Das erwartet Sie hier
Wann die Infektionsklausel in der BU zahlt, wie Sie eine gute Klausel erkennen und was der Staat bei Tätigkeitsverboten leistet.
Inhalt dieser Seite- Was ist die Infektionsklausel in der BU?
- Wann droht ein Tätigkeitsverbot?
- Warum reicht die gesetzliche Entschädigung nicht aus?
- Für wen ist die Infektionsklausel besonders wichtig?
- So sieht eine faire Infektionsklausel in der BU aus
- Infektionsklausel in Unfallversicherung und KlinikRente
- Wie läuft der Leistungsfall bei einem Tätigkeitsverbot ab?
- Wie finden Sie eine BU mit guter Infektionsklausel?
- Häufige Fragen zur Infektionsklausel in der BU
Das Wichtigste in Kürze
- Die Infektionsklausel in der BU (auch Infektionsschutzklausel) stellt ein Tätigkeitsverbot wegen einer von Ihnen ausgehenden Ansteckungsgefahr der Berufsunfähigkeit gleich, auch wenn Sie körperlich noch arbeiten könnten.
- Ohne Klausel ist eine BU-Rente bei einem reinen Tätigkeitsverbot rechtlich umstritten, mit Klausel ist das Verbot selbst der Auslöser für die Leistung.
- Die Entschädigung nach § 56 Infektionsschutzgesetz bei einem Tätigkeitsverbot bekommen nur Menschen, die nicht krank sind: sechs Wochen den vollen Nettoverdienst, danach 67 Prozent, höchstens 2.016 Euro je vollem Monat.
- Eine faire Klausel gilt für alle Berufe, zahlt schon bei einem Teilverbot ab 50 Prozent und erfasst auch Verbote kraft Gesetzes oder aus dem Hygieneplan.
- Eine Quarantäne ist rechtlich kein Tätigkeitsverbot, die Infektionsklausel greift dabei in aller Regel nicht.

Patrick Knittel
Unser Experte für die Berufsunfähigkeitsversicherung
Gesund, aber nicht arbeiten dürfen …
Eine Chirurgin trägt ohne Beschwerden Hepatitis-B-Viren in sich und darf plötzlich nicht mehr operieren. Körperlich könnte sie weiterarbeiten, doch nun stellt sich die Frage, ob ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt. Ohne Infektionsklausel ist ihre BU-Rente in dieser Lage rechtlich umstritten. Mit einer gut formulierten Klausel ist das Verbot selbst der Auslöser für die Leistung. Wer im Gesundheitswesen, in der Küche oder in der Kita arbeitet, sollte diesen Unterschied kennen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, worauf es bei der Klausel ankommt.
Was ist die Infektionsklausel in der BU?
Die Infektionsklausel in der BU ist eine Regel in den Versicherungsbedingungen Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Sie legt fest, dass Sie als berufsunfähig gelten, wenn Ihnen wegen einer von Ihnen ausgehenden Infektionsgefahr die Arbeit ganz oder teilweise verboten wird. Das gilt auch dann, wenn Sie sich gesund fühlen und körperlich arbeiten könnten. Im Markt heißt dieselbe Regel auch Infektionsschutzklausel.
Die Klausel ist keine gesetzliche Regelung, sondern eine freiwillige Erweiterung des BU-Begriffs, die jede BU-Versicherung selbst festlegt. Selbst die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für die BU sehen keine Infektionsklausel vor (Quelle: GDV). Ob Ihr Tarif eine enthält und wie weit sie reicht, steht deshalb allein in Ihren Bedingungen.
Zahlt die BU bei einem Tätigkeitsverbot auch ohne Klausel?
Ohne Infektionsklausel ist eine BU-Rente bei einem reinen Tätigkeitsverbot umstritten. Der Grund liegt im Gesetz. Berufsunfähig ist nach § 172 Absatz 2 Versicherungsvertragsgesetz (VVG), wer seinen Beruf „infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall“ nicht mehr ausüben kann (Quelle: VVG § 172). Bei einem Verbot können Sie meist noch arbeiten. Sie dürfen es nur nicht.
Dazu gibt es zwei Lesarten. Nach der engen Lesart fehlt bei einem bloßen Verbot die gesundheitliche Einschränkung, die das Gesetz verlangt. Nach der weiten Lesart, der sogenannten mittelbaren Berufsunfähigkeit, genügt es, dass die Ursache „infolge Krankheit“ eintritt. Wer wegen seiner Infektion nicht arbeiten darf, wäre danach auch ohne Klausel berufsunfähig.
Die weite Lesart vertreten mehrere Versicherungsexperten und der Rückversicherer Gen Re in einem Fachbeitrag von 2018 (Quelle: Gen Re, NetLetter Risk und Claims 2/2018). Ein veröffentlichtes Urteil, das die Frage entscheidet, ist uns bisher nicht bekannt. Im Streitfall müssten Sie Ihren Anspruch also erst durchsetzen. Mit Klausel ist das Verbot selbst der Leistungsauslöser, und genau darin liegt ihr praktischer Wert.
Wann nur die Klausel hilft: Ausscheider und Ansteckungsverdächtige
Für einen Teil der Betroffenen trägt die weite Lesart kaum. Ein Tätigkeitsverbot trifft nämlich nicht nur Kranke, sondern auch Ausscheider und Ansteckungsverdächtige. Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) beschreibt beide als Personen, die Erreger ausscheiden oder aufgenommen haben, „ohne krank“ zu sein (Quelle: IfSG § 2). Wo das Gesetz selbst keine Krankheit sieht, fehlt der Ansatzpunkt für § 172 VVG.
Ein Beispiel ist ein Koch, der ohne Beschwerden dauerhaft Salmonellen ausscheidet. Ein anderes ist eine Chirurgin, die ohne Symptome Hepatitis-B-Viren in sich trägt. Ob solche Träger im Sinne der BU als krank gelten, hat bisher niemand verbindlich geklärt. Für sie ist eine gut formulierte Infektionsklausel der verlässlichste Weg zur BU-Rente.
Brauche ich eine Infektionsklausel in der BU? Ein Wegweiser nach Beruf
Eine Infektionsklausel brauchen Sie vor allem, wenn Sie im Gesundheitswesen, in Küche und Lebensmittelbetrieb, in Kita oder Schule arbeiten oder selbständig sind. Für diese Arbeitsplätze sehen das Infektionsschutzgesetz oder die Hygienepläne der Einrichtungen eigene Tätigkeitsverbote vor, und Selbständigen fehlt die Entgeltfortzahlung. Für alle anderen Berufe zählt vor allem eine gute BU insgesamt. Was für Ihren Beruf gilt, zeigt dieser Wegweiser:
- Klinik und Praxis → Mehr dazu im Abschnitt „Ärzte und Zahnärzte“
- Pflege, Kreißsaal und Rettungsdienst → Mehr dazu im Abschnitt „Pflegekräfte, Hebammen und Rettungsdienst“
- Küche, Lebensmittelbetrieb, Kita und Schule → Mehr dazu im Abschnitt „Küche, Lebensmittelbetrieb, Kita und Schule“
- Eigene Praxis oder eigener Betrieb → Mehr dazu im Abschnitt „Selbständige“
Eine BU mit starker Infektionsklausel finden
Ob und wie weit Ihr künftiger Tarif bei einem Tätigkeitsverbot zahlt, steht allein in den Bedingungen. Unsere Experten vergleichen vor dem Abschluss die Infektionsklauseln vieler Versicherer, kostenfrei und unverbindlich.
