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Vermögensverwaltung nach dem Tod

Im Todesfall eines Kunden läuft die Vermögensverwaltung weiter - die Erben spielen dabei eine große Rolle.
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Vermögensverwalter ist auch für die Gelder seines Kunden zuständig, wenn er stirbt.
  • Alle Rechte und Pflichten aus dem Vermögensverwaltungsvertrag gehen dann an die Erben über – darunter etwa die Auskunftspflicht.
  • Die Erben haben verschiedene Möglichkeiten, um sich vor dem Vermögensverwalter auszuweisen. Am besten passiert dies mit einem Erbschein.
  • Das Gesetz sieht Familienmitglieder als Erben vor. Mit einer Nachlassplanung kann der Erblasser aber einige Änderungen vornehmen.
  • Der Vermögensverwalter muss nach dem Tod seines Kunden die Gelder so anlegen, wie das vertraglich festgelegt wurde. Allerdings gibt es dabei Ausnahmen.

Welche Aufgaben hat ein Vermögensverwalter nach dem Tod seines Kunden?

Eine Vermögensverwaltung verwaltet das Geld ihrer Kunden. Der Vermögensverwalter trifft Anlageentscheidungen und setzt diese um. Nun kann es passieren, dass ein Kunde stirbt. Dann kommen die Erben oder der Erbe zum Zug. Denn alle Rechte und Pflichte gehen auf sie über. Grundsätzlich zählen zu den Rechten alle Ansprüche aus dem Vermögensverwaltungsvertrag zwischen Vermögensverwalter und Kunden. Dazu gehören etwa die Auskunfts- und Rechenschaftsansprüche. In der Regel bleiben diese Rechte der Erben auch erhalten, wenn der Erblasser einen Begünstigten ernannte. Dieser hat dann einen Anspruch auf die Auszahlung.

Erben haben auch Pflichten. Im Bereich der Vermögensverwaltung zählt hauptsächlich dazu, dass sie die vereinbarte Vergütung für die Zeit vor und nach dem Tod des Kunden leisten. Allerdings haben die Erben das Recht, den Vermögensverwaltervertrag außerordentlich zu kündigen. Es gibt auch Pflichten, die mit dem Tod aufhören – beispielsweise müssen die Nachkommen die Prämie einer Lebensversicherung nicht mehr bezahlen. Wichtig ist es aber, dies dem Vermögensverwalter mitzuteilen, falls die Zahlung einer Versicherung zum vertraglichen Leistungsumfang gehört. Sonst könnte es Überzahlungen geben.

… mehr zu Vermögensverwaltung

Wie weiß der Vermögensverwalter, wer die Erben sind?

Ein Vermögensverwalter hat Verschwiegensheits- und Sorgfaltspflichten. Deshalb ist es am besten, wenn er von den Erben einen Erbschein verlangt. Denn dieser hat öffentlichen Glauben und der Vermögensverwalter kann sich auf die Richtigkeit verlassen. Dass der Vermögensverwalter einen Erbschein verlangen darf, ist allerdings nicht gesetzlich verankert. Der Nachweis des Erbrechts kann aber vertraglich festgelegt werden.

Besteht keine vertragliche Regelung darüber, muss der Vermögensverwalter im Einzelfall überprüfen, ob die Unterlagen das Erbrecht auch nachweisen können. Möglich ist etwa die Vorlage eines Ausweises oder eines Testaments mit Protokoll über die Testamentseröffnung. Das Eröffnungsprotokoll schickt das Nachlassgericht den Erben zu. Ist weder Erbschein noch Testament vorhanden, kann auch ein gültiges Ausweisdokument sowie ggf. eine Todesfallbescheinigung den gesetzlichen Erben legitimieren.

