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Kündigung der Riester-Rente

Bei einer Kündigung der Riester-Rente müssen staatliche Zulagen Steuervorteile zurückgezahlt werden.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Riester-Rente kann prinzipiell unter Berücksichtigung der Kündigungsfrist zu jeder Zeit gekündigt werden.
  • Eine Kündigung macht in den meisten Fällen jedoch keinen Sinn, da Zulagen und Förderungen komplett zurückgezahlt werden müssen.
  • Ausnahmen davon gelten bei Anbieterwechsel oder bei Umwandlung in einen Wohn-Riester.
  • Sinnvolle Alternative zur Kündigung ist die Beitragsfreistellungen bzw. Stilllegungen des Vertrages.
  • Falls doch gekündigt wird, muss dies in schriftlicher Form geschehen. Ein Musterschreiben dazu finden Sie im Beitrag.

Riester-Rente kündigen: Formales & Fristen

Der Vertrag für die Riester-Rente wird Ihnen nicht dauerhaft aufgezwungen: wie bei nahezu jedem anderen Vertrag, haben Sie also die Option diesen zu kündigen. Zu berücksichtigen ist die Kündigungsfrist: Diese beträgt 6 Wochen vor Ablauf des gewünschten Ausstiegsmonats. Zu beachten ist, dass nicht Ihr Versand der Kündigung zählt, sondern zu welchem Zeitpunkt diese den Riester-Anbieter erreicht hat.

Das sollte in der Kündigung stehen

Die Kündigung muss zwangsläufig in schriftlicher Form erfolgen und die folgenden Angaben enthalten:

  • Eine klare Aussage, dass der Riester-Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt aufgelöst/gekündigt werden soll
  • Ein Widerruf der bis dahin gültigen Einzugsermächtigung über das SEPA-Verfahren, welche Sie Ihrem Anbieter bei Vertragsabschluss ausgestellt haben werden
  • Die Angaben zu dem Konto, IBAN und BIC, auf die die zurückgezahlten Beträge aus dem Riester-Vertrag überwiesen werden sollen
  • Alle persönlichen Angaben zu Ihnen sowie Ihrem Riester-Vertrag
  • Optional: Dem Anbieter eine Frist zur Bestätigung der Kündigung von z. B. 14 Tagen setzen.

Hier können Sie sich unsere Vorlage zur Kündigung der Riester-Rente herunterladen und mit Ihren Angaben ergänzen:

Zur Musterkündigung (automatischer Download)

Kündigung stets als Einschreiben verschicken
Möchten Sie Ihre Riester-Rente kündigen, sollte das über ein Einschreiben mit Rückschein geschehen. Die Post wird Ihnen dann schriftlich bestätigen, dass das Schreiben übermittelt wurde, was Sie wiederum als Absicherung abheften können.

Achtung: Kündigung nicht immer sinnvoll

Verbraucherschützer raten pauschal davon ab den Riester-Vertrag zu kündigen. Generell ist der Konsens, dass das Aufkündigen einer Riester-Rente absolut nicht empfehlenswert ist. Das begründet sich vor allem mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, die der Gesetzgeber für die Riester-Rente festgelegt hat. Pauschal ausgedrückt, führt die Kündigung in nahezu allen Fällen zu signifikanten Verlusten. Sie verlieren damit also nicht nur die private Altersvorsorge, sondern bekommen auch weniger Geld zurück, als bisher eingezahlt wurde.


