Die Wohngebäude­versicherung wird teurer – was Sie tun können

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Wie Sie auf eine Preiserhöhung Ihrer Wohngebäude­versicherung reagieren sollten, was es bei einem Versicherungs­wechsel zu beachten gilt und ob sich das überhaupt lohnt.

Inhalt dieser Seite
  1. Prämienanstiege durch Schäden
  2. Höhere Prämien bei vielen Anbietern
  3. Die ordentliche Kündigung
  4. Das Sonderkündigungsrecht

Das Wichtige in Kürze

  • An einem Wohngebäude entstehen oft unerwartet Schäden, die sehr schnell hohe Kosten verursachen können. Deshalb ist eine Wohngebäude­versicherung für jeden Hauseigentümer elementar.
  • Doch für viele Hausbesitzer wird die Wohngebäude­versicherung nun teurer.
  • Beim Wechsel zu einem günstigeren Anbieter muss zuerst der alte Vertrag gekündigt werden. Ein Wechsel lohnt sich nicht immer.

Zu viele Gebäudeschäden lassen die Prämien ansteigen

Die Beiträge für die Wohngebäude­versicherungen drohen in Zukunft weiter zu steigen, solange die Versicherer weniger Geld einnehmen, als sie ausgeben. Geraten die Gebäude­versicherer längere Zeit in finanziell härtere Zeiten, bekommen deshalb viele Versicherte Schreiben, in denen ihnen die Verteuerung der Prämien mitgeteilt wird. Stimmen die Kunden dieser Preiserhöhung nicht zu, droht die Kündigung.

Heftige Unwetter sorgten in der Vergangenheit häufig für schwere Einbußen bei den Bilanzen der Wohngebäude­versicherer. Einige Anbieter ziehen dann die Notbremse. Im Zusammenhang mit besonders schweren Stürmen, Orkanen und Unwettern dieser Art müssen die Versicherer in Deutschland Kosten von mehreren Milliarden Euro stemmen. Vertreter der Branche haben früher bereits bestätigt, dass in solchen Fällen Altverträge gekündigt werden.

Viele Versicherer verlangen höhere Prämien

Die Welle von Änderungskündigungen betrifft fast alle Bundes­länder und Versicherungs­unternehmen. Beispielsweise hatte der Ergo-Konzern Mitte 2013 den Anfang gemacht. Rund 120.000 Kunden hatte der Versicherer damals die Kündigung ausgesprochen, sollte keine neue und teurere Wohngebäude­versicherung abgeschlossen werden. Wenig später erreichte auch 15.000 Allianz-Kunden, die Kunden der Stuttgarter SV Sparkassen­versicherung und der genossenschaftlichen R+V-Versicherung die Nachricht, dass sie höhere Preise zahlen müssen, wenn sie nicht gekündigt werden wollen.

Die R+V-Versicherung hat die Beiträge für ältere Verträge sogar um 20 Prozent erhöht. Dies kann sich schnell zu mehreren hundert Euro im Jahr summieren. Aber nicht nur die R+V Versicherung zahlt mehr aus, als sie einnimmt, auch viele andere Anbieter verlieren mit ihrer Wohngebäude­versicherung Geld, solange sich flächendeckende Unwetterschäden häufen. Es kündigten auch schon mal über 80 Prozent der Versicherer im selben Zeitraum an, die Prämie ihrer Wohngebäude-Policen um mehr als fünf Prozent erhöhen zu wollen.

Beitrags­erhöhung: So reagieren Sie richtig

Wenn Sie den Brief ihrer Versicherung erhalten haben, in dem angekündigt wird, dass sich ihre Prämie erhöht, sollten Sie zunächst einen kühlen Kopf bewahren und nicht sofort ablehnen. Denn verweigern Sie ihre Unterschrift, so droht Ihnen die Kündigung der bisherigen Police durch den Versicherer. Das sollten Sie jedoch unbedingt vermeiden!

Der Grund: Bei einem Neuantrag muss der Kunde angeben, ob der bisherige Vertrag durch den früheren Versicherer gekündigt worden ist. Ist dies der Fall, wird ein neuer Versicherer das Gebäude meist nur zu einer höheren Prämie, mit einer höheren Selbstbeteiligung oder gar nicht versichern. Eine Kündigung durch den Versicherer wird vom neuen Anbieter meist als Ausschluss wegen zu hoher Schadensrisiken angesehen. Es ist daher immer empfehlenswert, dass die Kündigung vom Kunden ausgeht – nachdem Angebote von anderen Versicherern eingeholt und diese verglichen wurden.

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Die ordentliche Kündigung

Bevor Sie zu einem neuen, günstigeren und/oder besseren Anbieter wechseln, muss der alte Vertrag gekündigt werden. Dabei gibt es einiges zu beachten. Zum einen kann der Vertrag ordentlich gekündigt werden. In der Regel muss eine Kündigung drei Monate zum Ende der Vertragslaufzeit erfolgen. Bei Verträgen mit einer Laufzeit von drei oder fünf Jahren ist eine Kündigung nur drei Monate zum Ende der Vertragslaufzeit möglich. Wer es nicht mehr schafft, nach einem günstigeren Anbieter Ausschau zu halten und zu wechseln, bevor sich der Vertrag ändert, sollte deshalb erst das unterbreitete Angebot annehmen und sich dann nach einem anderen Versicherer umsehen.

Bei Hypothek ist Zustimmung erforderlich

Ist Ihr Haus mit einer Hypothek belastet, so ist eine Kündigung nur möglich, wenn Sie die schriftliche Zustimmung aller im Grundbuch genannten Kreditgeber eingeholt haben. Die meisten Gläubiger legen Wert darauf, dass bereits eine Anschluss­versicherung nachgewiesen werden kann.

Das Sonderkündigungsrecht

Wenn ihre Versicherung die Beiträge erhöht, ohne dass die Leistungen dementsprechend angepasst werden, haben Sie ein außerordentliches Kündigungsrecht. In diesem Fall müssen Sie die Kündigung der Wohngebäude­versicherung innerhalb eines Monats nach Erhalt der Benachrichtigung über die Beitrags­erhöhung aussprechen.

Ein Wechsel der Wohngebäude­versicherung aufgrund der Beitrags­erhöhung lohnt sich nicht unbedingt. Schließlich wird es branchenweit Beitrags­anpassungen geben. Besonders, wenn es in den letzten Jahren bereits zu einem Schaden gekommen ist, kann es schwierig werden, eine günstige Alternative zur bisherigen Wohngebäude­versicherung zu finden. Besteht jedoch eine Vor­versicherung von beispielsweise fünf oder mehr Jahren und es kam in dieser Zeit zu keinem Schaden, dann finden Hausbesitzer oftmals ein anderes Angebot.

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