Das erwartet Sie hier
Warum bei hohem Gehalt der Steuervorteil mehr zählt als die Zulage und was der Wechsel in die neue Förderung ab 2027 wirklich bringt.
Inhalt dieser SeiteDas Wichtigste in Kürze
- Für Gutverdiener ohne Kinder bringt die neue Förderung ab 2027 meist etwas mehr, aber viel weniger, als die Zulage von bis zu 540 Euro vermuten lässt.
- Entscheidend ist die Günstigerprüfung: Das Finanzamt rechnet Ihre Beiträge als Sonderausgaben an, wenn das mehr bringt als die Zulage.
- Ihr Vertrag läuft ohne Ihr Zutun mit der alten Förderung weiter. Neue Riester-Verträge gibt es nur noch bis zum 31.12.2026.
- Bei teuren Verträgen mit langer Laufzeit kann eine Übertragung ins Altersvorsorgedepot mehr bringen als der reine Wechsel der Förderung.
Lohnt sich Riester für Gutverdiener noch?
Ja, für Gutverdiener lohnt sich ein bestehender Riester-Vertrag weiter, vor allem wegen des Steuervorteils. Der Wechsel in die neue Förderung bringt ohne Kinder in unserem Beispiel rund 101 Euro mehr Förderung im Jahr, weil mehr Geld absetzbar ist, nicht weil die höhere Zulage zusätzlich ankommt.
Reform 2027: Was das für Ihren Vertrag als Gutverdiener bedeutet
Ihr Riester-Vertrag läuft mit 175 Euro Grundzulage und bis zu 2.100 Euro Sonderausgabenabzug weiter, bis die Auszahlung beginnt. Ab dem 01.01.2027 können Sie in die neue Förderung wechseln, dann sind 1.800 Euro plus Zulage absetzbar, oder Ihr Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Neue Riester-Verträge gibt es nur bis zum 31.12.2026.
Ihr Förderstatus auf einen Blick
| Frage | Riester-Vertrag bis 31.12.2026 | Neues Recht ab 2027 |
|---|---|---|
| Gefördert? | unmittelbar als Pflichtversicherte oder Beamte, Selbständige ohne Rentenversicherungspflicht und Versorgungswerk-Mitglieder nur mittelbar | wie bisher, neu auch Selbständige und Versorgungswerk-Mitglieder unter 67 |
| Eigenbeitrag für die volle Grundzulage | 2.100 Euro minus Zulagen, ohne Kinder 1.925 Euro | 1.800 Euro für 540 Euro Grundzulage |
| Grundzulage | 175 Euro | bis 540 Euro |
| Steuerabzug | bis 2.100 Euro einschließlich Zulage | bis 1.800 Euro plus Zulage |
| Günstigerprüfung | von Amts wegen durch das Finanzamt | bleibt |
Bei hohem Gehalt ist der Mindesteigenbeitrag immer gedeckelt: Ab 52.500 Euro im Vorjahr liegen vier Prozent über 2.100 Euro, gezahlt werden müssen aber nur 2.100 Euro einschließlich Zulagen. Das neue Recht gilt für Ihren Vertrag nur, wenn Sie es ausdrücklich wählen oder ab 2027 einen neuen geförderten Vertrag abschließen. Rechtsgrundlage ist § 10a EStG.
Was gilt für Gutverdiener bei der Riester-Förderung?
Für Gutverdiener gelten dieselben Förderregeln wie für alle anderen, ein hohes Einkommen schließt niemanden aus. Der Unterschied liegt im Steuerrecht: Je höher Ihr Steuersatz, desto mehr ist jeder abgesetzte Euro wert und desto eher übersteigt der Steuervorteil die Zulage.
So funktioniert die Günstigerprüfung
Das Finanzamt rechnet in der Günstigerprüfung von Amts wegen aus, ob der Sonderausgabenabzug mehr bringt als Ihre Zulagen. Ist das so, bekommen Sie die Differenz als Steuerermäßigung, die Zulage bleibt im Vertrag. Beantragen müssen Sie nichts, Sie geben Ihre Beiträge aber in der Anlage AV an. Ohne Anlage AV bleibt es bei der Zulage.
Ihre Förderung ist also nicht Zulage plus voller Steuervorteil, sondern der höhere der beiden Werte. Bei Gutverdienern ohne Kinder ist das fast immer der Steuervorteil. Den Rechenweg hat der Bundesfinanzhof im April 2025 präzisiert. Einzelheiten stehen auf unseren Seiten zur Günstigerprüfung und zur Riester-Rente in der Steuer.
