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Betriebliche Altersvorsorge beim Jobwechsel

bAV: Diese Möglichkeiten haben Arbeitgeber und -nehmer beim Stellenwechsel
Das Wichtigste in Kürze
  • Wechselt ein Mitarbeiter den Job, kann er grundsätzlich die betriebliche Altersvorsorge (bAV) zu seinem neuen Arbeitgeber mitnehmen. Allerdings gibt es je nach Durchführungsweg verschiedene Regelungen.
  • Der neue Arbeitgeber kann den bestehenden bAV-Vertrag übernehmen oder das mitgebrachte Kapital in sein eigenes Versorgungssystem übertragen.
  • Das neue Unternehmen ist nicht dazu verpflichtet, die gleichen Zuschüsse wie der alte Arbeitgeber zu zahlen.
  • Der Arbeitnehmer kann die Beiträge auch auf ruhend setzen oder den Vertrag je nach bAV-Form privat weiterführen. Allerdings fallen dann seine Steuervorteile weg.
  • Wenn ein Arbeitgeber Mitarbeiter einstellt, muss er sich mit der betrieblichen Altersvorsorge beschäftigen: In unabhängigen Tests 2018 erhielten in diesem Bereich u.a. die Allianz, die Alte Leipziger und die Generali die Höchstbewertung.

Was passiert beim Stellenwechsel?

Mit der betriebliche Altersvorsorge (bAV) sparen Angestellte meist mit dem Chef gemeinsam fürs Alter. Grundsätzlich können Arbeitnehmer ihr angespartes bAV-Kapital zum neuen Arbeitgeber mitnehmen, wenn sie die Stelle wechseln. Ein Recht auf Portabilität haben sie aber nur, wenn die Betriebsrente nach 2005 zugesagt wurde und die Altersvorsorge über die Durchführungswege Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder eine Direktversicherung durchgeführt wird. Ebenfalls darf der Übertragungswert des angesparten Kapitals nicht die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung übersteigen. 2019 liegt die Höchstgrenze bei 80.400 Euro. Treffen diese Voraussetzungen nicht zu, hat der Arbeitnehmer dennoch eine Chance auf eine Übertragung. Es müssen aber alle Beteiligten zustimmen, dass der bAV-Vertrag weitergeführt werden kann.

Folgende Möglichkeiten bestehen beim Jobwechsel:

  • Der neue Chef steigt in den bestehenden Vertrag mit ein.
  • Der neue Chef überträgt das mitgebrachte Kapital in sein eigenes Versorgungssystem, bzw. schließt einen neuen bAV-Vertrag ab.
  • Ist eine Übertragung auf den neuen Arbeitgeber nicht möglich, kann der Arbeitnehmer bei vielen Durchführungswegen die bAV privat weiterführen. Dann sind jedoch keine Entgeltumwandlung und somit keine Steuervorteile mehr möglich, da die Beitragszahlungen aus dem Nettogehalt erfolgen.
  • Alternativ kann der Arbeitnehmer die Beiträge auch auf ruhend stellen.
Prinzipiell gilt beim Jobwechsel:
  • Die Mitnahme des bAV-Vertrages muss innerhalb eines Jahres nach Jobwechsel erfolgen.
  • Für die Übertragung des Kapitals können Gebühren anfallen.
  • Der neue Chef muss nicht der gleiche Zuschuss zahlen wie der alte Arbeitgeber.
  • Die Übertragung gilt nicht für Zusatzleistungen, wie etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Allenfalls muss diese der Arbeitgeber selbst zahlen.
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Ab wann sind die Arbeitgeber-Beiträge unverfallbar?

Arbeitnehmer können nur diejenigen Rentenansprüche in den neuen Job mitnehmen, die „unverfallbar“ sind. Beiträge, die der Arbeitnehmer selbst geleistet hat, sind sofort unverfallbar.