Darum ist die Kündigung der Riester-Rente nicht sinnvoll

  • Alle erhaltenen Zulagen und Förderungen, wie der einmalige Bonus für junge Leute, Kinder- und Grundzulage, müssen in den meisten Fällen an den Gesetzgeber zurückgezahlt werden
  • Der Anbieter Ihres Riester-Vertrages darf die einmalig angefallenen Vertriebskosten für die ersten fünf Jahre in jedem Falle belasten
  • Möglicherweise fällt eine Bearbeitungsgebühr für die außerplanmäßige Vertragsauflösung an
Wenn Sie Ihren Riester-Vertrag vorzeitig auflösen, d. h. nicht für den gedachten Zweck der späteren Rentenzahlung nutzen, haben Sie den Vertrag förderschädlich genutzt. Dadurch verlangt der Gesetzgeber die Rückzahlung jeglicher staatlicher Zulagen und Förderungen, darunter:

Bei einer vorzeitigen Kündigung erhalten Sie in der Regel lediglich den sog. Rückkaufswert ausgezahlt. Das sind die bisher eingezahlten Erträge abzüglich aller:

  • Abschlusskosten,
  • Verwaltungskosten
  • sowie Vertriebskosten

Die Vertriebskosten wiegen bei einer Kündigung besonders schwer, da sie die auf die ersten fünf Jahre verteilt werden. Deshalb steigt das Riester-Guthaben in den ersten Jahren, wenn überhaupt, nur sehr geringfügig an. Entfallen durch die Kündigung nun die weiteren geplanten Einzahlungen und Zulagen, bleiben Sie selbst auf diesen hohen Vertriebskosten des Anbieters sitzen, die Sie trotz Kündigung zahlen müssen. Ebenso erheben viele Anbieter eine Bearbeitungsgebühr für die Kündigung selbst.

Ob der Rückkaufswert relativ gleich zu den eingezahlten Beträgen ist oder sich sogar deutlich darunter ansiedelt, hängt auch vom Zeitraum ab, den aktiv in die Riester-Rente eingezahlt wurde.

Alles, was Sie zur Auszahlung der Riester-Rente wissen müssen, erfahren Sie hier:

Auszahlung der Riester-Rente


Kündigung des Riester-Vertrages: Verlust der privaten Altersvorsorge

Abseits der eben erwähnten Kostenpositionen sowie eventuell anfallenden Rückzahlungen der Zulagen und Förderungen müssen Sie ebenfalls bedenken, dass Sie mit der Kündigung automatisch Ihre private Altersvorsorge verlieren. Ist die Riester-Rente nur ein Bestandteil Ihrer Altersvorsorge, so verlieren Sie zumindest diesen Teil. Das Ergebnis bleibt gleich: im Alter würden Sie, wenn Sie keine andere Option stattdessen nutzen und das Geld entsprechend anlegen, weniger als bisher geplant ausgezahlt bekommen.

BERATER-TIPP

»Da die Riester-Rente vom Gesetzgeber als persönliche Altersvorsorge gedacht ist, kann der Vertrag in der Regel nicht auf eine andere Person übertragen oder an Dritte verkauft werden. Eine Übertragung kommt nur infrage, wenn der Ehepartner das Riester-Guthaben des Verstorbenen Ehepartners übernimmt.«


Ausnahmen: Wann Sie ohne Verlust kündigen können

Sie können Ihren aktuellen Riester-Vertrag kündigen und den Riester-Anbietern wechseln, sprich: einen neuen Riester-Vertrag abschließen. Wenn Sie das Riester-Guthaben aus der Kündigung in einen anderen Riester-Vertrag umschichten, können die staatlichen Zulagen und Förderungen behalten werden. Dafür benötigen Sie einen Riester-Anbieter, der Wechsler aufnimmt. Sie schließen dann den neuen Riester-Vertrag bei diesem Anbieter ab und erwähnen in Ihrer Kündigung beim alten Anbieter, dass das Guthaben auf den neuen Vertrag übertragen wird.

