Berufs­­unfähigkeits­ver­siche­rung bei Berufs­wechsel

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von Swantje Niemann
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Ob Sie verpflichtet sind, Ihrem Versicherer einen Berufs­wechsel zu melden, ob sich ein solcher auf Ihre Versicherungs­prämien auswirkt, und was Sie über verschiedene Berufe und Klauseln in der Berufs­unfähigkeits­versicherung wissen sollten.

Inhalt dieser Seite
  1. Berufs­­unfähigkeits­­versicherung bei Berufs­­wechsel
  2. Meldepflicht beim Versicherer
  3. Wie beurteilen Versicherer Berufe?
  4. Kostet der Berufs­­wechsel extra?
  5. Gesundheits­­prüfung bei Jobwechsel
  6. Wichtige Klauseln im Vertrag

Das Wichtige in Kürze

  • Grundsätzlich können bestehende Berufs­­unfähigkeits­ver­siche­rungen (BU) auch im Falle eines Berufs­wechsels unverändert bleiben.
  • Die meisten Versicherer verzichten auf eine Meldepflicht.
  • Eine Anzeige des Berufs­­wechsels kann beim Wechsel in eine geringere Gefahren­klasse jedoch auch vorteilhaft für Versicherte sein, da sich ggf. die Beiträge verringern.
  • Im Falle einer Meldung des Berufs­­wechsels steht eine erneute Gesundheits­­prüfung an.
  • In jedem Falle sollten Versicherte auf Klauseln im Vertrag achten, v. a. auf die abstrakte Verweisung.

Die Berufs­­unfähigkeits­ver­siche­rung bei Berufs­­wechsel

Wer den Job wechselt, braucht zunächst keine Änderungen hinsichtlich seiner bestehenden Berufs­­unfähigkeits­ver­siche­rung zu befürchten. Die Versicherungs­schutz bleibt bestehen, während es nur in seltenen Fällen dazu kommt, dass der Versicherer im Zuge des Wechsels höhere Beiträge ansetzt.

In der Regel verzichten Versicherungs­­gesellschaften im Falle des Jobwechsels auf eine Anzeige, Meldung oder gar Anpassung der Beiträge. Einzelnes ist den konkreten Versicherungs­­bedingungen der bestehenden Police zu entnehmen. Es kann beispielsweise vorkommen, dass eine Meldung des Wechsels vorteilhaft für die Versicherten ist. Dies ist etwa der Fall, wenn aufgrund eines sinkenden Risikos im neuen Job gegenüber dem alten die Beiträge sinken.

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Gibt es eine Meldepflicht beim Versicherer?

Wer eine BU abgeschlossen hat und den Job wechselt, stellt sich meist die Frage nach einer möglichen Meldepflicht. Tendenziell fordern die meisten Versicherer keine Meldung mehr ein. Dies hängt damit zusammen, dass ein Berufs­­wechsel typischer­weise in einen eher risikoärmeren Job erfolgt. Da Versicherungen die Beiträge unter anderem anhand des Risikos bemessen, bedeutet ein Wechsel für sie häufig geringere Einnahmen.

Für Antrag­steller ist es lediglich wichtig, dass sie im Rahmen des Antrags stets den aktuell ausgeübten Beruf bei Versicherungs­antritt angeben. Typischerweise sind für den Versicherer andere Berufe nicht interessant, die Kunden beispielsweise im Vorfeld des Versicherungs­antritts ausübten.

Was, wenn ich nach Jobwechsel berufsunfähig werde?

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Kommt es nach dem Wechsel des Jobs zur Berufs­unfähigkeit (etwa infolge von Krankheit, Unfall oder anderen Ereignissen), ist der gegenwärtig ausgeübte Beruf ausschlaggebend. Was die Höhe der Berufs­unfähigkeits­rente betrifft, so wurde diese bereits im Vorfeld mit dem Vertragsabschluss festgesetzt. Entsprechend hat der Berufs­­wechsel keinen Einfluss auf die BU-Rente. Ob Versicherte zu einer Meldung verpflichtet sind, ist im Zweifelsfall dem unterschriebenen Vertrag zu entnehmen.

