Beitrags­bemessungsgrenze in der Kranken­­versicherung

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Wie hoch die Beitrags­bemessungsgrenze der Kranken­­versicherung gegenwärtig ist und das dies für Ihre Versicherungs­beiträge bedeutet.

Inhalt dieser Seite
  1. Beitrags­­bemessungsgrenze kurz erklärt
  2. Wie hoch ist die Beitrags­­bemessungsgrenze?
  3. Auswirkungen auf die PKV
  4. Überblick: Sozial­­versicherungen
  5. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Die Beitrags­bemessungsgrenze ist die Obergrenze für das Einkommen, das zur Berechnung von Beiträgen zu verschiedenen Kranken­- und Sozial­versicherungen herangezogen werden kann.
  • Die Beitrags­bemessungsgrenze der Kranken­­versicherung ist indirekt auch für privat Versicherte relevant. 2021 beträgt sie 58.050 Euro pro Jahr.
  • Arbeits­losen- und Renten­versicherung haben ihre eigenen Beitrags­bemessungsgrenzen.

Was ist die Beitrags­bemessungs­­grenze der Kranken­­versicherung?

Wie auch bei anderen Sozial­versicherungen bestimmt bei der gesetzlichen Kranken­­versicherung (GKV) eine Beitrags­bemessungsgrenze (BBG) darüber, wie hoch die Beiträge maximal ausfallen können. Darin unterscheidet sich die GKV von der privaten Kranken­­versicherung (PKV). Die Höhe der GKV-Beiträge bemisst sich nach dem Einkommen des Versicherungs­nehmers – normalerweise beträgt er 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen.

Allerdings gibt es ein Limit, bis zu welcher Höhe Einnahmen für die Berechnung des Beitrags­ herangezogen werden können. Das ist die Beitrags­bemessungsgrenze.

Überschreitet ein (sehr) hohes Einkommen die festgelegte Beitrags­bemessungsgrenze, wird dieser Grenzwert zur Berechnung der Beiträge herangezogen. Die Differenz zum tatsächlichen Einkommen wirkt sich damit nicht mehr auf die Beiträge aus.

Einkommens­grenze zur Berechnung des Mindest­betrags

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Der Beitrags­bemessungsgrenze steht in der GKV die Einkommens­grenze zur Berechnung des Mindest­betrags gegenüber. Dieses fiktive Mindest­einkommen für freiwillig gesetzlich Versicherte wie z.B. ältere Studenten und Selbständige beträgt 2021 1.096,67 Euro. Daraus resultiert ein Mindest­beitrag von ungefähr 154 Euro pro Monat.

Wie hoch ist die Beitrags­bemessungsgrenze?

Die Beitrags­bemessungsgrenze wird anhand der Entwicklung der Brutto­löhne und -gehälter von Arbeitnehmern festgelegt. In 2021 beträgt die Beitrags­bemessungsgrenze 58.050 Euro. Rechtliche Grundlage ist der Paragraph 68 Abs. 2 im SGB VI. Um die Berechnung zu vereinfachen, wird gegenüber dem vorherigen Kalenderjahr auf 600 Euro pro Jahr oder 50 Euro pro Monat aufgerundet. Mit generell steigenden Gehältern und Löhnen, hebt sich also auch die Beitrags­bemessungsgrenze an.

Entwicklung und aktuelle Höhe der BBG

In den letzten Jahren entwickelte sie sich wie folgt:

JahrBeitrags­bemessungsgrenze (Jahr)Beitrags­bemessungsgrenze (Monat)
201752.200 €4.350,00 €
201853.100 €4.425,00 €
201954.450 €4.537,50 €
202056.250 €4.687,50 €
202158.050 €4.837,50 €

Gegenwärtig (Stand 2021) beträgt die Beitrags­bemessungsgrenze also 58.050 Euro, was einem monatlichen Brutto­einkommen von exakt 4.837,50 Euro entspricht.


