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Existenz­schutz­ver­siche­rung vs. Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung

Die Existenzschutzversicherung ist eine günstigere Alternative für alle, die keine BU bekommen
Das Wichtigste in Kürze
  • Existenz­schutz­ver­siche­rungen sind ein relativ neues Versicherungs­produkt und werden bisher nur von wenigen Versicherern angeboten.
  • Sie eignen sich für Menschen, die aufgrund eines risikoreichen Berufes sehr hohe Beiträge für eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung (BU) zahlen müssten oder aufgrund von Vorer­krankungen keinen Zugang zu einer BU bekommen.
  • Die Existenz­schutz­ver­siche­rung kombiniert verschiedene Ver­sicherungs­leistungen miteinander.
  • Im Versicherungs­vertrag sind die medizinischen Kriterien für den Leistungsfall exakt definiert.
  • Die Leistung der Existenz­schutz­ver­siche­rung besteht in einer monatlichen Rente oder einer Einmal­zahlung.
  • Einige Versicherer bieten ein Options­recht für die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung an, mit der man später den Vertrag in eine BU umwandeln kann.

Was ist eine Existenz­schutz­ver­siche­rung?

Existenz­schutz­ver­siche­rungen sind erst vor vergleichs­weise kurzer Zeit auf den Markt gekommen. Sie gelten als Alternative zu einer klassischen Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung. Versicherungs­kunden profitieren bei einer Existenz­schutz­ver­siche­rung in der Regel von günstigeren Tarifen. Auch die Zugangs­hürden zu einer Existenz­schutz­ver­siche­rung sind meist geringer, da die Ver­sicherungs­gesell­schaften hier weniger umfangreiche Gesundheitsfragen stellen.

Existenz­schutz­ver­siche­rung noch neu auf dem Markt

Existenz­schutz­ver­siche­rungen haben bisher nur wenige Versicherer im Programm. Aktuell bieten folgende Versicherer eine Existenz­schutz­ver­siche­rung an:

  • Axa
  • DBV
  • SparkassenVersicherung
  • Signal Iduna
  • Zurich

Unabhängige Tests und Ratings für diese Versicherungs­form gibt es bisher nicht.


Wie ist die Existenz­schutz­ver­siche­rung aufgebaut?

Eine Existenz­schutz­ver­siche­rung kombiniert unter­schiedliche Versicherungs­leistungen miteinander. Das Gesamtpaket wird von den Versicherungen unterschiedlich ausgestaltet, sodass sich der Versicherungs­umfang einer Existenz­schutz­ver­siche­rung zwischen den einzelnen Unternehmen und Tarifen unterscheidet.

Eine Grund­fähigkeits­rente wird gezahlt, wenn der Versicherungs­nehmer durch Unfall oder Krankheit dauerhaft eine oder mehrere seiner Grund­fähig­keiten einbüßt. Zu den Grundfähig­keiten zählen vor allem Sprechen, Sehen, Hören sowie die persönliche Orientierungs­fähigkeit (zeitlich, örtlich und in Bezug auf die eigene Person).

Versicherte, denen die gesetzliche Pflege­versicherung mindestens die Pflegestufe 2 bescheinigt, erhalten aus ihrer privaten Existenz­schutz­ver­siche­rung eine Pflegerente.

Bei einigen Anbietern ist es auch möglich, im Versicherungs­vertrag zu vereinbaren, dass der Leistungsfall bereits bei Pflegestufe 1 gegeben ist. Die Versicherungs­leistung besteht dann in der Regel nicht in einer monatlichen Rente, sondern in einer Einmalzahlung. (… mehr zu den Pflegegraden in der Pflegeversicherung)

Eine Organrente wird ausgezahlt, wenn wichtige innere Organe – beispielsweise Lunge oder Herz – krankheitsbedingt geschädigt werden.
Falls ein Unfall körperliche Einschränkungen von mindestens 50 Prozent zur Folge hat, greift die in die Existenz­schutz­ver­siche­rung integrierte Unfallrente.
Einige Versicherer integrieren außerdem eine Krebsversicherung (ähnlich der Dread-Disease-Versicherung) in das Gesamtpaket, bei anderen Anbietern werden Krebserkrankungen durch die Organrente versichert.
Was sind Dread-Desease-Versicherungen?

Mit einer Dread-Desease-Versicherung lassen sich die finanziellen Folgen schwerer Erkrankungen versichern. Diese Krankheiten werden im Versicherungs­vertrag exakt definiert. Der Versicherungs­fall tritt nur ein, wenn eine ausdrücklich versicherte schwere Krankheit auftritt.

Eine Existenz­schutz­ver­siche­rung ist mit einer Dread-Desease-Police jedoch nicht voll­kommen identisch. Hier kommt es – allerdings vertrags­abhängig – vor allem auf die Art und das Ausmaß der gesundheitlichen Beeinträchtigungen in den Dimensionen Grundfähig­keiten, Organ­schädigungen sowie Unfall­folgen an.

… mehr zur Dread-Disease-Versicherung

Welche Leistungen bietet eine Existenz­schutz­ver­siche­rung?

Die Leistung einer Existenz­schutz­ver­siche­rung besteht in einer monatlichen Rente, die bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters gezahlt wird. Die Höhe dieser Renten bewegt sich je nach Anbieter und Versicherungs­vertrag zwischen 250 und 3.500 Euro, was sich natürlich auch in unterschiedlichen Beitragshöhen niederschlägt. Optional können Versicherte statt der monatlichen Rente auch eine Einmalzahlung wählen.

