Gut abgesichert ins Ehrenamt starten – Welche Versicherungen sind notwendig?

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Welche Absicherung benötigen Sie für Ihr Ehrenamt und welche Versicherungen müssen ehrenamtliche Organisationen vorweisen?

Inhalt dieser Seite
  1. Der Versicherungs­­bedarf von Ehrenamtlichen
  2. Sinnvolle Versicherungen für Ehrenamtliche
  3. Versicherungen für ehrenamtliche Organisationen

Das Wichtige in Kürze

  • Ehrenamtliche sind nicht automatisch durch den Organisator des Ehrenamtes versichert. Es kommt immer auf den jeweiligen Träger und die Konstellation an.
  • Privater Versicherungs­schutz sollte für Ehrenamtliche zumindest in den Bereichen privater Unfallschutz, Berufsunfähigkeitsschutz und Haftpflichtschutz bestehen.
  • Die Betriebs- bzw. Vereins­haftpflicht­versicherung ist die zentrale Versicherung, um ehrenamtliche Organisationen vor Haftpflichtrisiken zu schützen. Eine Rechtsschutz­versicherung macht ebenfalls Sinn.
  • Ehrenamtliche Organisationen können Ehrenamtlichen günstigen Versicherungs­schutz durch Gruppenunfall­versicherungen, Rahmenverträge zur Berufsunfähigkeits­versicherung und die Dienstreise-Rahmen­versicherung ermöglichen.

Wie sieht die Versicherungs­situation für Ehrenamtliche aus?

Ein Ehrenamt ist eine Aufgabe oder eine Tätigkeit, die jemand freiwillig aus altruistischen Motiven und allenfalls für eine geringfügige Vergütung übernimmt. Es gibt eine ungeheure Bandbreite und Vielzahl an ehrenamtlichen Tätigkeiten. Viele finden im Rahmen von rechtlich organisierten Trägern statt. Einige ehrenamtliche Aufgaben werden dauerhaft bzw. auf längere Zeit ausgeübt (z.B. Mitwirkung in Vereinen), andere nur im Einzelfall (z.B. Mithilfe im Katastrophenfall). Schon durch diese verschiedenen Möglichkeiten des Ehrenamts stellt sich die Versicherungs­situation für Ehrenamtliche sehr unterschiedlich dar. Ist eine Träger-Organisation oder ein Träger-Verein vorhanden, kümmert diese sich häufig um ausreichenden Versicherungs­schutz. Fehlt diese, ist man selbst in der Verantwortung, für ausreichende Absicherung zu sorgen.

Welche individuellen Versicherungen sind für Ehrenamtliche sinnvoll?

Diese Versicherungen sollte ein Ehrenamtlicher haben:


Unfall­versicherung

Bei vielen Ehrenämtern besteht ein nicht unerhebliches Unfallrisiko. Das gilt insbesondere bei Ehrenämtern, bei denen körperlicher Einsatz in Gefahrensituationen gefragt ist. Ein ausreichender Unfallschutz ist daher wichtig. Wenn ein gesetzlicher Unfallschutz besteht, ist die Ehrenamtstätigkeit abgesichert, ebenso Wege, die von der oder zur Ausübung des Ehrenamtes zurückgelegt werden. Allerdings stellt sich die Versicherungs­lage sehr vielschichtig dar.

Versicherungs­lage bei Ehrenamtstätigkeiten

  • Einige ehrenamtliche Tätigkeiten sind automatisch gesetzlich unfallversichert. Dazu zählen u.a. ehrenamtliche Rettungskräfte, Mitarbeiter in der Wohlfahrtspflege, Ehrenamtler in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, Organisationen und Kirchen, Mitglieder im Bundes­freiwilligendienst usw.
  • In einigen Bundes­ländern existiert darüber hinaus ein gesetzlicher Unfallschutz für ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement.
  • Bei vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten besteht die Möglichkeit einer freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Unfall­versicherung über die jeweiligen Träger-Organisationen. Das gilt u.a. für ehrenamtlich Tätige in Sportvereinen und anderen gemeinnützigen Vereinen, in Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden sowie in Parteien. Davon wird vielfach Gebrauch gemacht.