Den Erbschein können Erben beim zuständigen Nachlassgericht beantragen. Dieser legitimiert ihn als Rechtsnachfolger des Erblassers. Auf dem Erbschein ist der Name des Erbens und ggf. sein Erbanteil festgehalten. Erben sollen sich aber sicher sein, dass sie das Erbe antreten wollen, um diesen zu beantragen. Denn mit diesem Schritt ist das Erbe offiziell angenommen. Die Kosten oder Gebühren des Erbscheins sind abhängig von der Höhe des Nachlasses.

Das passiert, wenn der Erbe unauffindbar ist

Es kann immer sein, dass der Vermögensverwalter nicht weiß, wer die Erben seines Kunden sind. Zum Beispiel, wenn sein Kunde wiederholt nicht auf Kontaktversuche reagiert oder sich kein Betreuer oder Erbe melden. Hier sind Nachforschungen nach dem Verbleib des Kunden empfehlenswert, etwa beim Einwohnermeldeamt. Bleiben diese erfolglos, kann beim Nachlassgericht recherchiert werden, ob der Kunde noch lebt.

Ist er verstorben und aus den Akten des Nachlass-Gerichtes klar, wer die Erben sind, kann der Vermögensverwalter um eine Kontaktvermittlung bitten. Sind die Erben im Todesfall immer noch nicht bekannt, sollte er eine Nachlasspflegschaft anregen. Für die unbekannten Erben übernimmt dann der Nachlasspfleger das Verwaltungs- und Verfügungsrecht.

Wie verwaltet der Vermögensberater das Geld seiner Kunden?

Die Pflichten aus dem Vermögensverwaltungsvertrag bleiben auch im Todesfall des Kunden bestehen. So muss er das anvertraute Vermögen verwalten, wie das vertraglich festgelegt wurde – vorausgesetzt die Erben schreiten nicht ein.

Doch was ist, wenn der Erblasser sein Geld riskant anlegen wollte und der Vermögensverwalter noch keine neue Anweisungen von den Erben bekommen  hat? Dies ist durchaus möglich, wenn sich die Erbengemeinschaft nicht einigen konnte oder der Erbe noch unbekannt ist. In diesem Fall ist es sinnvoll, auf die riskante Vermögensanlage zu verzichten. Denn sonst kann der Vermögensverwalter u.U. haftbar gemacht werden. Besteht bereits eine riskante Anlage, muss der Vermögensverwalter sorgfältig abwägen, ob diese erhalten bleiben sollte. Dabei spielen die Interessen der Erben, die Anweisungen der Erblasser sowie die bisherige Werteentwicklung eine Rolle.

Steuerliche Pflichten des Vermögensverwalters

Der Vermögensverwalter ist normalerweise dazu verpflichtet, beim Tod seines Kunden das Finanzamt über das von ihm verwaltete Vermögen in Kenntnis zu setzen. Dazu hat er bis zu einem Monat nach der Kenntnis des Ablebens Zeit. Sonst kann der Vermögensverwalter haftbar gemacht werden, falls zu wenig Steuern abgeführt wurde. Diese Regelung gilt auch für Banken, falls der Verstorbene dort Konten hatte. Diese müssen das Finanzamt auch darüber informieren, wenn Erben das Konto auflösen und die Gelder abheben.

Unser Service für Sie

Wenn Sie Fragen zur Vermögensverwaltung nach dem Tod haben, können Sie sich an uns wenden. Unsere Spezialisten helfen Ihnen gerne. Wir sind montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr unter 030 – 120 82 82 8 oder kontakt@transparent-beraten.de erreichbar.

Gemäß unserem Spezialisten für Vermögensverwaltung Sascha Riemann ist es wichtig, dass man sich schon zu Lebzeiten damit befasst, wie das Vermögen nach dem Tod verwaltet und verteilt werden soll: „Steht ein Testament zur Verfügung, ist es für alle Beteiligten leichter.“ Hilfreich sei für einen Vermögensverwalter auch, wenn er einen Ansprechpartner habe.

