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Versicherungsschutz im Praktikum – Was Praktikanten beachten sollten

Als Praktikant die richtige Versicherung auszuwählen, ist nicht ganz einfach. Der Grund: Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Praktikumsformen, für die individuelle Regelungen gelten. Lesen Sie in diesem Beitrag, worauf Sie achten müssen.

Wichtig bei der Suche nach der richtigen Versicherung: Handelt es sich um ein freiwilliges oder vorgeschriebenes Praktikum? Ist der Praktikant Schüler, Student oder hat schon eine abgeschlossene Berufsausbildung? Diese und viele weitere Aspekte müssen in Bezug auf die Versicherungspflicht beachtet werden, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

Vorgeschriebenes Praktikum als Teil der Ausbildung

Viele Hochschul- und Fachhochschulstudenten müssen während ihrer Studienzeit verschiedene Pflichtpraktika absolvieren, um ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Die Praktika dienen dem Erwerb von beruflichen Kenntnissen, Fertigkeiten und Erfahrungen und sollen die Studenten auf das Leben nach dem Studium vorbereiten. In Bezug auf den Versicherungsschutz muss zwischen mehreren Fällen unterschieden werden.

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Zwischenpraktikum während des Studiums

Die häufigste Form der vorgeschriebenen Praktika ist das sogenannte Zwischenpraktikum, das von der Studien- oder Prüfungsordnung vorgesehen wird und innerhalb der Semester stattfindet. Der Student ist demnach während der Absolvierung des Praktikums an der entsprechenden Bildungseinrichtung immatrikuliert. Für diese Form des Praktikums besteht zunächst einmal keine Versicherungspflicht als Arbeitnehmer in der Kranken-, Pflege-, Renten und Unfallversicherung. Weder die Dauer des Studentenpraktikums, noch die Höhe des Entgelts spielen diesbezüglich eine Rolle. Der Student ist über die bestehende Familienversicherung (GKV) weiterhin kranken- und unfallversichert, soweit er das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, es sei denn er hat die Möglichkeit einer privaten Versicherung wahrgenommen.

Welche Versicherung für welchen Praktikumstyp?

Art Krankenversicherung Unfallversicherung Haftpflichtversicherung
Zwischenpraktikum bis 25 Jahre über die Familienversicherung (GKV), oder über die private Krankenversicherung, bei Verdienst über 405 Euro erlischt Familienversicherungs­schutz und der Praktikant muss sich selbst versichern siehe Krankenversicherung über die elterliche Haftpflichtversicherung oder Haftpflichtversicherung speziell für Studenten
Vor- oder Nachpraktikum mit Entgelt bis 25 Jahre über die Familienversicherung (GKV), oder über die private Krankenversicherung, ab dem 25. Lebensjahr muss der Praktikant sich selbst über eine gesetzliche Krankenkasse versichern, der Pflichtbeitrag wird anteilig vom Arbeitgeber übernommen siehe Krankenversicherung über die elterliche Haftpflichtversicherung oder Haftpflichtversicherung speziell für Studenten
Vor- oder Nachpraktikum ohne Entgelt bis 25 Jahre über die Familienversicherung (GKV), oder über die private Krankenversicherung, ab dem 25. Lebensjahr muss der Praktikant sich selbst über eine gesetzliche Krankenkasse versichern, der Arbeitgeber bezahlt einen Pauschalbeitrag siehe Krankenversicherung über die elterliche Haftpflichtversicherung oder Haftpflichtversicherung speziell für Studenten
Schülerpraktikum über die Familienversicherung (GKV) der Eltern, oder über die private Krankenversicherung siehe Krankenversicherung über die elterliche Haftpflichtversicherung
Auslandspraktikum über die GKV oder PKV, gegebenenfalls über eine zusätzliche Auslandskranken­versicherung am besten über eine private Unfallversicherung, der Schutz gilt weltweit über die elterliche Haftpflichtversicherung oder Haftpflichtversicherung speziell für Studenten
freiwilliges Praktikum nach Studienabschluss ohne Entgelt über eine gesetzliche Krankenkasse, der Arbeitgeber bezahlt einen Pauschalbeitrag siehe Krankenversicherung über die elterliche Haftpflichtversicherung oder eine selbst abgeschlossene Haftpflichtversicherung
freiwilliges Praktikum nach Studienabschluss mit Entgelt über eine gesetzliche Krankenkasse, bis 450 Euro zahlt der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag, bei einem Verdienst darüber wird der Pflichtbeitrag jeweils anteilig vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer übernommen siehe Krankenversicherung über die elterliche Haftpflichtversicherung oder eine selbst abgeschlossene Haftpflichtversicherung
Einkommensgrenze beachten
Obwohl die Beschäftigung nicht zu einer Versicherungspflicht als Arbeitnehmer führt, kann aufgrund der Höhe des Entgelts der Versicherungsschutz durch die Familienversicherung entfallen. Überschreitet das monatliche Gesamteinkommen regelmäßig die Grenze von 405 Euro, so muss sich der Student selbst versichern, zum Beispiel als pflichtversicherter Student.

