Brille kaputt – Wer zahlt?

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von Munkhjin Enkhsaikhan
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Das erwartet Sie hier

Was Sie tun können, wenn Ihre Brille kaputt geht und welche Versicherung dafür zahlt. Verschiedene Szenarien im Überblick.

Inhalt dieser Seite
  1. Überblick: Wann zahlt welche Versicherung?
  2. Wann zahlt die Haftpflicht?
  3. Wann zahlt die Hausrat­­versicherung?
  4. Brille kaputt wegen Arbeits­­unfall
  5. Lohnt sich eine Brillen­­versicherung?
  6. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Wenn die Brille kaputt geht, hängt es vor allem von den Umständen ab, welche Versicherung die Kosten trägt.
  • Hat ein Dritter Ihre Brille kaputt gemacht, ist die Haft­pflicht­ver­sicherung des Dritten zuständig.
  • Geht die Brille in der Wohnung durch Sturm, Feuer o. ä. kaputt, ersetzt die Hausrat­versicherung die Kosten.
  • Ist die Brille durch einen Arbeits­­unfall kaputt gegangen, tritt die Unfallkasse ein.
  • Umfassenden Schutz auch durch Verlust oder Diebstahl bietet eine extra Brillen­versicherung.

Brille kaputt – zahlt die Versicherung?

Auf diese 3 Umstände kommt es an

Geht eine Brille kaputt, hängt es vor allem von den Umständen ab, ob die Kosten von einer Versicherung übernommen werden. Je nachdem,

  • wie,
  • wo und
  • durch wen

die Brille zu Bruch ging, ist die Haftpflicht­versicherung, die Haus­rat­­versicherung, die Unfallkasse oder die Brillen­versicherung zuständig.

In den folgenden Kapiteln erläutern wir Ihnen mehrere mögliche Szenarien, was es dabei zu beachten gibt und welche Versicherung Ihnen weiterhilft. Klicken Sie in der Übersicht auf Ihren Fall, um direkt zum entsprechenden Textabschnitt zu gelangen:

Wann zahlt die Haftpflicht eine kaputte Brille?

In den meisten Fällen wird eine Brille durch eine dritte Person beschädigt. Ist dies der Fall, ist die Haftpflicht­versicherung der Person zuständig, die die Brille kaputt gemacht hat.

Denn: die private Haftpflicht kommt für Personen-, Vermögens­- und Sachschäden (kaputte Brille zählt hier als Sachschaden) auf, die der Versicherte (die Person, die Ihre Brille kaputt gemacht hat) einer dritten Person (also Ihnen) zufügt.

Beispiel: Brille kaputt durch Fußballspielen

Sie spielen in einem Fußballteam. Während eines Fußballspiels beschädigt ein Mitspieler Ihre Brille. Ihr Mitspieler als Schadens­ver­ursacher muss sich an seine private Haftpflicht­versicherung wenden. Diese erstattet Ihnen Schadensersatz­ für die kaputte Brille.

Experten-Tipp:

„Wird Ihre Brille durch eine dritte Person beschädigt, ist die Haft­pflicht­ver­sicherung zuständig. Diese übernimmt allerdings in der Regel nur den Zeitwert, nicht den Neuwert! Dies bedeutet, dass Sie den Wert ersetzt bekommen, den Ihre Brille zum Zeitpunkt des Bruchs besaß und nicht den Wert, den Sie beim Neukauf gezahlt haben. Aus diesem Grund kann es sich lohnen, zugleich eine eigene Brillen­versicherung abzuschließen.“

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Benjamin Mai
Berater

Zahlt meine Haftpflicht, wenn ich meine eigene Brille kaputt mache?

Wenn Sie Ihre eigene Brille kaputt gemacht haben, zahlt Ihre Haftpflicht nicht. Denn: Die Haftpflicht­versicherung springt nur ein, wenn Sie einer dritten Person einen Schaden zugefügt haben. Für Schäden an den eigenen Sachen, ist die Haftpflicht­versicherung nicht zuständig. Wenn Sie keine gesonderte Brillen­­versicherung abgeschlossen haben, müssen Sie die Kosten für eine neue Brille selbst tragen.

Eigenes Kind macht die Brille kaputt: Fall für die Versicherung?

Auch wenn das eigene Kind die Brille von Mutter oder Vater kaputt macht, ist das nicht über die Haftpflicht­versicherung abgedeckt. Denn für Schäden, die sich die Familienmitglieder gegenseitig zufügen, gilt der Versicherungs­schutz der Haftpflicht­versicherung nicht. Dabei spielt es keine Rolle ob das Kind deliktfähig ist oder nicht.

