Gesundheits­fragen in der Pflege­versicherung

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von Swantje Niemann
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Wie sich die Gesundheits­prüfung der Pflege­versicherung auf den Zugang zu Versicherungs­schutz und dessen Kosten auswirkt und bei welchen Tarifen es nicht nötig ist, Gesundheits­fragen zu beantworten.

Inhalt dieser Seite
  1. Fragen dienen der Risikoermittlung
  2. Vorerkrankungen: Erhöhtes Risiko
  3. Tarife ohne Gesundheits­­prüfung
  4. Keine Prüfung im Pflege Bahr

Das Wichtige in Kürze

  • Wer eine private Pflege­versicherung abschließen möchte, um den rudimentären gesetzlichen Versicherungs­schutz im Pflegefall wirkungsvoll zu ergänzen, muss mit Gesundheits­fragen im Versicherungs­antrag rechnen.
  • Die Versicherung will damit überprüfen, wie hoch das Risiko für sie ist, dass der Versicherte später tatsächlich pflegebedürftig und damit die Leistungen in Anspruch nehmen wird. Anhand dieses Risikos wird der zu zahlende Versicherungs­beitrag berechnet.
  • Gerade für Menschen mit Vorerkrankungen können sich die Gesundheits­fragen zu einem Stolperstein auf dem Weg zum leistungsstarken Versicherungs­schutz erweisen.

Gesundheits­fragen dienen der Risikoermittlung

Für Verbraucher ist es erst einmal gut und interessant zu verstehen, warum der Versicherer Gesundheits­fragen im Antrag stellt.

Die privaten Pflegekassen kalkulieren die Versicherungs­beiträge unter anderem anhand des Alters des Versicherten und anhand der gewünschten Pflegeleistung. Je älter derjenige ist, der sich versichern möchte, desto höher werden die monatlich zu leistenden Beiträge ausfallen. Das liegt daran, dass bei älteren Antragstellern ein tendenziell höheres Risiko besteht, dass der Versicherungs­fall bereits in absehbarer Zeit eintritt.

Das heißt, je älter man ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, zum Pflegefall zu werden. Bei jungen gesunden Menschen ohne Krankheits­geschichte kann die Versicherung davon ausgehen, dass der Versicherungs­nehmer erstmal einige Jahre oder Jahrzehnte in die Police einzahlt, bevor er sie, wenn überhaupt, in Anspruch nimmt.

Die Assekuranz möchte damit bei älteren Versicherten schneller ein gewisses finanzielles Polster aufbauen und beteiligt den Versicherungs­nehmer an dem potenziellen Risiko eventuell bereits nach einigen Jahren die vereinbarte Leistung in Form von Pflegetagegeld oder einer Pflegerente erbringen zu müssen.

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Vorerkrankungen erhöhen das Risiko

Menschen mit bestehenden Erkrankungen werden tendenziell immer mit einem Risikozuschlag rechnen müssen. Denn wer im Versicherungs­antrag Vorerkrankungen, wie z.B. einen Bandscheibenvorfall anzeigt, offenbart dem Versicherer, dass eine tendenziell höhere Gefahr besteht, irgendwann eventuell auch durch diese Erkrankung zum Pflegefall zu werden.
Für die Versicherung gilt die einfache Rechnung: Vorerkrankungen erhöhen das Risiko.

Daher erheben die meisten Anbieter einen sogenannten Risikozuschlag, der auf den monatlichen Grundbeitrag mit angerechnet wird. Damit wird der Versicherungs­nehmer von Anfang an dem erhöhten Risiko des Versicherers beteiligt. Diese Geschäftspraxis mag ärgerlich sein, doch sie ist üblich und kann, wenn es sich um moderate und angemessene Risikozuschläge handelt, auch akzeptiert werden.

Die Alternative zu den Risikozuschlägen sind Leistungs­ausschlüsse. Das heißt, wenn der Verbraucher bei den Gesundheits­angaben beispielsweise angibt, dass er bereits einen Bandscheibenvorfall hatte, nimmt sich die Assekuranz mit einem Leistungs­ausschluss das Recht heraus, keine Pflegegeld (bei einer Pflegetagegeld­versicherung) bzw. keine Rente (bei Abschluss eine Pflegerenten­versicherung) zu zahlen, wenn die Pflegebedürftigkeit durch einen Bandscheibenvorfall eintritt. Eine weitere Variante auf eine lange Krankheits­geschichten zu reagieren, ist die komplette Antragsablehnung.

Wahrheitsgemäße Beantwortung ist Pflicht

Gesundheits­fragen im Versicherungs­antrag müssen unbedingt wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet werden. Häufig machen sich Versicherte auch aus Unwissenheit einer sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung schuldig, indem sie Vorerkrankungen unterschlagen. Für die Beantwortung der Gesundheits­fragen sollte man sich daher unbedingt genügend Zeit nehmen und höchste Sorgfalt darauf verwenden.

Stellt der Versicherer später fest, dass die Fragen nicht vollständig oder falsch beantwortet wurden, kann er die Leistung verweigern oder sogar den kompletten Versicherungs­vertrag anfechten. Deshalb sollte man beispielsweise auch seinen Hausarzt dazu befragen und eventuell Einsicht in seine Kranken­akte beantragen. Auch die Berücksichtigung des Betrachtungszeitraumes ist von höchster Wichtigkeit. Auch bei diesem heiklen Teil des Versicherungs­abschlusses kann ein Versicherungs­makler behilflich sein.

Nicht jeder Tarif fordert Gesundheits­prüfung

Wer mit Vorerkrankungen belastet ist und eine Antragsablehnung oder hohe Risikozuschläge befürchtet, sucht häufig nach einer Alternativ­versicherung ohne Gesundheits­prüfung. Solche Tarife gibt es tatsächlich, deshalb empfiehlt es sich, bei einem Versicherungs­vergleich auch auf solche Alternativen zu achten. Die Gesundheits­prüfung wird bei solchen Angeboten meist nur sehr rudimentär anhand von wenigen Fragen durchgeführt.

Auch sind die geforderten Betrachtungszeiträume von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. So gibt es Anbieter, die einen Zeitraum von zehn Jahren abfragen. Andere begnügen sich mit einem fünf Jahre oder auch nur drei Jahren umfassenden Zeitraum. Solche Tarife sind empfehlenswert für Verbraucher, die beim Abschluss einer privaten Zusatzpflege­versicherung Probleme erwarten.

Pflege-Bahr ohne Gesundheits­prüfung

Die staatlich geförderte Pflege-Bahr ist die staatlich geförderte Form der Pflegezusatz­versicherung. Dieser Tarif unterliegt dem Kontrahierungszwang. Das heißt, hier muss jeder Antragsteller auch eine Versicherung abschließen können. Außerdem sind Leistungs­ausschlüsse und Risikozuschläge verboten. Daher gibt es bei der Pflege-Bahr auch keine Gesundheits­prüfung. Damit kommt sie gut für Verbraucher in Frage, die eine Gesundheits­prüfung nicht bestehen würden.

Zwar ist die geförderte Pflege-Bahr nicht so leistungsstark wie die ungeförderten Pflegezusatz­versicherungen (Die Leistungen in dem jeweiligen Pflegegrad sind sehr viel geringer.) und deckt damit nur einen Teil der Versorgungslücke bei Pflegebedürftigkeit ab, doch sie kann gerade für Menschen mit Krankheits­geschichte und anderen Risikofaktoren gut geeignet sein, einen soliden Versicherungs­schutz zur Ergänzung der Pflegepflicht­versicherung zu bekommen.

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