Beitrags­rückerstattung in der privaten Kranken­­versicherung

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von Lara Claussen
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Wie die Beitrags­rückerstattung in der privaten Kranken­­versicherung funktioniert und wie sie Ihnen hilft, Geld zu sparen.

Inhalt dieser Seite
  1. Beitrags­­rückerstattung in der PKV
  2. Höhe der Beitrags­­rückzahlungen in der PKV
  3. Beitrags­­rückerstattung über die Steuer
  4. Beitrags­­rückerstattung bei Kündigung
  5. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Erwirtschaftet ein Versicherungs­unternehmen Überschüsse, können Versicherungs­nehmer der privaten Kranken­­versicherung Betragsrückerstattungen erhalten.
  • Rückerstattung erhalten u.a. diejenigen, die ein Jahr lang keine Rechnung bei ihrer privaten Kranken­­versicherung eingereicht haben.
  • Wie hoch die Beitrags­rückerstattungen ausfallen, hängt vom Versicherungs­unternehmen ab – möglich sind bis zu 50 Prozent des Jahresbeitrags.
  • Wenn hohe Rückerstattungen zu erwarten sind, kann es sich lohnen, kleinere Rechnungen selbst zu bezahlen.

Beitrags­rückerstattung in der PKV

Beiträge zur privaten Kranken­­versicherung werden dann zurückerstattet, wenn das Versicherungs­unternehmen Überschüsse erwirtschaftet, beispielsweise wenn die Kosten der privaten Kranken­­versicherung niedriger ausfallen als ursprünglich angenommen. Diese Überschüsse werden daraufhin in Form einer „Rückstellung für Beitrags­entlastungen“ (RfB) gesammelt. Die erwirtschaftete Summe können Versicherungen dann nutzen, um ihre Leistungen zu verbessern, ihre Beiträge anzupassen oder ein Teil des Geldes bar an ihre Kunden auszahlen.

Voraussetzungen für eine Beitrags­rückerstattung

Rückerstattung erhalten u.a. diejenigen, die ein Jahr lang keine Rechnung bei ihrer privaten Kranken­­versicherung eingereicht haben. Ausgenommen sind häufig Rechnungen für Vorsorge­untersuchungen. Außerdem dürfen keine Beitrags­rückstände bestehen.

Formen der Beitrags­rückerstattung

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer erfolgsunabhängigen und einer erfolgsabhängigen Rückerstattung. Die jeweilige Form wird in den Vertrags­bedingungen Ihres PKV-Tarifs festgehalten.

Erfolgsabhängige Beitrags­rückerstattung

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Die erfolgsabhängige Beitrags­rückerstattung ist vom Geschäftsergebnis des Versicherers abhängig. Sie ist daher in ihrer Höhe vom Unternehmenserfolg abhängig. In der Regel wird sie ein bis zwei Jahre im Voraus garantiert.

Erfolgsunabhängige (garantierte) Beitrags­rückerstattung

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Die erfolgsunabhängige Beitrags­rückerstattung leistet, wenn der Versicherte in einem Jahr keine Leistungen in Anspruch genommen hat, sofern dies in den Vertrags­bedingungen festgelegt wurde. Häufig wird diese Form der Beitrags­rückerstattung auch als „garantierte“ Rückerstattung bezeichnet, da sie unabhängig vom Erfolg des Unternehmens ausgezahlt wird. Mittlerweile bieten aber nur noch wenige Versicherungs­unternehmen eine garantierte Beitrags­rückerstattung an.

Nettoverzinsung in der PKV

Unter der Nettoverzinsung versteht man jene Verzinsung, welche die Versicherung innerhalb eines Geschäftsjahres durch seine Kapitalanlagen nach Abzug der Anlage­kosten erzielt hat. Die Zinsergebnisse der privaten Kranken­­versicherung führen dazu, dass der Versicherte einen niedrigeren Beitrag aufbringen muss, da die Zinsen wie Beiträge behandelt werden.

Beitrags­rückerstattung – Wie viel zahlt die PKV zurück?

Wie hoch die Rückzahlungen ausfallen, hängt von der jeweiligen privaten Kranken­­versicherung ab. Sie wird in jedem Geschäftsjahr neu beschlossen. So kann es vorkommen, dass Privatversicherte in einem Jahr sechs Monatsbeiträge zurückerstattet bekommen, in einem anderen Jahr hingegen nur die Beiträge für zwei Monate.