Auf den Verzicht auf Melde­pflicht achten

Auch wenn es nicht mehr Gang und Gäbe ist, eine Meldepflicht vorzusehen, sollten Versicherte bei Vertragsabschluss bewusst darauf achten, dass der Versicherer auf die Anzeige­pflicht verzichtet. Ein guter BU-Vertrag ist dadurch gekennzeichnet, dass er auch für den Fall eines Berufs­­wechsels die vereinbarten Konditionen und Leistungen vorsieht.

Auch bei einem Wechsel der Branche und Ausrichtung, etwa von einem kaufmännischen in einen handwerklichen Beruf, ist typischerweise keine Meldung vorgesehen. Es ändern sich dadurch weder die Beiträge zur BU noch die Höhe der BU-Rente im Leistungsfall. Versicherte sollten Gesellschaften meiden, die auf eine Anzeige des Berufs­­wechsels bestehen oder gar höhere Beiträge verlangen.

Gefahren­klassen und Einstufungen in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Um das Risiko eines Berufes einschätzen zu können, arbeiten Versicherungs­­unternehmen mit Risiko­stufen oder Gefahren­klassen. Die Einstufung in Gefahrenklassen erfolgt beim Versicherer gleich zu Anfang des Abschlusses einer BU. In welche Risikostufe der ausgeübte Beruf eingestuft wird, ist mit ausschlaggebend für die Höhe der Prämien bzw. den Beitrags­satz. Die Einstufung ist eine Form des Risiko-Managements der Versicherer, mit dem diese die Wahr­schein­lich­keit eines Leistungsfalls abschätzen.

Die Einstufung in eine bestimmte Gefahren­klasse ist in erster Linie von der Branche, dem Arbeits­ort sowie der zu erwartenden körperlichen und psychischen Belastung im Job abhängig. Aber auch riskante oder körperlich gefährliche Hobbys haben einen Einfluss auf die zu zahlende Prämie.

Die Einteilung erfolgt oftmals in drei übergeordnete Gefahren­klassen:

  • Gefahren­klasse A: Geringe körperliche Belastung
  • Gefahren­klasse B: Hohe körperliche Belastung
  • Gefahren­klasse C: Nicht versicherbare Berufe aufgrund zu hohen Risikos

Gefahren­klasse A

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Typische Jobs der Versicherungs­klasse A sind kaufmännische Berufe sowie Büro-Arbeiten. Dazu gehören beispielsweise kaufmännische Angestellte, SekretärInnen oder Makler. Die Ausübung dieser Berufe gilt als risikoarm, da sie vorwiegend sitzend in geschlossenen Räumen stattfindet.

Gefahren­klasse B

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Die Risikoklasse B beinhaltet körperlich herausfordernde Berufe. Dazu gehören handwerkliche Tätigkeiten wie Dachdecker, Schreiner oder Maurer. Auch Labortätigkeiten fallen in diese Risikoklasse, ebenso wie Mechaniker.

Gefahren­klasse C

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Die Gefahren­klasse C beinhaltet Berufe, deren Risiko sich nicht abschätzen lässt oder zu hoch ist. Ein Beispiel ist der Soldat.

Wie werden diese Gefahren­klassen bestimmt?

Bei der Festlegung dieser Gefahren­klassen legen Versicherer verschiedene Quellen zugrunde, die über das Risiko Aufschluss geben. Dazu gehören sowohl interne als auch externe Studien. Diese beinhalten Unfall­statistiken, Krankheits­statistiken oder Aufstellungen über Behandlungs­kosten für die verschiedenen Berufs­­gruppen.

Des Weiteren gilt: Jedes Versicherungs­­unternehmen führt die Gefahren­klassen anders. Einige Versicherer ordnen beispielsweise nicht nach der körperlichen Tätigkeit, sondern nach der psychischen Belastung. Während Versicherung A insgesamt 6 Risikoklassen führt, kann Versicherung B die Einteilung in nur 4 Gefahren­klassen vornehmen.

