Versicherungen für Menschen mit Behinderung

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von Nina Bruckmann
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Das Wichtige in Kürze

  • Menschen mit körperlichen wie auch geistigen Beeinträchtigungen sind genauso auf einen umfassenden Versicherungs­schutz angewiesen wie jede andere Person auch.
  • Gerade bei diesem Thema steht ihnen ihr Handicap häufig im Weg.
  • Denn einige Versicherungen legen für die Berechnung des Versicherungs­beitrags den Gesundheits­zustand des Versicherungs­nehmers zugrunde, sodass für den Versicherungs­schutz höhere Risikozuschläge erhoben werden.
  • Doch welche der zahlreichen Versicherungs­policen sollte ein Mensch mit Handicap in sein Versicherungs­portfolio aufnehmen.

Unbeschränkte Geschäftsfähigkeit als Voraussetzung für den Versicherungs­schutz

Damit ein abgeschlossener Versicherungs­vertrag überhaupt rechtskräftig wird, muss im Vorfeld die uneingeschränkte Geschäftsfähigkeit des Versicherungs­nehmers gegeben sein. Dementsprechend muss er das 18. Lebensjahr vollendet haben und die Folgen seines Handelns abschätzen können. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, springt der gesetzliche Vertreter des Versicherungs­nehmers ein. Unabhängig davon, welche Versicherung tatsächlich abgeschlossen wird, sollten existenzbedrohende Risiken in den Versicherungs­schutz einfließen.


Prüfung des Gesundheits­zustands verhindert umfassenden Versicherungs­schutz

Aufgrund ihrer Behinderungen wird eingeschränkten Menschen die freie Wahl bei den Versicherungen verwehrt, vor allem, wenn es um die Absicherung der eigenen Person geht. Personenbezogene Versicherungen wie etwa die Berufs­unfähigkeits­versicherung, private Pflege­versicherung oder private Kranken­­versicherung sichern sämtliche Risiken, wie zum Beispiel Krankheit, Unfall, Pflegebedürftigkeit, Tod und die finanzielle Existenz ab. Bei ihrem Abschluss wird in der Regel der gesundheitliche Zustand des Versicherungs­nehmers überprüft, da er neben dem Alter auch das zu versichernde Risiko festlegt. Vor diesem Hintergrund, wird ihnen der Weg zu einem ganzheitlichen Versicherungs­schutz oftmals erschwert. Gleichwohl in welcher schweren Lage sich Versicherungs­nehmer befinden, ist es Versicherern erlaubt, Anträge abzulehnen oder Risikozuschläge einzufordern.

Behinderung – Krankheit muss versichert sein

Die gesetzliche Kranken­­versicherung ist für jeden Menschen ein unerlässlicher Kranken­schutz. Können eingeschränkte Menschen nicht selbständig für ihren Unterhalt aufkommen, bleiben sie weiterhin in der gesetzlichen Kranken­­versicherung der Eltern familienversichert. War man zuvor in der privaten Kranken­­versicherung versichert und wird durch die Folgen eines Unfalls schwerbehindert, kann der Wechsel in die gesetzliche Kranken­­versicherung vorgenommen werden. Dieser Wechsel kann nur unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen erfolgen:

  • Einhaltung der dreimonatigen Aufnahmefrist
  • Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent
  • Nicht älter als 45 Jahre
  • Ehepartner muss mindestens drei Jahre in der gesetzlichen Kranken­­versicherung versichert gewesen sein

Private Kranken­­versicherung in bestimmten Fällen die einzige Möglichkeit

Grundsätzlich wird Menschen mit Behinderungen die Mitgliedschaft in der privaten Kranken­­versicherung von vorneherein verwehrt. Einzig Personen mit einer erworbenen Behinderung, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht in die gesetzliche Kranken­­versicherung zurückkehren können, wird der Versicherungs­schutz der privaten Kranken­­versicherung gewährt. In dem Zusammenhang haben Versicherungs­nehmer die Wahl, in den Basistarif zu wechseln. Dieser erweist sich aber nur dann als sinnvoll, wenn ein Anspruch auf Grundsicherung besteht, da der Versicherungs­beitrag so halbiert wird. Einzige Voraussetzung, die der Versicherte dafür erfüllen muss: Er muss mindestens 55 Jahre alt sein.


