Berufsunfähigkeits­versicherung – darauf müssen Sie bei der Auszahlung achten

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Wann die Auszahlung der Berufsunfähigkeits­versicherung erfolgt, worauf Sie bei der Auswahl des Tarifs achten sollten und was bei Leistungsverweigerung zu tun ist.

Inhalt dieser Seite
  1. Auszahlung als Auswahlkriterium?
  2. Leistungsverweigerung: Gründe
  3. BU Auszahlung als Streitgegenstand
  4. h gut zu wissen 1
  5. Fazit

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie erhalten eine Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente, wenn Sie Ihren versicherten Beruf nicht mehr ausüben können.
  • In einigen Fällen kann der Versicherer die Auszahlung verweigern.
  • Die Gründe für eine Leistungsverweigerung sind manchmal unbegründet. Häufig lohnt es sich, gerichtlich gegen die Versicherung vorzugehen.
  • Tarife mit Auszahlungsoption sichern dem Versicherungsnehmer eine Auszahlung zu.
  • Eine Teilauszahlung ist nur möglich, wenn der Versicherte die Versicherung mit Garantiekapital abgeschlossen hat.

Auszahlung als wichtiges Kriterium der Berufsunfähigkeits­versicherung

Wann greift die Berufsunfähigkeits­versicherung?

Eine Auszahlung der Berufsunfähigkeits­versicherung erhalten Versicherungsnehmer in der Regel nur, wenn:

  • Der derzeitige Beruf nur noch zu 50 Prozent ausgeübt werden kann
  • Der geminderte Leistungszustand mehr als sechs Monate anhält

Wann gilt man als berufsunfähig?


Icon Zeit ist Geld

Auszahlungsrhythmus der Berufsunfähigkeitsrente

Die Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente setzt zunächst einen Leistungsantrag voraus, den Sie bei Ihrem Versicherer stellen. Stimmt die Versicherung Ihrem Antrag zu, können Sie zukünftig mit einer Berufsunfähigkeitsrente in vertraglich vereinbarter Höhe rechnen. Die Berufsunfähigkeitsrente erhalten Sie dabei in Form einer monatlichen Zahlung, direkt auf Ihr Bankkonto. Bedenken Sie jedoch, dass die Entscheidung über Ihren Leistungsantrag nicht von heut auf morgen geschieht. Denn häufig liegen zwischen Leistungsprüfung und Auszahlung bzw. Ablehnung mehrere Wochen Wartezeit.

Icon Achtung

Gut zu wissen

Ist Ihre Berufsunfähigkeit erst später, dass heißt nach Ablauf des Sechsmonatszeitraums feststellbar, können Sie sich die Berufsunfähigkeitsrente auch rückwirkend auszahlen lassen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Versicherungsvertrag auch eine rückwirkende Anerkennung der Berufsunfähigkeit in den Vertragsdetails vorsieht.

Auszahlungsmodalitäten überprüfen

Eine Berufsunfähigkeits­versicherung gehört zu den Versicherungen, für die keine Beitragsrückgewähr vorgesehen ist. Hier unterscheidet sie sich von der privaten Kranken­versicherung, bei der Beitragsrückerstattungen im Tarif vorgesehen sein können. Letztlich sind die Versicherungsbeiträge am Ende der Laufzeit verloren, wenn keine Auszahlung in Anspruch genommen wird. Unter Umständen können Versicherer einer Teilauszahlung zustimmen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Versicherte zuvor eine Berufsunfähigkeits­versicherung mit einmaligem Garantiekapital abgeschlossen hat.


Auf Investmenttarife achten

Damit Versicherungsbeiträge nicht am Ende der Laufzeit verloren sind, haben einige Versicherer an dieser Stelle Tarife mit Auszahlungsoption entwickelt. Tarife mit Auszahlungsoption sind oftmals durch einen Zusatz wie „Invest“ oder „Investment“ gekennzeichnet. Diese Bezeichnung macht deutlich, dass die Beiträge angelegt und verzinst werden, um am Ende der Laufzeit an den Versicherten zurückgezahlt zu werden. Tendenziell können die Versicherungsbeiträge bei Investmenttarifen etwas teurer sein. Ob sich ein solcher Tarif lohnt, bleibt der Entscheidung des Versicherungsnehmers vorbehalten.

