Kredite: Das sollten Kinder und Eltern beachten

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Ob Kinder Kredite aufnehmen können, wie sie sich auf die Kredite ihrer Eltern auswirken und worauf Eltern achten sollten, wenn sie erwachsene Kinder bei der Finanzierung großer Projekte unterstützen.

Inhalt dieser Seite
  1. Kredite für Kinder?
  2. Kredite für Eltern
  3. Darlehen in der Familie
  4. Fazit

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder und Jugendliche können noch keine Kredite aufnehmen. Darum gibt es auch Besonderheiten bei ihren Girokonten und Kreditkarten.
  • Eltern von Kindern haben meist keine Nachteile beim Aufnehmen von Krediten. Nehmen sie ein großes Darlehen auf, empfiehlt sich eine Risikolebens- oder Restschuld­versicherung, um die Kinder vor Schulden zu schützen.
  • Erwachsene Kinder können von ihren Eltern durch günstige Familiendarlehen unterstützt werden. Dabei sollte man den Vertrag immer schriftlich aufsetzen.

Können Kinder Kredite aufnehmen?

Kredite für Kinder nur in Ausnahmefällen

Theoretisch können Menschen unter 18 einen Kredit aufnehmen. Dafür müssen jedoch zwei Voraussetzungen gegeben sein:

  • Einwilligung der Eltern
  • Einwilligung des Familiengerichts

Da Kinder und Jugendliche tendenziell leichter zu beeinflussen und weniger umfassend über die Folgen finanzieller Entscheidungen informiert sind als Erwachsene, schützt der Gesetzgeber sie in besonderem Maße davor, sich zu verschulden. Rechtlich wirksame Kreditverträge können Kinder also meist erst ab 18 abschließen.

Was bedeutet „beschränkte Geschäftsfähigkeit“?

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Kinder ab 7 aber unter 18 sind beschränkt geschäftsfähig. Das heißt, dass sie nur selbstverdientes Geld oder Taschengeld frei ausgeben können. Für andere Kaufverträge brauchen Sie die explizite Einwilligung ihrer Eltern. Hinzu kommen Einschränkungen wie die schon erwähnten rechtlichen Hürden für die Aufnahme eines Kredits.

Schulden als Minderjähriger: Was tun?

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Es ist durc­haus möglich, dass Kinder mit dem Erreichen der Volljährigkeit aufgefordert werden, Schulden zu bezahlen, die vor dem 18. Geburtstag entstanden sind. Das kann z.B. Kinder betreffen, deren Eltern höhere kinderbezogene Sozialleistungen bezogen haben als diesen zustand – daraus ergeben sich teilweise sehr hohe Forderungen des Staates. Aber Schulden können sich auch aus Käufen, Bestellungen oder Abonnements ergeben.

Diese Schulden müssen oft nicht in voller Höhe beglichen werden, denn es gilt eine Haftungsbeschränkung: Für die Begleichung von Schulden, die Minderjährigen entstanden sind, darf nur das Vermögen herangezogen werden, das diese beim Eintritt der Volljährigkeit besitzen. Das heißt, dass alles Vermögen, was sie ab ihrem 18 Geburtstag erhalten oder sich erarbeiten, sicher ist.

Dafür müssen die Betroffenen den Forderungen jedoch aktiv widersprechen. Dies sollte in schriftlicher Form geschehen. Unterstützung finden Jugendliche hierfür bei anerkannten Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, Sozialberatungseinrichtungen und Wohlfahrtsverbänden.

Die Haftungsbeschränkung gilt jedoch nicht für Geldstrafen, die Minderjährigen wegen bewusster Schädigung anderer Menschen auferlegt wurden.

Kredite für junge Erwachsene

Auch viele junge Erwachsene, die sich noch auf den Berufseinstieg vorbereiten, haben bei der Aufnahme eines Kredits einige Besonderheiten und Herausforderungen zu beachten. Lesen Sie zu diesem Thema gern unsere Seiten zu den Themen Kredite für Studenten und Kredite für Auszubildende.


Girokonten und Kreditkarten für Kinder

Minderjährige können Bankkonten führen und Kreditkarten benutzen. Allerdings findet beides auf Guthabenbasis statt: Kinder können keine Dispokredite nutzen, also nur so viel Geld ausgeben, wie tatsächlich auf ihrem Girokonto ist, und sie dürfen auch ausschließlich Prepaid-Kreditkarten nutzen.


