Berufsunfähigkeits­versicherung – Kritik und Nachteile

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5 wichtige Kritikpunkte zur Berufsunfähigkeits­versicherung und worauf Sie achten sollten, um Nachteile für sich zu minimieren.

Inhalt dieser Seite
  1. Abstrakte Verweisung
  2. Rente muss versteuert werden
  3. Leistungsverweigerung
  4. Hohe Beiträge bei erhöhtem Risiko
  5. Nachteile der BUZ
  6. Fazit

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berufsunfähigkeits­versicherung ist eine sehr sinnvolle Versicherung, aber es gibt auch einige berechtigte Kritik.
  • Einige Nachteile wie z.B. abstrakte Verweisung sind nicht universell und lassen sich durch einen aufmerksamen Versicherungsvergleich vermeiden. Andere hingegen haben fast alle Versicherer gemeinsam.
  • Auch Berufsunfähigkeitszusatz­versicherungen (BUZ) bergen Nachteile, die Sie kennen sollten.

Abstrakte Verweisung

Verweisung auf einen anderen Beruf möglich

Obwohl die abstrakte Verweisung in der Versicherungswelt schon länger als in Verruf geraten gilt, gibt es einige Berufsunfähigkeits­versicherer, die in ihren Verträgen noch Gebrauch von dieser Klausel machen. Verzichtet der Versicherer nicht auf eine abstrakte Verweisung, so kann er im Leistungsfall die Zahlung mit der Begründung verweigern, dass der Versicherte zwar seinen alten Beruf nicht mehr ausüben kann, jedoch noch in der Lage ist, einen anderen Beruf auszuüben.

Ein Zusammenhang zwischen der vorhandenen Ausbildung des Versicherten und der Tätigkeit, auf die verwiesen wurde, muss in der Regel nicht bestehen. Verzichtet der Versicherer nicht auf diese Klausel, ist es dem Versicherten nahezu unmöglich, im Leistungsfall auf eine Berufsunfähigkeitsrente hoffen zu dürfen.


Weitere nachteilige Klauseln

Weitere Regelungen, die sich zu ihrem Nachteil auswirken können sind eine zu kurz bemessene Laufzeit – da die Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, mit dem Alter wächst, sollten Sie bis zum Renteneintritt versichert sein – und ein zu langer Prognosezeitraum. Letzteres bedeutet, dass der Versicherer nur leistet, wenn der Arzt eine mindestens drei- oder fünfjährige Berufsunfähigkeit prognostiziert. Allerdings ist es sehr schwierig, eine Prognose über einen so langen Zeitraum zu machen, und Ärzte sind vorsichtig damit. Besser sind also Verträge, die bereits ab 6 Monaten voraussichtlicher Berufsunfähigkeit leisten.


Nachteilige Bedingungen vermeiden: Wir unterstützen Sie dabei

Im Bereich der Berufsunfähigkeits­versicherung wird eine Vielzahl von Tarifen angeboten und für bestimmte Berufs- und Personengruppen gibt es Besonderheiten zu beachten. Unsere Experten unterstützen Sie gern dabei, die optimale Versicherung zu finden, oder stellen bei Bedarf eine anonyme Risikovoranfrage für Sie, damit eine Ablehnung bei einem Versicherer nicht Ihren Chancen auf eine Versicherung bei einem anderen Versicherer schadet. Das ist insbesondere für Personen mit Vor­erkrankungen relevant.

Mehr zur anonymen Risikovoranfrage

Berufsunfähigkeitsrente muss versteuert werden

Bei dem Abschluss einer Berufsunfähigkeits­versicherung sollte bedacht werden, dass die BU-Rente versteuert werden muss. Die Rente aus einer ungebundenen Berufsunfähigkeits­versicherung wird mit ihrem Ertrags­anteil versteuert. Der Ertrags­anteil richtet sich in seiner Höhe nach der Rentenlaufzeit und nach dem Alter, ab dem der Versicherte die Zahlungen bekommt. Je höher der Ertrags­anteil, desto umfassender muss die Berufsunfähigkeitsrente versteuert werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsrente und hier:

Berufsunfähigkeits­versicherung in der Steuer

Leistungsverweigerung einiger Berufsunfähigkeits­versicherer

Konfliktpotenzial bei der Regulierung

Damit die Berufsunfähigkeits­versicherung leistet, muss der Versicherungsnehmer zu 50 Prozent in der Ausübung seiner zuletzt ausgeübten Arbeit eingeschränkt sein. Ist dieses Ausmaß der Berufsunfähigkeit nicht erreicht, erfolgt keine Leistung der Versicherung. Gerade bei psychischen Krankheiten kann die Feststellung des Grades der Berufsunfähigkeit und damit die Regulierung des Leistungsantrags hier lange dauern. Ebenso können Verletzungen der vorvertraglichen Anzeige­pflichten, also z.B. das beabsichtigte oder versehentliche Weglassen von Informationen bei der Gesundheitsprüfung dazu führen, dass die Versicherung nicht leisten muss.

Die Zahlen der Prozessquote in der Berufsunfähigkeits­versicherung belegen auch: Es ist durc­haus möglich, dass es zum Streit mit dem Versicherer kommt, ob die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente tatsächlich ausgezahlt werden muss. In den meisten Fällen gibt es im Versicherungsfall keine Leistungsprobleme mit der Berufsunfähigkeits­versicherung, doch wenn es zu einer Streitigkeit mit dem Versicherer kommt, dann kann sich ein Prozess schnell über mehrere Jahre hinziehen. Zu diesem Problem äußerte sich Versicherungsombudsmann Professor Dr. Günther Hirsch im Interview mit www.transparent-beraten.de.