Rechenbeispiel : So wirkt sich die Beitrags­bemessungsgrenze aus

Welchen Effekt diese Zahl auf die zu leistenden Beiträge hat, lässt sich an einem Beispiel gut erklären: Person A verdient 4.000 Euro brutto im Monat. Zur Berechnung der zu leistenden Beiträge werden also die gesamten 4.000 Euro herangezogen. Person B verdient 5.000 Euro brutto im Monat. Zur Berechnung wird die Beitrags­bemessungsgrenze herangezogen, also 4.837,50 Euro.

BeispielMonatliches EinkommenZur Beitrags­berechnung herangezogenMonatlicher Kranken­kassenbeitrag (14,6%)
Person A4.000 €4.000 €584 €
Person B5.000 €4.837,50 € (BBG)706,28 €

Die Differenz spielt für die Beitrags­zahlungen keine Rolle mehr. Das ist für Person B von Vorteil, da sie, gemessen am eigenen Einkommen, einen geringeren prozentualen Beitrag leistet – statt 730 Euro (14,6% von 5.000 Euro), zahlt sie 706,28 Euro (14,6 % von 4.837,50 Euro).


Was bedeutet das für Sie?

Vorteile erzielen durch die Beitrags­bemessungsgrenze also vor allem Gutverdiener und Reiche, da sie ohne die Beitrags­bemessungsgrenze weitaus höhere Beiträge zahlen würden. Normal- und Geringverdiener hingegen erleben keine nennenswerten Auswirkungen. Für die Kranken­kassen ist eine möglichst hohe Beitrags­bemessungsgrenze wünschenswert. Zusammen mit dem Etablieren der Beitrags­bemessungsgrenze wurde auch das Kranken­geld gedeckelt, da man davon ausgeht, dass Gutverdiener ihre laufenden Kosten bei Krankheit tragen können. Das stellt eine wichtige Entlastung der Kranken­­versicherungen dar.

Nicht verwechseln: Beitrags­bemessungs­grenze und Versicherungs­pflichtgrenze

Die Beitrags­bemessungsgrenze ist nicht mit der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) bzw. Versicherungs­pflichtgrenze zu verwechseln, da diese eine völlig andere Funktion innehat. Während die Beitrags­bemessungsgrenze bestimmt, was Versicherte der GKV maximal bezahlen, bestimmt die Jahresarbeitsentgeltgrenze, ob nicht selbständige oder verbeamtete Menschen zur Mitgliedschaft in der gesetzlichen Kranken­­versicherung verpflichtet sind oder sich privat versichern können.

Mehr zu den Voraussetzungen der PKV

Was passiert bei Mehrfachbeschäftigung?

Wenn Arbeitnehmer mehrere Jobs haben, lässt das die Beitrags­bemessungsgrenze unberührt: Bei Mehrfachbeschäftigung werden die Einkommen für die Berechnung der Beiträge so gekürzt, dass sie in der Summe die Beitrags­bemessungsgrenze nicht überschreiten. Die Beiträge verteilen sich dann auf die verschiedenen Jobs.

Was bedeutet die Beitrags­bemessungsgrenze für die private Kranken­­versicherung?

Anders als bei der gesetzlichen Kranken­­versicherung stehen die Beiträge der privaten Kranken­­versicherung in der Regel nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Beitrags­bemessungsgrenze – sie werden anhand anderer Faktoren gebildet. Das sind vor allem:

  • Struktur und Leistungs­umfang des Tarifs
  • Kostenstruktur des Versicherers
  • Gesundheits­zustand und Alter des Versicherten
  • Selbstbehalte

Die gesetzliche Beitrags­bemessungsgrenze ist dennoch bedeutsam für Privatpatienten, da sie sich auf den Basistarif der PKV und den Arbeitgeberzuschuss für Angestellte auswirkt.

Auswirkungen auf den Basistarif

Die für den PKV-Basistarif zu zahlenden Beiträge dürfen die Höchstbeiträge der GKV nicht überschreiten. Diese ergeben sich wiederum durch die Beitrags­bemessungsgrenze.

Mehr zum Basistarif

Auswirkungen auf den Arbeitgeberzuschuss

Wenn sich Angestellte für eine private Kranken­­versicherung entscheiden, bekommen sie für diese einen Arbeitgeberzuschuss, so wie dieser auch in der GKV vorgesehen ist. Die maximale Höhe dieses Zuschusses ist mit dem in der GKV identisch. Dieser ist von der Beitrags­bemessungsgrenze abhängig, beträgt also aktuell 384,58 Euro. Ist die PKV des Arbeitnehmers doppelt so teuer, ist der Arbeitgeberzuschuss prozentual kleiner.

