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Basistarif der privaten Krankenversicherung

Leistungen, Kosten und Alternativen (2020)
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn das Einkommen von Versicherungsnehmern nicht mehr ausreicht, können Sie unter Umständen auf den Basistarif der privaten Krankenversicherung ausweichen.
  • Dazu müssen Sie jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
  • Hilfebedürftige Versicherungsnehmer haben die Möglichkeit, ihre Kosten stark zu reduzieren.

Was ist der Basistarif der privaten Krankenversicherung?

Private Krankenversicherungen (PKV) sind gesetzlich verpflichtet, einen Basistarif anzubieten, der die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nachbildet. Der gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung höherwertige Versicherungsschutz der privaten Krankenversicherer ist im Basistarif nicht gegeben. Die privaten Krankenversicherungen dürfen die Aufnahme in den Basistarif keinem Antragsteller verwehren, der die Voraussetzungen dafür erfüllt. Bei einem Arztbesuch müssen die Versicherten im Gegenzug darauf verweisen, dass sie im Basistarif versichert sind, da die Ärzte dann nach anderen Gebührensätzen abrechnen als bei anderen PKV-Tarifen.

Vergleich zwischen den normalen Tarifen und dem Basistarif der privaten Krankenversicherung

Normale PKV-TarifeBasistarif
  • vertraglich definierter, individueller Versicherungsschutz
  • Leistungen sind dauerhaft vertraglich garantiert
  • Beitrag bestimmt durch Vorerkrankungen, Lebensalter und Leistungsumfang
  • entspricht immer Vorgaben für gesetzliche Krankenkassen
  • Vorerkrankungen und individuelle Risikozuschläge spielen keine Rolle für Beitrag
  • kann notfalls anteilig oder sogar komplett von Sozialhilfeträger übernommen werden

Warum gibt es den Basistarif?

Der Basistarif soll die gesundheitliche Versorgung von Menschen gewährleisten, die trotz der Altersrückstellungen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr in der Lage sind, die stetig und durch Beitragsanpassungen manchmal auch sprunghaft steigenden Beiträge ihres gewählten PKV-Tarifs zu zahlen, aber aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters auch nicht wieder in die GKV wechseln können. Das trifft z.B. auf einige Rentner zu. Ebenso ist er eine Option für Menschen, die wegen Vorerkrankungen keinen normalen Tarif erhalten können.

Eine Rückkehr aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung kann zwar die günstigere Lösung sein, ist jedoch nicht in jedem Fall möglich. Angestellte müssen in eine gesetzliche Krankenkasse wechseln, wenn ihr Einkommen unter die gesetzlich festgelegte Versicherungspflichtgrenze fällt, sofern sie jünger als 55 Jahre sind. Für Personen im Alter über 55 Jahren ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung fast unmöglich. Ausnahmen bestehen, wenn das eigene Einkommen die Minijob-Grenze von etwa 450 Euro nicht überschreitet und über den Ehepartner eine Familienversicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse möglich ist.

Wer hat Anspruch auf den Basistarif der privaten Krankenversicherung?

Verschiedene Personengruppen haben einen Rechtsanspruch auf einen Wechsel in den Basistarif der privaten Krankenversicherung bei einem beliebigen PKV-Anbieter. Ob dieser besteht, hängt von den individuellen Umständen, aber vor allem auch vom Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses ab. Dass sich die Ansprüche je nach Zeitpunkts des Vertragabschlusses unterscheiden, liegt daran, dass der Basistarif ab 2009 für alle neuen Versicherungsverträge an die Stelle des Standardtarifs getreten ist. Der Standardtarif ist also nur noch für Versicherte mit älteren Verträgen relevant.

Wenn die Versicherung nach dem 31.12.2008 geschlossen wurde, haben die folgenden Personen Anspruch auf einen Übergang in den Basistarif:

  • Personen in den ersten sechs Monaten der freiwilligen Mitgliedschaft
  • Personen mit deutschem Wohnsitz, die weder der Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung unterliegen noch Leistungen nach den gesetzlichen Vorgaben für Sozialhilfeempfänger oder Asylbewerber erhalten können
  • Beihilfeberechtigte/Beamte, die neben der Beihilfe einen ergänzenden Krankenversicherungsschutz benötigen
  • Privatversicherte Personen mit deutschem Wohnsitz. Ihre Altersrückstellungen werden bei einem Wechsel in den Basistarif sowohl bei ihrem bisherigen Versicherer als auch bei einer Versicherung zum Basistarif bei einem anderen Unternehmen angerechnet.
Versicherte, die sich bereits vor dem 01. Januar 2009 erstmals privat versichert haben, können dagegen nur in den Basistarif ihres bisherigen Versicherers wechseln, wenn sie die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Vollendung des 55. Lebensjahres
  • Bezug einer gesetzlichen Rente, einer Beamtenpension oder einer vergleichbaren Versorgungsleistung
  • Sozialrechtlich begründete Hilfsbedürftigkeit, nachgewiesene Unfähigkeit, die Prämie für einen anderen PKV-Tarif aufzubringen

Kontrahierungszwang: Wann dürfen Versicherer Anträge trotzdem ablehnen?