Für die Arbeitgeber-Beiträge gibt es verschiedene Fristen, die sich nach dem Alter des Arbeitnehmers und der Länge der Betriebszugehörigkeit richten. Auch der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ist entscheidend. Es gibt aber auch Unternehmen, die auf diese Fristen verzichten und die Beiträge des Arbeitgebers sofort auszahlen. Hier sind die die Vertragsdetails entscheidend. Grundsätzlich sieht das Gesetz aber folgende Fristen vor:

  • Verträge zwischen 2001 und 2008: Arbeitnehmer muss mindestens 30 Jahre alt sein, Rentenzusage muss seit 5 Jahren bestehen.
  • Verträge ab 2009: Arbeitnehmer muss 25 Jahre alt sein, Rentenzusage muss seit 5 Jahren bestehen.
  • Verträge ab 2018: Arbeitnehmer muss 21 Jahre alt sein, Rentenzusage muss seit mindestens 3 Jahren bestehen. Der ab 2019 resp. 2022 obligatorische Arbeitgeber-Zuschuss von 15 Prozent im Rahmen der Entgeltumwandlung ist aber ab sofort unverfallbar.
  • Reine Beitragszusage beim Sozialpartnermodell: Hier sind auch die Beiträge des Arbeitgebers sofort unverfallbar.
Auch bei Insolvenz des Arbeitgebers gelten die Fristen

Geht der Arbeitgeber Konkurs, so sind die Beiträge bei den meisten Durchführungswegen über den Pensions-Sicherungs-Verein abgesichert. Für die arbeitgeberfinanzierten Beiträge sind die Fristen der Unverfallbarkeit aber genau gleich wie beim Stellenwechsel.

Der neue Arbeitgeber übernimmt den bestehenden bAV-Vertrag

Der neue Arbeitgeber kann entscheiden, ob er den bestehenden bAV-Vertrag weiterführt oder das bestehende Kapital in sein eigenes Vorsorgesystem überführt. Übernimmt er den bestehenden Vertrag, führt er diesen unverändert weiter. Die Versorgung bleibt also genau gleich, wie sie vorher war. Der alte Arbeitgeber ist dafür nicht mehr verantwortlich. Nicht verpflichtet ist der neue Chef aber, die gleichen Zusatzversicherungen wie der alte Arbeitgeber anzubieten oder die gleichen Zuschüsse zu zahlen – sofern die Zuschüsse über den gesetzlich verpflichtenden 15 Prozent liegen.

Eine Weiterführung des alten Vertrages kann für den Arbeitnehmer von Vorteil sein, wenn er z.B. eine Direktversicherung mit einem hohen Garantiezins hat. Zudem entfallen die Abschlusskosten und er muss nicht mit schlechteren Konditionen rechnen, weil er älter geworden ist. Für den neuen Arbeitnehmer ist es aber wichtig, den Vertrag genau zu prüfen, um mögliche Haftungsrisiken zu verhindern. Deshalb müssen bei diesem Weg laut Gesetz auch alle Beteiligten einverstanden sein, also der bisherige Arbeitgeber, der neue Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer.

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Der neue Arbeitgeber überträgt das bAV-Kapital in einen neuen Vertrag

Der neue Arbeitgeber kann das bestehende bAV-Kapital auch in einen neuen Vertrag oder in sein eigenes Vorsorgesystem übertragen. So kann er die Versorgung an seine eigenen betrieblichen Bedürfnisse anpassen und die Vorsorgeeinrichtung selbst wählen. Damit mindert er auch seinen Verwaltungsaufwand, der bei vielen Einzelverträgen oft anfällt. Auch ist er nicht verpflichtet, die gleichen Zuschüsse wie der alte Arbeitgeber zu zahlen.

Allerdings können bei einem neuen Vertrag auch Abschlusskosten anfallen. Zudem müssen Arbeitnehmer aufgrund ihres gestiegenen Alters schlechtere Konditionen in Kauf nehmen. Es kann sogar eine neue Gesundheitsprüfung nötig sein, was für den Arbeitnehmer möglicherweise ein Nachteil ist. Zwar verzichten die meisten Versicherungen auf neue Abschlusskosten oder eine erneute Gesundheitsprüfung, sofern die Risiken unverändert sind. Trotzdem könnten sich niedrige Garantiezinsen oder veränderte Sterbetafeln aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung negativ auf die spätere Rente auswirken.