Vor- oder Nachpraktikum gegen Entgelt

Neben dem Zwischenpraktikum kann auch ein Vorpraktikum bzw. Nachpraktikum von der Studien- und Prüfungsordnung vorgesehen sein. Bei einem Vor- oder Nachpraktikum ist der Student nicht an der Hochschule oder Universität immatrikuliert und hat das Studium noch nicht begonnen bzw. bereits abgeschlossen. Für die versicherungsrechtliche Beurteilung ist es entscheidend, ob der Praktikant eine Vergütung erhält oder nicht. Erfolgt das Praktikum gegen Entgelt, so besteht die Versicherungspflicht als Arbeitnehmer in der Kranken- und Pflegeversicherung sowie in der Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Sondervorschrift für unentgeltliche Vor- / Nachpraktika

Erfolgt das entsprechende Praktikum jedoch unentgeltlich, so ist der Praktikant kein kranken- und pflegeversicherungspflichtiger Arbeitnehmer. Aufgrund einer Sondervorschrift besteht jedoch eine Pflichtmitgliedschaft bei einer gesetzlichen Krankenkasse, soweit kein Versicherungsschutz durch eine bestehende Familienversicherung gewährleistet ist.

Grundsätzliche Versicherungspflicht in der Arbeitslosen- und Rentenversicherung
In der Arbeitslosen- und Rentenversicherung besteht die Versicherungspflicht unabhängig von der Zahlung eines Entgelts. Der Praktikant hat den Status eines Berufsauszubildenden, wobei die Beiträge allein vom Arbeitgeber zu zahlen sind.

Haftpflichtversicherung: ein Muss für Studenten

Grundsätzlich sollte jeder Student eine private Haftpflichtversicherung abschließen, soweit dieser nicht mehr durch die elterliche Versicherung geschützt ist. Viele Haftpflichtversicherungen für Studenten enthalten einen Schutz, der die Zeit des Praktikums umfasst. Zumeist gelten jedoch bestimmte Sonderregelungen sowie Einschränkungen, zum Beispiel in Bezug auf die Praktikumsdauer und den Ort, an dem der Schaden entstanden ist. Darüber hinaus beschränken die Gesellschaften oftmals auch die Versicherungssumme.

Zusätzliche Absicherung beim Auslandspraktikum

Für Praktikanten, die ihr Praktikum im Ausland absolvieren möchten, empfiehlt es sich, eine zusätzliche private Auslandskrankenversicherung abzuschließen, um im Krankheitsfall ausreichend geschützt zu sein und immense Kosten zu vermeiden. Prinzipiell sind die Praktikanten jedoch auch im Ausland über die GKV oder PKV weiterhin krankenversichert. Ebenso empfiehlt sich auch eine private Unfallversicherung, da der Versicherungsschutz hier weltweit greift. Wer sich als Praktikant im Ausland rundum absichern möchte, hat die Möglichkeit eine komplette Auslandszeit-Versicherung abzuschließen, die für den Auslandsaufenthalt sowohl die Reise- und Unfallversicherung, als auch die Haftpflichtversicherung umfasst.

Haftpflichtschutz weltweit
Wer als Student eine Haftpflichtversicherung abschließt, sollte darauf achten, dass der Versicherungsschutz weltweit gilt. Insbesondere dann, wenn ein Auslandspraktikum oder -semester geplant ist.

Versicherungsfreies Schülerpraktikum

Schülerpraktika werden von Schulen initiiert und dienen als Orientierungshilfe für die spätere Berufswahl. Ein Schülerpraktikum ohne Entgelt ist grundsätzlich versicherungsfrei, auch dann, wenn vom Arbeitgeber ein Taschengeld als Anerkennung gezahlt wird. Die Schüler sind über die Familienversicherung der Eltern gesetzlich krankenversichert bzw. über einen eigenen Vertrag privat versichert, soweit die Eltern über eine private Krankenversicherung abgesichert sind. Über die Familienversicherung sind Schüler zudem auch unfallversichert. Die Unfallversicherung gilt jedoch nur für Unfälle während der Arbeit sowie Wegunfälle. Haben die Eltern ihr Kind zusätzlich über eine private Unfallversicherung versichert, so umfasst der Versicherungsschutz sowohl das Berufs-, als auch das Privatleben.