Mehr zum Arbeitgeberzuschuss zur PKV

Sozial­versicherungen und ihre BBG im Überblick

Neben der Beitrags­bemessungsgrenze (BBG) für die Kranken­- und Pflege­versicherung gibt es auch eine Grenze für andere Sozial­versicherungen. Abzüglich des Arbeitgeberanteils entfallen etwa 20 Prozent des Brutto­einkommens auf die verschiedenen Sozial­versicherungen.

Die oben genannten Werte gelten für die Kranken­- und Pflege­versicherung. Die Arbeits­losen- und Renten­versicherung arbeitet mit einer eigenen Beitrags­bemessungsgrenze, die sich zudem in den neuen und alten Bundes­ländern unterscheidet. Sie funktioniert jedoch wie die Beitrags­bemessungsgrenze der Kranken­­versicherung: Sozial­versicherungs­beiträge werden nur bis zu einer bestimmten Einkommens­grenze erhoben. Für jeden Euro Gehalt über dieser Grenze fallen keine Beiträge mehr an.

2021 beträgt sie:

  • 7.100 Euro / Monat (West)
  • 6.900 Euro / Monat (Ost)

Sozial­versicherungs­anteile des Einkommens­

Die Sozial­versicherungs­anteile des Brutto­einkommens teilen sich wie folgt auf die verschiedenen Versicherungen auf:

VersicherungAnteil gesamtArbeitgeberanteil
Gesetzliche Renten­versicherung18,6 %9,3 %
Arbeits­losen­versicherung2,4 %1,2 %
Gesetzliche Kranken­­versicherung14,6 %17,3 % + durchschnittlich 0,65 %
Pflege­versicherung3.05 %1,525 %

Was sind beitragspflichtige Einnahmen?

Die Einnahmen, die für die Berechnung der verschiedenen Sozial­versicherungs­beiträge herangezogen werden, bezeichnet man als beitragspflichtige Einnahmen. Das sind:

  • Arbeits­entgelt aus ­versicherungs­pflichtiger Beschäftigung
  • Rente aus gesetzlicher Renten­versicherung und vergleichbare Einnahmen
  • Arbeits­einkommen, das neben der Rente erzielt wird

Auch Sonder­zahlungen sind voll beitragspflichtig, wenn sie nicht zu einer Überschreitung der Beitrags­bemessungsgrenze führen bzw. diese nicht bereits überschritten war. Der Arbeitgeber berechnet dann für den Monat der Einmalzahlung, wie sich die Beiträge durch diese verändern.

Beitrags­bemessungsgrenze und Kurzarbeit

Die Beitrags­bemessungsgrenze zur Arbeits­losen- und Renten­versicherung ist auch aus einem weiteren Grund relevant: Sie markiert auch die Höhe, bis zu der das Gehalt für die Berechnung des Lohns für Kurzarbeit herangezogen wird. Wer über der Beitrags­bemessungsgrenze verdient hat, erhält in der Kurzarbeit also einen geringeren prozentualen Anteil seines bisherigen Einkommens­ als jemand, dessen Einkommen unter dieser Grenze lag.

Mehr zum Thema Kurzarbeit und PKV

Fazit

Gutverdiener profitieren von der Beitrags­bemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken­­versicherung, während Gering- oder Normalverdiener sie ignorieren können. Für privat Versicherte ist die Beitrags­bemessungsgrenze relevant, weil sie die Beitrags­höhe für den Basistarif der PKV und die maximale Höhe des Arbeitgeberzuschusses bestimmt.
Weiterhin ist zwischen folgenden Angaben zu unterscheiden:

  • der Beitrags­bemessungsgrenze der Kranken­­versicherung
  • der Beitrags­bemessungsgrenze für die Sozial­versicherungs­beiträge
  • der Jahresarbeits- bzw. der Versicherungs­pflichtgrenze

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