Icon Einkaufskorb

Händlerkredite für Kinder

Da bei Kauffinanzierungen oder Händlerkrediten letztlich eine Bank hinter dem Händler steht und die Kunden somit einen klassischen Kreditvertrag eingehen, dürfen Kinder auch solche Kredite nicht abschließen. Tun Kinder über 14 dies unter Vorspiegelung falscher Tatsachen doch, kann dies rechtlich verfolgt werden.

Kredite für Eltern: So wirken sich Kinder aus

Kredit beantragen: Welchen Einfluss haben Kinder?

Prinzipiell ist es auch mit Kindern gut möglich, einen Kredit zu erhalten, solange man Banken bei der Überprüfung der eigenen Bonität überzeugen kann. Wer also ein hohes, regelmäßiges Einkommen, übersichtliche laufende Kosten und einen guten Schufa-Score hat und idealerweise noch Sicherheiten wie z.B. Wohneigentum mitbringt, kann sich gute Chancen auf einen Kredit mit relativ niedrigen Zinsen ausrechnen.

Schwieriger wird es bei geringem oder schwer vorhersehbarem Einkommen (z.B. bei Selbständigen, Arbeitslosen oder in der Elternzeit). Hier können die zusätzlich notwendigen monatlichen Ausgaben für das Kind Banken skeptisch machen. Alleinerziehende Eltern haben es hier oft schwerer.

So verbessern Eltern ihre Chancen auf einen Kredit

Auch wenn Sie kein hohes oder ein schwankendes Einkommen haben, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie Sie Ihre Chancen auf einen Kredit mit guten Konditionen verbessern können:

  • Einen Bürgen stellen
  • Den Kredit zusammen mit dem Partner aufnehmen
  • Einsatz von Immobilien oder Autos als Sicherheit
  • Ausweichen auf einen Kredit von einer Privatperson

Dass man Kindergeld erhält, kann man beim Kreditantrag angeben, aber es wird nicht notwendigerweise als Einkommen mit positivem Einfluss auf die Kreditwürdigkeit bewertet. Ein Kredit wirkt sich nicht auf die Höhe des Elterngeldes aus.

Hier können Sie aktuelle Kredite vergleichen

Icon Hand mit Haus

Besondere Kredite für Eltern

Gerade im Bereich der Baufinanzierung gibt es jedoch Kredite, die nur von Eltern minderjähriger Kinder in Anspruch genommen werden können. Darunter ist die Familienhypothek. Hierbei handelt es sich um ein besonders günstiges Darlehen.

So funktioniert die Familienhypothek

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Es funktioniert wie ein gewöhnliches Annuitätendarlehen für den Bau oder Kauf einer Immobilie, aber für einen bestimmten Zeitraum gibt es einen Zinsabschlag von 0,2 und 0,5 Prozent auf eine Darlehenssumme 75.000 Euro pro Kind. Hinzu kommt die Möglichkeit, die Tilgung während der Zeit der Sollzinsbindung anzupassen. Die Familienhypothek kann mit anderen Förderungen kombiniert werden und lohnt sich insbesondere für Familien mit mehreren Kindern. Mittlerweile wird sie jedoch seltener angeboten.

Darlehen in der Familie

Darlehen für die Kinder

Familienmitglieder können einander durch zinslose oder besonders günstige Darlehen unterstützen. Hier sollten die Bedingungen schriftlich festgehalten werden und die Rückzahlung nachweisbar sein. Dies kann Streitigkeiten vorbeugen und verhindern, dass Darlehen von der Steuer unnötig wie Schenkungen behandelt und entsprechend besteuert werden.

Familiendarlehen und Schenkungssteuer

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Zinslose Darlehen, die steuerliche Freibeträge überschreiten, unterliegen der Schenkungssteuer, aber können dennoch günstiger als Kredite einer Bank sein. Bei Elterndarlehen und bei erheblichen Abweichungen von marktüblichen Zinsen schaut das Finanzamt oft genau hin, ob es sich nicht um verschleierte Schenkungen handelt.

Nimmt der Kreditnehmer ein Familiendarlehen mit Zinsen für berufliche Zwecke auf, kann er die Zinsen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten von der Steuer absetzen. Der Kreditgeber muss die Zinsen jedoch in der Regel mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.