Manche Versicherer legen statt einer Anzahl an Monatsbeiträgen einen Prozentsatz fest. So bekommt man beispielsweise 15 Prozent seiner Jahresbeiträge zurück. Wiederum andere Versicherer gestalten ihre Tarife so, dass nur für bestimmte Bausteine der PKV eine Beitrags­rückerstattung erfolgt. Die Beiträge werden immer für das vergangene Jahr rückerstattet. Das bedeutet, dass man 2021 die Beiträge für das Jahr 2020 zurückerstattet bekommt.


Beispiel: So viel können Sie zurückerstattet bekommen

Monatlicher BeitragJahresbeitrag gesamtRückerstattung am Jahresende
120 €1.440 €360 €
350 €4.200 €1.050 €
600 €7.200 €1.800 €
In unserem Beispiel erstattet der Versicherer 3 Monatsprämien zurück. Dies ist nur eine hypothetische Aufstellung. Wie im Abschnitt darüber erwähnt, kommt die genaue Höhe auf das Versicherungs­unternehmen und seine Regelungen an.

Beitrags­rückerstattungen steigen mit jedem Jahr ohne eingereichte Rechnungen

Wer über mehrere Jahre hinweg nur Vorsorge­leistungen in Anspruch nimmt, bekommt unter Umständen besonders viel Geld zurück. Bei einer Versicherung steigern sich die Rückerstattungen mit jedem Jahr ohne eingereichte Rechnungen um 5 Prozent. Maximal können Kunden 50 Prozent ihrer eingezahlten Versicherungs­beiträge zurückerhalten. Für einen Beispielkunden, der monatlich 500 Euro, also 6.000 Euro pro Jahr bezahlt, sieht das z.B. wie folgt aus:

  • 1. Jahr: Rückerstattung von 15% des Jahresbeitrags – 900 Euro
  • 2. Jahr: Rückerstattung von 20% des Jahresbeitrags – 1.200 Euro
  • 3. Jahr: Rückerstattung von 25% des Jahresbeitrags – 1.500 Euro
  • 4. Jahr: Rückerstattung von 30% des Jahresbeitrags – 1.800 Euro

So gehen Sie vor

  1. Wenn Sie innerhalb eines Versicherungs­jahres zum Arzt gehen oder andere Behandlungen durchführen lassen, dann überlegen Sie, ob Sie die Kosten nicht einfach selbst tragen.
  2. Für den Versicherer gilt das Datum, an welchem die Behandlung stattfand oder Medikamente und Co. bestellt wurden.
  3. Haben Sie Rechnungen, die Behandlungen über zwei Jahre betreffen, dann können Sie in den meisten Fällen jene Leistung markieren, die nicht erstattet werden soll.
  4. Einmal im Jahr erhalten Sie von Ihrem PKV-Versicherer einen Bescheid, ob und in welcher Höhe Sie Beiträge rückerstattet bekommen.
  5. Die Rückerstattung bekommen Sie in der Regel auf Ihr Konto ausgezahlt.

PKV-Beitrags­rückerstattung 2020

Wie viel die Versicherer an Beitrags­rückerstattungen an ihre Versicherten zurückzahlen, ist oftmals öffentlich einsehbar. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die Beitrags­rückerstattungen einiger Anbieter im Jahr 2020.

AnbieterSumme der Rückerstattung Durchschnittliche Rückerstattung
Allianz 123,4 Millionen Euro30 – 50 Prozent des Jahresbeitrags
Debeka260 Millionen Euro2,5 Monatsbeiträge
Signal Iduna130 Millionen Euro2,5 Monatsbeiträge
Continentale130 Millionen EuroBis zu 6 Monatsbeiträgen
Barmenia63,5 Millionen EuroBis zu 3 Monatsbeiträgen
Inter 34,6 Millionen EuroBis zu 4 Monatsbeiträgen
Gothaer28,1 Millionen EuroBis zu 6 Monatsbeiträgen
Bei der Tabelle handelt es sich lediglich um eine Auswahl an Versicherungs­anbietern.

