent

Steigender Bedarf durch hohe Lebenserwartung

Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch den medizinischen Fortschritt gestiegen. Noch Mitte der 1950er Jahre konnte man damit rechnen, maximal 60 oder 70 Jahre alt zu werden. Die medizinische Versorgung war seinerzeit schlicht nicht ausgereift genug, um bis ins hohe Alter fit und leistungsfähig zu bleiben.

Die Situation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Schon heute werden Menschen in Deutschland über 80 Jahre alt und erfreuen sich dabei bester Gesundheit. Mediziner gehen davon aus, dass die Lebenserwartung der heute jungen Generation noch einmal deutlich steigt. Doch auch alte Menschen, die gesund sind, benötigen oft eine Betreuung.

Alte Familienmuster haben ausgedient

In früheren Generationen war es üblich, dass Großeltern, Eltern, Kinder und Enkelkinder gemeinsam unter einem Dach lebten oder zumindest in direkter Nachbarschaft. Vor allem auf dem Land war das Mehrgenerationenhaus sehr üblich. In der Großfamilie konnte die Versorgung der Kleinen und der Alten problemlos sichergestellt werden. Doch dieses Modell hat mehr und mehr ausgedient. Allenfalls in kleineren Ortschaften oder in sehr ländlichen Gegenden leben heute noch mehrere Generationen in einem Haus. In solchen Familien mag es möglich sein, alte Menschen bis zu ihrem Tod zu versorgen.

Doch schon die heutige Rentnergeneration muss meist selbst die Verantwortung übernehmen, um ihre Pflege im Alter sicherzustellen. Daher haben der Gesetzgeber und die Versicherungs­branche verschiedene Möglichkeiten geschaffen um vorzusorgen und die Pflegekasse aufzufüllen:

Der Staat als Helfer ist gefordert

Durch die steigende Zahl an Einpersonenhaushalten wird es immer schwieriger, Großeltern und Eltern innerhalb des familiären Umfelds zu pflegen. Es ist deshalb zwingend erforderlich, spätestens mit dem Eintritt ins Rentenalter eine private Vorsorge­ für den Pflegefall zu treffen. In erster Linie ist der Staat als Helfer gefordert. Es geht darum, Pflegeplätze und Pflegeeinrichtungen zu schaffen, in denen alte Menschen, in Abhängigkeit von ihrem Gesundheits­zustand, betreut werden können. Solche Maßnahmen verursachen jedoch immense Kosten, die durch die gesetzliche Pflege­versicherung gedeckt werden sollen.

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Die Pflege­versicherung als Pflicht­versicherung

Bei der sozialen Pflege­versicherung handelt es sich um eine Pflicht­versicherung. Wer in der gesetzlichen Kranken­­versicherung pflichtversichert ist, ist automatisch in der sozialen Pflege­versicherung versichert. Privat Kranken­versicherte müssen eine private Pflege-Pflicht­versicherung abschließen. Gleichzeitig ist jede Kranken­kasse und jeder private Kranken­­versicherer gesetzlich verpflichtet, eine Pflege­versicherung anzubieten. Aufgrund dieser engen Bindung sind die Pflegekassen als Träger der Pflege­versicherung an die Kranken­kassen und die Kranken­­versicherer gekoppelt.

Der erste Ansprechpartner bei drohender Pflegebedürftigkeit ist also immer die Kranken­kasse des Betroffenen. Alle Regelungen zur Pflege­versicherung finden sich im Sozialgesetzbuch (SGB XI). Dazu gehören auch Informationen zu den Pflegeleistungen, wie z.B. Pflegegeld oder Pflegekurse.

Es bewegt sich was – Das Pflegestärkungsgesetz

Das Erste Pflegestärkungsgesetz ab 1.1.2015

Mit dem Ersten Pflegestärkungsgesetz (PSG I), das am 1.1.2015 in Kraft getreten ist, wurden die Leistungen der rund 2,7 Millionen in Deutschland lebenden Pflegebedürftigen erhöht. So wurden unter anderem die Leistungs­beiträge sowohl für die häusliche als auch die stationäre Pflege um 4 Prozent erhöht.

  • Ausbau der Unterstützungs­angebote für pflegende Angehörige
  • Ausbau der Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages­- und Nachtpflege
  • Anhebung der Zuschüsse für Umbau­maßnahmen und Pflegehilfsmittel
  • Verbesserung der Stellung von Demenzkranken und Personen in der Pflegestufe 0
  • Gesetz zur Vereinbarung von Familie, Pflege und Beruf
  • Recht auf berufliche Auszeit von bis zu 10 Tagen
  • Anspruch Pflegeunterstützungsgeld, wenn kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht
  • Anspruch auf Pflegezeit (vollständige oder teilweise Freistellung von bis zu 6 Monaten
  • Anspruch auf Familienpflegezeit (teilweise Freistellung)
  • Recht auf Arbeits­zeitreduzierung (auf bis zu 15 h/Woche) für bis zu 2 Jahre
  • Unterstützung neuer Wohnformen (z.B. betreute Wohngruppen)
  • Bereitsstellung von Geldern zur Aufstockung des Pflegepersonals

Weitere Informationen unter www.pflegestaerkungsgesetz.de)

All diese Verbesserungen müssen natürlich finanziert werden, daher stieg mit in Kraft treten des Gesetzes auch der Beitrags­satz zum 1. Januar 2015 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent an. Sozial­versicherungs­pflichtige Menschen ohne Kinder sind weiterhin schlechter gestellt und müssen nun 2,6 Prozent in die gesetzliche Pflege­versicherung abführen. Durch die Anhebung des Beitrags­satzes rechnet die Bundes­regierung mit einem Einahmeplus von rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz ab 1.1.2016

Am 1. Januar 2016 ist das Zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten (PSG II).

Neue Regelungen des PSG II im Überblick:

  • pflegende Angehörige erhalten Anspruch auf Pflegeberatung
  • Bundes­länder müssen Rahmenverträge über die pflegerische Versorgung an neuen Pflegebedürtigkeitsbegriff anpassen.
  • bis 10/2016 müssen Pflegesätze und Personalschlüssel durch die Träger der Pflegeeinrichtungen, Sozialhilfeträger und Pflegekassen geprüft und ggf. angepasst werden

Das Dritte Pflegestärkungsgesetz ab 1.1.2017

Zum 1. Januar 2017 stieg der Beitrags­satz nochmal um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 bzw. 2,8 Prozent (für Kinderlose). Außerdem wurden die Pflegestufen von dem neuen System der Pflegegrade abgelöst. Mit ihnen sollen zukünftig sowohl körperliche, als auch geistige und psychische Einschränkungen erfasst und in die Einstufung mit einbezogen werden. Die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade erfolgt durch Einschätzung der Selbständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Aus diesen Teilergebnissen wird eine Gesamtbewertung erstellt, anhand derer der Pflegegrad bestimmt wird.

Laut Bundes­ministerium für Gesundheit erfolgt die Umstellung für bereits Pflegebedürftige automatisch und es ist keine neue Begutachtung nötig. Des Weiteren soll niemand schlechter gestellt werden. Es gilt, dass Pflegebedürftige nach der Umstellung die bisherigen Leistungen mindestens im gleichen Umfang erhalten. Die meisten sollen durch das neue System sogar besser gestellt werden (Quelle).

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