Gleichberechtigung: Vorstoß von 16 Frauenverbänden zur Bundestagswahl

Jeder Schritt in Richtung stärkerer Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist ein Erfolg. Auch bei der Altersvorsorge zeigt sich, wie Frauen stärker herausgefordert sind als Männer. In einer Berliner Erklärung stellen 16 Frauenverbände ihre Forderungen zur Bundestagswahl 2017 auf.

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Berliner Erklärung zur Bundestagswahl 2017

Mit der Berliner Erklärung liegt seit Anfang Juni ein größerer Forderungskatalog von insgesamt 16 Frauenverbänden vor. An erster Stelle richtet sich das gleichnamige bundesweite Bündnis an die (etablierten) Parteien zur Bundestagswahl 2017. Ein Blick in die Liste der zentralen Forderung der Berliner Erklärung zeigt jedoch, dass es sich um einen Appell an die gesamte Gesellschaft handelt.

Die Forderungen für konsequente Gleichstellung der Geschlechter ruhen alle auf drei Säulen: „Gleiche Teilhabe“, „Gleiche Bezahlung“ und „Verbindlichkeit, Transparenz und Monitoring von Gleichstellungspolitik“. Dahinter steckt eine deutliche Stellungnahme zu einer Mindestquote für Neubesetzungen von 30 Prozent. Von allen Entscheidungsträgern in Wirtschaft, Kultur, Medizin/Wissenschaft und Politik fordern die 16 Frauenbände der Berliner Erklärung verbindliche Regelungen inklusive wirksame Sanktionen.

Eine Übersicht des Forderungskatalogs findet sich unter www.berlinererklaerung.de.

Wachsender Frauenanteil in Versicherungsvorständen

Die Idee einer „Frauenquote“ in den Vorstands- und Chefetagen der Unternehmenswelt ist nicht neu. Bereits seit einigen Jahren haben sich entsprechende Regelungen implizit und explizit etabliert. Und auch in den Wissenschaftseinrichtungen entscheidet der Anteil an Männern und Frauen mit über Beförderungen bzw. Neuanstellungen.

Am Beispiel der größeren Versicherungen zeigt sich jedoch, dass wir in Deutschland allein hier noch weit von der angestrebten Marke von 30 Prozent Frauenanteil entfernt sind. In 2016 konnte der bisherige Spitzenwert von 9,8 Prozent Frauen in den Vorständen großer Versicherer erreicht werden. Bis zur aktuell geforderten 40 : 60 Verteilung ist es in diesem Sektor der deutschen Wirtschaft noch ein weiter Weg. (Quelle)

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“

Die Forderung der Pro-Quote-Initiativen, von denen sich einige der Berliner Erklärung 2017 angeschlossen haben, ist im Sinne der vollen Gleichstellung der Geschlechter nur die „halbe Miete“. Denn auch ein absolut paritätischer, das heißt nach 50:50 Verteilung zusammengesetzter, Unternehmensvorstand oder Rundfunkrat sagt nichts über die Entgeltunterschiede aus.

Die Forderung nach „Equal Pay“ (dt.: gleiche Bezahlung) haben die Frauenverbände mit ihrer Berliner Erklärung und die Gewerkschaftsbewegung gemeinsam. Das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ betrifft nicht nur die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter, sondern die Gleichwertigkeit aller Menschen und ihrer Arbeitskraft. Unter dem Stichwort „Gleiche Bezahlung“ tritt die Berliner Erklärung zudem für die Einführung von „Wirtschaft und Lebensökonomie“ als selbständiges Unterrichtsfach ein. Die Forderung nach Wirtschaftsunterricht an deutschen Schulen wird gerade von den wirtschaftsnahen Liberalen geteilt.

Altersvorsorge: Frauen besonders herausgefordert

Frauen haben es beim Thema Altersvorsorge schwerer als Männer. Das liegt zum einen daran, dass auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, Frauen länger leben als Männer – und auch länger gesund leben. Entscheidet sich eine Frau, Mutter werden zu wollen und nicht sofort nach der Geburt an ihrer Karriere zu arbeiten, wird ihr das später bei der Rente zum Nachteil gereicht. Es ist noch nicht lange her, dass der Gesetzgeber die Anrechnung von Erziehungszeit bei der Rentenberechnung verbesserte.

Das Problem der im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen geringere Einkommen wirkt sich ebenfalls auf die Altersvorsorge aus. Niedrigere Einkommen bedeuten weniger Einzahlungen in das Rentensystem, was in einem höheren Risiko der Altersarmut bei Frauen resultiert. Diese Faktoren dürften dabei eine Rolle spielen, dass sich Frauen nicht nur um ihre Gesundheit nachweislich mehr kümmern. Frauen riestern häufiger als Männer, kümmern sich also auch verstärkt um ihre Altersvorsorge.

Ausblick: Noch ein weiter Weg zu voller Gleichberechtigung

Auch wenn die Berliner Erklärung zum Großteil von Frauenverbänden getragen wird und sich auf die Frauenquote konzentriert: Für die Stärkung der Gleichberechtigung in Deutschland sollte sich das politische Engagement nicht allein auf die Geschlechter bzw. die Frauen beschränken. Dafür ist das gesellschaftliche Potential zu vielseitig.

Für eine zukünftige Neuauflage der Berliner Erklärung bietet sich die symbolträchtige Forderung an, dass das Amt eines Familienministers und Gleichstellungsbeauftragten in ganz Deutschland auch von Männern ausgeübt werden soll. Oder dass die Trennung in Frauen- und Männerberufe überwunden wird. In jedem Fall gilt: Das Streben nach Gleichstellung und Gleichberechtigung hat noch einen längeren Weg vor sich.