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Private Krankenversicherung kündigen

Ratgeber: Diese Regelungen und Fristen müssen Sie beachten (2020) - mit Musterkündigung
Das Wichtigste in Kürze
  • Bei der ordentlichen Kündigung einer privaten Krankenversicherung (PKV) müssen Kündigungsfristen und Mindestlaufzeiten beachtet werden.
  • Darüber hinaus kann man auch vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Welche Möglichkeiten Sie dafür haben, erfahren Sie in diesem Beitrag.
  • Ein Tarifwechsel ist im Vergleich zur Kündigung der privaten Krankenversicherung oft die bessere Option.
  • Der Versicherer darf eine private Krankenversicherung nur in wenigen Ausnahmefällen kündigen.

Warum die PKV kündigen?

Die meisten Versicherten wollen auf Dauer bei ihrer Versicherung bleiben. Dennoch gibt es auch Gründe, aus denen Privatpatienten nicht länger in ihrer Versicherung bleiben können oder wollen.

  • Umzug ins Ausland
  • Pflicht zur Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung
  • Anbieter mit attraktiveren Konditionen

Darüber hinaus gibt es mehrere Situationen, in denen Versicherten ein Sonderkündigungsrecht zusteht, weil sich die Bedingungen ihrer Versicherung geändert haben.


Ordentliche und außerordentliche Kündigung der PKV

Die Kündigung der privaten Krankenversicherung ist als ordentliche Kündigung oder im Rahmen von Sonderkündigungsrechten möglich.

Kündigungsfrist für die ordentliche Kündigung

Die ordentliche Kündigung muss mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres erfolgen. Bei den meisten Versicherungsgesellschaften ist das Versicherungsjahr mit dem Kalenderjahr identisch.

Eine fristgerechte reguläre Kündigung muss somit bis zum 30. September des laufenden Jahres an das Versicherungsunternehmen gesendet werden. Allerdings gelten bei einigen Versicherungen auch davon abweichende Regelungen. Lesen Sie am besten in Ihren Versicherungsunterlagen nach.

Sonderkündigungsrecht

Ein Sonderkündigungsrecht können Versicherte unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch nehmen, wenn sich die Vertragsbedingungen – z.B. durch Beitragsanpassungen – oder die persönliche Situation des Versicherungsnehmers geändert haben. Hier gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten. Sie beginnt, sobald der Versicherte von den Änderungen Kenntnis erhalten hat.

Ein Sonderkündigungsrecht kommt in der privaten Krankenversicherung in den folgenden Fällen infrage:

Das Versicherungsunternehmen erhöht seine Beiträge, ohne dass damit eine Erweiterung des Leistungsumfangs des gewählten Tarifs verbunden ist. Der Vertrag kann im Rahmen der zweimonatigen Sonderkündigungsfrist ab dem Erhalt der Änderungsmitteilung gekündigt werden. Der Vertrag endet mit dem Wirksamwerden der Beitragsanpassung.
Das Einkommen aus angestellter Arbeit fällt unter die gesetzlich festgelegte Versicherungspflichtgrenze oder eine selbstständige Tätigkeit wird aufgegeben, so dass wieder Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) besteht. Versicherungsnehmer können ihren Vertrag für die private Krankenversicherung zum Zeitpunkt des Eintritts der Versicherungspflicht kündigen. Alternativ ist die Kündigung rückwirkend innerhalb von drei Monaten nach dem Beginn der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse möglich.
Auch Empfänger von ALG I sind von der Versicherungspflicht in der GKV betroffen. Es kann jedoch auch Ausnahmeregelungen geben, die eine Weiterversicherung in der PKV vorsehen.
Es ist vergleichsweise selten, dass die Kündigung einer privaten Krankenversicherung Vorteile mit sich bringt. Manche Versicherte waren jedoch nicht lange genug versichert, um umfangreiche Altersrückstellungen anzusammeln, oder können und wollen in die GKV zurückkehren. Dann kann der Wechsel zu einem anderen Anbieter/System tatsächlich vorteilhaft sein.
Die gleichen Regelungen gelten, wenn bisher privat krankenversicherte Personen einen Anspruch auf Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung oder einen dauerhaften Anspruch auf Heilfürsorge erwerben. Letzteres trifft auf Polizei- oder Justizvollzugsbeamte zu.

Bei einem Umzug in ein Land außerhalb der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes kann eine in Deutschland abgeschlossene private Krankenversicherung nicht weitergeführt werden, so dass auch hier ein Sonderkündigungsrecht zum Tragen kommt.

Tipp: Nicht bei der GKV versicherungspflichtige Rückkehrer aus dem Ausland, die ein Jahr lang dort versichert waren, können nach ihrer Rückkehr frei entscheiden, ob sie in die GKV oder die PKV wollen, auch wenn sie vor ihrem Auslandsaufenthalt privat versichert waren und der Wechsel zurück in die GKV für sie unter normalen Umständen schwierig oder unmöglich gewesen wäre. Falls eine Rückkehr in die PKV geplant ist, lohnt sich unter Umständen eine Anwartschaftsversicherung.