- Klausel passend zu Ihrem Beruf ausgewählt
- Anonyme Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen
- Unsere BU-Beratung ist von Finanztip empfohlen
Wann droht ein Tätigkeitsverbot?
Ein Tätigkeitsverbot droht, wenn von Ihnen eine Ansteckungsgefahr für andere Menschen ausgeht. Es entsteht auf drei Wegen: durch eine Verfügung der zuständigen Behörde, automatisch kraft Gesetzes in Kita, Schule und Lebensmittelbetrieb oder faktisch durch Arbeitgeber, Betriebsarzt und Hygieneplan. Für die Infektionsklausel ist dieser Unterschied entscheidend, denn nicht jede Klausel erfasst alle drei Wege.
Die Behörde verbietet bestimmte Tätigkeiten
Nach § 31 Infektionsschutzgesetz (IfSG) kann die zuständige Behörde Kranken, Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern „die Ausübung bestimmter beruflicher Tätigkeiten ganz oder teilweise untersagen“ (Quelle: IfSG § 31). Die Regel gilt für jeden Beruf, nicht nur für Heilberufe. Das Verbot kann sich auf einzelne Tätigkeiten wie Operationen beschränken. Andere Aufgaben bleiben dann weiter erlaubt.
Den Anstoß gibt in der Regel eine Meldung an das Gesundheitsamt. Melden müssen der feststellende Arzt oder das Labor, nicht Sie selbst (Quelle: IfSG § 8). Eine Meldepflicht ist aber keine Voraussetzung für ein Verbot. Die Regel für Tätigkeitsverbote knüpft nicht an die Liste der meldepflichtigen Krankheiten an.
Das Gesetz verbietet automatisch: Kita, Schule und Lebensmittel
In zwei Bereichen gilt ein Tätigkeitsverbot kraft Gesetzes, also ohne Bescheid. In Kitas, Horten, Schulen, Heimen und Ferienlagern dürfen Beschäftigte mit bestimmten Krankheiten keine Tätigkeiten mit Kontakt zu den Betreuten ausüben (Quelle: IfSG § 34). Die Liste umfasst 22 Krankheiten, darunter Masern, Windpocken, Scharlach, Keuchhusten und ansteckungsfähige Lungentuberkulose. Das Verbot endet, sobald nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist.
Im Lebensmittelbereich darf nicht mit bestimmten Lebensmitteln arbeiten, wer an Typhus, Paratyphus, Cholera, Shigellenruhr, Salmonellose, einer anderen infektiösen Gastroenteritis oder Hepatitis A oder E erkrankt ist (Quelle: IfSG § 42). Dasselbe gilt bei infizierten Wunden und Hautkrankheiten, deren Erreger über Lebensmittel übertragbar sind. Auch wer Salmonellen, Shigellen, enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) oder Choleraerreger nur ausscheidet, ist betroffen.
Das Verbot gilt in Küchen von Gaststätten und in der Gemeinschaftsverpflegung. Es gilt außerdem beim Herstellen, Behandeln und Verkaufen etwa von Fleisch, Milchprodukten, Fisch, Speiseeis und Feinkostsalaten. Bäckereien sind nur bei Backwaren mit nicht durchgebackener Füllung oder Auflage erfasst, etwa bei Sahnetorten. Wer nur Brot backt, fällt nicht unter die Regel.
Betriebsarzt und Hygieneplan: Verbote ohne Behörde
Im Gesundheitswesen entscheidet oft gar keine Behörde. Bei HIV-positivem Personal klären Betriebsarzt und Beschäftigter zunächst gemeinsam, ob Dritte gefährdet sind, und ziehen bei Bedarf ein Expertengremium hinzu (Quelle: Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und Gesellschaft für Virologie (GfV)). Ergebnis kann die Weiterbeschäftigung in Bereichen ohne Übertragungsrisiko sein.
Bei HIV fehlt zudem oft schon der Weg über das Gesundheitsamt. Die Infektion ist nach dem Infektionsschutzgesetz nur nichtnamentlich meldepflichtig (Quelle: IfSG § 7). Das Amt kennt die betroffene Person dann in der Regel nicht. Einen Bescheid, den Sie Ihrem Versicherer vorlegen könnten, gibt es in solchen Fällen meist nicht.
Krankenhäuser, Entbindungseinrichtungen und Rettungsdienste müssen ihre Regeln zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festlegen (Quelle: IfSG § 23). Für Pflegeheime und ambulante Pflegedienste gilt eine entsprechende Pflicht nach § 35 IfSG. Aus diesen Plänen können Einsatzbeschränkungen folgen, etwa bei einer Besiedlung mit multiresistenten Keimen. Eine Klausel, die nur Behördenbescheide anerkennt, greift in solchen Fällen nicht.
Welche Infektionen zu langen Verboten führen
Für die Infektionsklausel zählen vor allem lange Verbote, weil viele Tarife eine Dauer von mindestens sechs Monaten verlangen. Die meisten Infektionen sind dafür zu kurz ansteckend. Salmonellen etwa scheiden Erwachsene im Durchschnitt einen Monat lang aus (Quelle: Robert Koch-Institut (RKI)). Norovirus, Windpocken oder Scharlach führen meist nur zu Verboten von Tagen bis Wochen.
Lange Verbote entstehen vor allem durch chronische Infektionen, die über Blut übertragen werden: Hepatitis B, Hepatitis C und HIV. Das RKI zählte 2025 bundesweit 17.547 Hepatitis-B-Fälle, davon 7.627 chronische (Quelle: RKI). Relevant ist das vor allem für Ärzte und Zahnärzte, die Eingriffe mit Verletzungsgefahr durchführen.
Seltene, aber echte Langzeitfälle sind Dauerausscheider von Typhuserregern. Laut RKI scheiden bei Typhus zwei bis fünf Prozent der Infizierten mindestens ein Jahr lang Erreger aus, unabhängig von einer Therapie. Bei Paratyphus kommt eine solche Dauerausscheidung seltener vor (Quelle: RKI). Für Beschäftigte in der Küche ist das der typische Fall, in dem die Klausel zum Tragen kommt.
Wie oft Behörden solche Verbote verhängen, erfasst keine bundesweite Statistik. Einen Anhaltspunkt liefert Sachsen: Dort gingen vor der Pandemie nur Anträge in niedriger zweistelliger Zahl pro Jahr auf die staatliche Entschädigung bei Tätigkeitsverboten ein (Quelle: Sächsischer Rechnungshof). Das spricht dafür, dass Verbote mit Verdienstausfall außerhalb von Pandemien selten sind.
Quarantäne ist kein Tätigkeitsverbot
Eine Quarantäne ist rechtlich eine Absonderung und kein berufliches Tätigkeitsverbot (Quelle: IfSG § 30). Sie trennt Sie räumlich von anderen Menschen, statt Ihnen bestimmte Arbeiten zu untersagen. Infektionsklauseln knüpfen an Tätigkeitsverbote an.
Deshalb war auch die Corona-Pandemie kein typischer Anwendungsfall, denn die meisten Maßnahmen waren Absonderungen. Die Sorge vor der nächsten Pandemie ist daher kein gutes Kaufargument. Wie selten solche Pandemien sind, zeigt eine Studie von Marani und Kollegen in der 2023 korrigierten Fassung. Danach tritt eine Pandemie vom Ausmaß von COVID-19 im Schnitt etwa alle 129 Jahre auf, rechnerisch rund 0,8 Prozent pro Jahr (Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), Korrektur zu Marani et al., 2023).