Mögliche Ausnahme: Lebt das Kind nicht mehr im gleichen Haushalt und hat eine eigene Haftpflicht­versicherung, übernimmt diese den Schaden des betroffenen Elternteils.

Brille geht im Kindergarten kaputt

Geht im Kindergarten eine Brille kaputt, sind die Beteiligten in der Regel Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren. Diese Kinder sind deliktunfähig und können aus diesem Grund nicht haftbar gemacht werden. Dementsprechend kommt auch die Haftpflicht­versicherung der Eltern nicht für den Schaden auf. Das gleiche gilt auch, wenn ein Baby eine Brille kaputt macht.

Manche Haftpflicht­versicherungen schließen inzwischen jedoch auf Wunsch auch deliktunfähige Kinder in den Versicherungs­schutz ein. In einem solchen Fall übernimmt die Haftpflicht der Eltern den Schaden an der kaputten Brille des anderen Kindes bzw. an eine dritte Person.

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Wann zahlt die Haus­rat­­versicherung eine kaputte Brille?

Eine Hausrat­versicherung kommt für Schäden am Hausrat auf, die aufgrund folgender Ereignisse entstanden sind:

  • Brand
  • Blitzschlag
  • Leitungswasser
  • Hagel
  • Sturm
  • Einbruchdiebstahl

Zum Hausrat gehören neben Möbeln auch sog. Ver- und Gebrauchsgegenstände, zu denen auch eine Brille zählt. Die Hausrat­versicherung übernimmt die Kosten einer kaputten Brille jedoch nur, wenn die Brille durch eine der oben genannten Schadensursachen beschädigt wird.

Wann die Hausrat­versicherung eine kaputte Brille nicht zahlt

  • Wenn eine dritte Person beteiligt war
  • Wenn der Versicherte einen Unfall hatte
  • Wenn es zum Diebstahl der Brille außerhalb der Wohnung kam

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Brille kaputt durch Arbeits­unfall – wer zahlt?

Arbeits­unfälle aller Art fallen in den Zuständigkeitsbereich der gesetzlichen Unfall­ver­sicherung bzw. der Unfallkasse. Egal ob ein Versicherter an seiner Arbeits­stelle stürzt, sich verbrennt und durch einen umfallenden Aktenschrank verletzt wird. Wenn klar ist, dass es sich um einen Arbeits­unfall handelt, ist die Unfallkasse zuständig. Geht bei einem Sturz auf Arbeit die Brille kaputt, übernimmt die Unfallkasse auch die Kosten für die kaputte Brille. Dies gilt auch für einen Unfall in der Kita oder in der Schule.

Unfallkasse übernimmt Kosten der kaputten Brille

Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen formuliert die Leistung bezüglich einer kaputten Brille folgendermaßen (Quelle):

  • „Hilfsmittel (z.B. Brillen, Hörgeräte, Prothesen), die bei einem Arbeits­unfall beschädigt werden oder verloren gehen, sind wiederherzustellen bzw. zu erneuern, wenn sie im Unfallzeitpunkt getragen worden sind.
  • Für Brillengläser werden die tatsächlichen Wiederherstellungskosten erstattet, sofern ein Nachweis darüber erbracht werden kann (Nennung des Optikers kann ausreichend sein).
  • Die Kosten für die Brillenfassung werden bei fehlendem Nachweis der Kosten der beschädigten oder verloren gegangenen Brille derzeit bis zur Höhe von 100 € erstattet; bei Nachweis bis 300 €.

Voraussetzung: Brille während Unfall aufgesetzt gewesen

Die Person muss die Brille zum Zeitpunkt der Beschädigung getragen haben. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Unfallkasse eine Brille erstattet, die durch einen Arbeits­unfall zu Bruch ging. Saß die Brille nicht auf der Nase des Geschädigten, besteht kein Versicherungs­schutz. Kein Versicherungs­schutz über die Unfallkasse besteht außerdem, wenn die Brille mutwillig vom Brillenträger beschädigt wurde oder wenn die Brille verloren geht.

Schadensbeispiele für eine kaputte Brille während der Arbeit

Arbeits­kollege beschädigt Brille

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Wenn ein Arbeits­kollege die Brille beschädigt, handelt es sich faktisch nicht um einen Arbeits­unfall. In einem solchen Fall ist die Haftpflicht­versicherung des Arbeits­kollegen zuständig, da er als Versicherter einer dritten Person einen Schaden zugefügt hat. Lesen Sie dazu auch den Abschnitt „Wann zahlt die Haftpflicht?“ .