Im Basistarif ist keine Gesundheits­prüfung notwendig

Anders als in anderen Versicherungs­verträgen gibt es im Basistarif zwar Gesundheits­fragen, aber es ist der Versicherung nicht gestattet, Risikozuschläge für Vorerkrankungen in Rechnung zu stellen oder Krankheiten aus den Versicherungs­listungen auszuschließen. Mit dem Basistarif erhält der Versicherungs­nehmer dieselben Leistungen wie ein gesetzlich Kranken­versicherter.


Nur Arzthonorare werden von der privaten Kranken­­versicherung übernommen

Einziges Problem, welches der Basistarif birgt: Man wird als Privatpatient behandelt, jedoch erfolgt die Abrechnung der Leistungen auf gesetzlichem Niveau. In dem Zusammenhang werden nur die Arzthonorare beglichen. Möchte man nicht auf hohen Kosten sitzen bleiben, sollte der Arzt vor der Behandlung darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass ein Versicherungs­schutz lediglich durch den Basistarif gegeben ist.

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Deliktfähigkeit ist eine wichtige Leistung der Haftpflicht­versicherung

Eine private Haftpflicht­versicherung sichert sämtliche Schäden ab, die anderen zugefügt werden. Eben dieser Tatbestand ist bei Menschen mit Handicap häufig nicht eindeutig zu interpretieren. Nichtsdestotrotz gehört die private Haftpflicht­versicherung zu den wichtigsten Absicherungen, da sie eine Art Rechtsschutz­versicherung darstellt. Dahingehend prüft sie die Anschuldigungen des Versicherungs­nehmers und die damit verbundene Deliktfähigkeit.


Versicherungs­­bedingungen genauestens unter die Lupe nehmen

Somit sollte bei der Auswahl einer Haftpflicht­versicherung darauf geachtet werden, dass sie eine Deckungssumme von mindestens zehn Millionen offenbart und deliktfähige Personen, wie etwa Menschen mit Behinderungen oder Demenzkranke mitversichert. Im Übrigen sollten Rollstuhlfahrer darauf achten, dass ihr Gefährt in dem Versicherungs­schutz integriert ist.

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Behinderung und Beruf – Absicherung nur bedingt möglich

In den Besitz einer Berufs­unfähigkeits­versicherung zu gelangen, ist für Menschen mit Handicap nahezu unmöglich. Viel zu groß ist das Risiko, dass sie plötzlich nicht mehr arbeitsfähig sind. Jedoch gibt es eine Ausnahme. Liegt eine chronische Erkrankung vor, die eine zukünftige Behinderung nach sich zieht, erhalten Menschen mit Behinderungen eine Berufs­unfähigkeits­versicherung. Während die chronische Erkrankung ausgeschlossen wird, können andere Gründe für eine späte Berufs­unfähigkeit versichert werden. Inwieweit ein Antrag abgelehnt bzw. akzeptiert wird, hängt von der Art der Behinderung ab. In der Regel wird eine chronische Erkrankung sehr viel gravierender eingestuft, als ein fehlendes Körperteil.


Wahrheitsgemäße Beantwortung der Gesundheits­fragen ist entscheidend

Genauso wie alle anderen Versicherungs­nehmer auch, werden Menschen mit Behinderungen zur wahrheitsgemäßen Beantwortung der Gesundheits­fragen gebeten. Denn Versicherer nehmen die Schadensfälle genauestens unter die Lupe. Ergibt sich eine Diskrepanz zwischen den gegebenen Antworten und den Angaben im Schadensfall, können Versicherer mit sofortiger Wirkung vom Vertrag zurücktreten, sodass jahrelange Beitrags­zahlungen und Bemühungen plötzlich nichtig sind.


Behinderung – Unfall­versicherung ist keine Lösung

Alternativ zur Berufs­unfähigkeits­versicherung, wird Menschen mit Behinderungen eine Unfall­versicherung angeboten. Jedoch birgt ihr Abschluss viele Schwierigkeiten, da der Gesundheits­zustand für ihren Abschluss zugrunde gelegt wird. In dem Zusammenhang schließen Versicherungen dauerhaft pflegebedürftige Menschen, wie auch Personen mit geistiger Behinderung, von ihrem Versicherungs­schutz aus.