Auch andere Verbote fallen nicht unter die Klausel, weil die Gefahr nicht von Ihnen ausgeht. Dazu zählen ein Beschäftigungsverbot im Mutterschutz, wenn einer schwangeren Erzieherin der Immunschutz fehlt, Betriebsschließungen und Verbote wegen eines fehlenden Impfnachweises. Gängige Klauseln verlangen ausdrücklich eine Infektionsgefahr, die von der versicherten Person ausgeht, so etwa die Bedingungen der LV 1871 (Stand 02.2025).
Selbsttest: Greift die Infektionsklausel in Ihrem Fall?
Ob die Infektionsklausel greift, klären fünf Fragen, die Sie der Reihe nach beantworten. Lautet eine Antwort „nein“, zahlt die Klausel in aller Regel nicht. Welche Antworten Ihr Tarif genau verlangt, steht allein im Wortlaut Ihrer Bedingungen.
- Wird Ihnen eine berufliche Tätigkeit verboten?
Eine Quarantäne ist eine Absonderung und zählt nicht. - Geht die Ansteckungsgefahr von Ihnen aus?
Betriebsschließungen, ein fehlender Impfnachweis und ein Beschäftigungsverbot im Mutterschutz zählen nicht. - Erkennt Ihre Klausel die Art des Verbots an?
Manche Klauseln erfassen nur die Verfügung der Behörde, nicht das Verbot kraft Gesetzes oder aus dem Hygieneplan. - Dauert das Verbot voraussichtlich sechs Monate oder länger?
Viele Tarife verlangen diese Mindestdauer. - Betrifft das Verbot mindestens die Hälfte Ihrer Arbeit oder eine prägende Kerntätigkeit?
Ein reines Operationsverbot bleibt oft unter 50 Prozent.
Eine zehntägige Quarantäne scheitert schon an Frage 1, eine Betriebsschließung im Lockdown an Frage 2. Wie die Fragen im Ernstfall wirken, zeigt ein frei gewählter Beispielfall.
Dauerausscheider in der Großküche
Ein Kantinenkoch scheidet nach einer Typhus-Erkrankung ohne Beschwerden weiter Typhus-Salmonellen aus. Er darf deshalb kraft § 42 IfSG nicht mit Lebensmitteln arbeiten, ganz ohne Bescheid der Behörde.
Für den Koch als Dauerausscheider ist die Mindestdauer von sechs Monaten realistisch, und das Verbot trifft fast seine gesamte Arbeit. Das ist der typische Anwendungsfall der Infektionsklausel. Zahlen muss sie aber nur, wenn sie ausdrücklich auch Verbote kraft Gesetzes anerkennt.
Experten-Tipp:
Der grüne Haken sagt nichts über den Hygieneplan
„In Leistungsvergleichen trägt praktisch jeder BU-Tarif den grünen Haken bei der Infektionsklausel. Ob ein Verbot durch Betriebsarzt, Gremium oder Hygieneplan zählt, zeigt er nicht. Genau so entstehen Verbote in Klinik und Pflege aber oft, ganz ohne Bescheid vom Gesundheitsamt. Lesen Sie deshalb den Wortlaut: Stark ist eine Klausel, die den Hygieneplan anerkennt oder den Versicherer die Ansteckungsgefahr selbst beurteilen lässt.“
Warum reicht die gesetzliche Entschädigung nicht aus?
Die Entschädigung nach § 56 Infektionsschutzgesetz (IfSG) gibt es bei einem Tätigkeitsverbot nur für Menschen, die nicht krank sind, und sie ist gedeckelt. In den ersten sechs Wochen ersetzt sie den vollen Nettoverdienst. Ab der siebten Woche gibt es 67 Prozent, für einen vollen Monat aber höchstens 2.016 Euro (Quelle: IfSG § 56). Wer mehr verdient oder schon bei Beginn des Verbots krank ist, hat eine deutliche Lücke.
Wer die Entschädigung bekommt
Anspruch haben Ausscheider, Ansteckungsverdächtige, Krankheitsverdächtige und sonstige Träger von Krankheitserregern, die einem Tätigkeitsverbot unterliegen. Kranke stehen nicht in der Liste. Wer während des Bezugs arbeitsunfähig wird, behält den Anspruch aber nach § 56 Absatz 7 IfSG. Die Entschädigung gilt für Angestellte ebenso wie für Selbständige. Bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber die ersten sechs Wochen aus und bekommt das Geld von der Behörde erstattet.
Als Verdienstausfall gilt das Netto-Arbeitsentgelt. Bei Selbständigen ist die Basis ein Zwölftel des jährlichen Arbeitseinkommens, abzüglich Steuern und Vorsorgeaufwendungen. Eine zeitliche Obergrenze gibt es bei Tätigkeitsverboten nicht. Die oft genannte Grenze von zehn Wochen gilt nur für die Entschädigung bei Kinderbetreuung. Den Antrag stellen Sie innerhalb von zwei Jahren nach Einstellung der verbotenen Tätigkeit.
Kein Anspruch besteht, wenn eine öffentlich empfohlene Impfung das Verbot hätte verhindern können. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2025 entschieden, dass dafür schon die Möglichkeit genügt, dass die Impfung die Infektion verhindert hätte (Quelle: Bundesverwaltungsgericht). Beschäftigte im Gesundheitswesen sollten ihren Hepatitis-B-Impfschutz auch deshalb im Blick behalten.
Wer krank ist, bekommt Entgeltfortzahlung und Krankengeld
Sind Sie tatsächlich erkrankt und arbeitsunfähig, gilt das normale Krankheitsrecht. Angestellte bekommen bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber (Quelle: Entgeltfortzahlungsgesetz § 3). Der Anspruch entsteht nach vier Wochen im Arbeitsverhältnis. Die staatliche Entschädigung für Tätigkeitsverbote spielt in dieser Zeit keine Rolle.
Danach zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld: 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoentgelts, höchstens 90 Prozent des Nettos (Quelle: § 47 SGB V). Für dieselbe Krankheit gibt es Krankengeld nach § 48 SGB V längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Die eigentliche Lücke betrifft deshalb vor allem gesunde Träger mit höherem Einkommen und Selbständige.
Rechenbeispiel: Entschädigung und BU-Rente über zwölf Monate
Das folgende Beispiel zeigt die Lücke bei einem Tätigkeitsverbot über zwölf Monate. Einkommen und BU-Renten sind frei gewählte Beispielwerte. Angenommen ist jeweils, dass die Person nicht krank ist, sondern Erreger trägt oder ausscheidet, keine Ersatztätigkeit ausübt und die Voraussetzungen ihrer Infektionsklausel erfüllt. Gerechnet ist mit 52 Wochen, davon sechs mit vollem Ersatz (eigene Berechnung nach § 56 IfSG).
| Posten | Angestellter Koch, Salmonellen-Ausscheider | Angestellte Oberärztin, Hepatitis-B-Trägerin | Selbständiger Zahnarzt, Praxis ruht |
|---|---|---|---|
| Nettoeinkommen je Monat (Annahme) | 2.300 € | 5.000 € | 7.000 € |
| Woche 1–6 (voller Verdienstausfall) | 3.184,62 € | 6.923,08 € | 9.692,31 € |
| Woche 7–52 (67 %, höchstens 2.016 € je Monat) | 16.358,31 € | 21.400,62 € | 21.400,62 € |
| Entschädigung über 12 Monate | 19.542,92 € | 28.323,69 € | 31.092,92 € |
| Bisheriges Netto über 12 Monate | 27.600,00 € | 60.000,00 € | 84.000,00 € |
| Lücke ohne BU | 8.057,08 € (rund 29 %) | 31.676,31 € (rund 53 %) | 52.907,08 € (rund 63 %) |
| BU-Rente über 12 Monate, vor Steuern (Annahme) | 18.000 € (1.500 € je Monat) | 36.000 € (3.000 € je Monat) | 36.000 € (3.000 € je Monat) |
Der Deckel greift ab einem Nettoverdienst von rund 3.009 Euro im Monat, denn 67 Prozent davon ergeben 2.016 Euro. Darunter ersetzt der Staat ab der siebten Woche volle 67 Prozent, darüber nur 2.016 Euro. Der Oberärztin und dem selbständigen Zahnarzt fehlt deshalb mehr als die Hälfte des Einkommens. Beim Zahnarzt kann ein Ersatz von Betriebsausgaben hinzukommen, er ist hier nicht eingerechnet.