Sollte kein gesetzlicher Unfallschutz bestehen oder dieser als nicht ausreichend angesehen werden, kommt ersatzweise oder ergänzend eine private Unfall­versicherung in Betracht. Die private Unfall­versicherung leistet nicht nur bei Unfällen im Ehrenamt, sondern auch bei sonstigen Unfällen im Sport, zu Hause und in der Freizeit – und zwar weltweit. Bewirkt ein Unfall eine dauerhafte Schädigung, besteht Anspruch auf eine Invaliditätsleistung – in schweren Fällen wird sogar eine Unfallrente gezahlt. Die Beiträge für eine private Unfall­versicherung sind überschaubar. Ein guter Schutz ist schon für weniger als 10 Euro Monatsbeitrag erhältlich.

Alles zur privaten Unfall­versicherung


Berufsunfähigkeits­versicherung

Eine private Berufsunfähigkeits­versicherung kommt dann zum Tragen, wenn man in Ausübung des Ehrenamts längere Zeit oder dauerhaft berufsunfähig wird. In der Regel geschieht das durch Unfälle und schwere Verletzungen während der ehrenamtlichen Tätigkeit. In diesen Fällen greift dann meist schon der gesetzliche Unfallschutz, ggf. auch eine private Unfall­versicherung.

Die Leistungen der Unfall­versicherung und der Berufsunfähigkeits­versicherung schließen einander nicht aus. Wenn eine Berufsunfähigkeits­versicherung besteht, leistet diese dann zusätzlich. Da die gesetzliche Unfallrente oft knapp bemessen ist, macht die Berufsunfähigkeits­versicherung durc­haus Sinn. Sie ist unabhängig vom Ehrenamt ein wichtiger Versicherungs­schutz, da auch sonst das Risiko besteht, infolge schwerer Erkrankungen berufsunfähig zu werden. Jeder Berufstätige sollte im Sinne der finanziellen Existenzsicherung über einen solchen Schutz verfügen – und zwar möglichst bis zum Beginn der gesetzlichen Rente. Die Berufsunfähigkeits­versicherung zahlt dann bis zum offiziellen Rentenbeginn eine Berufsunfähigkeitsrente.

Alles zur Berufsunfähigkeits­versicherung


Private Haftpflicht­versicherung

Anders als in der Unfall­versicherung gibt es keinen gesetzlichen Haftpflichtschutz für Ehrenamtliche. Träger-Organisationen und -Vereine verfügen in der Regel über eine Betriebs- bzw. Vereins­haftpflicht­versicherung, zwingend ist das aber nicht. Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten außerhalb eines solchen organisatorischen Gefüges ist eher davon auszugehen, dass kein Haftpflichtschutz besteht.

Mit einer privaten Haftpflicht­versicherung kann man sich als Ehrenamtler entsprechend absichern. Sie gehört auch sonst zur Grundausstattung beim persönlichen Versicherungs­schutz. Denn für Folgen seines Tuns oder Unterlassens ist man stets in der Haftung – und zwar betraglich nicht begrenzt und in Höhe des tatsächlich zu verantwortenden Schadens.

Die private Haftpflicht­versicherung leistet in der Regel nicht bei Vermögensschäden, die ein Ehrenamtlicher in leitender Stellung in einer Organisation zu verantworten hat. Solche Schäden sind häufig explizit ausgeschlossen. Bei unentgeltlicher Tätigkeit ist die Vorstands-Haftung meist nur auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit begrenzt. In diesem Fall haftet man allerdings auch als Ehrenamtlicher mit seinem gesamten Privatvermögen.

Alles zur Haftpflicht­versicherung

Welche Versicherungen sollten ehrenamtliche Organisationen haben?

Über diese Versicherungen sollten ehrenamtliche Organisationen verfügen:


Betriebs- bzw. Vereins­haftpflicht­versicherung

Träger ehrenamtlicher Tätigkeit, die über eine eigene Rechtspersönlichkeit verfügen wie zum Beispiel Vereine, sind für Schäden haftbar, die im Rahmen ihrer Trägerfunktion verursacht werden. Eine entsprechende Vorschrift findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 31 BGB). Danach ist der Verein für Schäden verantwortlich, den Vorstände, Vorstandsmitglieder und Vertreter in Ausübung ihrer Ämter bei Dritten verursachen.

