Betriebliche Altersvorsorge: Auch mit Minijob möglich (2022)

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Wie auch Minijobber von der betrieblichen Altersvorsorge profitieren können, um die Rentenlücke im Alter mithilfe des Chefs zu schließen.

Inhalt dieser Seite
  1. Geringer Rentenanspruch bei Minijob
  2. So sieht die bAV für Minijobber aus
  3. Fazit

Das Wichtigste in Kürze

  • Besonders von Altersarmut betroffen sind Frauen, die wegen ihrer Erziehungs­pflichten häufig mit einem Minijob etwas zum Lebensunterhalt beisteuern.
  • Jedoch soll auch ihnen das Recht auf Vorsorge nicht verwehrt werden, sodass sich fortan die Arbeitgeber mit der betrieblichen Altersvorsorge an der Rente des Minijobbers beteiligen.

Geringer Rentenanspruch bei Verzicht auf Versicherungsfreiheit

Seit 2013 unterliegen geringfügig Beschäftigte (Minijobber) der Renten­versicherungspflicht. Mit dieser Pflicht soll ein erhöhtes Altersarmutsrisiko abgemildert werden. Jedoch haben geringfügig Beschäftigte die Möglichkeit, sich von der Renten­versicherungspflicht freistellen zu lassen. Dabei beträgt der Beitragssatz zur ­gesetzlichen Renten­versicherung 18,7 Prozent. Unabhängig davon, ob sich der Arbeitnehmer für oder gegen die Renten­versicherungspflicht entscheidet, übernimmt der Arbeitgeber pauschal 15 Prozent des zu zahlenden Rentenbeitrags. Entscheidet sich der Arbeitnehmer hingegen zur Zahlung des Beitragssatzes, wird der Satz um 3,7 Prozent aufgestockt. Diese 3,7 Prozent werden von dem 450-Euro-Gehalt abgezogen und fließen in die Beitragszeiten der ­gesetzlichen Renten­versicherung. Monetarisch betrachtet, werden dem Arbeitnehmer von den 450 Euro 16,65 Euro für die Renten­versicherung abgezogen, sodass ihm ein Entgelt von 433,35 Euro monatlich ausgezahlt wird. Bei andauernder mindestens einjähriger Beitragszahlung entsteht dem Arbeitnehmer ein zusätzlicher Rentenanspruch von monatlich 4,35 Euro.

Minijob besser gestellt mit betrieblicher Altersvorsorge

Wie bereits erwähnt, haben geringfügig Beschäftigte die Wahl, ob sie Beiträge zur ­gesetzlichen Renten­versicherung zahlen oder nicht. Entscheiden sie sich für die Beitragszahlung, haben sie einen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge.

Idee der Minijobrente

Während ein sozial­versicherungspflichtiger Arbeitnehmer Teile seines Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge investiert, erfahren Minijobber eine andere Herangehensweise. Im Zuge dessen sparen sie mit ihrer Arbeitszeit für die betriebliche Altersvorsorge. Konkret bedeutet dies, dass der Arbeitnehmer Mehrarbeit bzw. Überstunden leistet. Statt für die geleisteten Überstunden angemessen bezahlt zu werden, fließt diese Art Lohnerhöhung als Rentenbeitrag in die betriebliche Altersvorsorge des Minijobbers. Damit erwirtschaften sie eine zusätzliche Altersvorsorge ohne Einkommenseinbußen verschmerzen zu müssen. Mit einer Überstunde pro Tag sichern sie sich eine solide Altersvorsorge.

Betriebliche Altersvorsorge für Minijobber

Rechenbeispiel zur Entgeltumwandlung

Der Stundenlohn einer 35-jährigen Minijobberin beläuft sich auf 10 Euro. Im Zuge der Entgeltumwandlung arbeitet sie nun monatlich 20 Stunden mehr als gewöhnlich. Den monatlichen Zusatzertrag in Höhe von 200 Euro kann sie in eine Direkt­versicherung investieren. Mit der Investition in eine Direkt­versicherung hat sie im Rentenalter mit 65 Jahren einen Betriebsrentenanspruch von 316 Euro. Rechnet man noch die Überschussbeteiligungen hinzu, wächst der Anspruch auf 645 Euro pro Monat. Somit stellt die betriebliche Altersvorsorge für beide Parteien eine Gewinnsituation dar. Der Arbeitgeber kann seine Produktivität und die Motivation jedes einzelnen Arbeitnehmers steigern, während der Arbeitnehmer eine Hartz-IV sichere Altersvorsorge ohne finanzielle Belastung aufbaut.

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Status als geringfügig Beschäftigter bleibt

Obwohl der Arbeitnehmer rechnerisch mehr verdient, bleibt ihm sein Status als Minijobber auch weiterhin erhalten. Der Arbeitgeber ist lediglich dazu verpflichtet, die Beiträge zur Renten- und Kranken­versicherung (zur ­gesetzlichen Kranken­versicherung) sowie die Einkommensteuer abzuführen. Im Gegensatz dazu bleiben die geleisteten Überstunden steuer- und sozialabgabenfrei. Auf die Weise können die Arbeitgeberkosten für jede zusätzliche Arbeitsstunde gesenkt werden. Des Weiteren kann die Minijobrente bei einem Arbeitgeberwechsel in der Regel problemlos mitgenommen und dort weitergeführt werden.

Sozial­versicherungspflichtige Beschäftigung ist dennoch besser

Die Minijobrente mag zwar ihre Vorzüge haben, jedoch sind Arbeitnehmer in einer Festanstellung weitaus günstiger für den Arbeitgeber. Bei Anstellung von Minijobbern müssen Arbeitgeber Abgaben in Höhe von 30 Prozent entrichten, während sich der Abgaben­anteil eines Festangestellten auf 20 Prozent beläuft. Gehen Arbeitnehmer einer sozial­versicherungspflichtigen Beschäftigung nach, können sie ab einer Verdiensthöhe von 451 Euro Leistungen aus der Sozial­versicherung geltend machen. Hierzu gehören zum Beispiel Arbeitslosengeld, Krankengeld, Reha­maßnahmen oder Mutterschaftsgeld der Krankenkasse. Eben diese Leistungen werden einem Minijobber verwehrt.

Fazit

Ein geringfügig Beschäftigter besitzt nur geringe finanzielle Möglichkeiten und sollte diese am besten in die eigene Altersvorsorge investieren. Schließlich hat man bei unzureichender Vorsorge eine entsprechend niedrige Rente zu erwarten. Ein gutes Instrument zur privaten Altersvorsorge stellt die Minijobrente dar, die geleistete Überstunden als Ansparfaktor zugrundelegt.

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