Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuer

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von Swantje Niemann
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Wie die Beiträge und Auszahlungen von Berufs­unfähigkeits­versicherungen und Berufs­unfähigkeit­szusatz­versicherungen steuerlich behandelt werden und worauf Sie beim Ausfüllen der Steuerklärung achten sollten.

Inhalt dieser Seite
  1. Beiträge richtig von der Steuer absetzen
  2. Wie viel kann man absetzen?
  3. BU Rente: Diese Steuern fallen an
  4. Regeln für Selbständige und Arbeitnehmer
  5. BU Zusatz­­versicherung in der Steuer

Das Wichtige in Kürze

  • Grundsätzlich können Versicherte die geleisteten Beiträge zur Berufs­unfähigkeits­versicherung (BU) steuerlich geltend machen.
  • Die Versicherungs­beiträge sind steuerlich als Sonder­ausgaben zu berücksichtigen.
  • Ob und in welchem Umfang die abgesetzten Beiträge die Steuerlast reduzieren, hängt von der Berufs­gruppe und den anderen Sonder­ausgaben der Versicherten ab.
  • Auch die Berufs­unfähigkeitsrente ist zu versteuern.

Beiträge zur Berufs­unfähigkeits­versicherung richtig von der Steuer absetzen

Die Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuererklärung

Grundsätzlich sind die Beiträge zur Berufs­unfähigkeitsversicherung steuerlich absetzbar. Art und Umfang der Absetzbarkeit sind abhängig von der Art der Berufs­unfähigkeits­versicherung. Bezogen auf die gewählte Versicherungs­form, greifen verschiedene Höchstgrenzen.

Die zur Berufs­unfähigkeits­versicherung gezahlten Beiträge fallen steuerlich unter die Sonder­ausgaben und lassen sich vom gesamten zu versteuernden Einkommen abziehen. Sie senken dadurch die sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige die Steuerlast, sofern die absetzbaren Sonder­ausgaben nicht schon anderweitig ausgeschöpft sind.

Sie sind in der Steuererklärung in der Anlage­ Vorsorge­aufwand einzutragen:

Ausschnitt aus der Anlage Vorsorgeaufwand, Zeile 47 "Beiträge zu freiwilligen eigenständigen Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen" ist gelb markiert.

Wie viel lässt sich steuerlich berücksichtigen?

Höchstbeträge für Angestellte und Selbständige

In welchem Umfang der Jahresbeitrag der Berufs­unfähigkeits­versicherung bei der Steuer berücksichtigt werden kann, ist vom jährlich absetzbaren Höchstbetrag für Vorsorge­aufwendungen abhängig. Dieser hängt von der Art der Beschäftigung ab und beträgt bei Angestellten 1.900 Euro und bei Selbständigen 2.800 Euro (Stand: 2021).

Zu berücksichtigen ist, dass zu den Vorsorge­aufwendungen auch die Beiträge zur gesetzlichen Kranken­- und Pflege­versicherung zählen. Sollte die Summe aus den jährlichen Beiträgen für diese Versicherungen unter dem Höchstbetrag (beispielsweise 1.900 Euro) liegen, so lassen sich andere Versicherungs­beiträge bis zur Höhe der Differenz absetzen.

Formel der Absetzbarkeit der BU-Beiträge für Arbeitnehmer

Die Formel (für Arbeitnehmer) lautet daher:

1.900 Euro – jährliche Beiträge zur Kranken­- und Pflege­versicherung
= jährlich steuerlich absetzbare Summe anderer Vorsorge­aufwendungen

In der Praxis übersteigen die Kranken­- und Pflege­versicherungs­beiträge meist diese Höchstgrenze. Schon bei einem monatlichen Brutto­verdienst von 2.000 Euro wird der absetzbare Höchstbetrag überstiegen. Damit ist keine Möglichkeit mehr gegeben, die Berufs­unfähigkeits­versicherung abzusetzen. Selbständige haben aufgrund der höher angesiedelten Obergrenze einen etwas größeren Spielraum.

