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Entspannter Lebensabend im Ausland – Was Rentner bei ihren Versicherungen beachten müssen

Spanien, Italien, Australien oder doch Kanada? Immer mehr deutsche Staatsbürger packt das Fernweh, sodass der Lebensabend gerne ins Ausland verlagert wird. Fasziniert von dem Gedanken, seinen Ruhestand künftig unter Palmen zu genießen, wird ihnen oft erst im Nachhinein klar, welche Hürden bis dahin noch zu überwinden sind. Im Zuge dessen muss, neben den zukünftigen Rentenzahlungen ins Ausland, auch die Angelegenheit der Krankenversicherung thematisiert werden.

Deutsche Bundesbürger haben die Qual der Wahl

Wer in Deutschland Rentenbezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält, hat die Qual der Wahl, wie und vor allem wo der Ruhestand verbracht werden soll. Gemäß aktueller Zahlen der Deutschen Rentenversicherung werden rund 1,4 Millionen Renten in weltweit über 150 Länder überwiesen – Tendenz steigend. Sehr beliebt unter den rüstigen Auswanderern sind Destinationen, wie zum Beispiel die Schweiz oder USA. In diese Staaten werden pro Monat etwa 25.000 Renten ausgeschüttet. Dicht gefolgt von Österreich, wohin 22.000 Rentenzahlungen veranlasst werden.

Recht auf Freizügigkeit macht ein Umzug ins Ausland möglich

Mit der zunehmenden Anzahl der Renten, die nach Europa oder in entfernte Länder der Welt überwiesen werden, dürfte man sich die Frage stellen, wie es möglich ist, deutsche Rente zu beziehen und gleichzeitig im Ausland zu leben. Die Antwort auf die Frage liegt in dem Recht auf Freizügigkeit verankert. Es bietet EU-Bürgern die Möglichkeit, in einem anderen Staat der europäischen Union zu arbeiten und zu leben. Dabei stellt das europäische Sozialrecht sicher, dass Leistungen des jeweiligen sozialen Sicherungssystems auch grenzüberschreitend als Renten garantiert werden.

Beliebte Auswanderungsziele deutscher Rentner

StaatAnzahl der Rentenzahlungen
Schweiz26.000
USA25.000
Österreich22.000
Spanien20.000
Frankreich16.500
Kanada10.000
Afrika9.000
Thailand4.300

Unterschiede bei der Auslegung des Versicherungsschutzes einer Krankenversicherung

Das Kapitel „ins Paradies auswandern“ legen viele sonnenhungrige Rentner mit dem Abschluss einer im Ausland ansässigen Krankenversicherung ad acta. Eben dieser Aspekt der zu organisierenden Angelegenheiten erschwert oft den Daueraufenthalt im Ausland. Bleibt die gesetzliche Krankenversicherung auch nach einem Wohnortwechsel innerhalb der EU und den EWR-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen weiter bestehen, hat man kein Anrecht auf dieselben Versicherungsleistungen, die in Deutschland erwartet werden können. Denn der innerdeutsche Versicherungsschutz gilt nur für den Bezug der Rente.

Bei Krankheit gilt Krankenschutz des neuen Wohnorts

Bei Krankheit müssen sich Versicherte mit dem Versicherungsschutz bzw. Leistungsumfang des jeweiligen Landes anfreunden. Vor diesem Hintergrund werden zum Beispiel in Spanien keinerlei Kosten für Zahnbehandlungen übernommen. Zieht es Auslandsrentner dagegen nach Frankreich, werden sie mit der Tatsache konfrontiert, dass Arzt- und Krankenhauskosten nur anteilig erstattet werden.

Privatversicherte genießen in Europa denselben Versicherungsschutz wie in Deutschland

Dabei können sich insbesondere Anhänger der privaten Krankenversicherung glücklich schätzen. Selbst nach einer Umsiedlung ins Ausland, bleibt ihr Versicherungsschutz in vollem Umfang auch im Zielland weiter bestehen. Sofern eine Auswanderung in entfernte Länder geplant ist, müssen Privatversicherte eine zusätzliche Krankenversicherung abschließen. Hierbei müssen insbesondere Senioren für den Versicherungsschutz tiefer in die Tasche greifen. Bei fortgeschrittenem Alter über 70 Jahre oder Vorerkrankungen wird der Versicherungsschutz nicht gewährt.

… mehr zur PKV im Ausland

Für eine mögliche Rückkehr vorsorgen

Auch wenn der Wunsch Deutschland zu verlassen noch so groß ist, raten Experten dazu, dass Auswanderer ihre mögliche Rückkehr realisierbar machen sollten. Denn eine Rückkehr kann aus den verschiedensten Gründen nicht ausgeschlossen werden. Weiterhin sind sich die Experten einig, dass Auswanderer vor allem eine Angelegenheit absichern sollten, ihren Todesfall (zur Risikolebensversicherung). Wie ist das Erbe geregelt? Seit August 2015 gibt es einheitliche Regelungen zum Erbrecht. Diese regeln, welches Recht gelten soll, wenn Auswanderer ihren Lebensraum vollständig ins Ausland verlagert haben und im Besitz von Immobilien sind.

