Zahnarzt klagt vor Gericht gegen Versicherer

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von Nina Bruckmann
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Ein Zahnarzt klagt vor Gericht gegen einen Versicherer und wie das Landgericht München in diesem Fall entschieden hat.

Inhalt dieser Seite
  1. Die Ausgangslage
  2. Der Streitfall
  3. Das Ergebnis

Das Wichtige in Kürze

  • Ob eine „Betriebs­unterbrechungs­­versicherung“ oder eine „Dynamische Betriebs­unterbrechungs­­versicherung“ abgeschlossen wird, ist ein großer Unterschied.
  • Das Landgericht München hat nun einen solchen Fall einer Zahnarztpraxis verhandelt.

Die Ausgangslage

Der Versicherungs­nehmer, eine neugegründete Zahnarztpraxis, beauftragt einen Versicherungs­makler damit, eine Betriebs­unterbrechungs­­versicherung abzuschließen. Der Makler stellt daraufhin einen Antrag bei der Versicherung, in der eine „Betriebs­unterbrechungs­­versicherung“ angefordert wird. Hinweise auf eine Dynamik (also eine regelmäßige Erhöhung von Beiträgen und Leistungen) finden sich im Antrag nicht.

Daraufhin fertigt der Versicherer einen Versicherungs­schein aus, der mit „Dynamischer Betriebs­unterbrechungs­­versicherung“ überschrieben ist – nicht mit „Betriebs­unterbrechungs­­versicherung“ (also ohne Dynamik). In den Versicherungs­­bedingungen ist zudem vereinbart, dass für den Fall, dass eine Dynamik vereinbart wurde, die Versicherungs­summe sich jährlich um 10 Prozent automatisch erhöht.

Der Streitfall

5 Jahre nach Abschluss des Vertrages tritt ein Wasserschaden ein und der Versicherungs­nehmer verlangt die vollständige Erstattung seines Betriebs­unterbrechungs­schaden. Der Versicherer geht allerdings davon aus, dass keine Dynamik vereinbart wurde, was zu einer deutlich niedrigeren Versicherungs­summe führt. Der Versicherer wendet ein, dass eine Unter­versicherung vorliegt, da der Umsatz gegenüber dem Zeitpunkt des Vertragsschlusses erheblich gestiegen sei. Eine Dynamik, die eine Unter­versicherung verhindert hätte, sei schließlich nicht vereinbart worden.

Hier stellt sich die in der Praxis häufig auftretende Frage, ob der Versicherer den Einwand der Unter­versicherung erheben kann oder zumindest der Makler haftet.

Bei Rechtsfragen wenden Sie sich an Rechts- und Fachanwalt für Versicherungs­recht:

Dr. Knut Pilz

E‑Mail: pilz@pwp.berlin
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Das Ergebnis

Vorliegend kann der Versicherungs­nehmer den Versicherer in Anspruch nehmen, da er darauf vertrauen kann, dass die Angaben im Versicherungs­schein zutreffend sind, also vorliegend eine dynamische Betriebs­unterbrechungs­­versicherung vereinbart wurde. Denn es wird vermutet, dass der Versicherungs­schein den Inhalt des abgeschlossenen Vertrages zutreffend und vollständig wiedergibt. Der Versicherer darf daher seine Leistung nicht kürzen.

Jedenfalls haftet aber der Versicherungs­makler dafür, dass er den Versicherungs­nehmer nicht klar auf die Möglichkeit der Vereinbarung einer Dynamik hingewiesen hat. Überdies hätte es zu den Pflichten des Maklers gehört, die Versicherungs­summe regelmäßig zu prüfen, so dass er dem Versicherungs­nehmer zumindest zum Schadensersatz­ verpflichtet ist. Insoweit handelt es sich beim Thema Unter­versicherung um eine typische „Haftungsfalle“ für den Makler.


Der verhandelte Fall

Der Rechtsstreit wurde vor dem Landgericht München unter dem Aktenzeichen 23 O 1575/17 verhandelt und endete mit einem Vergleich.

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