So können Eltern die Immobilienfinanzierung ihrer Kinder unterstützen

Oft sind Eltern in einer Position, in der sie ihren erwachsenen Kindern bei der Finanzierung einer eigenen Immobilie helfen können und möchten. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Einer der einfachsten Wege für Eltern mit genug liquidem Vermögen ist es, ihren Kindern Geld zu schenken, das diese dann als Eigenkapital bei der Finanzierung ihres Hauses nutzen können. Für Geschenke von Eltern an Kinder ist der steuerliche Freibetrag besonders hoch. Es gelten die gleichen Freibeträge wie für die Erbschaftssteuer.
  • Eltern können ihren Kindern ein zinsloses oder zinsgünstiges Darlehen geben. Hierbei sollten steuerrechtliche Bedingungen im Auge behalten werden und die beiden Parteien sollten einen Vertrag aufsetzen, um die Konditionen festzuhalten und gegebenenfalls nachweisen zu können. Banken betrachten solche zinslosen Familiendarlehen als Kreditschuld, sie beeinflussen also die Bonität.
  • In einer anderen Variante setzen Eltern ihr eigenes Haus ganz oder zum Teil als Sicherheit ein, damit ihre Kinder einen günstigen Baukredit erhalten. Dies wird von vielen Banken unterstützt, aber erfordert Vertrauen zwischen Eltern und Kindern.
  • Eltern können auch selbst einen Kredit aufnehmen, bei dem sie ihr Haus als Sicherheit einsetzen, und geben das Geld an ihre Kinder weiter. Dabei können sie einen Vertrag mit den Kindern darüber machen, dass diese die Raten zahlen, welche die Eltern dann an die Bank weiterleiten. Hier sind die Eltern unmittelbar Kreditnehmer bei der Bank.
  • Alternativ können Eltern auch ein Haus oder eine Wohnung kaufen und diese an die Kinder vermieten. Dabei kann die Immobilie durch einen Mietkauf in das Eigentum der Kinder übergehen. Hierbei zu beachten: Sind die Eltern bereits älter, kann es für sie schwieriger werden, eine Baufinanzierung mit niedrigen Zinsen abzuschließen, und der Mietkauf sollte in jedem Fall vertraglich geregelt sein. Auch muss bedacht werden, dass die Schulden der Eltern auf die Kinder übergehen, falls sie während der Vertragslaufzeit versterben.

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Können Kinder die Schulden ihrer Eltern erben?

Verstirbt ein Kreditnehmer, erben dessen Erben seine Zahlungsverpflichtungen aus laufenden Krediten – es sei denn, sie schlagen das Erbe innerhalb von 6 Wochen nach der Mitteilung aus. Dafür ist eine persönliche Erklärung beim Nachlass-Gericht nötig. Alternativ kann ein Notar die Erklärung weiterleiten. Bei Erben­gemeinschaften haften alle Erben zu gleichen Teilen für die Schulden.

Neben dem Ausschlagen des Erbes kann man auch eine Nachlass­verwaltung beim Gericht beantragen. Dann ordnet ein Verwalter das Erbe und bezahlt die Schulden mit dem geerbten Geld. Was übrig ist, wird an den oder die Erben ausgezahlt. Die Kosten für dieses Verfahren werden aus dem Nachlass bezahlt.


So schützen Sie Hinterbliebene vor Schulden

Um zu verhindern, dass die eigenen Kinder und andere Hinterbliebene im Fall eines vorzeitigen Todes Schulden erben, kann man sich für diesen Fall absichern. Dies ist mit einer Risikolebens­versicherung oder einer Restschuld­versicherung möglich. Solche Absicherungen ermöglichen es, auch größere Kredite aufzunehmen, ohne sich um eine potenzielle finanzielle Überforderung der Familie im Todesfall zu sorgen.

Fazit

Minderjährige sind nur beschränkt geschäftsfähig: Darum sind Kinder besonders davor geschützt, sich durch die Aufnahme eines Kredits zu verschulden oder in vollem Umfang für ihre Schulden zu haften. Bei der Frage, ob Eltern Kredite erhalten, fallen Kinder weniger ins Gewicht als andere Faktoren der Bonität. Sind die Kinder schließlich erwachsen geworden, können Eltern sie mit zinsgünstigen oder zinslosen Darlehen unterstützen, müssen dabei aber rechtliche und steuerliche Besonderheiten beachten.

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