Experten-Tipp:

„Die Bearbeitung und Anerkennung der Leistungsansprüche dauert bei der Berufsunfähigkeits­versicherung länger als bei anderen Versicherungssparten. Dies liegt jedoch an der Komplexität des Vorganges. Nicht nur muss der Versicherte seine Ansprüche anmelden, es müssen auch beispielsweise Ärzte oder Gutachter eingeschaltet werden und der Versicherer die Ansprüche gründlich prüfen. Zudem sind auch die zu zahlenden Leistungen höher als zum Beispiel bei einer Haftpflicht­versicherung. Auch aus diesem Grund prüft der Versicherer sehr genau“

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Achim Wehrmann
Berater

Hohe Beiträge für Personengruppen mit erhöhtem Risiko

Hohe Prämien für Menschen mit Risikoberufen

Die Berufsunfähigkeits­versicherung gilt als eine der wichtigsten Vorsorgeformen. Doch nicht jeder Arbeitnehmer kann sich den Zugang zu dieser Vorsorge leisten. Die Berufsunfähigkeits­versicherer schaffen mit der Regelung zu den so genannten „Risikoberufen“ ein Zweiklassensystem im Versicherungsbereich. Denn die Versicherungen gehen zunehmend dazu über, von Arbeitnehmern, die in risikoreicheren Bereichen tätig sind, wie z. B. bei Dachdeckern, enorm hohe Beiträge zu verlangen. Dadurch ist der Zugang zu einer Berufsunfähigkeits­versicherung gerade denjenigen Personen erschwert, welche eine Absicherung besonders dringend brauchen.

Alternativen zur Berufsunfähigkeits­versicherung


Ablehnung oder schlechtere Konditionen bei Vor­erkrankungen

Auch wer eine Vorerkrankung hat, muss unter Umständen mit hohen Prämien, Leistungsausschlüssen oder sogar einer Ablehnung des Antrags rechnen. Wie genau sich eine Vorerkrankung auf die Chance eines Versicherungsabschlusses und auf die Konditionen auswirkt, hängt von der Art der Erkrankung ab.

Darüber hinaus zahlen auch ältere Menschen höhere Prämien als Personen, welche sich in jungem Alter versichern bzw. bereits als Kinder von ihren Eltern versichert werden.


Insgesamt recht hohe Kosten

Insgesamt gehört die Berufsunfähigkeits­versicherung zu den teureren Versicherungen und Tarife, die „Geld zurück“ ­versprechen, sind oft eine schlechtere Alternative gegenüber einer Kombination aus einem normalen Tarif der Berufsunfähigkeits­versicherung und einer privaten Geldanlage. Den im Vergleich zu anderen Versicherungen höheren Kosten steht jedoch ein besonders umfassender Schutz gegenüber.

Mehr zur Leistungsquote in der Berufsunfähigkeits­versicherung

Einschränkungen durch die Berufsunfähigkeitszusatz­versicherung

Häufige Kritikpunkte: Unzureichende Absicherung und wenig Flexibilität

Die Berufsunfähigkeits­versicherung kann man nicht nur als alleinstehende Versicherung abschließen, sondern auch als Zusatz­schutz, beispielsweise bei dem Abschluss einer Risikolebens­versicherung. Dies mag praktisch erscheinen, denn das bedeutet doppelter Schutz in einem Vertrag. Doch Experten bemängeln häufig den niedrigen Leistungsumfang einer Berufsunfähigkeitszusatz­versicherung (BUZ).

Denn oft sind die Leistungen der Berufsunfähigkeitszusatz­versicherung sehr gering, damit die Kosten für den Risikolebensvertrag nicht explodieren. Die Versicherungssummen betragen häufig nur wenige hundert Euro, was dem Versicherten im Fall einer Berufsunfähigkeit nicht wirklich hilft, den bisherigen Lebensstandard zu erhalten. Bei derartigen Kombi-Verträgen ist außerdem die Wahl der Berufsunfähigkeits­versicherung und das Kündigungsrecht stark eingeschränkt. In der Regel entscheidet der Versicherer über die Art des Berufsunfähigkeits­schutzes, wer sich eine der beiden Versicherungen nicht mehr leisten kann, muss beide Versicherungen kündigen.

Wird die Berufsunfähigkeits­versicherung als Zusatz­versicherung zur Riester- oder Basisrente abgeschlossen, können die Beiträge komplett von der Steuer ab­gesetzt werden. Gleichzeitig wirkt sich das jedoch nachteilig aus, wenn tatsächlich ein Leistungsfall eintritt, da dann nicht nur der Ertrags­anteil der Berufsunfähigkeitsrente besteuert wird. Und auch hier gilt das Argument der reduzierten Flexibilität.

Fazit

Auch wenn die Berufsunfähigkeits­versicherung in vielen Fällen die optimale Lösung für die Absicherung der Arbeitskraft bietet, gibt es auch mehrere legitime Kritikpunkte zu dieser Versicherung. Wenn Sie jedoch bei den Versicherungsbedingungen genau hinsehen, lassen sich zumindest einige Nachteile vermeiden.

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