BU-Beiträge als Kosten geltend machen

Damit Versicherte einen Teil der Beiträge zurückerhalten, müssen sie diese als Kosten geltend machen. Unabhängig von der Beschäftigungsart (Arbeitnehmer oder selbständig) ist hierfür die Rubrik Sonder­ausgabenabzug vorgesehen. Dies umfasst sowohl:

  • die eigenständige Berufs­unfähigkeits­versicherungen
  • als auch die Berufs­unfähigkeits-Zusatz­versicherungen (beispielsweise im Zusammenhang mit einer Rürup– oder Riester-Rente)

Zusammensetzung der Beiträge zur BU

Höhe und Umfang der Beiträge sowie der Leistung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Faktoren wie der Beruf oder die Bezugsdauer beeinflussen auch die steuerliche Behandlung. Die Kosten einer Berufs­unfähigkeits­versicherung sind i. d. R. abhängig von:

  • Alter
  • Beruf
  • Gesundheits­zustand
  • Laufzeit
  • Gewünschte Höhe der Berufs­unfähigkeitsrente

Wie hoch wird die Berufs­unfähigkeitsrente besteuert?

Versicherte sollten berücksichtigen, dass auch auf die Berufs­unfähigkeitsrente Steuern zu zahlen sind. Tritt der Versicherungs­fall, also die Berufs­unfähigkeit vor dem Renteneintrittsalter, ein, so leistet der Versicherer. Die gezahlte Berufs­unfähigkeitsrente ist zu versteuern, wobei die Höhe dieser Steuern in erster Linie von der Vertragslaufzeit abhängig ist, denn die Versteuerung der privaten Berufs­unfähigkeitsrente erfolgt ähnlich wie die der privaten Altersrente mit dem sogenannten Ertragsanteil. Dieser wird mit dem persönlichen Steuersatz besteuert.

Hierbei gilt, dass der zu versteuernde Anteil umso kleiner ist, je kürzer die Bezugsdauer der Rente ausfällt. Allgemein fallen für die ausgezahlte Rente wenig Steuern an. Mit zunehmender Bezugsdauer der Rente steigt jedoch der Anteil, den Versicherte zu versteuern haben. Handelt es sich beim zu versteuernden Gesamteinkommen (inklusive Berufs­unfähigkeitsrente) um einen Betrag unterhalb des Grundfreibetrags, fallen keine Steuern an. 2021 beträgt der Grundfreibetrag 9.744 Euro, 2022 erhöht sich diese Summe auf 9.984 Euro.

Abgrenzung zwischen Arbeitnehmern und Selbständigen in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Unterschiedliche Höchstbeträge

Der maßgebliche Unterschied in der steuerlichen Behandlung der Beiträge zur Berufs­unfähigkeits­versicherung im Hinblick auf Selbständige und Angestellte liegt in der jeweiligen Höchstgrenze. Die Höchstgrenze liegt für Selbständige deutlich höher als für abhängig Beschäftigte. Damit berücksichtigt der Gesetzgeber, dass Selbständige in besonderem Maße auf private Vorsorge­aufwendungen angewiesen sind.

Experten-Tipp:

„Sowohl Selbständige als auch Angestellte ziehen auch andere Versicherungs­beiträge (beispielsweise die private Kranken­­versicherung oder private Renten­versicherung) in der Steuererklärung heran. Damit ist der Höchstwert schnell erreicht, was zur Folge hat, dass das Finanzamt nicht sämtliche Kosten anerkennen kann. Eine Steuerersparnis der BU lässt sich oftmals höchstens in der Kombination mit der Rürup-Rente erzielen.“

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Marc Björn Wolter
Berater

Unterschiedliche Behandlung von Berufs­unfähigkeits­versicherung und Berufs­unfähigkeit­szusatz­versicherung

Geben Sie die Versicherungs­form in der Steuerklärung an

Grundsätzlich wird in puncto Steuer zwischen der reinen Berufs­unfähigkeits­versicherung als selbstständiger Versicherung sowie der Berufs­unfähigkeit­szusatz­versicherung (BUZ) unterschieden. Letztere ist eine als Zusatz­versicherung abgeschlossene Versicherung, die mit anderen Formen der Altersvorsorge verknüpft ist. Versicherte müssen bei der entsprechenden Angabe in der Steuererklärung die jeweilige Versicherungs­form unterscheiden, damit das Finanzamt die steuerliche Absetzbarkeit anerkennt. Wenn Versicherte zu hohe Beiträge absetzen, müssen sie mit Nachforderungen rechnen.

