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Betriebliche Altersvorsorge kündigen

Die betriebliche Altersvorsorge ist nur ausnahmsweise kündbar. Doch das ist nicht empfehlenswert.
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ist grundsätzlich nicht möglich .
  • Ausnahmen gibt es aber, wenn der Arbeitgeber während einem laufenden Arbeitsverhältnis der Auflösung der Entgeltumwandlung zustimmt.
  • Wir raten Arbeitgebern davon ab, die Auszahlung des bAV-Kapitals zu genehmigen.
  • Besser ist es, die bAV auf beitragsfrei zu stellen. Doch auch hier müssen Arbeitnehmer mit Kürzungen der späteren Betriebsrente rechnen.
  • Damit Sie im Alter Ihren Lebensstandard aufrecht erhalten können, lohnt es sich, über eine alternative Vorsorge nachzudenken.

Ist die betriebliche Altersvorsorge kündbar?

Das Geld ist plötzlich knapp, man möchte sein Alterskapital frühzeitig investieren oder man ist schlicht nicht zufrieden mit dem Vertrag: Es gibt viele Gründe, die betriebliche Altersvorsorge (bAV) kündigen zu wollen. Nur ist dies grundsätzlich nicht möglich.

Geht es nach dem Gesetz, werden die Beiträge erst mit Erreichen des Rentenalters ausgezahlt. Schließlich will der Gesetzgeber, dass dank der bAV im Alter ein finanziell sorgenfreies Leben möglich ist und stärkt sie daher.

… mehr zur betrieblichen Altersvorsorge

Kündigung ist in Ausnahmefällen möglich

Trotzdem ist in gewissen Ausnahmefällen die Kündigung möglich – in der Regel funktioniert die Auszahlung des angesparten Kapitals aber nur bei den Durchführungswegen Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds. Allerdings muss der Arbeitgeber einverstanden sein, dass die Entgeltumwandlung aufgelöst werden soll. Dazu muss ein laufendes Arbeitsverhältnis bestehen. „Lässt sich ein Arbeitnehmer sein bAV-Kapital auszahlen und kündigt am nächsten Tag, ist dies unzulässig“, erklärt unser Spezialist für betriebliche Altersversorgung Frank Heide. Ausnahmen sind Kleinstanwartschaften (siehe Box).

Stimmt der Arbeitgeber also zu, kann der Mitarbeiter den bAV-Vertrag bei der Versicherung kündigen. Wichtig ist dabei auch, dass der Arbeitgeber die Versorgungszusage aufhebt, sagt Heide: „Sonst kann der Arbeitnehmer im Alter trotz gekündigter bAV-Police Ansprüche geltend machen.“ Die Kündigung ist also für den Arbeitnehmer mit einigem formalen Aufwand verbunden.

Für den Arbeitnehmer werden auf das ausgezahlte Kapital Steuern  und Sozialabgaben fällig. Im Grundsatz sind diese gleich wie die Abgaben auf die bAV-Bezüge im Alter.

… mehr zur Entgeltumwandlung
Auszahlung, wenn bAV-Kapital sehr gering ist

Bei Kleinstanwartschaften kann sich der Arbeitnehmer bei einem laufenden Arbeitsverhältnis sowie beim Jobwechsel einmalig abfinden lassen. Möglich ist dies, wenn die spätere Rente sehr gering ausfallen würde: In den alten Bundesländern liegt die Abfindungsgrenze 2019 bei 31,15 Euro und in den neuen bei  28,70 Euro. Das wäre dann ein Rentenkapital von 3.738,00 Euro resp. 3.444,00 Euro. 2020 steigt die Abfindungsgrenze voraussichtlich auf 31,85 Euro West und 30,10 Euro Ost an. Das ist ein Kapital von 3.822 resp. 3.612 Euro. Verlässt ein Mitarbeiter das Unternehmen, braucht der Chef nicht mal sein Einverständnis für eine Abfindung.