Beim Koch fällt die Lücke mit rund 29 Prozent kleiner aus. Die BU-Rente schützt ihn aber zusätzlich vor einer gesundheitlichen Berufsunfähigkeit, die staatliche Entschädigung nicht. Nach dem Wortlaut von § 56 IfSG wird eine private BU-Rente nicht auf die Entschädigung angerechnet. Welche Rentenhöhe für Praxisinhaber sinnvoll ist, zeigt unsere Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Zahnärzte.
- Koch mit 2.300 € netto29 %
- Oberärztin mit 5.000 € netto53 %
- Zahnarzt mit 7.000 € netto63 %
Quelle: Beispielrechnung nach § 56 IfSG
Experten-Tipp:
Für Gutverdiener ist die staatliche Entschädigung nur eine Überbrückung
„Viele verlassen sich bei einem Verbot auf die staatliche Entschädigung. Doch sie ist gedeckelt und für Gutverdiener nur eine Überbrückung. Einer Oberärztin oder einem Zahnarzt mit eigener Praxis fehlt bei einem Jahr Verbot trotz Entschädigung mehr als die Hälfte des Einkommens. Richten Sie Ihre BU-Rente am Nettoeinkommen aus. Und wählen Sie eine Klausel, die schon beim Teilverbot zahlt, denn das Gesetz erlaubt der Behörde, nur einzelne Tätigkeiten zu untersagen.“
Mit der passenden Berufsunfähigkeitsversicherung gegen die Lücke vorsorgen
Finanztip empfiehlt unsere Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Wir ermitteln mit Ihnen, welche BU-Rente zu Ihrem Einkommen passt, und vergleichen dazu die Infektionsklauseln vieler Versicherer.
- Rentenhöhe passend zu Ihrem Nettoeinkommen
- Teilverbot und Hygieneplan im Wortlaut geprüft
- Anonyme Risikovoranfrage, falls Sie Vorerkrankungen haben
Für wen ist die Infektionsklausel besonders wichtig?
Besonders wichtig ist die Infektionsklausel für Heilberufe mit Blutkontakt: operativ tätige Ärzte, Zahnärzte, Pflegekräfte, Hebammen und den Rettungsdienst. Danach folgen Beschäftigte in Küchen und Lebensmittelbetrieben sowie in Kitas und Schulen. Für Selbständige ist die Klausel wichtiger als für Angestellte, weil ihnen die Entgeltfortzahlung fehlt.
Ärzte und Zahnärzte
Operativ tätige Ärzte tragen das höchste Verbotsrisiko, weil chronische Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV bei Eingriffen übertragen werden können. In Deutschland arbeiten 446.120 Ärzte, davon 42.477 im Gebiet Chirurgie (Quelle: Bundesärztekammer). Ein Verbot betrifft meist nur Eingriffe mit Verletzungsgefahr. Stationsarbeit und Sprechstunde bleiben oft erlaubt.
Genau darin liegt die Falle. Wer nicht mehr operieren darf, ist oft zu weniger als 50 Prozent eingeschränkt. Eine Klausel, die erst ab der Hälfte der Tätigkeit zahlt, hilft dann nicht. Entscheidend ist eine Regel für die prägende Tätigkeit oder für das Verbot der Patientenbehandlung. Was Ärzte sonst beim BU-Schutz beachten sollten, lesen Sie auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte.
Angestellte Ärzte
Für angestellte Ärzte gehört eine ehrliche Einordnung dazu. Setzt die Klinik Sie bei einem Operationsverbot auf Station oder in der Ambulanz ein und läuft Ihr Gehalt weiter, zahlt die BU je nach Klausel nicht. Einen echten Einkommensverlust haben Sie dann vor allem, wenn Zulagen und Dienste wegfallen oder keine gleichwertige Tätigkeit bleibt. Ihren vollen Wert zeigt die Klausel in diesen Fällen und nach einem späteren Wechsel in die eigene Praxis.
Ob ein Verbot überhaupt sechs Monate dauert, hängt bei Blutinfektionen stark von der Behandlung ab. Bei HIV erlauben die Fachempfehlungen bei dauerhaft niedriger Viruslast unter Auflagen sogar alle operativen Tätigkeiten (Quelle: Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und Gesellschaft für Virologie (GfV)). Ein langes Verbot droht vor allem, wenn eine Therapie nicht anschlägt.
Zahnärzte
Für Zahnärzte ist die Behandlung am Patienten fast die gesamte Arbeit. Ein Behandlungsverbot kommt damit faktisch einer vollen Berufsunfähigkeit gleich. In Deutschland waren Ende 2024 insgesamt 73.511 Zahnärzte behandelnd tätig (Quelle: Bundeszahnärztekammer (BZÄK)). Praxisinhaber sollten zusätzlich darauf achten, dass der Versicherer auf die Prüfung einer Umorganisation der Praxis verzichtet. Bei dieser Prüfung fragt der Versicherer, ob Sie die Praxis so umstellen könnten, dass Sie trotz Verbot weiterarbeiten.
Das ärztliche Versorgungswerk hilft bei einem Tätigkeitsverbot kaum. Es zahlt erst, wenn der ärztliche Beruf krankheitsbedingt so stark eingeschränkt ist, dass ihm keine existenzsichernde Funktion mehr zukommt (Quelle: Bayerischer Verwaltungsgerichtshof).
Pflegekräfte, Hebammen und Rettungsdienst
In der Pflege, im Kreißsaal und im Rettungsdienst kommen Einschränkungen meist aus dem Hygieneplan der Einrichtung. Ein Beispiel ist die Besiedlung mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA). Ob besiedeltes Personal vor einer erfolgreichen Sanierung (Keimbeseitigung) Patienten versorgen darf, nennt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI eine „ungelöste Frage“ (Quelle: KRINKO). Die Einrichtung entscheidet dann selbst.
Für diese Berufe zählen zwei Punkte. Die Klausel muss pflegerische Berufe ausdrücklich einschließen oder für alle Berufe gelten. Und sie muss Verbote aus dem Hygieneplan anerkennen. In Krankenhäusern, Reha- und Pflegeeinrichtungen einschließlich ambulanter Pflegedienste arbeiteten Ende 2024 rund eine Million examinierte Pflegekräfte (Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)).
Einschränkungen wegen MRSA erreichen die Sechs-Monats-Schwelle vieler Tarife nur selten, weil sie meist mit der erfolgreichen Sanierung enden. Setzt Ihre Einrichtung Sie für die Dauer des Verbots anders ein und läuft Ihr Gehalt weiter, zahlt die BU je nach Klausel ebenfalls nicht. Wichtig wird die Klausel vor allem bei chronischen Blutinfektionen und wenn keine gleichwertige Aufgabe bleibt.