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Arbeitnehmer führt den bAV privat weiter oder stellt Vertrag auf ruhend

Bei den Durchführungswegen PensionskassePensionsfonds, Direktversicherung und Sozialpartnermodell kann der Arbeitnehmer seinen Vertrag auch privat weiterführen, wenn er das Unternehmen verlässt. Egal, ob ein Angestelltenverhältnis besteht oder nicht. Allerdings fallen dann auch die Entgeltumwandlung und somit die Steuervorteile in der Ansparphase weg. Im Rentenalter werden aber privat finanzierte Beiträge zu einem niedrigeren Satz versteuert. Dies gilt auch für die sozialversicherungstechnische Komponente. Trotz der beschriebenen Nachteile kann sich eine private Weiterführung bei Verträgen mit guten Konditionen durchaus lohnen, etwa wenn die Garantiezinsen besonders hoch sind.

Alternativ können die Beiträge auch auf ruhend gestellt werden. Auch ohne weiteren Einzahlungen verzinst sich das angesparte Kapital zu den alten Konditionen beim alten Arbeitgeber weiter. Die Rente ist dann entsprechend tiefer, vor allem bei kurzer Laufzeit. Wechselt jemand häufig die Stelle, kann die Altersvorsorge dadurch auch in viele Kleinstrenten zerstückelt werden. Den Überblick zu behalten, ist da nicht leicht und es können Verwaltungskosten anfallen.

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Kann die betriebliche Altersvorsorge gekündigt werden?

Grundsätzlich kann die betriebliche Altersvorsorge nicht gekündigt werden. Ausnahmen sind aber möglich. Hat das Unternehmen die Altersvorsorge mitfinanziert, muss es der Kündigung zustimmen und den Vertrag auf den Arbeitnehmer übertragen. Hat der Arbeitnehmer von Anfang an den Vertrag selbst finanziert, ist eine Kündigung theoretisch möglich, jedoch nicht sinnvoll. So muss er die gesparten Steuern und Sozialabgaben bei vorzeitiger Kündigung nachzahlen. Läuft es ganz schlecht, übersteigt die Summe der Rückzahlungen die Höhe der geleisteten Beiträge. Auch kann er auf das angesparte Kapital in der Regel erst zurückgreifen, wenn er das Auszahlungsalter erreicht hat. Das ist frühestens im Alter von 62 Jahren und bei vor 2012 abgeschlossenen Verträgen im Alter von 60 Jahren.

Abfindung: Kleinstbeträge werden ausbezahlt

Wenn die spätere Rente sehr gering ausfallen würde, kann sich der Arbeitnehmer allenfalls einmalig abfinden lassen. Der Arbeitgeber kann dies sogar ohne die Zustimmung des Arbeitnehmers tun. So ist 2019 eine Abfindung möglich, wenn die monatliche Rente nicht höher als 31,15 Euro (West) sowie 28,70 (Ost) sein würde. Beim angesparten Kapital liegt die Abfindungsgrenze bei 3.738 Euro (West) sowie 3.444 (Ost).

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Was passiert mit den Zusatzversicherungen beim Stellenwechsel?

Für die Zusatzversicherungen gilt das Übertragungsrecht nicht. Das kann beispielsweise die Absicherung der Hinterbliebenen oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Falls der Versicherte seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, werden die Beitragszahlungen übernommen. Der Versicherte muss diesen Schutz privat weiterführen, sofern diese Zusatzbausteine im neuen bAV-Vertrag nicht erhalten sind.

Es gibt aber auch Versicherungen, bei denen für die Altersrente lediglich ein Mindestbeitrag eingezahlt werden kann. Die versicherte Altersrente sinkt dadurch. Dafür bleibt der Beitrag für die Zusatzversicherungen in voller Höhe bestehen.

Jobwechsel bei den sechs Durchführungswegen

Je nach Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge unterscheiden sich die Regelungen beim Jobwechsel. Unter diesen Links lesen Sie, was Sie bei Ihrer bAV-Form machen müssen.

