Testurteil Haftpflicht­versicherung für Studenten

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Selbst wenn Studenten in der Regel über geringere finanzielle Mittel verfügen, an der Haftpflicht­versicherung sollte nicht gespart werden. Denn wer einem anderen einen Schaden zufügt, muss in Deutschland in vollem Umfang dafür haften. Teuer ist die Versicherung nicht: Bereits für ein paar Euro im Monat ist der Schutz zu haben und so auch für Studenten finanzierbar. Das transparent-beraten.de Testurteil zeigt zudem, dass Tarife mit einem umfassenden Leistungsangebot nicht unbedingt teurer sein müssen als Tarife mit geringerem Leistungsumfang.

Privat­haftpflicht – auch für Studenten unverzichtbar

Das Klischee des armen Studenten trifft zwar oft zu, trotzdem sollte an bestimmten Dingen nicht gespart werden wie z. B. bei der privaten Haftpflicht­versicherung. Denn sie ist die wichtigste Versicherung, die man freiwillig abschließen kann und zudem durch ihre niedrigen Beitragssätze auch für minderbegüterte Studenten bezahlbar. Vom Gesetzgeber ist diese Versicherung zwar nicht vorgeschrieben, trotzdem braucht sie jeder. Während der Schulzeit ist das Kind in der Regel über die Haftpflicht­versicherung der Eltern mitversichert, wenn es im Vertrag genannt und nicht verheiratet ist, doch bei Aufnahme eines Studiums erlischt dieser Schutz in bestimmten Fällen.

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Vor dem Studium berufstätig: kein Versicherungsschutz durch die Eltern

Wer als Student schon vor dem Studium berufstätig war, der ist nicht mehr über die Eltern versichert und muss eine eigene Haftpflicht­versicherung abschließen. Für Berufsausbildungen sowie das freiwillige soziale Jahr gilt diese Regelung nicht. Hier gilt noch die elterliche Haftpflicht­versicherung.

Wann die elterliche Haftpflicht erlischt

Viele Versicherer haben eine Altersgrenze, bis zu der die Kinder bei den Eltern mitversichert sind. Nach der Vollendung des 25. Lebensjahres ist der Student in der Regel nicht mehr über die Eltern mitversichert. Einige Versicherer bieten Studenten zudem nur für die Zeit des Erststudiums einen Schutz. Ein Bachelorstudium ist damit versichert, ein eventuell anschließendes Masterstudium jedoch meistens nicht mehr. Das kommt ganz auf die Versicherungsbedingungen an.

Doch nicht nur Alter und Ausbildung spielen bei der Haftpflicht­versicherung eine Rolle, sondern auch, ob der Student noch bei den Eltern wohnt oder schon eine eigene Wohnung bezogen hat. Denn damit ein Student noch über die elterliche Haftpflicht­versicherung mitversichert sein kann, hängt davon ab, ob er noch im Haushalt der Eltern gemeldet ist oder nicht. Falls dies nicht der Fall ist, muss er eine eigene Haftpflicht­versicherung abschließen. Auch wenn der Student vor Studiumsbeginn bereits berufstätig war (gilt nicht für Wehr sowie Zivildienst), erlischt die Möglichkeit, sich über die elterliche Haftpflicht versichern zu lassen.

Mehr Infos zur Haftpflicht­versicherung für Studenten gibt es hier.

Darauf sollten Studenten bei der Haftpflicht achten

Selbst wenn der Student noch über die elterliche Haftpflicht versichert ist, so tritt häufig der Fall ein, dass deren Versicherungsvertrag veraltet ist, da er vor etlichen Jahren abgeschlossen wurde. Häufig ist in diesem Fall die Deckungssumme zu niedrig oder wichtige Punkte wurden nicht mitversichert. Eine hohe Deckungssumme ist bei der Wahl einer Privat­haftpflicht immer sinnvoll, wenn der Student noch etwas Geld sparen möchte, kann die Selbstbeteiligung höher gewählt werden. Dabei muss aber bedacht werden, dass in einem eventuellen Schadensfall der Betrag des Selbstbehaltes auf jeden Fall vorhanden sein muss. Hohe Selbstbeteiligungen lohnen sich nur bei einem schweren Schaden, Bagatellschäden kommen im Leistungsbereich der Haftpflicht aber weitaus häufiger vor (zu den Leistungen der Haftpflicht­versicherung).

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Der Gesamteindruck der getesteten Policen ist durchwachsen: Es gibt viele sehr gute Tarife. Aber es gibt auch einige, die im Test durchgefallen sind, weil sie zu niedrige Versicherungssummen, zu geringe Leistungen und schwer zu erkennende Selbstbeteiligungen enthielten. Einige Versicherer geben die Selbstbeteiligung in ihrem Leistungsportfolio nicht an. Erst eine nähere Betrachtung zeigt, dass die Selbsbeteiligungen teilweise in den einzelnen Leistungsbereichen versteckt sind, für den Verbraucher sind sie dadurch nur schwer zu erkennen.

