Restschuld­versicherung: Sinnvoll oder rausgeworfenes Geld?

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von Swantje Niemann
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Das erwartet Sie hier

Wie eine Restschuld­versicherung funktioniert, was sie kostet und wann sie sinnvoll ist.

Inhalt dieser Seite
  1. Prinzip der Restschuld­­versicherung
  2. Leistungen
  3. Kosten
  4. Vorteile und Nachteile
  5. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Eine Restschuld­versicherung wird von Kreditnehmern abgeschlossen, um unverschuldete Zahlungsausfälle abzusichern.
  • Diese können z.B. durch Krankheit, Tod, Scheidung oder Arbeits­platzverlust eintreten.
  • Die Absicherung dagegen macht allerdings nur unter bestimmen Voraussetzungen Sinn.

Das Prinzip der Restschuld­versicherung

Die Restschuld­versicherung ist ähnlich konzipiert wie eine Risikolebens­versicherung oder eine Unfall­versicherung, nämlich mit fallender Versicherungs­summe. Besteht eine derartige Versicherung oder eine Berufs­unfähigkeits­versicherung bereits, ist eine Restschuld­versicherung in der Regel überflüssig. Manche Kreditgeber schreiben den Abschluss einer Restschuld­versicherung vor. Ist dies der Fall, sind die Kosten für die Restschuld­versicherung laut Gesetzgeber in den Effektivzins einzurechnen. Meistens ist der Abschluss einer solchen Versicherung jedoch fakultativ. Die Versicherungs­prämie der Restschuld­versicherung wird in der Regel als Einmalbetrag fällig, der auf die anfallenden Ratenzahlungen angerechnet wird.

Was leistet eine Restschuld­versicherung?

Vor dem Abschluss einer Restschuld­versicherung sollte der Versicherungs­nehmer auf die vertraglich geregelten Leistungen achten. Denn diese können sich deutlich voneinander unterscheiden. Meistens gibt es drei verschiedene Leistungs­optionen, zwischen denen der Kreditnehmer in der Regel unterscheiden kann:

  • Die Versicherung greift ausschließlich, wenn der Kreditnehmer verstirbt.
  • Die Versicherung zahlt bei Tod und zusätzlich bei Arbeits­unfähigkeit des Versicherungs­nehmers.
  • Zusätzlich zu den oberen beiden Optionen wird die unverschuldete Arbeits­losigkeit abgesichert.

Versicherungs­schutz besteht für die gesamte vereinbarte Laufzeit des Kredits. Allerdings sollte der Kreditnehmer genau auf die im Vertrag formulierten Leistungs­ausschlüsse achten. Denn meistens zahlt der Versicherer nicht, wenn zum Beispiel die Arbeits­unfähigkeit aus einer Vorerkrankung entsteht, die bei Vertragsabschluss bereits bekannt war.

Versicherungs­fallVersicherungs­leistungAusschlüsse
TodAuszahlung der Versicherungs­summe oder Übernahme der ausstehenden Ratenüber Ausschlussklausel
Arbeits­unfähigkeitÜbernahme der ausstehenden Ratenüber Ausschlussklausel
Arbeits­losigkeitÜbernahme der Raten für in der Regel max. 18 Monatevorsätzliches Herbeiführen, z. B. durch eigenmächtige Kündigung
Scheidungvertragl. festgelegte Einmalzahlung nach rechtskräftiger Scheidungwenn Vertragsabschluss im Scheidungsjahr erfolgte, werden keine Leistungen ausgezahlt

Experten-Tipp:

„Bevor Sie eine Restschuld­versicherung abschließen, müssen Sie Fragen zu Ihrer Gesundheit beantworten. Geben Sie wirklich alle Krankheiten an! Ansonsten ­riskieren Sie, dass das Unternehmen im Todesfall nur die gezahlten Beiträge, aber nicht die Versicherungs­summe zahlt.“

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Katharina Krech
Beraterin

Kosten der Restschuld­versicherung

Die Kosten einer Restschuld­versicherung hängen von Kredithöhe und Laufzeit sowie von den vereinbarten Leistungen ab. Besonders bei geringer Kredithöhe und einer kurzen Laufzeit, ist es nicht empfehlenswert, eine Restschuld­versicherung abzuschließen. Denn die zusätzlichen Kosten stehen hier in keinem Verhältnis zu dem relativ geringen Risiko der eintretenden Zahlungsunfähigkeit. Wenn es aber um hohe Kreditsummen mit sehr langer Laufzeit geht und keine andere Vorsorge­ existiert, dann ist eine Restschuld­versicherung durchaus eine sinnvolle Absicherung.

Beitrags­höhe beachten

Als Faustregel gilt: Die Kosten für eine Restschuld­versicherung sollten 10 Prozent der Kreditsumme nicht überschreiten. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, ob der Versicherungs­beitrag ansteigt. Meistens ist er im ersten Jahr niedriger und erhöht sich dann.

Entwicklung der Restschuld­versicherung von 2003 bis 2008

Jahrdurchschnittliche Versicherungs­summedurchschnittliche Laufzeit (Monate)durchschnittliche Einmalprämie
200310.442€65397€
200410.419€62363€
200510.286€61353€
200610.678€61364€
200711.739€69415€
200811,772€67507€

Restschuld­versicherung – Vor- und Nachteile

Bei der Restschuld­versicherung gibt es sowohl Vor- als auch Nachteile:

Vorteile

  • Absicherung bei Zahlungsunfähigkeit durch Arbeits­losigkeit, Arbeits­unfähigkeit, Scheidung oder Tod
  • Keine Gesundheits­prüfung

Nachteile

  • RSV-Verträge mit oft hohen Provisionen und Beiträgen
  • Lange Warte- und Karenzzeiten
  • Auszahlung der Raten bei Arbeits­unfähigkeit erst nach einer bestimmten Karenzzeit (in der Regel 3 Monate)
  • Zahlung der Raten bei Arbeits­losigkeit nur über einen bestimmten Zeitraum (meist 12-18 Monate)

Fazit

Ob sich eine Restschuld­versicherung für den Kreditnehmer lohnt oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der wichtigste Punkt ist, ob die Beitrags­höhe angemessen in Bezug auf die Höhe der Kreditsumme und die Dauer der Kreditlaufzeit ist. Wird ein hoher Kredit mit langer Laufzeit abgeschlossen, kann der Abschluss einer Restschuld­versicherung mit einem vernünftigen Beitrags­satz sinnvoll sein.

Die Versicherung muss der Kunde nicht bei seiner Bank abschließen, er kann sich auch andere Angebote von Versicherern einholen und mit dem seiner Bank vergleichen. Allerdings sollte man bedenken, dass es auch im Leistungs­fall eventuell  durch Leistungs­ausschlüsse einige Hindernisse für den Kreditnehmer entstehen.

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