Erbschaftsfrage muss im Vorfeld geklärt werden

Kommt es zur Erbschaftsfrage, wird das Erbrecht jenes Landes angewandt, in dem der Verstorbene seinen gewöhnlichen Aufenthalt pflegte. Soll das Erbe nicht nach dem Recht des jeweiligen Landes aufgeteilt werden, muss der Erblasser dies ausdrücklich in seinem Testament, am besten handschriftlich vermerken. Fehlt der jeweilige Vermerk im Testament des Verstorbenen, kann das für die Verwandten verheerende Folgen haben.

Das Erbe wird in jedem Land unterschiedlich geregelt

Beispielsweise hat Italien noch nie von einem Pflichtteilsverzicht gehört. Im Gegensatz dazu gehören in Spanien Kinder zum engeren Kreis der Erben, sodass der Ehepartner bei der Ausschüttung womöglich leer ausgeht. Wird das Erbe nach französischem Erbrecht aufgeteilt, erhält jeder Pflichtteilsberechtigte etwas vom Erbe. Im Falle von Grundstücken wird jeder Erbe gleichzeitig Miteigentümer des Grundstücks. Weitaus komplizierter stellt sich die Erbschaftsverteilung in Ländern außerhalb der EU dar. Daher empfiehlt es sich, die Erbfrage im Vorfeld mit einem Rechtsanwalt zu klären und bestenfalls zwei Testamente anfertigen zu lassen.

Außerhalb der EU verringern sich die Rentenbezüge

Im Allgemeinen werden die gesetzlichen Rentenbezüge in nahezu jedes Land rund um den Globus überwiesen. Sofern anteilige Rentenansprüche aus der Erwerbstätigkeit im Ausland hervorgehen, ist der Rentenanspruch geringer, als bei dauerhafter Beschäftigung in Deutschland. Bei einer Auswanderung außerhalb des europäischen Grenzraumes, müssen die Kosten für die Überweisung der Altersrente selbst getragen werden. Sparer einer Riester-Rente dürfen ihre Förderungen nur unter der Voraussetzung behalten, dass sich ihr neuer Wohnort innerhalb Europas befindet. Zieht es den Altersrentner in einen Staat außerhalb der EU, ist die gesamte Förderung zurückzuzahlen.

Deutsche Steuerbefreiung unter bestimmten Voraussetzungen auch im Ausland möglich

Wird der Wohnsitz ins Ausland verlagert, können Rentner nur eingeschränkt zur Steuerpflicht herangezogen werden. Dies bedeutet, dass Auslandsrentnern kein steuerfreier Grundfreibetrag zusteht. Somit muss die gesamte Rente vom ersten Euro an versteuert werden. Im Gegensatz dazu wird eine Rente in Deutschland erst ab einer jährlichen Rentenhöhe ab 8.472 Euro steuerpflichtig. Jedoch kann man sich unter bestimmten Voraussetzungen von der beschränkten Steuerpflicht freisprechen, sodass hinsichtlich der Steuerbarkeit derselbe Status wie eines in Deutschland lebenden Rentners genossen wird.

Die Voraussetzungen sind:

  • Besteuerung des Einkommens zu 90 Prozent in Deutschland
  • Jährliche Nebeneinkünfte aus dem Ausland liegen unter 8.472 Euro

Doppelbesteuerung mit anderen Ländern

Deutschland unterhält mit einigen Ländern ein Abkommen, dass Rentner vor der Doppelbesteuerung bewahren soll. Das Abkommen regelt, welches der beiden Länder die geforderte Steuer erheben darf. Daher müssen Rentner ihre Altersrente nach deutschem Steuerrecht versteuern, wenn sie in einem der nachfolgenden Länder leben:

  • Belgien
  • Dänemark
  • Großbritannien
  • Irland
  • Italien
  • Kroatien
  • Niederlande
  • Österreich
  • Polen

Wer seinen Lebensabend in Ländern wie Spanien, der Schweiz, den USA oder Griechenland verbringt, genießt weiterhin die deutsche Steuerfreiheit.

Fazit

So attraktiv ein Fortgehen aus Deutschland für zahlreiche Rentner sein mag, verläuft eine derartige Absicht nicht ganz ohne Hürden. Neben einem durchschnittlichen Versicherungsschutz innerhalb der Krankenversicherung, müssen sich Auswanderer auch damit anfreunden, dass ihre Altersrente auf Grundlage anderer Kriterien besteuert wird und unter Umständen geringer ausfällt als in Deutschland. Wer seine Angehörigen auch nach seinem Tod bestens versorgt wissen will, sollte sicherstellen, dass das Erbe ausdrücklich nach deutschem Recht ausgeschüttet wird.

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