Was passiert mit der privaten Kranken­­versicherung während Kurzarbeit?

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von Nina Bruckmann
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Alle Informationen zur privaten Kranken­­versicherung während der Kurzarbeit, wie sich der Arbeitgeberzuschuss verhält und was Kurzarbeit für das Kranken­tagegeld bedeutet.

Inhalt dieser Seite
  1. Kurzarbeit und Versicherungs­­schutz in der PKV
  2. Arbeitgeberzuschuss während Kurzarbeit (inkl. Beispielrechnung)
  3. Kranken­­tagegeld während Kurzarbeit
  4. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Arbeitnehmer, die privat versichert sind, müssen während der Kurzarbeit nicht in die gesetzliche Kranken­­versicherung wechseln.
  • Für den Arbeitgeberzuschuss zur privaten Kranken­­versicherung gelten während der Kurzarbeit besondere Regeln.
  • Eine Kranken­tagegeld­versicherung wird von der Kurzarbeit nicht beeinflusst.

Kurzarbeit und der Versicherungs­schutz in der privaten Kranken­­versicherung

In der privaten Kranken­­versicherung (PKV) verlieren Versicherte während Kurzarbeit nicht ihren Anspruch auf Versicherung. Bei Kurzarbeit bleibt das eigentliche Gehalt bestehen und wird nur als zeitlich befristete Maßnahme gesenkt. Selbst wenn das Gehalt des Arbeitnehmers während der Kurzarbeit unter die Versicherungs­pflichtgrenze fällt, entsteht nicht sofort eine Versicherungs­pflicht in der gesetzlichen Kranken­­versicherung.

Was bedeutet Kurzarbeit?

In einer schwierigen wirtschaftlichen Lage können Unternehmen auf das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen. Dieses kann genutzt werden, wenn eine Firma die Produktion einschränken muss, zum Beispiel weil aufgrund ausbleibender Lieferungen nicht weiter gearbeitet werden kann. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bei der Bundes­agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld für die Arbeitnehmer beantragt und über den Arbeitgeber ausgezahlt werden.

Dauer

Es besteht keine feste Regelung dazu, wie lange Kurzarbeit andauern kann, ohne dass sie Einfluss auf die Versicherungs­freiheit nimmt. Liegt das Gehalt jedoch länger als drei Monate unter der Versicherungs­pflichtgrenze, sollten privat Versicherte Kontakt mit der gesetzlichen Kranken­­versicherung aufnehmen, da diese über die Versicherungs­pflicht von Arbeitnehmern entscheidet.

Arbeitgeberzuschuss zur PKV während Kurzarbeit

Privat versicherte Angestellte erhalten auch während Kurzarbeit den Arbeitgeberzuschuss zur privaten Kranken­­versicherung. Der Zuschuss orientiert sich dabei an dem noch tatsächlich gezahlten Lohn und ist begrenzt auf die Hälfte des zu zahlenden PKV-Beitrags­. Zusätzlich gibt es, ähnlich wie bei gesetzlich Versicherten, einen Zuschuss zur PKV auf das Kurzarbeitergeld. Berechnungsgrundlage ist hier das sogenannte fiktive Arbeits­entgelt, das mit 80 Prozent der Differenz zwischen dem regulären Brutto­einkommen und dem Kurzlohn während der Kurzarbeit angesetzt ist.

Da für die Zeit der Kurzarbeit die meisten geltenden Höchstgrenzen und Deckelungen aufgehoben sind, kann der Gesamtzuschuss auch deutlich mehr als die üblichen 50 Prozent betragen. Er ist jedoch weiterhin begrenzt auf die Höhe des tatsächlich zu zahlenden PKV-Beitrags­.


Beispielrechnung

PKV-Beitrag des Arbeitnehmers600 €
Monatliches Brutto­einkommen regulär6.000 €
Kurzlohn in Kurzarbeit3.000 €
Fiktives Arbeits­entgelt2.400 €
(6.000 € – 3.000 € = 3.000 €
3.000 € * 80% = 2.400 €)

In diesem Fall liegen der tatsächlich gezahlte Lohn und das fiktive Arbeits­entgelt zusammen über der Beitrags­bemessungsgrenze von 4.837,50 Euro (2021). Daher wird das fiktive Arbeits­entgelt entsprechend gekürzt:

Beitrags­bemessungsgrenze (2021)4.837,50 €
Kurzlohn in Kurzarbeit3.000 €
Gekürztes fiktives Arbeits­entgelt1.837,50 €
(4.837,50 € – 3.000 €)

Auf dieser Grundlage lässt sich nun der Arbeitgeberzuschuss und der Beitrags­zuschuss für das fiktive Arbeits­entgelt berechnen:

Arbeitgeberzuschuss238,50 €
(3.000 € * 7,95%)
Beitrags­zuschuss für fiktives Arbeits­entgelt292,16 €
(1.837,50 € * 15,9%)

Nach Auffassung des Bundes­gesundheits­ministeriums greift auch hier die Begrenzung des Arbeitgeberzuschusses auf die Hälfte des Beitrags­, den der Arbeitnehmer für seine private Kranken­­versicherung zahlt. Durch den Zuschuss auf das fiktive Arbeits­entgelt wird dieser bei der Berechnung des Arbeitgeberzuschusses vom PKV-Beitrag abgezogen. Es wird also in diesem Beispiel ein PKV-Beitrag in Höhe von 307,84 Euro angesetzt. Somit liegt der Arbeitgeberzuschuss bei 153,92 Euro.

PKV-Beitrag600 €
Abzüglich Beitrags­zuschuss307,84 €
(600 € – 292,16 €)
Arbeitgeberzuschuss153,92 €
(288,49 € / 2)
Beitrags­zuschuss ingesamt461,76 €

Der Arbeitnehmer erhält also einen Zuschuss zur privaten Kranken­­versicherung in Höhe von insgesamt 461,76 Euro. Dies liegt über dem eigentlichen maximalen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 384,58 Euro pro Monat (2021).

Kranken­tagegeld während Kurzarbeit

Wer krank wird, während er in Kurzarbeit ist, erhält die übliche Lohnfortzahlung über sechs Wochen hinweg vom Arbeitgeber – allerdings nur den Kurzlohn. Im Anschluss übernimmt die Kranken­­versicherung bei gesetzlich Versicherten und zahlt das Kranken­geld aus. Dieses wird so berechnet, als gäbe es keine Kurzarbeit. Bei privat Versicherten, die eine Kranken­tagegeld­versicherung abgeschlossen haben, zahlt diese nach sechs Wochen die vereinbarten Beiträge aus.

Was Sie generell als Arbeitnehmer beim Thema Kurzarbeit beachten müssen, haben wir Ihnen hier zusammengefasst:

Was Arbeitnehmer in Kurzarbeit erwartet

Fazit

Generell berührt die Kurzarbeit den Versicherungs­status in der privaten Kranken­­versicherung nicht. Fällt das Gehalt jedoch für einen längeren Zeitraum unter die Versicherungs­pflichtgrenze, sollten Arbeitnehmer sich bei der gesetzlichen Kranken­­versicherung informieren. Zusätzlich werden privat versicherte Angestellte während der Kurzarbeit entlastet, indem sie höhere Beitrags­zuschüsse als bei normaler Beschäftigung erhalten können.

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