Ehepaare und Kinder
Sind beide Partner unmittelbar förderberechtigt, kann jeder bis 2.100 Euro einschließlich Zulage absetzen. Bei Zusammenveranlagung setzt das Finanzamt in der Günstigerprüfung die Zulagen beider Partner an. Ist Ihr Partner nicht selbst förderberechtigt, kann er über Sie mittelbar gefördert werden, mit eigenem Vertrag und mindestens 60 Euro im Jahr. Ihr Höchstbetrag steigt dann um 60 Euro.
Kinderzulagen zählen in der Günstigerprüfung mit: Für Kinder ab Jahrgang 2008 sind es 300 Euro, für ältere 185 Euro. Mit zwei jüngeren Kindern liegen Ihre Zulagen bei 775 Euro, dann bleibt vom Steuervorteil oberhalb der Zulagen wenig übrig. Mehr dazu auf unseren Seiten für Ehepaare, Familien und zur mittelbaren Förderung.
Selbständige, Ärzte und Anwälte mit hohem Einkommen
Viele Gutverdiener sind selbständig oder Pflichtmitglied in einem Versorgungswerk. Für einen alten Riester-Vertrag sind sie nur gefördert, wenn sie rentenversicherungspflichtig sind oder über den Ehepartner mittelbar begünstigt. Ab 2027 sind Selbständige und Versorgungswerk-Mitglieder unter 67 erstmals selbst förderberechtigt, aber nur im neuen Recht, also nach einem Wechsel oder mit einem neuen Vertrag.
Wer seine Förderung erst über das neue Recht bekommt, sollte vorher klären, was das für einen mittelbar geförderten Ehepartner bedeutet. Die Voraussetzungen im Einzelnen erklären unsere Seiten für Selbständige und Freiberufler. Für angestellte Gutverdiener gilt zusätzlich unsere Seite für Angestellte.
Sollten Gutverdiener ihren Riester-Vertrag behalten oder wechseln?
Gutverdiener ohne Kinder fahren mit der neuen Förderung meist etwas besser, ein Vielfaches ist es aber nicht. Weil der Steuervorteil schon heute die Zulage übersteigt, zählt vor allem, wie viel Geld absetzbar ist: im alten Recht 2.100 Euro, im neuen 1.800 Euro plus bis zu 540 Euro Zulage.
Rechenbeispiel: ein Gutverdiener ohne Kinder
Angenommen ist ein lediger Angestellter mit 90.000 Euro Gehalt im Vorjahr und einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent. Wir rechnen vereinfacht mit diesem Steuersatz auf den letzten verdienten Euro, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sind nicht eingerechnet. Das Finanzamt rechnet mit Ihrer tatsächlichen Steuer, das Ergebnis kann deshalb etwas abweichen.
| Posten | Altes Recht | Neues Recht |
|---|---|---|
| Eigenbeitrag | 1.925 Euro | 1.800 Euro |
| Zulage | 175 Euro | 540 Euro |
| Im Vertrag und absetzbar | 2.100 Euro | 2.340 Euro |
| Förderung insgesamt bei 42 Prozent | 882 Euro | rund 983 Euro |
| Ihr Aufwand nach Steuer | 1.218 Euro | rund 1.357 Euro |
Im neuen Recht fließen 240 Euro mehr in den Vertrag, die Förderung steigt um rund 101 Euro im Jahr, und Sie zahlen nach Steuer rund 139 Euro mehr selbst. Die höhere Zulage ändert an der Gesamtförderung wenig, weil das Finanzamt sie vom Steuervorteil abzieht. Gerechnet ist nach § 10a und § 84 EStG in alter und neuer Fassung.
Mit Kindern sieht es anders aus, weil im neuen Recht die Kinderzulage für jedes Kind bis 300 Euro beträgt und der Vergleich beide Partner einschließen muss. Wie es bei kleinerem Einkommen aussieht, zeigen unsere Seiten für Angestellte und Azubis. Ab 2027 dürfen Sie bis 6.840 Euro im Jahr einzahlen, gefördert werden aber nur 1.800 Euro.
