So funktioniert die Auszahlung der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Fachlich geprüft durch Dennis Jörißen
Zuletzt aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berufs­unfähigkeitsrente wird ausgezahlt, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben können.
  • Sie wird monatlich auf Ihr Konto gezahlt, solange die Berufs­unfähigkeit anhält oder bis zum Ende der Vertragslaufzeit.
  • Die BU-Rente ist grundsätzlich erst mal steuerpflichtig.
  • Der Versicherer kann die Zahlung einer BU-Rente verweigern, wenn Sie z. B. Gesundheitsfragen inkorrekt beantworten haben oder der Vertrag eine abstrakte Verweisung beinhaltet.

Das erwartet Sie hier

Wann und wie die Berufs­unfähigkeitsrente ausgezahlt wird, wie lange Sie die BU-Rente erhalten und wann der Versicherer nicht zahlt.

Inhalt dieser Seite
  1. Wann wird die BU Rente ausgezahlt?
  2. Wie wird sie ausgezahlt?
  3. Wie lange wird sie ausgezahlt?
  4. Die BU Rente in der Steuer
  5. Wann die BU nicht zahlt

Wann wird die Berufs­unfähigkeits­versicherung ausgezahlt?

Haben Sie eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abgeschlossen, können Sie unter den folgenden Voraussetzungen mit der Auszahlung der Berufs­unfähigkeitsrente rechnen:

Icon Checkliste
  • 50-Prozent-Regel
    Sie haben einen Anspruch auf eine Berufs­unfähigkeitsrente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben können.
  • Dauer der Berufs­unfähigkeit
    Die Berufs­unfähigkeits­versicherung leistet erst dann, wenn die Ursache für Ihre Berufs­unfähigkeit entweder bereits seit sechs Monaten vorliegt oder Ihre Berufs­unfähigkeit voraussichtlich mindestens sechs Monate andauert.
  • Bestimmte Ursachen
    Ihre Berufs­unfähigkeit muss Folge einer Krankheit, Körper­verletzung oder eines Unfalls sein.

Wann ist man berufsunfähig?

Icon Vertrag mit Unterschrift

Leistungsantrag notwendig

Damit Sie Ihre Berufs­unfähigkeitsrente erhalten, müssen Sie bei Ihrer Berufs­unfähigkeits­versicherung zuerst einen Leistungsantrag stellen. Der Versicherer fordert im Anschluss daran in der Regel eine Einschätzung Ihrer Ärzte über den Umfang und die Dauer Ihrer Einschränkungen an sowie weitere Dokumente, um Ihren Zustand zu bewerten. Danach wird Ihr Anspruch geprüft.

So füllen Sie den Leistungsantrag richtig aus

Wie lange dauert es bis zur ersten Auszahlung?

Da der Berufs­unfähigkeits­versicherer Ihren Anspruch auf die Berufs­unfähigkeitsrente erst prüft, kann es bis zur Auszahlung der ersten Rente unter Umständen eine Weile dauern – manchmal sogar bis zu sechs Monate oder mehr.

Laut dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) lagen 2021 durchschnittlich zwischen Antragsstellung und Entscheidung des Versicherers 96 Tage, also rund drei Monate (Quelle: GDV). Das Analyseunternehmen Franke und Bornberg kommt zu einem anderen Ergebnis: Ihre Auswertungen 2023 ergeben eine durchschnittliche Dauer von sechs Monaten (Quelle: Franke und Bornberg)

Icon Uhr und Zeit

Wie lange die Bearbeitung eines Antrags genau dauert, hängt immer vom Einzelfall und den individuellen gesundheitlichen Beschwerden ab. Denn ein Antrag mit einer eindeutigen Diagnose, etwa Krebs, kann deutlich schneller bearbeitet werden als einer, mit einem nicht so eindeutigen Krankheits­bild wie einer Depression. Im Rahmen der Prüfung kann es allerdings auch zu einer Ablehnung Ihres Leistungsantrags kommen.