Warum wir von der Kündigung der bAV abraten

Unsere Spezialisten raten Unternehmen grundsätzlich davon ab, einer Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge zuzustimmen, sagt Frank Heide: „Ersten verfolgt ein Arbeitnehmer mit der bAV den Zweck, sein Einkommen im Alter aufzustocken. Das sollte man nicht so leichtfertig für einen aktuellen Investitionsbedarf aufs Spiel setzen.“ Zweitens gerät ein Arbeitgeber schnell in Zugzwang, wenn er einem Mitarbeiter die Kündigung der bAV bewilligt: „Weitere Arbeitnehmer könnten dann ebenfalls Ansprüche anmelden.“

So kommen Kündigungen der bAV in der Beratungspraxis von Heide relativ selten vor: „Insbesondere, wenn Arbeitgeber Zuschüsse zur bAV leisten, möchten sie nicht, dass das Geld für andere Zwecke verwendet wird.“

Unser Service für Sie

Falls Sie Fragen zur Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge haben, können Sie sich gerne an uns wenden. Unsere Spezialisten sind unter 030 – 120 82 82 8 oder kontakt@transparent-beraten.de erreichbar. Auch bei allen anderen Themen rund um die bAV beraten wir Sie gerne. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zu unserem Service.

Beitragsfreistellung: Die Alternativen zur Kündigung

Wer keine Beiträge mehr zur betrieblichen Altersvorsorge leisten will oder kann, sollte diese besser vorübergehend oder ganz auf beitragsfrei stellen, statt zu kündigen. Alternativ kann er die Beiträge auch reduzieren. Die betriebliche Altersvorsorge liegt dann sozusagen auf Eis, bleibt aber bestehen. Im Alter werden dann die Beiträge ausbezahlt, die man bis dahin angespart hat. Die Versicherung verlangt aber allenfalls Verwaltungsgebühren bei einer Beitragsfreistellung.

Zudem fallen die späteren Altersleistungen geringer aus, als ursprünglich vereinbart wurde. Damit man seinen Lebensstandard im Ruhestand halten kann, sollte man sich möglicherweise über eine alternative Altersvorsorge Gedanken machen wie eine Riester– order Rürup-Rente. Denn die gesetzliche Rente reicht in der Regel nicht.

Kann die bAV beim Jobwechsel gekündigt werden?

Wie bereits weiter oben beschrieben, ist beim Jobwechsel die Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge nicht möglich – Ausnahmen sind Auszahlungen bei Kleinstanwartschaften. Der Arbeitnehmer kann seinen Vertrag aber auf beitragsfrei stellen, zum neuen Arbeitgeber übertragen oder privat weiterführen.

Möglich ist auch eine sogenannte Deckungskapitalübertragung. Der Arbeitnehmer löst den bestehenden Vertrag bei einer bestimmten Versicherung auf und überträgt das Kapital zu der Versicherung des neuen Arbeitgebers: „Grundlage sind die dann neuen, aktuellen Vertragsbedingungen. Versicherungen verlangen in der Regel keine neuen Abschlussgebühren für diesen Schritt“, sagt Frank Heide.

… mehr zur betrieblichen Altersvorsorge beim Jobwechsel

Kann die Versicherung bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis gewechselt werden?

Vielleicht sind manche Arbeitnehmer mit ihrer Versicherung nicht mehr glücklich und möchten die bAV deshalb kündigen. Grundsätzlich ist es möglich, dass sie das angesparte Kapital dann einfach in eine neue private Versicherung einzahlen. Nur lohnt sich dies finanziell meistens nicht, sagt Frank Heide: „Denn die Versicherungen verlangen für den Vertragsabschluss Gebühren und die Bedingungen sind allenfalls nicht mehr gleich gut wie beim alten Vertrag. Die Übertragung ist also nicht kostenlos wie beim Jobwechsel.“ 

Fazit: Kündigung der bAV lohnt sich nicht

Bevor Sie Ihre betriebliche Altersvorsorge kündigen wollen, sollten Sie beachten: Die Kündigung ist nur in Ausnahmefällen mit dem Einverständnis des Arbeitgebers möglich und lohnt sich nicht wirklich – selbst wenn man sich aktuell unbedingt etwas leisten möchte oder die Finanzen knapp sind.

Besser ist es, die Beiträge einzustellen, doch auch dieser Schritt mindert Ihre künftige Betriebsrente. Und die gesetzliche Rente reicht in der Regel kaum dafür aus, damit Sie sich im Alter einen angemessenen Lebensstandard leisten können. Allenfalls könnten Sie sich überlegen, an einem anderen Ort zu sparen als an Ihrer Altersvorsorge.

Wenn Sie bei der Entscheidung Hilfe benötigen oder Ihnen Alternativen zur Kündigung aufgezeigt werden sollen, beraten Sie unsere Experten gerne. Wir sind von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr erreichbar. Unsere Kontaktdaten sind: 030 – 120 82 82 8 oder unter kontakt@transparent-beraten.de.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 02.12.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Maja Sommerhalder
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