Behinderung und Leben versichern – keine Chance

Die Lebens­versicherung kann wichtig sein, wenn die Absicherung der Hinterbliebenen­ im Vordergrund steht. Aber auch hier ergeben sich aufgrund der Einstufung des Gesundheits­zustands Schwierigkeiten für den Versicherungs­nehmer. Menschen mit Behinderungen haben eine sehr viel geringere Lebenserwartung, sodass Versicherern das zu tragende Risiko einfach zu hoch erscheint. Nichtsdestotrotz kann sich der Antragsversuch lohnen. Denn je nach Art der Behinderung erhält man den Versicherungs­schutz dennoch mit Risikozuschlägen.

Behinderung und Pflege

Gerade für Menschen mit einem höheren Risiko, in Zukunft pflegebedürftig zu werden, ist diese Versicherung sehr attraktiv. Wie so oft ergeben sich auch hier wegen des Gesundheits­zustands Komplikationen für Menschen mit Handicap.


Einzige Möglichkeit der Absicherung ist der Pflege-Bahr

Wurde noch keine Pflegebedürftigkeit festgestellt, hat der Versicherungs­nehmer mit dem Pflege-Bahr die einzige Möglichkeit sich ganzheitlich abzusichern. Dabei handelt es sich um eine private Pflegetagegeld­versicherung mit staatlichem Zuschuss. Hierbei muss eine monatliche Investition in Höhe von zehn Euro getätigt werden, damit der Staat sich mit fünf Euro an der privaten Vorsorge­ beteiligt.


Gesundheits­zustand ist kein Ausschlusskriterium

Im Gegensatz zu anderen Versicherungen, ist der Gesundheits­zustand des Versicherungs­nehmers nicht wichtig für den Abschluss des Pflege-Bahrs. Darüber hinaus haben Versicherer nicht das Recht, Antragssteller abzulehnen. Weiterhin ist auch keine Altersbeschränkung einzuhalten. Ferner muss der Pflege Bahr in Pflegegrad 5 einen monatlichen Leistungs­anspruch von 600 Euro vorsehen.
Nichtsdestotrotz birgt der Pflege-Bahr auch einige Nachteile:

  • Wartezeit von fünf Jahren
  • Pflegebedürftigkeit innerhalb der Wartezeit – kein Leistungs­anspruch
  • Pflegefall – Versicherungs­beiträge müssen weiter gezahlt werden

Behinderung – Autoumbau muss der Versicherung gemeldet werden

Die Kfz-Versicherung ist Pflicht in Deutschland und versichert sämtliche Schäden, die durch Eigenverschulden mit dem Auto im Straßenverkehr entstehen. Beim Abschluss dieser Police ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Versicherer über die Sonder­ausstattung wie eine Rollstuhlhebebühne oder einen behindertengerechten Umbau des Autos informiert wird. Menschen mit einem elektronischen Rollstuhl brauchen eine eigene Kfz-Haftpflicht­versicherung, wenn ihr Gefährt eine Geschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde überschreitet.

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Rollstuhl mit der Hausrat­versicherung absichern

Im Allgemeinen übernimmt die Hausrat­versicherung sämtliche Schäden, die durch Feuer, Blitzschlag, Raub, Sturm, Hagel oder Einbruchsdiebstahl entstehen. Hierbei wird der Neuwert der Gegenstände angesetzt. Genauso zum Hausrat eines eingeschränkten Menschen gehören beispielsweise ein Beatmungsgerät wie auch der Rollstuhl, die der Versicherung unverzüglich zu melden sind. Im Zuge dessen sollte auch abgeklärt werden, wie der Sachverhalt versichert ist, wenn der Rollstuhl außerhalb der eigenen Wohnung gestohlen wird.

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Fazit

Während Menschen mit Behinderungen bei steuerlichen Angelegenheiten eine vorteilhafte Position einnehmen, sieht es bei ­versicherungs­technischen Fragen anders aus. Dahingehend wird ihnen oftmals der Zugang zu bestimmten Versicherungen, aufgrund ihres Gesundheits­zustands verwehrt. Somit bedeutet es für sie, sich zahlreicher Untersuchungen zu unterziehen und für ihr Recht auf Absicherung zu kämpfen.

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Katharina Tennius
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