Die Haftung gilt grundsätzlich für Sach-, Personen- und Vermögensschäden und ist wie bei der privaten Haftpflicht betraglich nicht begrenzt. Eine Vereins- bzw. Betriebs­haftpflicht­versicherung ist daher für solche Träger unverzichtbar. Fälle, in denen die Haftung zum Tragen kommen kann, gibt es viele:

Schadensbeispiele für Haftpflichtschäden

  • Fallbeispiel 1 Während einer Veranstaltung eines Sportvereins rutscht ein Besucher auf dem eisglatten Eingang zum Sportplatz aus und bricht sich ein Bein. Der ehrenamtliche Platzwart hatte das Streuen vergessen. Für die Behandlungs­kosten und weitere Schadensfolgen wird der Verein haftbar gemacht.
  • Fallbeispiel 2 Bei einer sehr ausgelassenen Vereinsfeier werden die angemieteten Räumlichkeiten stark ramponiert und müssen anschließend renoviert werden. Der Verein haftet für die Renovierungskosten und die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes.

Die Leistungen der Betriebs- und Vereins­haftpflicht­versicherung sind bei allen Anbietern ähnlich.

Wichtig ist, dass auch folgende Ereignisse abgedeckt sind:

  • Schlüsselverlust (ein häufiges Vereinsproblem, das insbesondere bei Schließanlagen teuer werden kann)
  • Mietsachschäden
  • Schäden bei Vereinsveranstaltungen (die Abdeckung von satzungsmäßigen Veranstaltungen ist üblich, bei satzungsfremden Veranstaltungen wird häufig eine gesonderte Veranstalter­haftpflicht benötigt)
  • Schäden bei Vereinsausflügen und -reisen (möglichst auch im Ausland)
  • Schäden im Kontext von Essens- und Getränkeausgaben (Behandlungs­kosten durch verdorbene Lebensmittel, Salmonellen)
  • Vermögensschäden gegenüber Dritten
  • eigene Vermögensschäden des Vereins (ggf. wird hierfür eine besondere Vermögensschaden­haftpflicht benötigt)

Der Haftpflichtschutz bei Vermögensschäden gilt üblicherweise nur bei Vermögensschäden gegenüber Dritten. Typischer Fall: Ein Ehrenamtler eines Vereins stellt einem Sponsor eine fehlerhafte Spendenquittung aus. Dieser kann darauf seine Spende steuerlich nicht absetzen und macht den Verein für seinen Verlust haftbar. Nicht unbedingt abgedeckt sind Eigenschäden, d.h. Schäden, die Vereinsmitglieder – insbesondere Vereinsvorstände – dem Verein selbst durch fehlerhaftes Handeln zufügen. Hier kommt es auf das jeweilige Versicherungs­produkt an.

Alles zur Betriebs­haftpflicht­versicherung


Haftpflicht bei Ehrenamtlern in leitender Stellung

Ein besonderes Thema ist die Haftung von ehrenamtlichen Vorständen und anderen leitenden ehrenamtlich Tätigen in Vereinen. Hier existiert eine Sonderregelung. Rechtsgrundlage ist § 31a BGB. Danach haften unentgeltlich tätige „Organmitglieder“ gegenüber dem Verein bei einem aus ihrer Tätigkeit verursachten Schaden nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit. Bei Vergütung der Tätigkeit gilt eine Bagatellgrenze von 720 Euro im Jahr. Im Zweifel muss der Verein Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit nachweisen, was unter Umständen schwierig sein kann. Gelingt dies, muss der Betreffende finanziell auch in der Lage sein, Schadensersatz­ zu leisten.

Einige Versicherer bieten daher auch für Organmitglieder in Vereinen die sogenannte D&O-Versicherung an. „D&O“ steht dabei für „Directors & Officers“. Die D&O-Versicherung soll in erster Linie finanzielle Schadensersatz­ansprüche des Vereins gegen leitende Funktions­träger absichern. Sie kommt meist nur bei Vereinen in Betracht, bei denen es um größere Summen geht. Das ist nicht unbedingt der „normale“ Sport- oder Schützenverein vor Ort.

Der Haftpflichtschutz beinhaltet üblicherweise auch entsprechenden Rechtsschutz. Das heißt, werden Haftpflichtansprüche gegenüber dem Träger einer ehrenamtlichen Tätigkeit geltend gemacht, übernimmt die Versicherung auch Anwalts- und Prozesskosten im Zusammenhang mit rechtlichen Auseinandersetzungen.