Alle Anbieter der privaten Kranken­­versicherung im Überblick

Beitrags­rückerstattung über die Steuer

Die Beiträge zur privaten Kranken­­versicherung kann man in der Steuererklärung als Sonder­ausgabe geltend machen. Allerdings müssen die Beitrags­rückerstattungen in der Steuererklärung mit den Beitrags­zahlungen verrechnet werden. Das Finanzamt berücksichtigt bei der Einkommens­teuer nämlich nur Versicherungs­beiträge mit denen der Versicherte auch endgültig belastet worden ist. Bei der Beitrags­rückerstattung muss also bedacht werden, dass sie die Höhe der steuerlichen Absetzbarkeit verringert. Wie die Beiträge zur PKV in der Steuer behandelt werden, erfahren Sie hier:

Private Kranken­­versicherung in der Steuer


Berechnungsbeispiel: Beitrags­rückerstattung nach Steuerabzug

Behandlungs­kosten275 Euro
Eigenanteil275 Euro
Beitrags­rückerstattung350 Euro
Steuernachteil durch Beitrags­rückerstattung bei einem Steuersatz von 40 %140 Euro
Verbleibende Beitrags­rückerstattung nach Steuerabzug135 Euro

PKV-Beitrags­rückerstattung bei Kündigung

Wer seinen bestehenden PKV-Tarif kündigt oder das Versicherungs­unternehmen wechselt, verliert seinen Anspruch auf mögliche Beitrags­rückerstattungen. Grund dafür ist, dass es sich bei Rückerstattungen um keine garantierte Leistung handelt, sondern selbige für jedes Jahr neu festgelegt werden. Eine Kündigung verwirkt damit die Beitrags­rückerstattung für das aktuelle Jahr, auch anteilige Zahlungen sind nicht Bestandteil der allgemeinen Versicherungs­­bedingungen! Bei einem PKV-Wechsel müssen Versicherungs­nehmer dementsprechend wieder von vorne anfangen und neue erstattungsfreie Jahre für die Beitrags­rückerstattung aufbauen.

Was Sie sonst noch bei einer Kündigung Ihrer privaten Kranken­­versicherung beachten sollten, haben wir Ihnen hier zusammengefasst, inklusive einer Musterkündigung:

Kündigung der privaten Kranken­­versicherung

Fazit

Hat man im Versicherungs­jahr keine Rechnungen bei seinem privaten Kranken­­versicherer eingereicht, kann man mit einer Beitrags­rückerstattung rechnen.

Dies ist quasi die Belohnung der Versicherer an den Versicherten, dass Verwaltungskosten durch die Nicht-Bearbeitung von Rechnungen eingespart werden konnten und der PKV-Versicherer keine Leistungen auszahlen musste. Somit kann es sich durchaus lohnen, kleine Behandlungs­kosten bzw. niedrige Rechnungen selbst zu zahlen, ohne sie beim Versicherer einzureichen.

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Die häufigsten Fragen zur Beitrags­rückerstattung in der privaten Kranken­­versicherung

Was ist eine Beitrags­rückerstattung?

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Eine Beitrags­rückerstattung ist in erster Linie eine erfolgsabhängige Rückzahlung von Versicherungs­beiträgen. Der Versicherungs­nehmer wird quasi an den erwirtschafteten Überschüssen des Unternehmens beteiligt.

Wann lohnt sich eine Beitrags­rückerstattung?

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Das Prinzip der Beitrags­rückerstattung lohnt sich vor allem dann, wenn man im entsprechenden Jahr keine Rechnungen beim Versicherer eingereicht hat, das heißt keine Leistungen vom Versicherer in Anspruch genommen hat.

Wie funktioniert eine Beitrags­rückerstattung?

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Wenn Versicherte keine Rechnungen beim PKV-Versicherer einreichen (entweder, weil keine Krankheits­kosten angefallen sind oder selbst beglichen wurden), dann muss der Versicherer keine „kleinen“ Fälle bearbeiten. Damit spart der Versicherer Verwaltungskosten. Als „Belohnung“ lässt er den Versicherungs­nehmer am Erfolg des Unternehmens teilhaben und zahlt einen Teil seiner Beiträge aus den erwirtschafteten Überschüssen zurück.

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Katharina Tennius
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