Küche, Lebensmittelbetrieb, Kita und Schule
Köche, Konditoren, Metzger und Beschäftigte in der Gemeinschaftsverpflegung unterliegen einem Verbot kraft Gesetzes (Quelle: IfSG § 42). Für Erzieher und Lehrkräfte gilt eine vergleichbare Regel in Gemeinschaftseinrichtungen. Beide Verbote wirken ohne Bescheid. Eine Klausel, die nur „behördlich angeordnete“ Verbote nennt, erfasst sie deshalb womöglich nicht.
Ehrlich eingeordnet ist die Klausel in diesen Berufen ein seltener, aber realer Schutz. Die typischen Krankheiten dauern nur Tage oder Wochen. Der Langzeitfall ist der Dauerausscheider. In Kindertageseinrichtungen waren zum 01.03.2026 insgesamt 799.500 Menschen als pädagogisches Personal oder in Leitung und Verwaltung beschäftigt (Quelle: Destatis). Für sie ist die BU insgesamt wichtiger als diese eine Klausel.
Selbständige
Selbständige trifft ein Tätigkeitsverbot finanziell am härtesten. Sie bekommen keine Entgeltfortzahlung. Eine private Krankentagegeldversicherung zahlt nach den Musterbedingungen nur, wenn Sie Ihren Beruf „nach medizinischem Befund vorübergehend in keiner Weise ausüben“ können (Quelle: Verband der Privaten Krankenversicherung). Wer arbeitsfähig, aber ansteckend ist, erhält danach kein Krankentagegeld.
Den Ersatz weiterlaufender Betriebsausgaben aus der staatlichen Entschädigung gibt es nur, wenn Ihre Praxis oder Ihr Betrieb ruht (Quelle: IfSG § 56). Wer mit einer Vertretung weitermacht, bekommt ihn nicht.
So sieht eine faire Infektionsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung aus
Eine faire Infektionsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt für alle Berufe, zahlt schon bei einem Teilverbot und erfasst Verbote kraft Gesetzes und aus dem Hygieneplan. Außerdem verlangt sie keine überzogenen Nachweise und lässt eine Prognose von sechs Monaten genügen. Die Unterschiede zwischen den Tarifen sind groß, beim Beitrag sind sie es meist nicht.
Die Qualitätsstufen im Überblick
Die folgende Übersicht ist eine redaktionelle Einordnung aus dem Vergleich öffentlich verfügbarer Bedingungswerke, keine Markterhebung. Sie zeigt, an welchen Stellschrauben sich eine starke von einer schwachen Infektionsklausel unterscheidet.
| Kriterium | Gut | Mittel | Schwach |
|---|---|---|---|
| Berufskreis | Alle Berufe, dazu eine Sonderregel für Heilberufe | Alle Berufe ohne Sonderregel | Nur Ärzte und Zahnärzte oder nur Heilberufe |
| Umfang des Verbots | Ab 50 % der Tätigkeit oder schon beim Verbot einer prägenden Kerntätigkeit | Ab 50 % der Tätigkeit | Nur bei vollständigem Verbot |
| Art des Verbots | Verfügung der Behörde und Verbot kraft Gesetzes | Nur Verfügung der Behörde nach § 31 IfSG | Nur „vom Gesundheitsamt verhängt“ ohne Bezug zum Gesetz |
| Nachweis ohne Bescheid | Hygieneplan oder Gutachten auf Kosten des Versicherers | Bescheid der Behörde, Kopie genügt | Bescheid nur im Original oder amtlich beglaubigt, kein Ersatz |
| Dauer | Prognose von 6 Monaten oder 6 Monate bestanden, beides genügt | Nur Prognose „voraussichtlich 6 Monate“ | Nur tatsächliche Dauer von 6 Monaten oder mehr als 6 Monate |
| Rückwirkung | Ausdrücklich ab Beginn des Verbots, auch bei später Meldung | Rückwirkend nach den allgemeinen Regeln | Leistung erst ab Meldung, wenn eine Frist versäumt wurde |
| Einsatz durch den Arbeitgeber | Keine BU nur bei einer neuen Tätigkeit, die der bisherigen Lebensstellung entspricht | Keine Zwischenstufe | Leistungsende bei jeder anderen Tätigkeit, die der Arbeitgeber überträgt |
| Gesetzesverweis | Verweis auf das jeweils geltende Infektionsschutzgesetz | Keine Zwischenstufe | Verweis auf eine feste Gesetzesfassung |
| Preis | Im Grundtarif ohne Aufpreis | Keine Zwischenstufe | Zusatzbaustein gegen Mehrbeitrag |
Was der grüne Haken im Vergleichsrechner nicht zeigt
Ein grüner Haken „Infektionsklausel vorhanden“ sagt nichts über die Qualität der Klausel. In einem Leistungsvergleich für Versicherungsexperten ist die Klausel bei allen rund 42 ausgewiesenen BU-Tarifen grün markiert, ohne Unterscheidung nach Berufskreis, Teilverbot, Hygieneplan oder Dauer. Welche Stufe eine Klausel wirklich erreicht, zeigt nur der Wortlaut der Bedingungen.
So klingen starke Formulierungen
Ein Beispiel für die prägende Kerntätigkeit findet sich bei der LV 1871. Dort heißt es: „Sofern das Tätigkeitsverbot eine prägende Teiltätigkeit umfasst, ist die versicherte Person auch dann berufsunfähig, wenn es weniger als 50 Prozent der gesamten beruflichen Tätigkeit betrifft.“ (Bedingungen Golden BU, Stand 02.2025). Die Regel gilt dort für alle Berufe.
Die Alte Leipziger hat für Human- und Zahnmediziner, Medizinstudenten und pflegerische Berufe mit Patientenkontakt eine Sonderregel. Es genügt, „wenn sich das Tätigkeitsverbot vollständig darauf bezieht, Patienten zu behandeln, zu versorgen oder zu betreuen“ (Bedingungen BU, Stand 01.2026). Ohne Bescheid kann der Versicherer die Ansteckungsgefahr dort selbst beurteilen und trägt die Kosten eines Gutachtens. Ob ein reines Operationsverbot bei erlaubter Stationsarbeit darunter fällt, lässt der Wortlaut offen.
Bei der Dauer ist eine Formulierung stark, die beide Wege öffnet. Die Allianz leistet in ihrer eigenständigen Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn das Verbot „voraussichtlich 6 Monate ununterbrochen“ gilt oder bereits sechs Monate ununterbrochen bestanden hat (Versicherungsbedingungen, Stand 06.2025). Das ist wichtig, weil Behörden Verbote auch befristet aussprechen und später verlängern können.
Zwei weitere Formulierungen sprechen für eine starke Klausel. Die Alte Leipziger erkennt Verbote „aus dem Bundesinfektionsschutzgesetz oder einer anderen Rechtsvorschrift“ an, also auch Verbote kraft Gesetzes ohne Bescheid (Bedingungen BU, Stand 01.2026). Die Allianz leistet ausdrücklich rückwirkend, „auch bei späterer Einreichung der Unterlagen“ (eigenständige BU, Stand 06.2025).