Die Sieger im Leistungsbereich

Im Leistungsbereich konnten sieben Versicherer besonders überzeugen:

  • Adcuri (Premium)
  • Degenia (Optimum)
  • Haftpflichtkasse Darmstadt (Einfach Komplett)
  • InterRisk (XXL)
  • Die Bayerische (Prestige)
  • Janitos (Best Selection inkl. Multi-Garantie)
  • Swiss Life (Prima-Plus Sorglos)

Die empfohlenen Anbieter zeichnen sich vor allem durch ihr breites Leistungssprektrum aus. Alle Leistungen, die für Studenten wichtig sind, werden durch die Policen abgesichert. Die Anbieter sichern unter anderem Gefälligkeitsschäden, fachpraktischen Unterricht, Betriebspraktika und vieles mehr ab. Die einzelnen Leistungen der Versicherer enthalten zudem keine schwer zu erkennenden Selbstbeteiligungen. Außer der Haftpflichtkasse Darmstadt bieten alle empfohlenen Anbieter auch einen weltweiten Versicherungsschutz in unbegrenztem Umfang an.

Die Sieger im Preis-Leistungs-Bereich

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten folgende Versicherungen:

  • Adcuri (Premium)
  • Degenia (Premium)
  • Swiss Life (Prima-Plus)

Die empfohlenen Versicherer bieten gute Leistungen zu einem fairen Preis. Für Personen- und Sachschäden bietet die Adcuri im Top-Tarif eine Deckungssumme von 10 Millionen Euro an, die Degenia im „Premium“-Tarif 15 Millionen und beim „Prima Plus“- Tarif von Swiss Life beträgt die Deckungssumme für Personen- und Sachschäden sogar 20 Millionen Euro. Die Tarife decken alle Leistungen ab, die für Studenten wichtig sind und kommen trotzdem noch sehr günstig daher. Der „Premium Plus“-Tarif der Swiss Life kostet im Jahr nur knapp 66 Euro, der „Premium“-Tarif der Degenia kostet für den Modellkunden 62 Euro und der „Top“-Tarif der Adcuri sogar nur etwas mehr als 50 Euro jährlich.

Welche Leistungen sind für Studenten besonders wichtig?

1. Haftpflicht während Praktikum

Die Arbeitgeber-Haftpflicht­versicherung gilt nicht immer automatisch für Praktikanten oder Werksstudenten. Viele Haftpflicht­versicherungen für Studenten enthalten einen Schutz für die Zeit während des Praktikums. Für diese Leistungen gelten jedoch meistens gesonderte Regelungen, wie z. B. eine eingeschränkte Deckungssumme oder eine zeitliche Einschränkung.

2. Tarife ohne Selbstbeteiligung wählen

Auch wenn es für Studenten vielleicht gerade verlockend ist, die Selbstbeteiligung hoch anzusetzen, damit bei den monatlichen Beiträgen gespart werden kann, so sollte bedacht werden, dass im Schadensfall das Geld für die Selbstbeteiligung auch wirklich zur Verfügung stehen muss. Zudem kann es für den Studenten schnell teuer werden, wenn mehrere Schäden anfallen.

3. Gefälligkeitsschäden

Bei Studenten sind Freundschaftsdienste und Gefälligkeiten weit verbreitet, beispielsweise werden bei einem Umzug von Studenten meist die Freunde gefragt und kein professionelles Unternehmen angeheuert. Wenn dann etwas kaputt geht, muss man nicht selbst bezahlen, sondern die Versicherung übernimmt die Leistung.

4. Mietsachschäden

Da die meisten Studenten zur Miete wohnen. Wenn diese Klausel nicht eingeschlossen wird, müssen Schäden, die an Gegenständen, wie z. B. Waschbecken, Badewannen, Duschkabinen oder Einbauküchen verursacht werden, vom Studenten aus eigener Tasche bezahlt werden.

Erweiterte Vorsorge

Die Erweiterte Vorsorge ist ein Zusatzangebot einiger Versicherer, um Kunden den weitestgehenden Versicherungsschutz zu bieten, der möglich ist. Der Leistungsumfang wird bei der Erweiterten Vorsorge um den Bestandteil eines leistungsstärkeren, allgemein zugänglichen Privat­haftpflichttarifs anderer Versicherer erweitert. Dadurch sind Haftungsansprüche mitversichert, die im Vertrag eigentlich nicht eingeschlossen sind.

5. Schäden durch Datenaustausch und Internetnutzung

Bei dem alltäglichen Leben eines Studenten ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Deshalb sollte eine Haftpflicht diese Schäden mit abdecken. Denn auch wenn man nicht selbst den Virus oder Wurm programmiert hat, kann man trotzdem für einen entstandenen Schaden haftbar gemacht werden. Beispielsweise, wenn man seinen Computer nicht ausreichend gegen Viren etc geschützt hat und per Email an einen weiteren Computer weiterleitet, wo dieser einen Schaden anrichtet.

