Sozialpartnermodell

Ratgeber und Vergleich (2021)

Das erwartet Sie hier

Diese Vorteile bietet Ihnen das Sozialpartnermodell und so gelingt Ihnen die Einführung in Ihr Unternehmen.

Inhalt dieser Seite
  1. So funktioniert das Sozialpartnermodell
  2. Leistungen des Sozialpartnermodells
  3. Vorteile und Nachteile
  4. Wann lohnt sich dieses Modell?
  5. Aktuelle Testergebnisse
  6. bAV Vergleich für Unternehmen
  7. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Das Sozialpartnermodell ist der jüngste Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge (bAV).
  • Beim Sozialpartnermodell vereinbaren Unternehmen mit den Gewerkschaften eine Zielrente für den Arbeitnehmer.
  • Für die Erfüllung dieser Zielrente haften weder Arbeitgeber noch die Vorsorgeeinrichtung. Dadurch soll sich die Anlage der Beträge flexibler gestalten und mehr Rendite erwirtschaftet werden.
  • Durch das Sozialpartnermodell soll die bAV vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen attraktiver werden.

Wie funktioniert das Sozialpartnermodell?

Das Sozialpartnermodell ist der jüngste „Durchführungsweg“ der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Es wird auch Nahles-Rente genannt, nach der einstigen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Es ist das Herzstück des Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG), das seit Anfang 2018 in Kraft ist. Beim BRSG hatte Nahles die Federführung.

Bei den „Sozialpartnern“ handelt es sich um die Tarifparteien Arbeitgeber und Gewerkschaften. Alle Unternehmen, die einem Tarifvertrag verabschieden, können vom Sozialpartnermodell Gebrauch machen. Es können auch nichttarifgebundene Arbeitgeber diese Form der bAV vereinbaren. Voraussetzung dafür ist aber eine entsprechende Öffnungsklausel im Tarifvertrag. Eine gesetzliche Verpflichtung besteht jedoch nicht.

Wie gestalten sich die Beiträge im Sozialpartnermodell?

Der Arbeitgeber zahlt für seine Angestellten einen vertraglich vereinbarten Beitrag an eine Vorsorgeeinrichtung oder Versicherung. Die Vorsorgeeinrichtung kann von den Tarifparteien getragen und organisiert werden. Alternativ kann die Durchführung auch über eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder Direkt­versicherung erfolgen. Entscheidend ist, dass sich die Sozialpartner auf eine bestimmte Vorsorgeeinrichtung verständigt haben. Zudem müssen die Mitwirkungsrechte der Tarifpartner sichergestellt sein.

Wer zahlt die Beiträge und wie hoch sind diese?

Die Beiträge müssen laut Gesetz in einem separaten Anlagestock oder Sicherungsvermögen angelegt werden. Zudem dürfen für die Leistungen aus diesen Beiträgen keine Garantien zugesagt werden. Die Beiträge können auf unterschiedliche Weisen finanziert werden:

  • Nur der Arbeitgeber finanziert die Beiträge – beispielsweise über eine Gehaltserhöhung.
  • Nur der Arbeitgeber finanziert die Beiträge – beispielsweise über eine Gehaltserhöhung.
  • Beide zahlen die Beiträge.

Die Beitragshöhe sollte die geförderten Höchstbeträge nicht überschreiten. Sie kann auch nachträglich gesenkt oder erhöht werden. Finanziert ein Arbeitnehmer das Sozialpartnermodell, passiert dies über die Entgeltumwandlung. Darauf haben alle Arbeitnehmer, Arbeiter, Angestellte, Auszubildende, Mitglieder des Vorstands einer AG sowie Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH Anspruch.

Entgeltumwandlung einfach erklärt

Sozialpartnermodell: Der wichtigste Unterschied

Beim Sozialpartnermodell wurde eine reine Beitragszusage eingeführt. Damit zahlt der Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer lediglich vertraglich vereinbarte Beiträge an die Versorgungseinrichtung. Diese Beiträge werden zu einer sog. Zielrente bestimmt –  also eine bestimmte Summe, die er später erhalten soll. Für die Erfüllung einer bestimmten Leistung haften anders als bei den anderen Formen der bAV weder der Arbeitgeber noch die Versorgungseinrichtung. Auch können die späteren Leistungen nur als lebenslange Rente und nicht als Kapital ausgezahlt werden.