Kosten der Berufs­unfähigkeits­versicherung bei Berufs­wechsel

Da die Berufs­­unfähigkeits­ver­siche­rungen dieselbe bleiben kann, wenn Versicherte den Beruf wechseln, sind grundsätzlich keine höheren Kosten zu erwarten. Da typischerweise die Meldepflicht entfällt, gehen Versicherer auch von keiner sich ändernden Risikoklasse aus.

Allerdings kann es für Versicherte im Hinblick auf die Kosten der BU lohnenswert sein, in bestimmten Fällen selbsttätig eine Meldung des Wechsels vorzunehmen. Dies ist dann der Fall, wenn es sich um einen Wechsel von einer riskanteren in eine weniger riskante Berufs­kategorie handelt. Wenn sich die Gefahren­klasse ändert und Versicherte dies anzeigen, hat dies also u. U. positive Effekte auf den vertraglich geregelten Prämiensatz.

Experten-Tipp:

„Umgekehrt ließe sich annehmen, dass bei Wechsel in einen Beruf höheren Gefahren­klasse äquivalent höhere Beiträge zu entrichten wären. Aufgrund der ausfallenden Meldepflicht, bleibt jedoch der ursprünglich bei Vertragsabschluss eingetragene Beruf die Basis, sodass Versicherte in diesem Fall keine Nachteile zu befürchten haben.“

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Marc Björn Wolter
Berater

Gesundheits­­prüfung bei Meldung des Berufs­­wechsels

Nur im Falle einer tatsächlichen Meldung des Berufs­­wechsels ist eine erneute Gesundheits­­prüfung erforderlich. Versicherer wollen wissen, ob Versicherte berechtigt sind, aufgrund einer geringeren Gefahren­klasse auch geringere Beiträge zu zahlen. Die Gesundheits­­prüfung dient dazu, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung oder Berufs­unfähigkeit abzuschätzen.

Zu diesem Zweck füllen Versicherte einen neuen Versicherungs­antrag aus. In diesem beantworten sie erneut sämtliche aufgeführten Fragen zur Gesundheit wahrheitsgemäß. Auf Basis dessen berechnen Versicherer das aktualisierte Risiko. Die Gesundheits­­prüfung basiert nur auf den wahrheitsgemäßen Antworten, da Versicherer keine anderen Quellen vorliegen. Daher haben Versicherer die Möglichkeit, einen zusätzlichen Arztbericht anzufordern, um das gesundheitliche Risiko besser einschätzen zu können. Inhaltlich haben die Gesundheits­­fragen sowohl Bezug zur körperlichen als auch zur geistigen Gesundheit.

Typische Gesundheits­fragen in der Berufs­unfähigkeits­versicherung

Stellen­wert der Klauseln im Versicherungs­­vertrag

Eine wichtige Klausel im BU-Vertrag ist die so genannten Klausel zur abstrakten Verweisung. So ist es möglich, dass Versicherer die Versicherten im Falle der Berufs­unfähigkeit auffordern, einen mit dem vorherigen vergleichbaren Beruf auszuüben. Dies ist auch bei fehlender Anzeigepflicht möglich. Der Fall tritt insbesondere dann ein, wenn der Berufs­­wechsel erst kurz vor einem möglichen Leistungsfall stattfand. Versicherte sollten daher im Vertrag genau auf solche Klauseln achten. Die meisten fairen Versicherer verzichten auf diese abstrakte Verweisung.

Vorteilhafte Klauseln

Ebenso gibt es Klauseln, von denen Versicherte im Leistungsfall profitieren. Solche Klauseln und Regelungen legen verbindlich fest, dass sich die Versicherungs­leistung im Falle der Berufs­unfähigkeit tatsächlich nur auf den in der Berufs­klausel festgehaltenen Beruf bezieht. Zu diesem Zweck ist es wichtig, dass die Klausel auf genaue Spezifikationen des Jobs eingeht und der Beruf einer genau definierten Berufs­gruppe zugeordnet ist.

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