Karenzzeit in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Haben Sie mit Ihrem Versicherer eine sogenannte Karenzzeit vereinbart, wird Ihnen Ihre Berufs­unfähigkeitsrente erst nach dieser vorher vereinbarten Zeitspanne ausgezahlt. Die Karenzzeit kann beispielsweise sechs Monate betragen oder auch zwei Jahre. Mehr zur Karenzzeit und wie sie sich von der Wartezeit unterscheidet, lesen Sie hier:

Alles Wichtige zur Warte- und Karenzzeit

Rückwirkende Auszahlung

Viele Versicherer zahlen die Berufs­unfähigkeitsrente auch rückwirkend aus, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Berufs­unfähigkeit eingetreten ist. Auch wenn der Versicherer Ihre Berufs­unfähigkeit also erst Monate später anerkennt, erhalten Sie nachträglich Ihre Berufs­unfähigkeitsrente. Allerdings bietet nicht jede Berufs­unfähigkeits­versicherung dies an. Ob Sie bei Ihrer BU-Versicherung auch rückwirkend Leistungen erhalten können, können Sie in den Versicherungs­bedingungen nachlesen.

Wie wird die Berufs­unfähigkeitsrente ausgezahlt?

Icon Kalender

Während Sie die Beiträge zur BU prinzipiell auch jährlich zahlen können, wird Ihnen die Berufs­unfähigkeitsrente immer monatlich ausgezahlt. Die BU-Rente erhalten Sie dann direkt auf Ihr Bankkonto. Wie viel Berufs­unfähigkeitsrente Sie erhalten, hängt davon ab, was Sie beim Vertragsabschluss mit dem Versicherer vereinbart haben.

Wie lange wird die BU ausgezahlt?

Wie lange zahlt die Berufs­unfähigkeits­versicherung?

Die BU ist in der Regel keine Versicherung bis an Ihr Lebensende. Denn grundsätzlich kann die BU-Rente nicht über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus ausgezahlt werden. Aber auch schon vor diesem Zeitpunkt endet in vielen Fällen der Bezug der Berufs­unfähigkeitsrente. Hier sehen Sie die häufigsten Gründe:

Icon Hand mit Euromünze
Gründe, warum BU-Leistungen endenProzent
Ablauf der Leistungsdauer (z. B. Erreichen des Renteneintrittsalters)53 %
Verbesserter Gesundheitszustand/Aufnahme einer Tätigkeit27 %
Tod12 %
Ablauf der Vereinbarung/Befristung5 %
Konkrete Verweisung3 %
Quelle: Franke und Bornberg 2023 über Versicherungsbote

In den meisten Fällen erhalten Sie also eine BU-Rente entweder so lange, bis Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf wieder zu mehr als 50 Prozent ausüben können – also nicht mehr berufsunfähig sind – oder bis zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit.

Dem Analysehaus Franke und Bornberg zufolge erhalten Berufsunfähige durchschnittlich sechs Jahre eine BU-Rente (Quelle: Franke und Bornberg).

Icon Personalbeschaffung

Nachprüfung durch den Versicherer

Versicherer können, nachdem sie Ihre Berufs­unfähigkeit anerkannt haben, regelmäßig prüfen, ob Ihre Berufs­unfähigkeit noch besteht. Ergibt eine solche Nachprüfung, dass die Voraussetzungen für eine Berufs­unfähigkeit nicht mehr vorliegen, kann die Zahlung der Berufs­unfähigkeitsrente eingestellt werden.

Wie muss die Auszahlung versteuert werden?

Die BU-Rente ist grundsätzlich steuerpflichtig. Wie viel Steuern Sie jedoch auf die BU-Rente zahlen müssen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Es hängt hauptsächlich davon ab, in welcher Form Sie die BU abgeschlossen haben:

Icon Bome

BU als private Altersvorsorge

Haben Sie die BU als private Altersvorsorge abgeschlossen, müssen Sie nicht die gesamte BU-Rente, sondern nur den Ertragsanteil versteuern. Der Ertragsanteil ist gesetzlich festgelegt und abhängig von der Dauer der Berufs­unfähigkeit. Grundsätzlich gilt: Je länger Sie voraussichtlich BU-Rente erhalten, umso höher ist der Ertragsanteil. Wenn Sie unter dem Steuerfreibetrag liegen, ist die Auszahlung der BU aber steuerfrei. Besteht Ihr Einkommen ausschließlich aus der Berufs­unfähigkeitsrente, fallen daher unter Umständen keine Steuern an.

Icon Person mit Pfeilen

BU als staatlich geförderte Altersvorsorge

Haben Sie Ihre BU mit einer betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen oder als Zusatz­versicherung zum Rürup- oder Riester-Vertrag, müssen Sie die BU-Rente voll oder zu einem hohen Anteil versteuern.