Auf das muss der Arbeitgeber beim Jobwechsel achten

Mitarbeiter tritt aus: Je nach Durchführungsweg gestaltet sich der Austritt eines Mitarbeiters wenig kompliziert. So hat der Arbeitgeber etwa bei der Direktversicherung bestimmte Fristen und Erklärungen einzuhalten, wie Frank Heide, Spezialist Betriebliche Altersversorgung bei der von Buddenbrock Unternehmensgruppe, sagt: „Dabei geht es um versicherungsvertragliche Lösungen sowie Haftungsbegrenzungen.“

Mitarbeiter tritt ein: „Hier ist es für den Arbeitgeber deutlich komplizierter, da er sehr
genau prüfen muss, inwiefern er die Versorgungszusage übernehmen kann und
will“, sagt unser Experte Heide. Denn er steige in alle Rechte und Pflichten des Vorarbeitgebers hinsichtlich der erteilten Zusage ein: „Hier ist ein Portabilitätscheck empfehlenswert,
was in Form einer Rechtsberatung geschieht.“ Vielfach scheitern diese laut Heide aber alleine an der Tatsache, dass der neue Mitarbeiter keine ausreichenden Dokumente und Nachweise vorlegen kann.

Abläufe bestimmen: Egal ob ein Mitarbeiter ein- oder austritt: Heide empfiehlt die Implementierung eines klaren Workflows bei Übernahme und Abgabe von Verträgen, klare Entscheidungsregelungen, ggf. sind diese in der Versorgungsordnung festzuhalten. Weiter ist es ratsam, einen Portabilitätsscheck durch einen externen Anbieter zu  nutzen.

bAV-Beiteiligung: Der neue Arbeitgeber sollte auch wissen, wie hoch die bAV-Beteiligung des ehemaligen Unternehmens war. Denn er ist nicht dazu verpflichtet, den gleichen Zuschuss zu leisten. Eine Pflicht zur Beteiligung besteht aber bei den bAV-Durchführungswegen PensionskassePensionsfonds, Direktversicherung und Sozialpartnermodell schon: Seit dem 1. Januar 2019 müssen Arbeitgeber bei neu abgeschlossenen Entgeltumwandlungsvereinbarungen 15 % des umgewandelten Entgelts als Zuschuss zahlen, soweit sie Sozialversicherungsbeiträge einsparen. Ab dem 1. Januar 2022 gilt diese gesetzliche Regelung auch bei bestehenden Vereinbarungen.

BAV beim Jobwechsel: Hinweise zum Vergleich

Frühzeitig ansprechen: Unser Experte Frank Heide empfiehlt Arbeitnehmern, den neuen Arbeitgeber frühzeitig auf die Thematik anzusprechen: „Es lohnt sich auch, Unterstützung bei bAV-Dienstleistern oder bei einem Makler in Anspruch nehmen.“

Zur bAV verpflichtet: Ein Arbeitgeber muss sich vor Augen führen, dass sein neuer Mitarbeiter das Recht auf die betriebliche Altersvorsorge hat. Den passenden Durchführungsweg respektive das passende Versorgungssystem wählt aber das Unternehmen aus. Verfügt der neue Arbeitgeber noch über kein Vorsorgesystem, so muss er seinem neuen Mitarbeiter zumindest eine Direktversicherung anbieten. Die betriebliche Altersvorsorge ist über diese Durchführungwege möglich:

Testergebnisse prüfen: Haben Sie sich für einen Durchführungweg entschieden, dann holen Sie Informationen zu den verschiedenen Möglichkeiten und Testergebnissen ein.

Persönliche Beratung: Sie können sich auch gerne bei uns melden, falls Sie eine persönliche Beratung bevorzugen. Unsere  Spezialisten helfen Ihnen, die beste Strategie für Ihr Unternehmen zu ermitteln.

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Die betriebliche Altersvorsorge im Test 2018

Es gibt keine Testinstitute, die sich mit der bAV beim Jobwechsel beschäftigen. Dafür untersuchte das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) 2018 29 Anbieter der betrieblichen Altersvorsorge. Neun erhielten die Höchstbewertung. Unter anderem sind das die Allianz, die Alte Leipziger und die Generali.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 02.09.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Maja Sommerhalder
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