Wie sind Flüchtlingshelfer versichert?

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Wie ehrenamtliche Flüchtlingshelfer während ihrer Arbeit versichert sind, welche Voraussetzungen sie dafür erfüllen müssen und wo die Grenzen des Versicherungs­schutzes sind.

Inhalt dieser Seite
  1. Versicherung über Organisationen
  2. Versicherung für Flüchtlingshelfer
  3. Diese Fälle sind ausgeschlossen
  4. Haftpflicht­­versicherung

Das Wichtige in Kürze

  • Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sind durch die Organisation, bei der sie helfen, und die Länder ­haftpflicht- und unfallversichert.
  • Für gesetzlichen Versicherungs­schutz muss es sich jedoch um organisierte Hilfe handeln.
  • Prüfen Sie, ob auch ehrenamtliche Arbeit in Ihrer privaten Haftpflicht versichert ist.

Versicherung über Organisationen und Länder

Die Flüchtlingsversorgung in Deutschland funktioniert nur so gut, weil es so viele freiwillige Helfer gibt. Die Ehrenamtlichen organisieren Freizeitaktivitäten, Sportveranstaltungen, Spielenachmittage und helfen bei der Ausgabe von Spenden und Essen. Vielen von ihnen ist dabei gar nicht bewusst, wie sie im Schadensfall versichert sind. Der Staat honoriert das ehrenamtliche Engagement, denn die gesetzliche Unfall­versicherung greift in vielen Situationen. Doch auch bei durch die Helfer verursachten Schäden leistet oft die von den Ländern flächendeckend abgeschlossene Haftpflicht­versicherung für Ehrenamtliche.

Versicherung über Organisationen

Wer als Mitglied seines Sportclubs Flüchtlingen hilft, ist in der Regel über die Haftpflicht des Sportvereins abgesichert. Wer sich privat als freiwilliger Helfer eingetragen hat und aus Versehen einen Schaden verursacht, der ist über die Haftpflicht­versicherung der Trägerorganisation versichert. Mitglieder einer kirchlichen Organisation, die ohne die Einwilligung einer Kommune Flüchtlingen helfen, können über die Verwaltungsberufsgenossenschaft versichert sein. Wenn die Hilfe über ein Unternehmen der Wohlfahrtspflege (z. B. Caritas) erfolgt, liegt die Zuständigkeit bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheits­dienste.

Gesetzlicher Versicherungs­schutz stark verbessert

Der Versicherungs­schutz bei Unfällen und Haftungsansprüchen wurde von staatlicher Seite in den letzten Jahren stark verbessert, was das freiwillige Engagement betrifft. Alle Länder haben eine private Haftpflicht­versicherung zugunsten ehrenamtlich engagierten abgeschlossen. Der Kreis der Versicherten wurde zudem einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Versicherung für Flüchtlingshelfer

Die meisten Helfer sind bei der Ausübung ihrer Tätigkeit gesetzlich versichert. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kommune die organisatorische Regie der Flüchtlingshilfe übernimmt. Sie muss für die Einteilung und Überwachung der Aufgaben zuständig sein und eine Weisungsbefugnis über die freiwilligen Helfer haben. Zudem muss sie die Organisationsmittel zur Verfügung stellen, das wirtschaftliche Risiko tragen und nach Außen als Verantwortlicher auftreten.

Eine schriftliche Beauftragung der Helfer ist nicht zwingend notwendig, allerdings erleichtert eine Helfer-Liste die Kostenerstattung nach einem Unfall. Denn bei einem Unfall muss die Kommune bestätigen, welche Person als Helfer kommunale Aufgaben wahrgenommen hat. Dabei sind alle Aufgabenbereiche versichert, die sonst eine Kommune übernimmt.

Nur organisierte Helfer sind gesetzlich versichert

Wenn die Flüchtlingshelfer Aufgaben übernehmen, die eigentlich in den Bereich der Kommunen fallen und wenn sie im Auftrag der Kommune wie Beschäftigte tätig werden, dann genießen sie auch den Versicherungs­schutz von Beschäftigten der Kommune. Freiwillige Helfer genießen den Schutz der gesetzlichen Unfall­versicherung, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind. Das Engagement muss

  • freiwillig
  • unentgeltlich
  • und regelmäßig ausgeübt werden
  • von Ländern, Kommunen, Verbänden, Trägern oder sonstigen Vereinen organisiert sein
  • und anderen zugute kommen

Das ist bei der gesetzlichen Unfall­versicherung versichert:

  • die Arbeit
  • Hin- und Rückweg zum Arbeitsort

Das übernimmt die gesetzliche Unfall­versicherung im Schadensfall:

Die Leistungen aus der privaten Unfall­versicherung sind umfassender als die der Kranken­versicherung. Folgende Leistungen bietet die GUV in der Regel:

  • Kosten für die ärztliche Behandlung
  • Reha-Maßnahmen
  • monatliche Rentenansprüche bei vollständiger Erwerbs­minderung
  • ist die Erwerbs­fähigkeit um 20 Prozent gemindert, bekommt der Verletzte von der Unfall­versicherung eine monatliche Verletztenrente

Diese Fälle sind von der Leistung der gesetzlichen Unfall­versicherung ausgeschlossen

Wenn Flüchtlingshelfer nicht mit einer Organisation zusammenarbeiten, sondern beispielsweise spontan Spenden zu Flüchtlingsunterkünften bringen, handeln die Helfer privat. Wenn Helfer außerdem grob fahrlässig oder vorsätzlich handeln, müssen sie selbst für den verursachten Schaden aufkommen. Auch wenn der Helfer auf dem Weg zur Arbeit oder von dort nach Hause einen Umweg macht, ist dieser Umweg nicht im Versicherungs­schutz der gesetzlichen Unfall­versicherung abgesichert.

Haftpflicht­versicherung für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Wenn man als ehrenamtlicher Helfer Flüchtlingen hilft und dabei einer anderen Person einen Schaden zufügt, muss man in der Regel nicht für den Schaden aufkommen. Für den Schaden haftet dann die Trägerorganisation bzw. deren Haftpflicht­versicherung. Für Schäden, die ein Helfer nicht vorsätzlich anderen Personen zugefügt hat, kommt die eigene private Haftpflicht­versicherung auf, falls vorhanden.

Es sollte jedoch geprüft werden, ob die private Haftpflicht­versicherung ehrenamtliche Tätigkeiten mit absichert. Gewählte Ehrenamtliche wie beispielsweise Vorstandsmitglieder von Vereinen haften in der Regel mit ihrer privaten Haftpflicht­versicherung. Wenn eine solche Privat­haftpflicht nicht existiert, sind die meisten Flüchtlingshelfer jedoch über die Sammel-Haftpflicht­versicherungen der Länder abgesichert.

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