Versicherungen müssen einem Antrag auf Wechsel in den Basistarif grundsätzlich stattgeben. Sie können nur ablehnen, falls der Antragsteller schon vorher bei ihnen versichert war und der Versicherungsvertrag aufgrund von dessen Fehlverhalten angefochten wurde. Dem Antragsteller stehen jedoch noch die Basistarife anderer Versicherer offen.

Anspruch auf Wechsel zurück in Ursprungstarif
Aufgrund der Corona-Krise gab es eine Änderung im Gesetz: Wer nach dem 15.03.2020 wegen Hilfebedürftigkeit in den Basistarif gewechselt ist oder noch wechseln wird, kann innerhalb von zwei Jahren ohne Gesundheitsprüfung wieder zum Ursprungstarif wechseln.

Welche Leistungen enthält der Basistarif?

Patienten im Basistarif der privaten Krankenversicherung müssen sich auf den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen beschränken – wenn sich dieser verändert, verändert sich auch der Leistungskatalog im Basistarif. Wenn Versicherungsnehmer darüber hinausgehende medizinische Leistungen in Anspruch nehmen oder sich von Ärzten behandeln lassen, die keine Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigungen sind, werden ihnen diese Behandlungskosten nicht erstattet.

Im Basistarif versicherte Patienten müssen also längere Wartezeiten und weniger Auswahl für (zahn)ärztliche Behandlung und Psychotherapie in Kauf nehmen und unter Umständen einige Leistungen aus eigener Tasche bezahlen. Die Abrechnung von Leistungen erfolgt wie sonst auch in der PKV – die Rechnungen werden an den Versicherten gestellt, der sich dann die Kosten erstatten lässt.

Altersrückstellungen bleiben jedoch erhalten.Darüber hinaus lässt sich der Leistungsumfang des Basistarifs durch Zusatzversicherungen ausweiten.

Mehr Leistungen als der frühere Standardtarif
Der Basistarif beinhaltet gegenüber dem Standardtarif, den er abgelöst hat, mehr Leistungen. Darunter sind:

  • Palliativmedizin
  • Kuren
  • künstliche Befruchtung
  • Schutzimpfungen
  • Psychotherapie mit unbegrenzter Sitzungszahl
  • Option von Krankenzusatzversicherungen

Probleme mit dem Basistarif

Viele Patienten sind mit dem Basistarif unzufrieden. 2018 berichtete der Monitor Patientenberatung, dass Privatpatienten teilweise große Schwierigkeiten hatten, Ärzte zu finden, die sie zum Basistarif behandeln. Patienten können bei kassenärztlichen Vereinigungen erfragen, welche Ärzte sie ohne zusätzliche Kosten behandeln würden. (Quelle)

Bei voraussichtlichen Problemen: Verbleib in der GKV erwägen
Falls also die Aussicht besteht, dass die steigenden Beiträge der PKV im Alter zu einer großen Belastung werden, ist der freiwillige Verbleib in der GKV unter Umständen die sicherere Wahl. Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung kann zu besseren Leistungen und signifikanten Kostenersparnissen führen, doch müssen dafür bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Nehmen Sie sich für die Entscheidung für Ihre Krankenversicherung Zeit und ziehen Sie am besten auch Experten für das Thema zu Rate.

Anders als beim Basistarif ist die Beitragshöhe des Standardtarifs meist niedriger als der Höchstbetrag der GKV. Mit den niedrigeren Beiträgen gehen jedoch auch einige Einschränkungen in Bezug auf die Leistungen einher: Es sind nur bestimmte Zusatzversicherungen möglich und es gibt verpflichtende Selbstbeteiligungen für Hilfs-, Heil- und Arzneimittel sowie eine Beschränkung der Sitzungszahl bei Psychotherapie.

Darüber hinaus steht dieser Tarif nur privat versicherten Personen offen, die bereits vor dem 01. Januar 2009 in der PKV versichert waren, heute mindestens 65 Jahre alt sind und über ein Einkommen aus Erwerbsarbeit oder einer gesetzlichen Rente verfügen, das unter der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Außerdem müssen Versicherte für einen Wechsel in den Standardtarif nach wie vor in einem Bisex-Tarif versichert sein. Für langjährig Versicherte, die ab 2009 in einen Unisex-Tarif gewechselt sind, kommt nur der Basistarif in Frage.

Neben dem Standard- und dem Basistarif gibt es noch den Notlagentarif. In diesen gehen Versicherte über, die ihre Prämie über Monate nicht gezahlt haben. Er kostet 80-120 Euro pro Monat und deckt nur die Behandlung akuter Schmerzen und Erkrankungen, sowie die Versorgung Schwangerer ab. Für Kinder und Jugendliche sind noch einige Vorsorgeleistungen inbegriffen.