Dynamische Beitragsanpassung für den Inflationsausgleich
Empfehlenswert ist, für die Existenz­schutz­ver­siche­rung einen Tarif mit dynamischer Beitrags­anpassung zu wählen, um inflations­bedingte Kaufkraft­verluste auszugleichen. Dies lässt gleichzeitig die zu zahlenden Beiträge für die Versicherung jährlich etwas ansteigen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Existenz­schutz­ver­siche­rung erfüllt sein?

Um Leistungen aus einer Existenz­schutz­ver­siche­rung zu erhalten, müssen die Versicherten fachärztliche Atteste vorlegen, um die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Krankheit oder Unfall nachzuweisen. Zu beachten ist hier, dass die Ver­sicherungs­gesell­schaften die medizinischen Voraussetzungen für den Leistungsfall in den Versicherungs­bedingungen definieren. Die Existenz­schutz­ver­siche­rung greift nur dann, wenn die individuellen medizinischen Befunde den vertraglich vereinbarten Leistungskriterien entsprechen.


Wie werden die Kosten einer Existenz­schutz­ver­siche­rung berechnet?

Die Kosten für eine Existenz­schutz­ver­siche­rung werden individuell berechnet. In die Berechnung der Versicherungs­beitrags fließen beispielsweise folgende Faktoren ein:

  • Lebensalter
  • gewünschte Rentensumme bzw. Höhe der vereinbarten Einmalzahlung
  • eventuelle zusätzlich vereinbarte Versicherungs­leistungen

Der Beruf und das Einkommen des Versicherten haben dagegen – anders als in der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung – nur geringen Einfluss auf die Beitragshöhe.

Ein 25-jähriger Versicherungs­nehmer muss derzeit für eine Existenz­schutz­ver­siche­rung mit jährlichen Kosten zwischen 350 und 450 Euro rechnen, ein 45-jähriger Versicherungs­nehmer zahlt für den gleichen Leistungsumfang zwischen 400 und 700 Euro. Der Jahresbeitrag für Kinder ist in der Regel niedriger als 200 Euro.
Sparen durch Familien- bzw. Kindertarife
Mit einer Existenz­schutz­ver­siche­rung können Eltern auch ihre Kinder zu besonders günstigen Tarifen und ohne Abstriche im Hinblick auf den Leistungsumfang mitversichern. Gibt es diese Option nicht, lohnt sich eine Existenz­schutz­ver­siche­rung für Kinder trotzdem, denn die Beiträge sind besonders niedrig. Ähnlich wie bei der Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung für Kinder ist das eingeschätzte Risiko geringer, als bei Erwachsenen. Nach dem Erreichen der Volljährigkeit können die Kinder lückenlos einen eigenständigen Erwachsenentarif erwerben. Hier sollten Eltern jedoch genau rechnen, ob sich nicht gleich der Abschluss einer klassischen BU mehr lohnt.

Existenz­schutz­ver­siche­rung vs. Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung

Die Existenz­schutz­ver­siche­rung wird als günstigere Alternative zur Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung gehandelt. Die alternative Absicherung bietet einige Vorteile gegenüber der klassischen Risiko­absicherung. Doch gleichzeitig sollten Interessierte auch die Nachteile abwägen.

VorteileNachteile
Vergleichsweise geringere Kosten, berufsunabhängige Berechnung der BeiträgeGeringerer Leistungsumfang, psychische Erkrankungen bspw. nicht versichert
Erhalt der Versicherungs­leistung ist berufsunabhängig, es muss also keine 50-prozentige Berufs­un­fähig­keit vorliegenErhalt der Leistungen ist gebunden an genaue medizinische Voraussetzungen (vereinbart im Versicherungs­vertrag)
Geringere Einstiegshürden für Menschen mit Vorerkrankungen, da vereinfachte GesundheitsfragenViele Krankheiten, darunter Berufskrankheiten, können vom Versicherungs­schutz ausgeschlossen sein

… mehr zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Optionsrecht für Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung
Einige Anbieter von Existenz­schutz­ver­siche­rungen bieten ihren Kunden die Option, die Versicherung zu einem späteren Zeitpunkt – meist ohne erneute Gesundheitsprüfung – in eine Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung umzuwandeln. Versicherungs­kunden, die nicht völlig sicher sind, dass sich ihre beruflichen Verhältnisse nicht mehr ändern, sollten bevorzugt Verträge wählen, die eine solche Wechseloption bzw. das Optionsrecht zur Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung enthalten.

Fazit

Die Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist enorm wichtig – darüber sind sich Experten einig. Die Berufs­unfähig­keits­ver­siche­rung ist die umfassendste Form dieser Absicherung. Doch die Einstiegs­hürden und Voraussetzungen erschweren es bestimmten Menschen, diese Versicherung so einfach abzuschließen. Die Existenz­schutz­ver­siche­rung kann dafür eine gute Alternative sein. Die Bedingungen gestalten sich hier anders, die Voraussetzungen für den Versicherungs­schutz und der späteren Versicherungs­leistungen erscheinen zunächst lockerer.

Welche Absicherung die richtige für einen persönlich ist, muss genau abgewogen werden. Holen Sie sich an dieser Stelle Hilfe vom Experten. Unsere erfahrenen und unabhängigen Versicherungs­berater kennen sich im Bereich Existenz­schutz und Arbeits­kraft­absicherung aus. Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung unter 030 – 120 82 82 8 oder unter kontakt@transparent-beraten.de. Nutzen Sie auch gern unser Kontakformular.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 19.08.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Müni Enkhsaikhan
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