Berufsunfähigkeits­versicherung mit Geld-zurück-Garantie?


Vorsicht bei gesundheitlichen Verbesserungen

Versicherte sollten darauf achten, dass die Vertragsbedingungen der Berufsunfähigkeits­versicherung nicht vorsehen, dass gesundheitliche Verbesserungen im Leistungsfall aktiv zu melden sind. Andernfalls kann es vorkommen, dass Versicherte die im Leistungsfall zu viel gezahlten Berufsunfähigkeitsrenten zurückzahlen müssen.

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Wie lange zahlt die Berufsunfähigkeits­versicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsrente wird normalerweise so lange gezahlt bis der Versicherte wieder berufsfähig ist oder in den Ruhestand geht. Maximal erfolgt die Auszahlung jedoch bis Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit. Im typischen Fall ist dies gleichzusetzen mit dem Beginn der Altersrente. In vielen Fällen tritt schon vorher eine Verbesserung des Gesundheits­zustands ein, sodass die Voraus­setzungen der Berufsunfähigkeit nicht mehr erfüllt sind.

Die durchschnittliche Berufsunfähigkeitsrenten-Bezugsdauer beträgt in Deutschland nach einer Studie zum Leistungsverhalten der Versicherer durch die Circle Deutschland GmbH aus dem Jahr 2017 etwa 6,5 Jahre. Eine Verlängerung der Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente ist in der Regel nicht möglich, es sei denn, Ihr Versicherungsvertrag enthält eine solche Option.

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Auch auf Preis-Leistungs-Verhältnis achten

Bei der Auswahl eines BU-Tarifs legt man üblicherweise besonderen Wert auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer nach einer Berufsunfähigkeitsabsicherung sucht, dem empfiehlt man deshalb häufig einen unabhängigen Tarifvergleich. In einem solchen persönlichen Vergleich werden Preise und Leistungen in Hinblick auf die individuellen Anforderungen geprüft. Auch Rankings unabhängiger Testinstitute und Analysehäuser werden gern als Entscheidungshilfe genutzt.

Expertinnen-Tipp

„Die richtige Berufsunfähigkeits­versicherung zu finden, ist nicht immer einfach. Die Gesellschaften werben mit hervorragenden Leistungen und günstigen Beiträgen. Was im Fall einer Berufsunfähigkeit jedoch zählt, ist die Auszahlung der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente. Anhand der sogenannten Leistungsquote können Kunden sehen, welche Gesellschaften die Leistung des öfteren verweigern. Daher ist es ratsam, bei der Suche nach einer Berufsunfähigkeits­versicherung, die Leistungsquote in den Vergleich mit einzubeziehen.“

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Katharina Krech
Beraterin

BU zahlt nicht: Gründe für die Leistungsverweigerung

Der Versicherer ist berechtigt, die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente zu verweigern, wenn sich der Versicherte zum Beispiel einer sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflicht­verletzung schuldig gemacht hat. Dies geschieht häufig unbeabsichtigt. Daneben gibt es noch andere Gründe, weshalb Berufsunfähigkeits­versicherungen Auszahlungen ablehnen:

Icon Stift und Papier

Fehler im Rahmen der Gesundheitsprüfung

Wird versehentlich eine Angabe vergessen oder eine Falschaussage gemacht, darf der Versicherer diesen Umstand als Vorsatz werten und ist sogar berechtigt, den Vertrag aufzulösen und eine Auszahlung abzulehnen.

Mehr zum Verfahren der Gesundheitsprüfung

Icon Bauarbeiter

Verweigerung eines Tätigkeitswechsels

Ist im Versicherungsvertrag eine sogenannte abstrakte Verweisung vorgesehen, kann der Versicherer den Versicherten auffordern, sich einen anderen Beruf zu suchen, den er noch ausüben kann. Dieser muss zwar der Qualifikation des Betroffenen entsprechen, kann aber in einem ganz anderen Tätigkeitsbereich liegen. Verweigert der Versicherte einen solchen Berufswechsel, liegt im Verständnis des Versicherers eine Vertrags­verletzung vor.

