Keine Kranken­versicherung – kann das gut gehen? (Ratgeber 2022)

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Ob ein Leben ohne Kranken­versicherung möglich ist, wieso Sie dies unbedingt vermeiden sollten und was Sie bei der Rückkehr in die Kranken­versicherung beachten müssen.

Inhalt dieser Seite
  1. Gründe für einen Verzicht
  2. Ohne Schulden in ein Leben als Versicherter
  3. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • In Deutschland muss jede Person krankenversichert sein. Dennoch gibt es Menschen, die ohne Versicherungs­schutz leben.
  • In welcher Situation befinden sich eigentlich die Betroffenen?
  • Und was passiert, wenn eine Versicherung nach einer Pause wieder abgeschlossen werden soll?

Gründe für einen Verzicht

Angestellte haben in Bezug auf die Kranken­versicherung keinerlei Schwierigkeiten zu befürchten, da die Krankenkassen-Beiträge direkt vom Gehalt abgezogen werden. Empfänger von Grundsicherung brauchen sich ebenfalls keine Sorgen machen, da die Kosten vom Amt übernommen werden. Anders sieht es bei Selbständigen und Freiberuflern aus.

Selbstständige und Freiberufler müssen sich eigenständig um eine Kranken­versicherung bemühen. Die monatlichen Prämien werden nicht automatisch eingezogen, sondern müssen vom Versicherten überwiesen werden – ein Kostenaufwand, der für einige Personen eine große Herausforderung darstellt. Die vergleichsweise hohe finanzielle Belastung ist derzeit der häufigste Grund für den Verzicht auf eine Kranken­versicherung. Die meisten Personen ohne Versicherung sind entsprechend Selbstständige.

Expertinnen-Tipp:

„Bei einer nicht vorhandenen Kranken­versicherung macht man sich zwar nicht straffällig. Dafür müssen Menschen ohne Versicherung deutlich höhere Summen in Kauf nehmen, wenn sie später doch eine Kranken­versicherung abschließen möchten. Denn die Kranken­versicherung berechnet die Zahllast rückwirkend und stellt oftmals eine Hürde für potenzielle Versicherungs­nehmer dar. Die Höhe der Zahllast ist abhängig von der Zeit, in der kein Versicherungs­schutz vorhanden war. Hierbei verjähren die Schulden nach vier Jahren, wobei die Frist nach Abschluss des laufenden Kalenderjahres beginnt.“

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Katharina Krech
Beraterin

Ohne Schulden in ein Leben als Versicherter

Der Gesetzgeber gibt hin und wieder die Möglichkeit, ohne größere Probleme in das System der Krankenkassen zurückzukehren. So bestand zum Beispiel im Zeitraum von August bis Dezember 2014 die Möglichkeit, ohne Altlasten ein neues Leben in der gesetzlichen Kranken­versicherung zu beginnen. Gab es jemanden, der diese Option nicht wahrgenommen hatte, musste derjenige für den Einstieg in die gesetzliche Kranken­versicherung einen monatlichen Beitrag von 43 Euro samt Säumniszuschlag entrichten. Und zwar solange, bis die Nachzahlungen an die Krankenkasse getilgt waren.


Verzugszinsen zu erwarten

Der Säumniszuschlag ist mit einem Prozent der Nachzahlung beziffert. Hierbei findet eine Abrundung des Beitrags­rückstands auf 50 Euro statt. Muss eine Nachzahlung in Höhe von 2.586 Euro getätigt werden, sind Verzugszinsen von 25 Euro zu berechnen. Dabei beginnt der Verzugszeitraum am ersten Tag nach Beitrags­fälligkeit.


Versicherungs­schutz auch bei Nichtzahlung der Beiträge

Der Versicherungs­schutz besteht auch dann, wenn keine Versicherungs­beiträge gezahlt werden. Wurden Versicherungs­nehmer in der Vergangenheit bei Zahlungsunfähigkeit noch aus ihrer Kranken­versicherung geworfen, sieht es heute anders aus: Sie bleiben auch weiterhin in ihrer Kranken­versicherung versichert, jedoch erhalten sie im Krankheits­fall lediglich die Leistungen der Notfallversorgung. Treten akute Schmerzen oder Krankheiten auf, erhalten Versicherungs­nehmer die notwendige Krankenversorgung. Dabei ist zu beachten, dass die Notfallversorgung nicht gesetzlich vereinbart ist, sodass jede Kranken­versicherung frei entscheiden kann, welche Leistungen sie übernimmt und welche nicht.


Privatversicherte rutschen in Notlagentarif

Ähnlich sieht es bei der privaten Kranken­versicherung aus. Sofern der Versicherungs­nehmer die regelmäßige Zahlung der Versicherungs­beiträge für ein Jahr ruhen lässt, gleitet er in den Notlagentarif, der lediglich die Akutversorgung vorsieht. Dabei muss er mit Versicherungs­beiträgen zwischen 100 und 125 Euro rechnen.


Krankenkassen halten Notfall-Lösung bereit

Krankenkassen bleibt nichts anderes übrig, als die ausstehenden Beitrags­zahlungen einzufordern. Immerhin erhalten sie Ausgleichszahlungen aus dem Gesundheits­fonds. Begegnet ihnen ein Versicherungs­nehmer, der eine regelmäßige Zahlung der Versicherungs­beiträge nicht gewährleisten kann, wird über Ratenzahlung versucht, die zeitnahe Begleichung der Schulden anzustreben. Zeigt sich der Versicherungs­nehmer weniger kooperativ, bleibt den Krankenkassen lediglich die eidesstaatliche Versicherung als letztes Druckmittel. Dann verbleibt die ausstehende Forderung für 30 Jahre im Vollstreckungsverfahren.


Ärzte können Unversicherte ablehnen

Im Großen und Ganzen haben Ärzte das Recht den Patienten abzulehnen. Dies kann nur dann erfolgen, wenn der Arzt die angemessene Versorgung nicht mehr gewährleisten kann. Hat der Patient die gewünschte Arztbehandlung erhalten, hat er zehn Tage Zeit seinen Versicherungs­schutz gegen Vorlage der Krankenversichertenkarte vorzuweisen. Geschieht dies nicht, wird er wie jeder andere Privatpatient behandelt und erhält die Arztrechnung nach Hause.

Fazit

Ein Leben ohne Kranken­versicherung kann sich zu einem teuren Unterfangen entwickeln, wenn eine spätere Mitgliedschaft in Erwägung gezogen wird. Umso wichtiger ist es eine regelmäßige Zahlung der Versicherungs­beiträge zu garantieren, damit die Versicherungs­leistungen umfassend in Anspruch genommen werden können.

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