6. Geliehene/gemietete Sachen

Viele private Haftpflicht­versicherer kommen nicht für Schäden auf, die an gemieteten oder geliehenen Sachen entstehen. Diese Option ist für Studenten aber oft sehr wichtig. Um sich beispielsweise Foto- oder Filmequipment auszuleihen, müssen Studenten teilweise sogar eine Haftpflicht­versicherung vorweisen, die Schäden an geliehenen oder gemieteten Gegenständen versichert.

7. Auslandsaufenthalt

Die meisten Studenten verbringen mittlerweile mindestens ein Semester im Ausland. Auch für längere Urlaube, “Work and Travel” während der Semesterferien etc. – ein weltweiter Versicherungsschutz ist für Studenten in der Regel sehr wichtig.

8. Fachpraktischer Unterricht

Die Absicherung des fachpraktischen Unterrichts ist vor allem für Studenten wichtig, deren Studium praktisch orientiert ist. Einige Versicherer begrenzen die Versicherungssumme in diesem Bereich, häufig wird hier auch mit Selbstbeteiligungen gearbeitet.

Die Testsieger im transparent-beraten.de Test

AnbieterTarifNote
Haftpflichtkasse DarmstadtEinfach Komplett (50 Mio. €)sehr gut (0,9)
AdcuriPremium (50 Mio. €)sehr gut (0,9)
DegeniaOptimum (50 Mio. €)sehr gut (0,9)
InterRiskXXL (50 Mio. €)sehr gut (0,9)
Die BayerischePrestige (20 Mio. €)sehr gut (0,9)
JanitosBestSelection (20 Mio. €) inkl. Multi-Garantiesehr gut (0,9)
Swiss LifePrima-Plus Sorglossehr gut (0,9)

Zwei „Basis“-Tarife als Verlierer

Auf den letzten Plätzen im Test liegen der Tarif Vit der GVO und der Tarif L der InterRisk. Der Tarif Vit der GVO ist zwar sehr günstig, doch er hat in nahezu jeder Teilleistung eine Selbstbeteiligung integriert, wodurch sich im Schadensfall der günstige Beitragssatz nicht mehr rentiert. Der Tarif L der InterRisk bietet für eine relativ hohe Prämie nur ein geringes Leistungsspektrum. Bei beiden Tarifen sind außerdem die Versicherungssummen sehr niedrig angesetzt. In der höheren Variante (TOPVIT bei der GVO und XL bzw. XXL bei der InterRisk) schneiden beide Versicherer im Test jedoch sehr gut ab.

So wurde getestet

Im Test wurden 63 Tarife von 17 Anbietern einer Haftpflicht­versicherung geprüft. Dabei wurden ausschließlich Tarife untersucht, deren Leistungsangebot den Bedürfnissen von Studenten entspricht. 11 Versicherer lehnten ihre Teilnahme am Test ab. Der Preis wurde über einen Modellkunden ermittelt, der 25 Jahre alt, Single und kinderlos ist. Getestet wurden ausschließlich Tarife ohne Selbstbeteiligung. Die Mindestdeckungssumme betrug bei den Angeboten 10 Millionen Euro. Benotet wurden alle Leistungsbereiche, die für Studenten wichtig sind sowie die Höhe für die Deckungssummen von Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Für Selbstbeteiligungen in den einzelnen Leistungsbereichen gab es Punktabzug, je höher die Deckungssumme des Tarifs, desto mehr Punkte wurden vergeben.

Bei der Haftpflicht möglichst hohe Deckungssumme wählen

Als Deckungssumme wurde eine Höhe von mindestens 10 Millionen Euro gewählt. In der Regel wird bei der Haftpflicht­versicherung zu einer Versicherungssumme von mindestens 3 Millionen Euro geraten, doch da besonders bei Personenschäden diese Summe schnell überschritten ist, empfiehlt sich bei der Haftpflicht eine Deckungssumme in Höhe von mindestens 10 Millionen Euro. Die meisten Versicherer bieten mittlerweile schon eine pauschale Versicherungssumme an, die mindestens 10 Millionen Euro beträgt.

Umfassende Leistung ist wichtiger als der Preis

Die Beitragshöhe ist in der Tabelle zwar dargestellt, in die Endnote wurde sie jedoch nicht einberechnet. Denn ein optimaler Tarif zeichnet sich durch seine umfassenden Leistungen aus, nicht durch seinen günstigen Preis. Zudem ist der Preisrahmen bei der Haftpflicht ohnehin überschaubar. Das teuerste Angebot liegt bei knapp 100 Euro im Jahr, die Testsieger bewegen sich in einem Preisrahmen von 60 bis 90 Euro im Jahr, maximal also etwas über 8 Euro im Monat. Bei diesen Preisen kann man auf jeden Fall darauf achten, dass die Leistungen stimmen. Werfen Sie einen Blick auf unseren großen Kosten-Leistungen-Vergleich.