Kündigung einer privaten Krankenversicherung und Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse
Der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung ist für einige Versicherte Pflicht und für andere restriktiven Regeln unterworfen. Mehr dazu lesen Sie am besten auf unserer Seite zum Thema private Krankenversicherungen wechseln, wo genau erklärt wird, wer unter welchen Umständen in welche Versicherung wechseln kann und sollte.

Kündigungsrecht unmittelbar nach Vertragsschluss

Stoßen Sie in den ersten zwei Wochen nach Abschluss ihrer privaten Krankenversicherung auf ein besseres Angebot oder haben doch Bedenken, können Sie ihren Vertrag widerrufen.

18. Geburtstag: Vertragstrennung vs. Kündigung

Wenn privat versicherte Kinder 18 werden, können Sie entscheiden, ob sie

  • weiterhin über ihre Eltern versichert bleiben wollen
  • eine Vertragstrennung wollen, also die Versicherung beibehalten, aber von nun an mit einer eigenen Police
  • in eine andere PKV wechseln wollen
  • in die GKV wechseln wollen.
Lückenloser Nachweis einer Krankenversicherung

In Deutschland gilt grundsätzlich die Pflicht zum Abschluss einer Krankenversicherung. Mit Ausnahme eines Umzugs ins nichteuropäische Ausland wird eine Kündigung der privaten Krankenversicherung daher erst wirksam, wenn dem bisherigen Versicherer ein Nachweis über den Abschluss einer neuen Krankenversicherung vorgelegt wird.

Wenn dieser Nachweis nicht innerhalb von zwei Monaten erbracht wird, ist die Kündigung unwirksam, sofern der Versicherungsnehmer nicht nachweist, dass er die Gründe dafür nicht zu verantworten hat. Nach Ablauf der Zwei-Monatsfrist kann die private Krankenversicherung jeweils zum Monatsende gekündigt werden, wenn der Nachweis einer lückenlosen Weiterversicherung erbracht wird.

Menschen ohne Krankenversicherung verstoßen gegen eine gesetzliche Regelung und müssen für jede Behandlung, die nicht absolut notwendig ist, selbst bezahlen. Nicht krankenversichert zu sein, ist an sich zwar nicht strafbar, aber mit der Zeit häufen sich ausstehende Beitragsnachzahlungen an – es entstehen Kosten, denen kein Versicherungsschutz gegenübersteht. Wer nicht versichert ist, sollte so schnell wie möglich wieder Mitglied einer Krankenversicherung werden. Lesen Sie zu diesem Thema auch unseren Artikel zum Leben ohne Krankenversicherung.

Wie muss die Kündigung der privaten Krankenversicherung erfolgen?

Die Kündigung der privaten Krankenversicherung muss in Schriftform und fristgerecht erfolgen. Die Einhaltung der Kündigungsfrist kann beispielsweise durch die Übersendung per Einschreiben nachgewiesen werden. Für eine rechtlich wirksame Kündigung sind die folgenden Schritte zu beachten:

  • Sorgfältige Prüfung des Versicherungsvertrags: Was gewinnen Sie und was verlieren Sie durch die Kündigung?
  • Fristgerechte Übermittlung des Kündigungsschreibens
  • Ausdrückliche Erklärung der Kündigung unter Angabe des gewünschten Kündigungsdatums
  • Nachweis einer Folgeversicherung zusammen mit dem Kündigungsschreiben oder Nachreichen dieses Nachweises bis zum Ende des bestehenden Versicherungsvertrages.

Nutzen Sie für Ihre Kündigung gern unser Musterschreiben – füllen Sie es einfach mit Ihren Angaben aus.

Muster herunterladen
Checkliste: Das sollte in einem Kündigungsschreiben stehen
  • Versichertennummer
  • explizite Erklärung der Kündigung (Achtung: Achten Sie darauf, zumindest an einer Stelle das Wort “Kündigung” und nicht nur z.B. “Wechsel” zu benutzen)
  • Kündigungszeitpunkt
  • falls er schon vorliegt: Nachweis der neuen Versicherung
  • Unterschrift

Empfehlung: Kündigung per Einschreiben

Eine Kündigung per Mail ist zwar bequem, aber um sicher zu sein und gegebenenfalls nachweisen zu können, dass Ihr Schreiben den Ansprüchen der Versicherung genügt und fristgerecht angekommen ist, empfiehlt sich, es als Brief mit Einschreiben zu übermitteln.


Wer sollte seine private Krankenversicherung nicht kündigen?