Mehr dazu, wie sich die Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuer verhält, erfahren Sie hier:

Alles zur Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuer

Dann zahlt die Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht

20 Prozent aller Anträge auf eine Berufs­unfähigkeitsrente werden laut dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) nicht bewilligt. Es gibt vielfältige Ablehnungsgründe:

Gründe für die Ablehnung einer BU-Rentein Prozent
Nichterreichung des versicherten BU-Grads49 %
Sonstige Gründe15 %
Keine Reaktion des Kunden14 %
Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht11 %
Anfechtung bzw. Betrugsfall7 %
Ausschlussklauseln3 %
Konkrete Verweisung0,5 %
Abstrakte Verweisung0,3 %
Quelle: Gesamtverband der Versicherer

Was Sie tun können, wenn eine Versicherung nicht zahlt


Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht

Wenn Sie eine Berufs­unfähigkeits­versicherung beantragen, müssen Sie immer im Rahmen einer Gesundheitsprüfung Fragen zu Ihrer Gesundheit beantworten. Haben Sie hier falsche Angaben gemacht, zahlt die Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Regel wegen einer sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflicht­verletzung keine Berufs­unfähigkeitsrente.

Icon rotes X

Ausschlussklauseln

Der Versicherer zahlt auch keine BU-Rente, wenn die Berufs­unfähigkeit aufgrund einer Vorerkrankung oder Unfallfolgen eintritt, die bei Vertragsabschluss durch sogenannte „Ausschlussklauseln“ vertraglich ausgeschlossen wurde.

Icon gegensätzliche Pfeile

Konkrete und abstrakte Verweisung

Enthält Ihr BU-Vertrag eine sogenannte abstrakte Verweisung, kann der Versicherer Sie auf einen anderen Beruf verweisen, den Sie theoretisch trotz Ihrer Einschränkungen noch ausüben können. Dieser Beruf muss zwar Ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und Ihrer bisherigen Lebensstellung entsprechen, kann aber in einem komplett anderen Tätigkeitsbereich liegen. In diesem Fall muss der Versicherer keine Berufs­unfähigkeitsrente auszahlen – unabhängig davon, ob Sie diesen Beruf dann auch wirklich ausüben. Eine abstrakte Verweisung kann also Ihre Chance auf eine BU-Rente senken. Achten Sie daher am besten schon bei Vertragsabschluss darauf, dass auf solche Klauseln und Regelungen verzichtet wird.

Was ist eine konkrete Verweisung?


Kein Eintritt des Leistungsfalls

Werden Sie bis zum Ende der Vertragslaufzeit nicht berufsunfähig, dann findet auch keine Auszahlung der Berufs­unfähigkeitsrente statt. Ihre Beiträge werden Ihnen nicht zurückgezahlt. Kündigen Sie Ihre Berufs­unfähigkeits­versicherung, erhalten Sie die bis dahin eingezahlten Beiträge ebenfalls nicht zurück.

Icon Hand mit Pfeil

Tarife mit Beitragsrückgewähr

Eine Ausnahme bilden Tarife mit einer sogenannten Beitragsrückgewähr. Bei ihnen wird ein Teil der von Ihnen eingezahlten Beiträge am Kapitalmarkt angelegt. Die so erwirtschaftete Rendite wird, wenn am Ende der Vertragslaufzeit kein Leistungsfall eingetreten ist, ausgezahlt. Diese Tarife sind in den meisten Fällen allerdings nicht empfehlenswert, da sie teurer sind als normale Tarife und nur ein Bruchteil der Beiträge zurückerstattet wird. Mehr dazu lesen Sie hier:

Gibt es in der Berufs­unfähigkeits­versicherung Geld zurück?


Gesetzliche Rente löst BU-Rente ab

Icon Person mit Pfeilen

Sie können nicht gleichzeitig eine private Berufs­unfähigkeitsrente und die gesetzliche Altersrente beziehen. Beide Renten schließen einander aus. Anders sieht es jedoch bei der staatlichen Erwerbsminderungs­rente aus: zusätzlich zu dieser können Sie eine private Berufs­unfähigkeitsrente erhalten. Diese wird auch nicht auf Ihre Erwerbsminderungs­rente angerechnet.

Wenn Sie berufsunfähig sind, zahlen Sie in der Regel nicht mehr in die gesetzliche Renten­versicherung ein. Sorgen Sie privat dennoch weiterhin finanziell fürs Alter vor. Sonst kann es sein, dass Sie im Anschluss an die BU-Rente nur eine geringe Altersrente erhalten.

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Katharina Burnus
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