Alle Durchführungswege der bAV im Überblick

Das Sozialpartnermodell in Kürze

Art der BeiträgeArbeitgeber über Zuwendungen (keine Pflicht), Arbeitnehmer-Beiträge über Entgeltumwandlung.
Leistungen im AlterAls lebenslange Rente, Kapitalauszahlung ist in der Regel nicht möglich.
BesonderheitWeder der Arbeitgeber noch die Vorsorgeeinrichtung haften für eine bestimmte Rentenhöhe.
Geeignet fürArbeitgeber, die sich von ihrer Haftung befreien wollen. Arbeitnehmer, die sich eine höhere Rendite bei der Altersvorsorge erhoffen.
Staatliche FörderungDie Beiträge sind bis zu einer gewissen Grenze sozial­versicherungsfrei und unbegrenzt steuerfrei.
Versteuerung im AlterZahlungen müssen während Rente nachträglich versteuert werden.
Optimale BeitragshöheDie Beiträge sollten die Grenze der steuerlichen Förderungen nicht überschreiten.
Nachträgliche Änderung der BeitragshöheBeträge können gesenkt oder erhöht werden.
Private WeiterführungIn der Regel nicht möglich.
KündigungKündigung ist in der Regel nicht möglich, Beiträge können aber auf ruhend gesetzt werden.
Absicherung von Invalidität oder TodesfallGegen einen Aufpreis können diese Risiken abgesichert werden.

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Was leistet das Sozialpartnermodell?

Die betriebliche Altersrente wird in der Regel frühestens ab dem 62. Geburtstag ausgezahlt. Für die Höhe gibt es im Gegensatz zu anderen Formen der bAV keine Garantie. Bei einer reinen Beitragszusage trägt der Arbeitnehmer die Risiken. In der Rentenphase wird das angesparte Kapital nicht einmalig, sondern als laufende Rente ausgezahlt. Während des Bezuges kann die Rente sinken. Planungssicherheit geht für den Arbeitnehmer dadurch verloren, allerdings besteht beim Geld anlegen der Beiträge auch mehr Flexibilität als bei anderen Formen der bAV. Dadurch erhöhen sich die Renditechancen. Damit dennoch ein bestimmtes Versorgungsniveau erreicht wird, darf im Tarifvertrag ein zusätzlicher Sicherungsbetrag vereinbart werden. Allerdings reduzieren sich dabei die Renditechancen.

Zusatzleistungen möglich

Beim Sozialpartnermodell gibt es wie bei anderen Formen der bAV auch zusätzliche Leistungen gegen Mehrkosten. So können die Angehörigen im Todesfall mit einer Hinterbliebenenrente abgesichert werden. Möglich ist auch, die Absicherung der Berufsunfähigkeit. Kann ein Versicherungsnehmer während der Ansparphase seinen Beruf nicht mehr ausüben, werden die Beiträge weitergezahlt.

Diese Abgaben werden bei Auszahlung fällig

Die Einkünfte werden im Versorgungsfall versteuert. In den meisten Fällen sind die Steuern im Alter allerdings niedriger als im Erwerbsleben. Auf die Leistungen aus der Direkt­versicherung müssen gesetzlich Versicherte oder freiwillig gesetzlich Versicherte zudem Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflege­versicherung zahlen.

Diese Abgaben werden bei Auszahlung fällig

So ist das Sozialpartnermodell abgesichert

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwacht das Sozialpartnermodell auf der Grundlage spezifischer neuer Aufsichtsvorschriften. Zudem müssen die Sozialpartner mit den Vorsorgeeinrichtungen möglichst effiziente und sichere Betriebssysteme einführen und steuern. Eine Pflicht zur Insolvenzabsicherung besteht nicht. So springt auch der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) nicht bei möglichen Zahlungsausfällen ein. Geht ein Unternehmen Pleite, so hat der betroffene Arbeitnehmer ein Eintrittsrecht in eine neue Versorgung.