Sie können zu jeder Zeit Ihre klassische Riester-Rente in einen Wohn-Riester umwandeln. Dabei handelt es sich um ein Riester-Modell, bei dem das Riester-Guthaben für die Finanzierung einer Immobilie genutzt wird. Wichtig dabei ist, dass die Immobilie selbst genutzt, also selbst vom Riester-Sparer bewohnt und nicht vermietet wird. Folgende Varianten sind hier möglich:

  • Sie kündigen Ihre Riester-Rente und kaufen mit der Auszahlungssumme eine Immobilie.
  • Sie kündigen Ihre Riester-Rente und übertragen das Guthaben in einen Wohn-Riester-Vertrag, den Sie neu abschließen.
  • Wenn Sie bereits einen Wohn-Riester-Vertrag haben und die Immobilie verkauft ist: Sie kündigen Ihren Wohn-Riester und nutzen die Auszahlungssumme innerhalb von 4 Jahren dazu, eine neue Immobilie zu kaufen oder zahlen diese in einen neuen Riester-Vertrag ein.

In diesen Fällen müssen Zulagen und Förderungen nicht zurückgezahlt werden.

Verstirbt der Riester-Sparer, gelten je nach Todeszeitpunkt (Anspar- oder Auszahlphase) unterschiedliche Bedingungen. In fast allen Fällen müssen bei Vererbung Zulagen und Förderungen zurückgezahlt werden.

Die einzigen zwei Ausnahmen sind:

  • Ehepartner: Wenn Sie das Riester-Guthaben des Verstorbenen in ihren eigenen (unter Umständen auch gerade neu abgeschlossenen) Riester-Vertrag übertragen lassen
  • Kinder oder Ehepartner: Wenn eine Hinterbliebenenrente bei Vertragsabschluss vom Riester-Sparer vereinbart wurde.

Alle Regelungen zum Thema Riester-Rente im Todesfall finden Sie hier: Riester-Rente erben & vererben


Alternativen zur Kündigung der Riester-Rente

Es gibt eine kleine Auswahl von Alternativen, die rechnerisch Vorteile gegenüber der einfachen Kündigung mit sich bringen. Diese bestehen vorrangig darin, dass der Aufbau Ihrer zusätzlichen privaten Rente weiter läuft und Sie keine Werteverluste Ihres Guthabens haben.

Möchten Sie Ihre Riester-Rente kündigen, weil Ihnen die monatlichen Beiträge zu hoch sind, dann reduzieren Sie Ihre Einzahlungen auf das Mindeste. Grundsätzlich müssen Sie einen Mindesteigenbeitrag in Ihre Riester-Rente einzahlen, um die volle staatliche Riester-Förderung zu erhalten. Dieser Mindesteigenbeitrag orientiert sich an 4 Prozent Ihres Vorjahresbruttoeinkommens. Zahlen Sie weniger als das ein, bekommen Sie entweder weniger oder gar keine Förderung mehr. Sind Sie mittelbar begünstigt in der Riester-Rente, müssen Sie unter Umständen lediglich 60 Euro (Sockelbeitrag) einzahlen, um die vollen Zulagen zu erhalten.

Sinnvoller als eine Kündigung ist die Beitragsfreistellung beziehungsweise das Stilllegen des Riester-Vertrages. In diesem Fall entscheiden Sie sich dazu, kein weiteres Geld in den Riester-Vertrag einzuzahlen. Ebenso aber zahlen Sie kein Geld aus dem Riester-Vertrag vorzeitig aus. Die fehlende Auszahlung ist der Unterschied zur klassischen Kündigung.

Der Vorteil ist, dass bei der Beitragsfreistellung alle bisher gezahlten Beträge sowie bisher erhaltenen Zulagen weiterhin auf Ihrem Riester-Konto verbleiben. Zumindest das, was bisher angespart wurde, bleibt Ihnen also als Altersvorsorge erhalten. Nachteil ist, dass etwaige Fixkosten des Anbieters weiterlaufen und damit, je nachdem in welcher prozentualen Höhe sie zum angesparten Vermögen stehen, die Rentabilität erheblich mindern können. Wie viel Rendite mit einer Stilllegung verloren geht, hängt von diesen Umständen ab:

  • Höhe des angesparten Kapitals
  • Höhe aller Fix- und prozentualen Kosten des Anbieters
  • Restlaufzeit
  • die Dauer, in der keine weiteren Beträge eingezahlt werden.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.03.2020 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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