Warnsignale im Wortlaut erkennen
Viele Infektionsklauseln klingen auf den ersten Blick gleich, der Unterschied steckt in wenigen Wörtern. Die folgende Übersicht übersetzt typische Formulierungen in ihre Folgen für Sie. Die Warnsignale sind Beispielformulierungen ohne Bezug zu einem bestimmten Versicherer.
| Warnsignal (Beispielformulierung) | Das bedeutet es für Sie |
|---|---|
| „Vollständiges Tätigkeitsverbot“ | Ein Teilverbot zählt nicht. Weil Behörden auch nur einzelne Tätigkeiten untersagen können, geht etwa eine Chirurgin mit reinem Operationsverbot leer aus. |
| „Behördlich angeordnet“ oder „vom Gesundheitsamt verhängt“ | Verbote kraft Gesetzes in Küche, Kita und Schule kommen ohne Bescheid. Sie sind dann womöglich nicht erfasst, ebenso Einschränkungen aus dem Hygieneplan. |
| „Mehr als 6 Monate bestanden“ | Eine Prognose genügt nicht, der Versicherer zahlt erst im Nachhinein. Ein Verbot von genau 6 Monaten reicht nicht. |
| „Im Original oder amtlich beglaubigt“ | Eine Kopie genügt nicht. Bei einem Verbot kraft Gesetzes oder aus dem Hygieneplan gibt es oft gar kein Schreiben der Behörde, das Sie vorlegen könnten. |
| „Mit einer anderen Tätigkeit betraut“ | Setzt Ihr Arbeitgeber Sie für die Dauer des Verbots anders ein, entfällt die BU-Rente. Ob die neue Aufgabe zu Ihrem bisherigen Einkommen passt, spielt dann keine Rolle. |
| „In der Fassung vom …“ | Die Klausel ist an einen festen Gesetzesstand gebunden. Ändert der Gesetzgeber das Infektionsschutzgesetz oder verschiebt er eine Regel, droht Streit über die Auslegung. |
Die Hintertür: Der Arbeitgeber setzt Sie anders ein
Manche Klauseln enden, sobald der Arbeitgeber Ihnen eine andere Tätigkeit überträgt. Weil ein behördliches Verbot nur bestimmte Tätigkeiten untersagt, ist das bei Angestellten der naheliegende Weg (Quelle: IfSG § 31). Die Klinik nimmt die Chirurgin aus dem Operationssaal und setzt sie in der Ambulanz ein. Ohne Schutzregel entfällt dann die BU-Rente.
Gut ist eine Regel, nach der Sie nur dann nicht berufsunfähig sind, wenn die neue Tätigkeit Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Gemeint ist eine Tätigkeit, die nach Einkommen und Ansehen vergleichbar ist.
Warum die AU-Klausel die Infektionsklausel nicht ersetzt
Eine Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) hilft bei einem reinen Tätigkeitsverbot in der Regel nicht. Nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) liegt keine Arbeitsunfähigkeit vor, wenn Beschäftigungsverbote nach dem Infektionsschutzgesetz ausgesprochen wurden (Quelle: G-BA). Ohne Krankschreibung läuft die AU-Klausel ins Leere. Wer gesund ist, aber nicht arbeiten darf, braucht deshalb die Infektionsklausel selbst.
Experten-Tipp:
Die AU-Klausel ist kein Plan B für das Tätigkeitsverbot
„Viele sehen in der AU-Klausel ein Sicherheitsnetz für jeden Ausfall. Sie hängt aber an der Krankschreibung: Wer gesund ist und nur nicht arbeiten darf, bekommt keine. Umgekehrt unterschätzen viele, was eine Krankschreibung wert ist. Nach meiner Erfahrung kann die AU-Klausel sogar dann noch rückwirkend zahlen, wenn die Leistung erst ein Jahr nach der Krankschreibung beantragt wird. Mein Rat: Achten Sie im Vertrag auf beide Klauseln und bewahren Sie jede Krankschreibung auf.“
Kostet die Infektionsklausel extra?
In allen BU-Tarifen, deren Bedingungen wir für diesen Ratgeber ausgewertet haben, ist die Infektionsklausel ohne Aufpreis Teil des Grundtarifs. Für eine gute Klausel zahlen Sie in diesen Tarifen also nichts extra.
Mehr als ein grüner Haken: Infektionsklauseln im Wortlaut verglichen
Stehen Sie vor dem Abschluss einer BU, prüfen unsere Experten die Bedingungswerke vieler Versicherer gezielt auf die Infektionsklausel. Sie erhalten ein Angebot mit einer Klausel, die zu Ihrem Beruf passt.
- Berufskreis, Teilverbot und Verbote kraft Gesetzes geprüft
- Nachweise und Mindestdauer verständlich erklärt
- Finanztip empfiehlt unsere BU-Beratung
Infektionsklausel in Unfallversicherung und KlinikRente: Was gilt dort?
In der privaten Unfallversicherung bedeutet Infektionsklausel etwas anderes als in der BU. Dort regelt sie, wann eine Infektion als Unfallfolge versichert ist und eine Invaliditätsleistung auslöst. Die KlinikRente dagegen ist eine BU-Lösung für Beschäftigte im Gesundheitswesen und enthält eine Infektionsklausel im Sinne der BU. Beide Produkte ersetzen einander nicht.
Unfallversicherung: die Infektion als Unfallfolge
Ein Unfall liegt vor, wenn ein „plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis“ unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung verursacht (Quelle: VVG § 178). Eine Ansteckung ist meist kein solches Ereignis. Deshalb regeln die Bedingungen der Unfallversicherung ausdrücklich, welche Infektionen trotzdem versichert sind.
In den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind Infektionen grundsätzlich ausgeschlossen. Ausnahmen gelten für Tollwut, Wundstarrkrampf und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nach einem Zeckenstich. Versichert sind außerdem Erreger, die durch eine nicht nur geringfügige Unfallverletzung in den Körper gelangen (Quelle: GDV).
Für Heilberufe gibt es einen eigenen GDV-Baustein, etwa für Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Hebammen, Pflegepersonal und Medizinstudenten. Versichert ist eine Infektion im Beruf, wenn die äußere Hautschicht durchtrennt ist oder infektiöse Substanzen plötzlich in Auge, Mund oder Nase gelangen. Anhusten reicht nicht, außer bei Diphtherie und Tuberkulose. Die Invalidität muss innerhalb von 39 Monaten eintreten (Quelle: GDV).
Für Angestellte im Gesundheitsdienst kommt die gesetzliche Unfallversicherung hinzu. Sie erkannte 2025 bundesweit 2.656 Fälle der Berufskrankheit Infektionskrankheiten an (Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)). Die BU-Infektionsklausel zahlt dagegen eine Rente, wenn Sie nicht arbeiten dürfen, auch ohne bleibenden Gesundheitsschaden.
KlinikRente: BU-Schutz mit Hygieneplan-Variante
Die KlinikRente ist ein Versorgungswerk für Beschäftigte im Gesundheitswesen, getragen von einem Konsortium mehrerer Versicherer. In ihren BU-Bedingungen gilt als berufsunfähig, wem die Behörde ein teilweises oder vollständiges Tätigkeitsverbot für sechs Monate ununterbrochen erteilt. Das Verbot muss zu einem Grad der Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent führen.

Zusätzlich kennt die Klausel eine Hygieneplan-Variante. Es genügen eine ärztlich festgestellte Infektion und der Hygieneplan eines staatlich anerkannten Hygienikers, der die Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent einschränkt. Die Klausel gilt für alle über die KlinikRente versicherten Gesundheitsberufe, also auch für Pflege und Physiotherapie.
Wie läuft der Leistungsfall bei einem Tätigkeitsverbot ab?