Vorteile und Nachteile des Sozialpartnermodells

Vorteile des Sozialpartnermodells

Für den Arbeitgeber

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  • Keine Haftung: Beim Sozialpartnermodell werden die Beiträge nach dem Motto „pay and forget“ (zahle und vergesse) eingezahlt. Der Arbeitgeber haftet also nicht mehr für die vereinbarten Leistungen, was die reine Beitragszusage sehr interessant macht.
  • Geringverdiener: Leistet ein Arbeitgeber einen Zuschuss in die bAV von Geringverdienern (max 2.200 Euro Monatsgehalt) profitiert er von staatlicher Förderung der bAV.
  • Motivation: Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter mit dem Sozial­versicherungsmodell motivieren und sie langfristig an das Unternehmen binden.
  • Weniger Sozialabgaben: Für Beiträge, die die Mitarbeiter in die Pensionskasse einzahlen, sparen Arbeitgeber Sozialabgaben. Die Lohnnebenkosten werden dadurch gesenkt.
  • Bilanzneutral: Durch die Auslagerung des Sozialpartnermodells müssen in der Bilanz keine Rückzahlungen gebildet werden. Das verbessert die Kennzahlen.
  • Wenig Aufwand: Der administrative Aufwand hält sich in Grenzen, da die Verwaltung eine externe Vorsorgeeinrichtung oder Versicherung übernimmt.

Für den Arbeitnehmer

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  • Höhere Renditechancen: Weil die Haftung des Arbeitgebers wegfällt, besteht bei der Kapitalanlage mehr Flexibilität als bei anderen Formen der bAV. Dies erhöht die Renditechancen.
  • Stellenwechsel: Wechselt ein Arbeitnehmer die Stelle, so kann er sämtliche eingezahlten Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge mitnehmen – egal wie lange er im Unternehmen war. Bei anderen Formen der bAV gibt es bei den arbeitgeberfinanzierten Beiträgen Fristen.
  • Steuern sparen: Die Arbeitnehmerbeiträge sind bis zu einer gewissen Grenze steuer- und sozialabgaben­versicherungsfrei. Erst im Alter müssen die Auszahlungen der bAV versteuert werden, in der Regel aber zu einem niedrigeren Satz.
  • Zuschüsse vom Arbeitgeber: Der Chef muss die Altersvorsorge im Rahmen der Entgeltumwandlung mitfinanzieren.

Nachteile des Sozialpartnermodells

Für den Arbeitgeber

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  • Wenig Angebote: Dieser neue Durchführungsweg der bAV ist noch wenig bekannt. Dementsprechend gibt es derzeit noch relativ wenige Angebote auf dem Markt. Ob und inwieweit eines dieser Angebote auf Ihr Unternehmen passt, finden Sie am besten mit einem Experten heraus – kontaktieren Sie uns hierzu oder nutzen Sie unser kostenfreies Formular auf dieser Seite.

Für den Arbeitnehmer

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  • Unsichere Rentenhöhe: Für den Arbeitnehmer verringert sich die Planungssicherheit, da er nicht weiß, mit welcher Rentenhöhe er kalkulieren darf. Im schlimmsten Fall verliert er sogar sein gesamtes eingezahltes Geld. Damit sich sein Risiko minimiert, können die Arbeitgeber Sicherungsbeiträge leisten.
  • Keine Kapitalauszahlung: Im Pensionsalter dürfen die Beiträge nur als laufende Rente geleistet werden. Eine einmalige Kapitalauszahlung ist in der Regel nicht möglich.
  • Geringere Sozialbeiträge: Die Entgeltumwandlung reduziert den Bruttolohn des Arbeitnehmers. Auf dieser Grundlage werden die Beiträge zur gesetzlichen Sozial­versicherung wie Renten- oder Arbeitslosen­versicherung berechnet. Es ist also möglich, dass ein Angestellter so weniger Arbeitslosengeld oder gesetzliche Rente erhält.
  • Kranken­versicherung: Ist ein Rentner gesetzlich krankenversichert, muss er auf die Rentenauszahlungen die vollen Beiträge zahlen. Das heißt, er muss für den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil aufkommen. Dies gilt jedoch für jeden Durchführungsweg der bAV.