Brille auf dem Arbeits­weg kaputt

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Kommt es zum Unfall, während sich der Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit bzw. auf dem Heimweg von der Arbeit befindet, ist er über die gesetzliche Unfall­versicherung abgesichert. Das gilt jedoch nur für den direkten Arbeits­- bzw. Heimweg. Dieses Szenario gilt in der Regel ebenfalls als Arbeits­unfall. Die Kosten der beschädigten Brille, die während des Unfalls zu Bruch ging, trägt dann die Unfallkasse.

Zur Erklärung: Wegeunfälle sind Unfälle, die sich auf dem direkten Weg zur Arbeit oder zurück ereignen. Versichert sind auch Umwege, die zum Beispiel nötig werden, um Kinder während der Arbeits­zeit unterzubringen oder bei Fahrgemeinschaften (Quelle).

Arbeits­brille kaputt

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Handelt es sich bei der kaputten Brille, um eine Arbeits­gerät, ist diese in der Regel über den Arbeitgeber versichert. Allerdings kann der Arbeitgeber davon abweichende Regelungen treffen. Wird die Arbeits­brille mutwillig beschädigt, kann der Arbeitgeber verlangen, dass der betreffende Mitarbeiter die Brille auf eigene Kosten ersetzt.

Spezielle Brillen­­versicherung für umfassenden Schutz

Wer dauerhaft auf eine Sehhilfe angewiesen ist, weiß um den Wert der Brille. Nicht nur die wiederkehrenden (teilweise hohen Kosten) für eine neue Brille bei Veränderung der Sehstärke sind ärgerlich. Auch ist der Brillenträger schlecht dran, wenn das Brillengestell beschädigt wird, die Brillengläser kaputt gehen oder die Brille verloren oder gestohlen wird. Dagegen kann man sich mit einer Brillenzusatz­versicherung schützen.

Zu den Leistungen einer Brillenzusatz­versicherung gehören u. a.:

  • Zuschüsse für Brillen und Kontaktlinsen
  • Vorsorge­untersuchungen beim Augenarzt
  • Erstattung der Kosten für Reparaturen

Einige Brillen­versicherungen übernehmen auch die Kosten bei Diebstahl oder Verlust der Brille. Hier gilt es, genau in die Ver­siche­rungs­be­din­gungen zu schauen und zu prüfen, was genau versichert ist und was nicht.

Brillen­versicherung beim Versicherer oder beim Optiker

Bei der Brillenzusatz­versicherung handelt es sich um eine private Kranken­zusatz­versicherung, die man bei vielen großen Versicherern abschließen kann. Eine Brillen­versicherung lässt sich meist auch direkt beim Optiker abschließen, beispielsweise, wenn Sie sich ohnehin eine neue Brille dort kaufen. Einige Optiker verfügen dabei über eigene Versicherungs­produkte, andere Optiker arbeiten mit großen Versicherern zusammen. Dabei gibt es wiederum auch Spezialkonzepte, die Optiker und Versicherer in Kooperation entwickelt haben. Lassen Sie sich am besten von einem Versicherungs­berater oder von Ihrem Optiker beraten, ob sich eine Brillen­versicherung für Sie persönlich lohnt.

Lieber direkt Brillenzusatz­versicherung abschließen?

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Fazit

Wenn eine Brille kaputt geht, kommt es erst einmal darauf an, wer sie wie und wo kaputt gemacht hat. Hat jemand anderes Ihre Brille beschädigt, dann muss dieser sich an seine Haftpflicht­versicherung wenden. Ist Ihre Brille bei einem Brand, Leitungswasserschaden oder bei Sturm und Hagel zu Hause kaputt gegangen, dann hilft Ihre Hausrat­versicherung. Geht die Brille bei einem Arbeits­unfall zu Bruch, erstattet dies die Unfallkasse.

Wenn Sie jedoch selbst Ihre Brille beschädigen, sie gestohlen wird oder Sie sich für den Fall absichern möchten, dass Sie sie verlieren, dann hilt nur eine leistungsstarke Brillenzusatz­versicherung. Achten Sie hierbei besonders. auf die versicherten Leistungen und die Kosten/Nutzen-Frage für Sie persönlich.

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Katharina Tennius
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