Freiwilliges Praktikum nach Studienabschluss

Viele Absolventen entscheiden sich nach dem Ende ihres Studiums für ein Praktikum, entweder zur Orientierung oder auch als Einstieg in ein Unternehmen. Mit der Exmatrikulation endet die Versicherungspflicht als Studierender, soweit keine private Krankenversicherung bestanden hat. Um auch weiterhin krankenversichert zu sein, kann der ehemalige Student sich zunächst freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse versichern. Die Familienversicherung bis zum 25. Lebensjahr besteht nur dann weiter, wenn der Versicherte jünger als 23 Jahre ist und keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Absolviert ein freiwilliger Praktikant sein Praktikum ohne Entgelt oder ist er geringfügig beschäftigt, so ist er als Arbeitnehmer versicherungsfrei und es ändert sich hinsichtlich der versicherungrechtlichen Beurteilung nichts. Bei einer geringfügigen Beschäftigung ist der Arbeitgeber jedoch verpflichtet einen Pauschalbeitrag in die Krankenkasse einzuzahlen. Überschreitet die Vergütung 450 Euro, so ist der Praktikant als Arbeitnehmer versicherungspflichtig. Die Pflichtbeiträge werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber und dem freiwilligen Praktikanten bezahlt.

Arbeitslosen- und Rentenversicherung

Für die Arbeitslosenversicherung gilt ebenso wie für die Rentenversicherung die 450-Euro-Grenze. Dementsprechend ist ein freiwilliger Praktikant versicherungsfrei, soweit es sich um eine geringfügige Beschäftigung oder ein unbezahltes Praktikum handelt. Bei einem Verdienst über der Grenze gilt die Versicherungspflicht als Arbeitnehmer und die Beträge werden zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt.

Beispielfall der Praktikantin Jessica Lutschak aus Berlin

Stell dich doch erst einmal kurz vor: Wie heißt Du? Wie alt bist Du? Und woher kommst Du?

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Jessica Lutschak: Ich heiße Jessica Lutschak und bin 24 Jahre alt. Seit Kurzem wohne ich in Berlin, ursprünglich komme ich aus Rostock.

Seit wann arbeitest Du bei Urlaubsheld und in welcher Position?

Jessica Lutschak: Ich arbeite seit Oktober 2015 als freiwillige Praktikantin bei Urlaubsheld. Davor war ich Studentin und habe meinen Master in Germanistik gemacht.

Handelt es sich dabei um ein bezahltes oder ein unentgeltliches Praktikum?

Jessica Lutschak: Das Praktikum wird vergütet.

Hast Du Dir vor dem Praktikum schonmal Gedanken über Deinen Versicherungsschutz gemacht?

Jessica Lutschak: Mit dem Thema Krankenversicherung habe ich mich, mehr oder weniger zwangsläufig, auch schon vor meinem Praktikum beschäftigt. Schon während meines Studiums habe ich immer wieder Post von meiner Krankenversicherung bekommen, die von mir wissen wollte was ich nach meinem Studium machen werde. Als ich dann wusste, dass ich ein Praktikum machen werde, war es für mich schwierig, die nötigen Informationen zu finden. Ich wusste nur, dass ich nach meinem Abschluss nicht mehr über die Familienversicherung abgesichert bin, aber nicht wie viel ich zahlen muss. Natürlich habe ich mir auch Gedanken darüber gemacht, den Anbieter zu wechseln, mich am Ende dann aber doch dagegen entschieden.

Denkst Du, dass Du ausreichend versichert bist? Welche Versicherungen hast Du oder von welchen weißt Du?

Jessica Lutschak: Grundsätzlich denke ich schon, dass ich ausreichend versichert bin. Um eine Hausratversicherung habe ich mich bisher ehrlich gesagt noch nicht gekümmert, weil ich in einer WG zur Untermiete wohne und gar nicht so recht weiß, wie es in dem Fall mit meinem Versicherungsschutz aussieht. Ich weiß auch, dass es außerdem noch eine KfZ-Versicherung und eine Zahnzusatzversicherung gibt. Ich habe aber kein Auto und auch eine Zahnversicherung halte ich nicht für nötig.

versicherungsmakler-alex

Versicherungsmakler Alexander Vorgerd von transparent-beraten.de: Da Jessica in einer WG wohnt, empfehle ich ihr, eine Hausratsversicherung für alle WG-Mitglieder abzuschließen, da eine einzelne “Zimmerversicherung” nur für das entsprechende Zimmer gilt und nicht für die ganze Wohnung. Außerdem sollte sie auf jeden Fall eine Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, da beide zu den elementaren Versicherungen gehören, die ein junger Mensch haben sollte. Eher ist hierbei noch auf die Berufsunfähigkeitsversicherung zu verzichten aber eine Haftpflichtversicherung sollte prinzipiell jeder haben. Diese kostet in der Regel auch nicht mehr als 50 Euro im Jahr.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 24.04.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Mario Müller
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