Ihre Möglichkeiten ab 2027
| Option | Was passiert | Förderung | Passt meist für |
|---|---|---|---|
| In die neue Förderung wechseln | Erklärung an den Anbieter, gilt für alle Verträge, nicht widerrufbar | neue Zulagen ab 2027 | Gutverdiener ohne Kinderzulage |
| Ins Altersvorsorgedepot übertragen | Kapital wandert, Garantien bleiben zurück | bleibt erhalten | Jüngere mit teurem Vertrag und langer Laufzeit |
| Weiter besparen | Vertrag läuft unverändert, alte Zulagen auch nach 2026 | bleibt | Geringverdiener mit Kindern, gute alte Verträge |
| Beitragsfrei stellen | keine Beiträge mehr, Vertrag ruht | bleibt, keine neue | wer gerade nicht zahlen kann |
| Kündigen | Rückkaufswert, Förderung wird zurückgezahlt | geht verloren | fast niemand, Kleinstverträge in Notlage |
Für Gutverdiener ohne Kinderzulage ist der Wechsel in die neue Förderung meist der erste Kandidat, der Vorteil bleibt aber überschaubar. Ihr Vertrag bleibt mit Garantie, Rechnungszins und Kosten bestehen, nur die Förderung ändert sich. Die Erklärung gegenüber dem Anbieter gilt für alle Ihre Riester-Verträge und lässt sich nicht widerrufen.
Mehr Hebel hat oft der Vertrag selbst: Bei hohen Kosten und langer Restlaufzeit kann eine Übertragung ins Altersvorsorgedepot mehr bringen als der Förderwechsel. Ihr alter Anbieter darf dafür höchstens 150 Euro verlangen, Garantien und Rechnungszins gehen aber verloren. Wie das abläuft, steht unter Riester-Wechsel. Eine Kündigung kostet alle Zulagen und Steuervorteile.
Achtung bei Neuabschlüssen: Wer ab 2027 einen neuen geförderten Vertrag abschließt, auch ein Altersvorsorgedepot, stellt damit automatisch alle bisherigen Riester-Verträge auf das neue Förderrecht um. Gefördert werden höchstens zwei neue Verträge, ab dem dritten gibt es keine Zulage mehr.
Achtung bei Ehepaaren
Ist Ihr Ehepartner über Sie mittelbar gefördert, wirkt Ihre Entscheidung auch auf ihn. Wechseln Sie in die neue Förderung, gilt sie für ihn, sobald er eine Zulage beantragt. Schließt nur er ab 2027 einen neuen Vertrag ab, während Sie Ihren alten behalten, bekommt er keine Zulage. Rechnen Sie deshalb beide Verträge gemeinsam durch, bevor einer von Ihnen etwas erklärt.
Was raten wir Gutverdienern?
Wir raten Gutverdienern, ihren Riester-Vertrag zu behalten und ab 2027 den Wechsel in die neue Förderung mit dem eigenen Steuersatz durchzurechnen. Wichtiger als die Zulage ist oft die Frage, ob der Vertrag selbst gut genug ist, um ihn noch viele Jahre zu besparen.
Prüfen Sie drei Dinge: Steht die Anlage AV jedes Jahr in Ihrer Steuererklärung? Was kostet Ihr Vertrag, und welche Garantie hat er? Und wie ist Ihr Partner gefördert? Wer über die Riester-Grenzen hinaus steuerlich gefördert vorsorgen will, findet weitere Wege über die Basisrente und die betriebliche Altersvorsorge.
Im Alter wird die Riester-Rente aus geförderten Beiträgen voll versteuert. Sind Sie dann in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, bleibt sie beitragsfrei, als freiwillig Versicherter zahlen Sie Beiträge darauf. Die Auszahlung beginnt bei Verträgen ab 2012 frühestens mit 62, bei älteren mit 60. Mehr dazu auf unserer Seite zur Auszahlung der Riester-Rente.
Experten-Tipp:
Bei hohem Gehalt zählt der Vertrag mehr als die Zulage
„Bei Gutverdienern entscheidet nicht die Zulage, sondern der Steuerabzug. Im alten Recht sind 2.100 Euro absetzbar, im neuen 1.800 Euro plus Zulage, der Unterschied ist ohne Kinder überschaubar. Deshalb schaue ich zuerst auf den Vertrag selbst: Was kostet er, welche Garantie hat er, wie lange läuft er noch? Ein teurer Vertrag mit langer Restlaufzeit ist oft das stärkere Argument für eine Übertragung als die höhere Zulage.“
Lassen Sie Ihren Riester-Vertrag mit Ihrem Steuersatz durchrechnen
Wir vergleichen kostenfrei alte und neue Förderung mit Ihrem Steuersatz und prüfen, ob Kosten und Garantien Ihres Vertrags noch passen.