Was kostet der Basistarif?

Der Beitrag für den Basistarif in der privaten Krankenversicherung entspricht dem Höchstbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen. Derzeit (2020) liegt er bei 736 Euro monatlich. Wenn die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung steigt, erhöht sich auch der Beitrag für den Basistarif in der privaten Krankenversicherung. Das Alter der Versicherten bleibt ein Faktor für die Beitragshöhe. Auch hier wird wie bei allen anderen PKV-Tarifen ein separater Beitrag für alle Versicherten erhoben – Familienmitglieder können nicht kostenlos mitversichert werden. Kinder und Jugendliche zahlen in diesem Tarif etwa die Hälfte der Beiträge für Erwachsene.

Gesundheitsprüfung und Risikoausgleich
Auch für den Basistarif wird eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Die PKV darf hier keine Risikozuschläge erheben, aber stattdessen gibt es einen Risikoausgleich, der Mehraufwendungen durch besondere Gesundheitsrisiken gleichmäßig auf alle im Basistarif Versicherten aufteilt.

Selbstbehalt

Private Krankenversicherungen müssen einen Selbstbehalt anbieten, der 300, 600, 900 oder 1.200 Euro im Jahr betragen kann und mindestens 3 Jahre lang beibehalten werden muss. Die Beitragshöhe wird dadurch jedoch oft nicht signifikant reduziert.

Konditionen für hilfsbedürftige Versicherte

Versicherte, die im Basistarif versichert und hilfsbedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuches II § 9 sind oder durch den hohen Beitrag zur PKV hilfsbedürftig werden, haben die Möglichkeit, den Versicherungsbeitrag um die Hälfte auf derzeit rund 368 Euro zu reduzieren. Hilfsbedürftigkeit muss vom zuständigen Träger (Agentur für Arbeit oder Sozialamt) bescheinigt werden.

Empfänger von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld erhalten staatliche Zuschüsse. Voraussetzung dafür ist, dass die Leistungen der privaten Versicherungen im Wesentlichen denen der gesetzlichen gleichen und dass die Beitragshöhe begrenzt ist.


Alternativen zum Basistarif

Der Basistarif ist nicht die einzige Option, wenn die aktuellen Versicherungsbeiträge die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit überschreiten. Versicherungsnehmern stehen, je nach individueller Situation, auch andere Möglichkeiten offen.

Alternativen zum Basistarif
  • Verzicht auf nicht zwingend notwendige Leistungen
  • Wahl eines höheren Selbstbehalts
  • Wechsel in einen günstigeren Tarif
  • Überprüfung des Risikozuschlags – falls sich der Gesundheitszustand gebessert hat, besteht Anspruch auf dessen Senkung
  • Versicherungsbeiträge stunden – falls nur ein vorübergehender Zahlungsengpass überbrückt werden muss, kann man den Versicherer um einen begrenzten Aufschub für die Zahlung bitten. Er ist allerdings nicht verpflichtet, ihn zu gewähren.
  • Wechsel in die gesetzliche Krankenkasse: Für Menschen unter 55, deren Einkommen nicht mehr genügt, um die PKV-Beiträge zu zahlen, ist das unter Umständen möglich und kann sogar verpflichtend sein.
  • Standardtarif: dieser Tarif ist für einige Versicherungsnehmer eine oder sogar die einzige Option. Er ist günstiger als der Basistarif, aber geht auch mit weniger Leistungen einher.

Wer sich einen Normaltarif jedoch dauerhaft leisten kann, findet bei privaten Versicherern unter Umständen attraktivere Versicherungsbedingungen als bei den gesetzlichen. Greifen Sie gern auf unseren kostenlosen und unverbindlichen Versicherungsvergleich zurück, um ein passendes Angebot zu erhalten. Oder lassen Sie sich von uns beraten.

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Fazit

Viele Versicherungsnehmer haben einen Anspruch auf den Basistarif, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Versicherungsbeiträge in voller Höhe zu zahlen, und haben unter Umständen ein Recht auf staatliche Zuschüsse zu Ihren Versicherungsbeiträgen. Der Basistarif der privaten Krankenversicherungen gewährleistet gesundheitliche Versorgung etwa auf dem Niveau gesetzlicher Krankenkassen und Anträge darauf können nur unter bestimmten Voraussetzungen abgelehnt werden.

In einigen Fällen können oder müssen jedoch Alternativen zum Basistarif gewählt werden wie z.B. der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse. Da der Basistarif mit Nachteilen einhergeht, sollten mögliche Alternativen erwogen werden. Am besten ist es natürlich, die Versicherung von Anfang an mit Blick auf die langfristige Beitragsentwicklung und eigene finanzielle Situation zu wählen, sodass Notlösungen gar nicht erst nötig werden.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 20.11.2020 aktualisiert.
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