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Fehlerhafte Einschätzung des BU-Grades

Die Art des BU-Grades entscheidet über die Auszahlung der Berufsunfähigkeits­versicherung. Die meisten Versicherer stimmen einer Auszahlung lediglich zu, wenn der Versicherte zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig ist. Wird der BU-Grad von Ärzten und Gutachtern falsch eingeschätzt, erhält der Versicherte zu Unrecht sein Geld nicht.

Icon Stift

Fehler im Antragsverfahren

Die Beantragung einer Berufsunfähigkeitsente zählt leider zu den kompliziertesten Antragsverfahren im Versicherungsrecht. Viele Versicherte empfinden die Fragen als schwer zu verstehen und verzichten dann sogar teilweise auf eine Beantwortung. Doch eine fehlende Beantwortung hat mindestens dieselben Konsequenzen wie eine falsche Beantwortung.

Icon Glühbirne

Juristische Hilfe in Anspruch nehmen

Die Gründe für eine Leistungsverweigerung können vielfältig sein. Leider sind solche Gründe aber nicht immer ganz nachvollziehbar. Häufig muss dann juristisch entschieden werden, wer im Recht ist.

Leistungsquote: Wie oft zahlen BU-Versicherer?

Auszahlung der BU-Rente als häufiger Streitgegenstand

Icon Richterhammer und Gesetz

Keine Auszahlung: Letzter Schritt Klage

Schwierigkeiten bei der Auszahlung sind ein häufiger Grund, weshalb ein Versicherer beklagt wird. Weiß sich der Versicherte keinen anderen Rat mehr, als den Rechtsweg zu beschreiten, wird er den Versicherer auf Zahlung verklagen. Die gerichtliche Geltendmachung von Leistungen aus einer Berufsunfähigkeits­versicherung ist zeitintensiv und erfordert mehrere Schritte ehe es zu einem Urteil kommt. Um unvorhersehbare Risiken und Probleme auszuschließen, empfiehlt es sich, bereits beim Leistungsantrag juristische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Icon Achtung

Vorurteile halten der Realität nicht stand

In der Vergangenheit sind häufig Fälle öffentlich diskutiert worden, in denen die Berufsunfähigkeits­versicherung die Zahlung verweigerte. Nicht umsonst hat dieses Versicherungsprodukt deshalb den Ruf, aufgrund fehlender Leistungsbereitschaft der Unternehmen eine unnötige Vorsorge zu sein, die im Fall der Berufsunfähigkeit nicht leistet. Das ist eine fatale Fehleinschätzung, die im Zweifel dazu führen kann, dass der Betroffene, wenn er berufsunfähig ist, keine Absicherung hat und schnell in finanzielle Nöte gerät. Außerdem sind die Versicherungsunternehmen bei Weitem nicht so zahlungsunwillig, wie ihr Ruf weismachen möchte.

Versicherungsklagen zeigen Erfolg


Gut zu wissen

Auf die Berufsunfähigkeitsrente sind regulär Steuern zu entrichten, wobei die Höhe der Steuern primär von der Vertragslaufzeit abhängt. Für die Besteuerung ist also maßgeblich, bis zu welchem Alter, die Rente geleistet wird. Der zu versteuernde Anteil ist entsprechend umso größer, je länger die Bezugsdauer ausfällt. Auf die ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente fallen im Allgemeinen nur geringe Steuern an. Versteuerung der Berufsunfähigkeitsrente erfolgt nach dem Ertrags­anteil, vergleichbar mit der privaten Altersrente.

Mehr zur Berufsunfähigkeits­versicherung in der Steuer

Fazit

Eine Berufsunfähigkeits­versicherung ist ein sinnvolles Versicherungsprodukt, um Erwerbsunfähigkeit durch eine Krankheit oder einen Unfall finanziell abzusichern. Damit die Berufsunfähigkeits­versicherung im Leistungsfall zahlt, müssen Versicherungsnehmer bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Auch müssen Versicherungsnehmer darauf achten, Fehler bei der Antragstellung zu vermeiden, da sonst der Antrag abgelehnt werden könnte. Manchmal kann es passieren, dass Versicherer die Leistungen bzw. die Zahlung einer Berufsunfähigkeits-Rente ohne nachvollziehbaren Grund verweigern. In diesem Fall sollten Sie einen Juristen aufsuchen und mittels dessen Hilfe versuchen, die Entscheidung Ihres Versicherers über die geltende Leistungsverweigerung, umzukehren.

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