Eine Kündigung ist in der privaten Krankenversicherung bringt Nachteile mit sich, da Altersrückstellungen nur teilweise mitgenommen werden können. Bei vor 2009 abgeschlossenen Verträgen gehen sogar sämtliche Altersrückstellungen verloren. Darüber hinaus findet beim Wechsel zu einem neuen Anbieter eine Gesundheitsprüfung statt, die zu einer Verschlechterung der Konditionen führen kann. Gerade Menschen, die lange bei ihrer Versicherung waren, haben hier viel zu verlieren.#

Kostenreduktion: Basistarif, Standardtarif oder Tarifwechsel

Je nachdem, ob eine Versicherung vor oder nach 2009 geschlossen wurde, kommen alternativ zur Kündigung ein kostengünstigerer Standard- oder Basistarif infrage. Aber oft gibt es einen normalen Tarif der privaten Krankenversicherung, der einen ähnlichen Leistungsumfang wie zuvor zu einem niedrigeren Preis ermöglicht.

Grundsätzlich sollte in Fünf-Jahres-Intervallen eine Tarifüberprüfung vorgenommen werden. Darüber hinaus können Kosten unter Umständen auch durch den Verzicht auf einzelne Leistungen oder, falls sich der Gesundheitszustand gebessert hat, durch eine Überprüfung der Risikozuschläge verringern.

Bisher privat krankenversicherte Personen, die eine spätere Rückkehr zu ihrem bisherigen Krankenversicherer für wahrscheinlich halten, können eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Hierdurch kann der Versicherungsvertrag zu den bisherigen Konditionen wieder aufgenommen werden. Eine kleine Anwartschaft stellt sicher, dass hierfür keine erneute Gesundheitsprüfung nötig ist. Bei einer – allerdings teureren – großen Anwartschaft werden zusätzlich weitere Altersrückstellungen gebildet.

Sinnvoll ist eine Anwartschaftsversicherung zum einen, um vor allem bei längeren Versicherungszeiten in der PKV die bereits angesparten Altersrückstellungen nicht zu verlieren. Zum anderen ist sie wichtig, wenn bereits vorhandene Vorerkrankungen bei einer erneuten Gesundheitsprüfung zu Risikozuschlägen oder zum Ausschluss aus der privaten Krankenversicherung führen könnten.


Darf die Versicherung ihren Kunden kündigen?

Der Vertrag über eine private Krankenversicherung wird zumindest der Intention nach auf Lebenszeit geschlossen. Eine Kündigung der privaten Krankenversicherung durch den Versicherer ist nur rechtens, wenn der Versicherungsnehmer die Gesundheitsfragen im Versicherungsantrag vorsätzlich falsch beantwortet hat. Das Versicherungsunternehmen muss sein Kündigungsrecht in solchen Fällen innerhalb von fünf Jahren oder – bei Vorsatz und arglistiger Täuschung – innerhalb von zehn Jahren nach dem Beginn des Versicherungsvertrages wahrnehmen.

Falsche Antworten, die nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig gegeben wurden, begründen dagegen kein Kündigungsrecht des Versicherungsunternehmens. Allerdings hat die Versicherung dann das Recht, Risikoaufschläge oder Risikoausschlüsse in den Versicherungsvertrag aufzunehmen. Mögliche Kündigungsrechte für den Versicherer ergeben sich außerdem bei schweren Vertragsverletzungen durch den Versicherungsnehmer. Versicherte, denen von ihrer PKV gekündigt wurde, können den Basistarif einer anderen privaten Krankenversicherung in Anspruch nehmen.
2011 urteilte der Bundesgerichtshof, dass die Kündigung einer privaten Krankenversicherung gegenüber einem Kunden rechtmäßig war. Der Grund: Dessen Frau hatte gefälschte Belege eingereicht.

Notlagentarif als Option bei Beitragsrückstand

Ein Beitragsrückstand in der privaten Krankenversicherung begründet kein Kündigungsrecht des Versicherers. Seit 2013 können privat Versicherte in einem solchen Fall den sogenannten Notlagentarif der privaten Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Er beläuft sich auf 100 bis 125 Euro monatlich. Erstattet werden die Kosten für medizinisch unabdingbare Behandlungen. Eine Rückkehr in den normalen Tarif ist nach der vollständigen Begleichung ausstehender Versicherungsbeiträge möglich.


Fazit

Privat Versicherte haben grundsätzlich das Recht, ihre Versicherung zu kündigen. Allerdings sollten Sie zunächst Alternativen in Erwägung ziehen, um den Nachteilen zu entgehen, die Anbieterwechsel oft mit sich bringen. Bleibt es dennoch bei der Kündigung, sollte diese so erfolgen:

  • schriftlich
  • explizit und unter Nennung des Kündigungszeitpunkts
  • unter Beachtung der Mindestlaufzeit des Versicherungsvertrags
  • und unter Beachtung der Kündigungsfristen

Vergleichen Sie am Besten bereits vor der Kündigung verschiedene Versicherungsangebote.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 19.11.2020 aktualisiert.
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Swantje Niemann
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