Im Leistungsfall melden Sie das Verbot so früh wie möglich beim Versicherer und legen den Bescheid oder den Hygieneplan vor. Dazu kommen die üblichen BU-Unterlagen wie Arztberichte, Tätigkeitsbeschreibung und Einkommensnachweise. Der Versicherer muss Ihnen danach in Textform erklären, ob er seine Leistungspflicht anerkennt (Quelle: VVG § 173).
Diese Unterlagen brauchen Sie
- Den Bescheid oder die Verfügung der Behörde, bei manchen Versicherern im Original oder amtlich beglaubigt, dazu jede Verlängerung.
- Bei einem Verbot aus dem Hygieneplan den Plan selbst. Er sollte zeigen, welche Tätigkeiten in welchem Umfang eingeschränkt sind.
- Bei einem Teilverbot eine Aufstellung Ihrer Tätigkeiten mit Stunden je Aufgabe, vor und nach dem Verbot.
- Bei einem Verbot kraft Gesetzes ohne Bescheid eine schriftliche Bestätigung von Gesundheitsamt, Arbeitgeber oder Einrichtung.
- Arztberichte zur Infektion, eine Beschreibung Ihres Berufs und Nachweise über Ihr Einkommen.
Welche Bestätigung ein Versicherer bei einem Verbot kraft Gesetzes akzeptiert, regeln nach unserer Auswertung die meisten Bedingungen nicht ausdrücklich. Sichern Sie deshalb jedes Schreiben zum Verbot sofort und im Original. Eine Aufstellung Ihrer Arbeitszeit je Aufgabe hilft, wenn später strittig ist, ob die Schwelle von 50 Prozent erreicht ist.
Experten-Tipp:
Nicht der Bescheid entscheidet, sondern Ihre Stundenliste
„Ein schriftliches Verbot wirkt wie der sichere Weg zur BU-Rente. Bei einem Teilverbot entscheidet aber oft eine andere Frage: Betrifft es wirklich 50 Prozent Ihrer Arbeit? Notieren Sie deshalb sofort, wie viele Stunden Sie vor und nach dem Verbot für jede Aufgabe aufgewendet haben. Bewahren Sie jedes Schreiben und jede Verlängerung im Original auf, dazu den Hygieneplan, und melden Sie das Verbot früh beim Versicherer.“
Wann Sie melden sollten
Manche Versicherer verzichten auf eine Meldefrist. Die Alte Leipziger nimmt die Meldung formlos „telefonisch oder in Textform“ an und leistet rückwirkend ab dem Monat nach Eintritt der Berufsunfähigkeit. Eine Entscheidung sagt sie innerhalb von acht Arbeitstagen nach Eingang der Unterlagen zu (Bedingungen BU, Stand 01.2026). Andere Bedingungen begrenzen die Rückwirkung, wenn Sie später melden.
Die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sehen eine solche Frist vor. Wer zu spät meldet, bekommt die Leistung erst ab dem Monat der Mitteilung, außer die Verspätung war nicht verschuldet (Quelle: GDV). Melden Sie deshalb lieber zu früh als zu spät.
Was passiert, wenn das Verbot endet
Endet das Verbot, endet auch der Anspruch aus der Infektionsklausel. Der Versicherer muss die Einstellung aber in einem Nachprüfungsverfahren mitteilen, also nach einer förmlichen Prüfung, ob die Voraussetzungen der Leistung noch vorliegen.
Leistungsfrei wird er erst mit Ablauf des dritten Monats, nachdem Ihnen seine Mitteilung zugegangen ist (Quelle: VVG § 174). Befristete Verbote darf der Versicherer auch befristet anerkennen, nach § 173 VVG allerdings nur einmal. Prüfen Sie ein befristetes Anerkenntnis deshalb genau.
Parallel zur BU sollten Sie als nicht erkrankter Träger die staatliche Entschädigung beantragen. Die Frist beträgt zwei Jahre nach Einstellung der verbotenen Tätigkeit. Angestellte legen eine Bescheinigung des Arbeitgebers bei, Selbständige eine des Finanzamts (Quelle: IfSG § 56).
Wie finden Sie eine BU mit guter Infektionsklausel?
Eine BU mit guter Infektionsklausel finden Sie nur über den Vergleich der Bedingungswerke, nicht über den Beitrag oder einen Haken im Rechner. Als Versicherungsexperte und Beratungsportal vergleichen wir vor dem Abschluss die Bedingungen vieler Versicherer gezielt auf die Infektionsklausel. Wir achten auf Berufskreis, Teilverbot, Verbote kraft Gesetzes und aus dem Hygieneplan, Nachweise und Mindestdauer. Bevor es ein Angebot gibt, steht der Antrag, und dort entscheiden die Gesundheitsfragen mit.
Frühere Infektionen und die Gesundheitsfragen im Antrag
Im BU-Antrag müssen Sie alle Umstände angeben, nach denen der Versicherer in Textform fragt (Quelle: VVG § 19). Beispielsweise nach Infektionen wie COVID-19, Hepatitis, Malaria oder Tuberkulose in den letzten fünf Jahren. Welche Fragen darüber hinaus üblich sind, zeigen die typischen Gesundheitsfragen in der BU.
Wer eine bekannte chronische Infektion verschweigt, riskiert den Schutz. Führt genau diese Infektion später zu einem Verbot, ist der verschwiegene Umstand für den Leistungsfall ursächlich, und der Versicherer kann die Leistung verweigern (Quelle: VVG § 21). Seine Rechte erlöschen erst nach fünf Jahren, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren.
Praxisfall: Überstandene Infektionen sind kein automatischer Ausschluss
Eine überstandene Infektion bedeutet nicht automatisch Zuschlag oder Ausschluss. Unser Experte Patrick Knittel hatte einen solchen Fall in der Beratung. Eine Studentin Mitte 20 mit mehreren überstandenen viralen Infektionen wurde als Grenzfall zu normalen Bedingungen versichert, ohne Zuschlag und ohne Ausschluss. Das ist ein Einzelfall und keine Regel. Er zeigt aber, dass ehrliche Angaben im Antrag nicht das Ende bedeuten.
Warum Sie Ihren BU-Antrag nicht selbst stellen sollten
Wenn Sie direkt bei einem Versicherer einen BU-Antrag stellen und abgelehnt werden, kann das Ihre weiteren Anträge belasten. Viele Versicherer fragen im Antrag nach früheren Ablehnungen, und nach § 19 VVG müssen Sie diese Ablehnung dann angeben. Über uns läuft stattdessen eine anonyme Risikovoranfrage: Ihr Name taucht nicht auf, und Sie erfahren vorab, welcher Versicherer Sie zu welchen Konditionen annimmt.
Unser Experte Patrick Knittel nennt die Antragstellung ohne Voranfrage als häufigsten Fehler, der zu einer Ablehnung führt. Wir stellen die Voranfrage deshalb bei allen infrage kommenden Versicherern, nicht nur bei einem. Gerade wer im Heilberuf schon Nadelstichverletzungen oder Infektionen in der Vorgeschichte hat, geht so auf Nummer sicher.
So läuft unsere Beratung ab
Zuerst klären wir, welches Verbotsrisiko Ihr Beruf mit sich bringt, etwa bei Operationen, in der Pflege oder in der Küche. Haben Sie Vorerkrankungen oder frühere Infektionen, stellen wir eine anonyme Risikovoranfrage bei allen infrage kommenden Versicherern. Danach erhalten Sie ein Angebot mit einer Klausel, die zu Ihrem Beruf passt. Unsere BU-Beratung ist von Finanztip empfohlen.