Mehr zur Altersvorsorge in der Steuer


Berufs­unfähigkeits­versicherung in Kombination mit der Rürup-Rente

Bei Verbindung mit anderen Altersvorsorge-Maßnahmen, wie etwa einer Rürup-Rente, ist mit höherer steuerlicher Entlastung zu rechnen. Die oben aufgeführten steuerlich absetzbaren Höchstgrenzen gelten in dem Falle nicht mehr. In Kombination mit der Rürup-Rente beträgt der anrechenbare Höchstbetrag im Jahr 2021 25.787 Euro Euro jährlich (beziehungsweise 51.574 Euro bei Verheirateten).

Achtung: Bei Kombination mit der Rürup-Rente ist darauf zu achten, dass die Beiträge zum Großteil auf die Vorsorge­ entfallen. Mehr als 50 Prozent müssen Versicherte hierbei für die Altersvorsorge aufbringen. Nur unter dieser Voraussetzung sind die Beiträge für die gekoppelte Berufs­unfähigkeits­versicherung steuerlich voll absetzbar. Außerdem müssen für beide Formen der Vorsorge­ Rentenzahlungen vorgesehen sein.

Mehr zur Rürup-Rente in der Steuer


Berufs­unfähigkeits­versicherung in Kombination mit der Riester-Rente

Auch im Hinblick auf die Riester-Rente können Versicherte vergleichbare steuerliche Vorteile erzielen. Bei einer Verknüpfung dieser Rentenform mit der Berufs­unfähigkeits­versicherung lassen sich auch hier die Beiträge von dem steuerpflichtigen Einkommen abziehen. Der Anteil der Berufs­unfähigkeits­versicherung an den gesamten zu entrichteten Beiträgen beträgt maximal 15 Prozent. Auf unserer Seite zum Thema können Sie nachlesen, welche Vor- und Nachteile eine solche Kombination von Versicherung und Altersvorsorge hat:

Mehr zur Kombination von Riester-Rente und Berufs­unfähigkeits­versicherung

Die häufigsten Fragen zur Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuer

Wo soll man die Berufs­unfähigkeits­versicherung in der Steuererklärung eintragen?

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Die Beiträge zur Berufs­unfähigkeits­versicherung werden in der Anlage­ Vorsorge­aufwand in der Steuererklärung eingetragen.

Kann man Beiträge zur Berufs­unfähigkeits­versicherung von der Steuer absetzen?

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Beiträge zur Berufs­unfähigkeits­versicherung können als Sonder­ausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Allerdings gelten hierbei Höchstbeträge (1.900 Euro für Angestellte, 2.800 Euro für Selbständige) und diese sind oft bereits durch andere Sonder­ausgaben ausgeschöpft, sodass sich häufig keine reelle Steuererleichterung ergibt. Handelt es sich um eine in eine Riester- oder Rürup-Rente integrierte Berufs­unfähigkeits­versicherung, können die Beiträge zu einem weitaus höheren Anteil von der Steuer abgesetzt werden.

Wie werden Berufs­unfähigkeitsrenten versteuert?

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Bei einer normalen Berufs­unfähigkeitsrente wird der Ertragsanteil der Rente besteuert. Dieser steigt mit der Restlaufzeit der Berufs­unfähigkeitsrente. Ein Teil der Rente bleibt jedoch immer steuerfrei. Anders sieht es bei Renten aus Berufs­unfähigkeit­szusatz­versicherungen im Rahmen einer Betriebs­-, Riester- oder Rürup-Rente aus. Hier wird die komplette Rente bzw. ein größerer Anteil besteuert.

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