Für welche Arbeitgeber und Arbeitnehmer eignet sich das Sozialpartnermodell?

Welche Arbeitgeber profitieren vom Sozialpartnermodell?

Das Sozialpartnermodell ist nur dann möglich, wenn Unternehmen Tarifverträge mit Gewerkschaften geschlossen haben. Beim Sozialpartnermodell müssen sie keine Leistungszusagen geben wie bei den anderen Formen der bAV. Will sich ein Unternehmen von dieser Haftung befreien, ist das Sozialpartnermodell attraktiv. Ganz nach dem Motto „pay and forget“ kann er die Beiträge einzahlen und muss sich danach nicht weiter darum kümmern.

Für welche Arbeitnehmer lohnt sich die bAV per Sozialpartnermodell?

Die Kapitalanlage gestaltet sich beim Sozialpartnermodell flexibler als bei anderen Durchführungswegen der bAV, weil die Haftung des Arbeitgebers entfällt. Will ein Arbeitnehmer die Renditechancen bei seiner Altersvorsorge erhöhen, kann das Sozialpartnermodell interessant sein. Besonders jüngere Personen können davon profitieren. Der Arbeitnehmer muss sich aber auch bewusst sein, dass seine Rentenhöhe unsicher ist.

Experten-Tipp:

„Im schlimmsten Fall erhält der Arbeitnehmer bei diesem Modell gar nichts, auch wenn das Risiko dafür sehr gering ist. Daher ist dieses Modell der bAV vor allem zu empfehlen, wenn der Arbeitgeber die Beiträge einzahlt.“

Foto von Stephan Seidenfad
Signatur von Stephan Seidenfad
Stephan Seidenfad
Experte für betriebliche Altersvorsorge

Aktuelle Testberichte zum Sozialpartnermodell

Testberichte zum Sozialpartnermodell gibt es noch keine, da das Modell noch sehr jung und in der Praxis noch kaum zum Einsatz kommt. 2020 bewertete das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) jedoch 27 Anbieter der betrieblichen Altersvorsorge allgemein. So erhalten etwa die Allianz, die Alte Leipziger und die Generali die Höchstbewertung (Quelle).

Alle aktuellen Testsieger zur betrieblichen Altersvorsorge sowie weitere Testberichte sehen Sie hier:

bAV im Test: Alle Testberichte

Sozialpartnermodell: Angebote vergleichen und fachliche Beratung nutzen

Möchten Sie Ihren Mitarbeitern das Sozialpartnermodell anbieten? Bevor es soweit ist, ist ein Vergleich mit den 5 anderen Durchführungswegen der betrieblichen Altersvorsorge sinnvoll. Neben dem Sozialpartnermodell gibt es folgende Möglichkeiten:

Ist das Sozialpartnermodell für Ihr Unternehmen interessant, dann informieren Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten.

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Fazit

Sollten Unternehmen 2021 auf das Sozialpartnermodell setzen?

Das Sozialpartnermodell wurde erst 2018 eingeführt. Zwei Jahre danach kann es Stephan Seidenfad, Geschäftsführer der von Buddenbrock Unternehmensgruppe, noch nicht empfehlen: „Das Sozialpartnermodell ist ein Versuch, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände enger in die Pflicht zu nehmen, um risikofreier Rentenabsicherungen für Arbeitnehmer anzubieten.“

Besonders für Arbeitgeber ein spannendes Konzept, findet Seidenfad. Nur sei es bis dato am erzwungenen Zusammenspiel zwischen den Sozialpartnern gescheitert, sodass die Umsetzung vor allem an 2 Dingen scheitere: „Der Einigkeit der Parteien und der Unattraktivität für Berater, dieses Modell zu vermarkten.“


Alle Durchführungswege der bAV

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Katharina Tennius
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