Für unsere Beratung stehen wir ein. Übersieht ein Versicherungsexperte eine schwache Klausel oder empfiehlt er einen unpassenden Tarif, haftet er für den Schaden (Quelle: VVG § 63). Diese Verbindlichkeit bieten weder Vergleichsportale noch Auskünfte einer künstlichen Intelligenz.
Ihre neue Berufsunfähigkeitsversicherung mit passender Infektionsklausel
Unsere Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist von Finanztip empfohlen. Wir vergleichen die Infektionsklauseln für Ihren Beruf und stellen bei früheren Infektionen zuerst eine anonyme Risikovoranfrage.
- Ihr Name taucht in der Voranfrage nicht auf
- Ihr Experte haftet, wenn er eine schwache Klausel übersieht
- Kostenfrei und unverbindlich für Ihren Neuabschluss
Häufige Fragen zur Infektionsklausel in der BU
Warum greift die Infektionsklausel bei Quarantäne oder Corona meist nicht?
Eine Quarantäne ist rechtlich eine Absonderung nach § 30 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und kein berufliches Tätigkeitsverbot. Infektionsklauseln knüpfen aber an das Tätigkeitsverbot an, meist nach § 31 IfSG. Dazu kommt die Dauer: Eine Corona-Infektion ist nach Tagen oder Wochen ausgestanden, üblich ist aber eine Mindestdauer von sechs Monaten.
Auch Lockdowns und Betriebsschließungen zählen nicht, weil die Gefahr nicht von Ihnen ausgeht. Eine Pandemie vom Ausmaß von COVID-19 tritt nach der 2023 korrigierten Studie von Marani und Kollegen im Schnitt nur etwa alle 129 Jahre auf. Rechnerisch sind das rund 0,8 Prozent pro Jahr. Ob eine Klausel Absonderungen ausnahmsweise einschließt, zeigt allein der Wortlaut.
Was kostet die Infektionsklausel extra?
In den BU-Tarifen, deren Bedingungen wir ausgewertet haben, gehört die Klausel zum Grundtarif und hat keinen eigenen Beitrag. Den Beitrag bestimmen vor allem Beruf, Alter und Rentenhöhe, nicht die Klausel.
Prüfen Sie trotzdem, ob die Klausel in den Grundbedingungen steht. Ein Zusatzbaustein schützt Sie nur, wenn er laut Versicherungsschein ausdrücklich vereinbart ist.
Wie bekomme ich eine Infektionsklausel nachträglich in meine bestehende BU?
Eine allgemeine Regel gibt es nicht. Einzelne Versicherer übertragen verbesserte Klauseln von sich aus auf Bestandsverträge. Fragen Sie deshalb schriftlich bei Ihrem Versicherer nach, welche Klauselfassung für Ihren Vertrag gilt.
Ein Neuabschluss oder Tarifwechsel bedeutet in der Regel eine neue Gesundheitsprüfung mit Ihrem heutigen Alter. Kündigen Sie den alten Vertrag deshalb erst, wenn der neue Vertrag sicher angenommen ist.
Für welche Berufe gilt die Infektionsklausel: nur für Ärzte oder für alle?
Das hängt vom Bedingungswerk ab. Es gibt Klauseln für alle Berufe, Klauseln nur für Heilberufe und Klauseln nur für Ärzte und Zahnärzte. Eine aktuelle Marktquote, wie viele Tarife ohne Berufsgrenze gelten, gibt es nicht.
Wer später den Beruf wechselt, verliert eine reine Heilberufe-Klausel mit dem Wechsel. Köche, Erzieher und Lehrkräfte brauchen eine Klausel ohne Berufsgrenze, weil ihre Verbote oft kraft Gesetzes entstehen.
Wie lange muss ein Tätigkeitsverbot dauern, damit die BU zahlt?
In vielen Tarifen sechs Monate ohne Unterbrechung. Wichtig ist, ob eine Prognose genügt. Dann zahlt der Versicherer schon, wenn das Verbot voraussichtlich sechs Monate gilt. Schwächer sind Klauseln, die nur eine bereits abgelaufene Dauer anerkennen.
Ein Fallstrick sind befristete Verbote. Behörden sprechen sie oft kürzer aus und verlängern sie später. Kurze Verbote wie bei Norovirus oder Windpocken erreichen die Schwelle nicht, relevant sind vor allem lange Verbote durch chronische Infektionen.
Ab welchem Anteil zahlt die BU bei einem teilweisen Tätigkeitsverbot?
Viele Klauseln verlangen, dass das Verbot mindestens 50 Prozent der zuletzt ausgeübten Tätigkeit betrifft. Das passt zur Praxis, denn die Behörde darf Tätigkeiten nach § 31 IfSG „ganz oder teilweise“ untersagen. Ein vollständiges Verbot ist also keine Voraussetzung dafür, dass die Behörde eingreift.
Schwierig wird es bei Tätigkeiten, die den Beruf prägen, aber wenig Zeit kosten. Macht das Operieren nur 30 Prozent Ihrer Arbeitszeit aus, hilft eine reine 50-Prozent-Regel nicht. Besser ist eine Klausel, die auch eine prägende Teiltätigkeit anerkennt.
Worin unterscheidet sich die Infektionsklausel von der Entschädigung nach § 56 IfSG?
Die Entschädigung ist eine staatliche Überbrückung und keine Versicherung. Bei einem Tätigkeitsverbot gibt es sie laut § 56 IfSG für Ausscheider, Ansteckungsverdächtige, Krankheitsverdächtige und sonstige Träger von Krankheitserregern, nicht für Kranke. Wer während des Bezugs arbeitsunfähig wird, behält den Anspruch nach Absatz 7. Sechs Wochen gibt es den vollen Nettoverdienst, danach 67 Prozent, höchstens 2.016 Euro je vollem Monat.
Die Infektionsklausel dagegen löst eine vereinbarte BU-Rente aus, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Das gilt auch, wenn Sie krank sind. Nach dem Wortlaut des Gesetzes wird eine private BU-Rente nicht auf die Entschädigung angerechnet.
Was bedeutet Infektionsklausel in der Unfallversicherung?
In der privaten Unfallversicherung regelt sie, ob eine Infektion als Unfallfolge versichert ist, und nicht, ob Sie arbeiten dürfen. Die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schließen Infektionen grundsätzlich aus. Ausnahmen gelten für Tollwut, Wundstarrkrampf und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) nach einem Zeckenstich.
Für Heilberufe gibt es einen eigenen GDV-Baustein. Er versichert Infektionen im Beruf, wenn die Invalidität innerhalb von 39 Monaten eintritt. Wer ein Tätigkeitsverbot ohne bleibenden Schaden absichern will, braucht dagegen die BU.
Wie wichtig ist die Infektionsklausel, wenn die meisten Verbote nur kurz dauern?
Sie ist ein seltener, aber realer Schutz. Für die meisten Berufe ist die BU insgesamt wichtiger als diese eine Klausel. Relevant wird sie vor allem bei chronischen Blutinfektionen wie Hepatitis B oder HIV und bei Dauerausscheidern von Typhuserregern.
Ohne Klausel ist die Leistung bei einem reinen Verbot rechtlich umstritten. Die Klausel macht das Verbot selbst zum Leistungsauslöser. Sie ersetzt aber keine gute BU und hilft nur, wenn ihr Wortlaut zu Ihrem Beruf passt.
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