Alles zur D&O-Versicherung


Rechtsschutz­versicherung

Die häufigsten Rechtsstreitigkeiten entstehen Trägern ehrenamtlicher Tätigkeit bei Haftungsfragen. Besteht eine Betriebs- bzw. Vereins­haftpflicht­versicherung, ist ein Rechtsschutz für solche Fälle bereits automatisch vorhanden. Rechtsstreitigkeiten können sich aber auch in anderen Zusammenhängen ergeben, zum Beispiel bei Mietverhältnissen, bei Arbeitsverträgen, bei Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt usw. Für solche Fälle bietet sich eine weitergehende Rechtsschutz­versicherung an. Viele Versicherer bieten einen speziellen Vereins­rechtsschutz an – eine Variante der Firmen­rechtsschutz­versicherung.

Ein solcher Vereins­rechtsschutz deckt meist folgende Felder ab:

  • Haftpflicht-Rechtsschutz
  • Arbeitsgerichts-Rechtsschutz
  • Steuer­rechtsschutz
  • Sozialgerichts-Rechtsschutz
  • Straf­rechtsschutz
  • Rechtsschutz bei Ordnungswidrigkeiten
  • Daten­rechtsschutz

Verkehrs­rechtsschutz für Vereinsfahrzeuge und Miet- bzw. Grundstücks­rechtsschutz können üblicherweise gegen Aufpreis hinzugebucht werden. Angesichts der vielfältigen Rechtsbeziehungen, in der die meisten Träger-Organisationen stehen, macht ein solcher erweiterter Rechtsschutz durc­haus Sinn.

Alles zur Firmen­rechtsschutz­versicherung


Gruppen-Unfall­versicherung

Vereine und andere Organisationen mit eigener Rechtspersönlichkeit haben die Möglichkeit, Gruppen-Unfall­versicherungen für ihre ehrenamtlichen Helfer abzuschließen. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine private Unfall­versicherung, bei der aber nicht eine einzelne Person, sondern Personengemeinschaften versichert sind. Dadurch wird die Kalkulation oft günstiger und viele Versicherer gewähren bei der Gruppen-Unfall­versicherung einen Mengenrabatt im Vergleich zur Einzel­versicherung. Besteht eine Gruppen-Unfall­versicherung, erübrigt sich oft ein Individual-Unfallschutz, selbst wenn kein gesetzlicher Unfallschutz im Ehrenamt gegeben ist.

Berufsunfähigkeits­versicherung über Rahmenvertrag

Ähnlich wie bei der Gruppen-Unfall­versicherung können für Ehrenamtler Sonderkonditionen bei der Berufsunfähigkeits­versicherung ermöglicht werden. Der Träger schließt dann mit dem Versicherer einen Rahmenvertrag zur Berufsunfähigkeits­versicherung ab. Ehrenamtler haben dann die Möglichkeit, unter diesem ­versicherungs­technischen Dach individuell eine Berufsunfähigkeits­versicherung zu vereinbaren. Dafür gelten dann häufig vereinfachte Gesundheits­fragen und Vorzugsprämien.

Die Gruppen-Unfall­versicherung und Rahmenvereinbarungen zur Berufsunfähigkeits­versicherung lassen sich auch als kleiner materieller Anreiz und als Dankeschön für die ehrenamtliche Tätigkeit sehen. Ob ein solches Angebot einen echten Mehrwert bietet, hängt natürlich vom jeweiligen Anbieter bzw. von den gebotenen Konditionen ab. Deshalb lohnt sich ein Versicherungs­vergleich.

Dienstreisen-Rahmen­versicherung

Es kommt häufig vor, dass Ehrenamtler ihr Privatfahrzeug für die Ausübung der ehrenamtlichen Tätigkeit einsetzen. Mit einer Dienstreisen-Rahmen­versicherung kann die jeweilige Trägerorganisation zusätzlichen Versicherungs­schutz bieten, wenn bei der Dienstfahrt ein Schaden verursacht wird. Dann tritt zwar zunächst der eigene Kfz-Schutz ein. Die Dienstreisen-Rahmen­versicherung trägt aber ggf. Kosten einer Höherstufung in der Haftpflicht­versicherung der Kfz-Versicherung und in der Vollkasko­versicherung. Besteht kein Vollkaskoschutz, übernimmt die Dienstreisen-Rahmen­versicherung die Reparaturkosten.

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Katharina Tennius
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