- Prüfung Ihres Vertrags, eines neuen Riester-Vertrags und des Altersvorsorgedepots
- Günstigerprüfung alt und neu mit Ihren Zahlen
- Prüfung von Kosten, Garantie und Restlaufzeit
Die häufigsten Fragen zur Riester-Rente für Gutverdiener
Lohnt sich Riester für Gutverdiener?
Ja, ein bestehender Vertrag lohnt sich für Gutverdiener vor allem über den Steuervorteil. Das Finanzamt erkennt bis 2.100 Euro einschließlich Zulage als Sonderausgaben an und erstattet den Teil des Steuervorteils, der über der Zulage liegt. Ob der Vertrag selbst gut ist, hängt von Kosten und Garantie ab, das sollten Sie prüfen lassen.
Wie viel Steuern spare ich als Gutverdiener mit Riester?
Das hängt von Ihrem Steuersatz ab. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 42 Prozent beträgt die Förderung im alten Recht 882 Euro im Jahr, davon 175 Euro als Zulage und 707 Euro als Steuerermäßigung. Im neuen Recht wären es bei 1.800 Euro Eigenbeitrag rund 983 Euro.
Muss ich die Günstigerprüfung beantragen?
Nein, das Finanzamt prüft von Amts wegen. Sie müssen Ihre Beiträge aber in der Anlage AV zur Steuererklärung angeben, sonst kann es den Sonderausgabenabzug nicht berücksichtigen.
Wie viel kann ich ab 2027 in einen geförderten Vertrag einzahlen?
Im neuen Recht dürfen Sie bis 6.840 Euro im Jahr einzahlen, Zulagen und Erträge zählen dabei nicht mit. Gefördert werden aber nur 1.800 Euro Eigenbeitrag, absetzbar sind 1.800 Euro plus Zulage. In einem alten Riester-Vertrag bleibt es bei 2.100 Euro einschließlich Zulage.
Was gilt für Ehepaare mit hohem Einkommen?
Jeder unmittelbar förderberechtigte Partner kann bis 2.100 Euro einschließlich Zulage absetzen. Bei Zusammenveranlagung setzt das Finanzamt die Zulagen beider Partner gemeinsam an. Ist ein Partner nur mittelbar gefördert und schließt er ab 2027 allein einen neuen Vertrag ab, während der andere seinen alten behält, verliert er die Zulage.
Bekomme ich als Gutverdiener ab 2027 automatisch die neue Zulage?
Nein. Ihr Vertrag bleibt in der alten Förderung mit 175 Euro Grundzulage und 2.100 Euro Abzug. Die neue Förderung gibt es nur, wenn Sie gegenüber dem Anbieter den Wechsel erklären oder ab 2027 einen neuen geförderten Vertrag abschließen. Die Erklärung gilt für alle Verträge und ist endgültig.
Lohnt sich für Gutverdiener die Übertragung ins Altersvorsorgedepot?
Das hängt vom alten Vertrag ab. Bei hohen Kosten und langer Restlaufzeit kann sich eine Übertragung lohnen, bei einem günstigen Vertrag mit guter Garantie eher nicht. Der alte Anbieter darf höchstens 150 Euro verlangen, Garantien gehen verloren, und der neue Vertrag stellt alle Riester-Verträge auf das neue Recht um.
Wie wird meine Riester-Rente im Alter versteuert?
Leistungen aus geförderten Beiträgen und Zulagen sind im Alter voll steuerpflichtig, mit Ihrem persönlichen Steuersatz. Das gilt im alten wie im neuen Recht (§ 22 EStG). Liegt Ihr Steuersatz im Alter niedriger als im Berufsleben, bleibt Ihnen ein Teil des Steuervorteils dauerhaft.
Zahle ich auf die Riester-Rente Krankenkassenbeiträge?
Als Pflichtversicherter in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht, Leistungen aus gefördertem Altersvorsorgevermögen sind dann beitragsfrei (§ 229 SGB V). Sind Sie im Alter freiwillig gesetzlich versichert, zahlen Sie Beiträge auf die Riester-Rente.
Können gut verdienende Selbständige ab 2027 riestern?
Ja, aber nur im neuen Recht. Gefördert sind dann Selbständige unter 67 mit Gewinneinkünften, die für das Beitragsjahr eine Steuererklärung abgeben. Ein alter Riester-Vertrag eines Selbständigen bleibt ohne eigene Förderung, solange er nicht in die neue Förderung wechselt oder ab 2027 einen neuen Vertrag abschließt.
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