Sind also alle relevanten Informationen nach dem Tod vorhanden, verteilen wir das Vermögen nach Wunsch des Verstorbenen oder verwalten es weiter, so Riemann: „Sonst setzt sich ein Testamentvollstrecker mit uns in Verbindung, der das Vermögen nach den gesetzlichen Vorgaben aufteilt.“

Was passiert im Todesfall mit den Bankkonten des Erblassers?

Betreut ein Vermögensverwalter die Bankkonten seines Kunden, kann er in seinem Todesfall die Erben in der Regel darüber informieren und allenfalls auf ihren Wunsch Überweisungen oder sonstige Änderungen vornehmen. Ist kein Vermögensverwalter da, bleibt diese Aufgabe bei den Erben. Sie können in der Regel bei der Bank Auskunft einholen.

Wenn sie Geld abheben oder Überweisungen tätigen wollen, müssen sie das gemeinschaftlich tun. Das heißt, dass alle Miterben einen Überweisungsantrag tätigen müssen. Dies ist sowohl für die Erben als auch die kontoführende Bank kompliziert. Um dies zu vereinfachen, könnten Erben sich zum Beispiel auf einen Verwaltungsberechtigten einigen. Das ist aber nur möglich, wenn die Erben ein gutes Verhältnis zu einander haben.

Ein weiteres Problem ist es, für die Banken zu erkennen, wer die Erben denn sind. Oft dauert es  Wochen, bis der Erbschein ausgestellt wird. Damit solche Wartezeiten und andere Vollmachtsfragen geklärt werden können, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Erblasser sollten schon zu Lebzeiten für eine Vertrauensperson bei ihrer Bank eine Vollmacht aufsetzen.
  • Möglich ist auch eine notarielle Vorsorgevollmacht, die auch nach dem Tod gültig ist und Bankgeschäfte zulässt.
  • Viele Banken lassen es auch zu, dass im Todesfall ein Mitkontoinhaber über das Konto verfügt. Allerdings gilt diese Regelung nur so lange, wie dies die anderen Erben zulassen.
Bankkonten laufen im Todesfall weiter

Es ist ratsam, dass sich die Erben im Todesfall möglichst schnell mit den Bankkonten des Erblassers befassen, denn diese laufen erstmal weiter. Hatte der Erblasser zu Lebzeiten Überweisungsanträge  erteilt, dann werden diese nach dem Tod auftragsgemäß ausgeführt und können oft von den Erben nicht verhindert werden. Es sei denn, die Überweisung ist für einen bestimmten Termin in der Zukunft bestimmt. Auch Lastschriftermächtigungen, die der Erblasser erteilt hat, bestehen nach dem Tod grundsätzlich weiter. Eine Ausnahme ist, wenn der zugrunde liegende Vertrag mit dem Tod automatisch erlischt. Erben haben zudem die Möglichkeit, Daueraufträge zu stornieren.

Auch Verträge und Versicherungen spielen nach dem Tod eine Rolle

Die Angehörigen sollten sich im Todesfall einen Überblick über die Vertragsverhältnisse des Verstorbenen verschaffen. Denn viele Verträge laufen sonst weiter – darunter etwa der Mietvertrag. Daher ist es wichtig, dass sie sämtliche Vertragspartner über das Ableben informieren. Weitere Besonderheiten gelten bei Versicherungen. Wenn Sie wissen wollen, was es dabei genau zu beachten gibt, klicken Sie auf den Button.

… mehr zu Versicherungen nach dem Tod

Wer erbt überhaupt?

Wurde nichts anderes vereinbart, wird das Vermögen im Todesfall nach der gesetzlichen Erbfolge aufgeteilt. Diese richtet sich nach dem Grad der Verwandtschaft. Haupterbe sind der Ehepartner und sowie die Kinder. Aufgeteilt wird dies folgendermaßen:

  • Der Ehepartner erhält die Hälfte des Vermögens.
  • Die andere Hälfte teilen sich die Kinder gleichmäßig untereinander auf.
  • Ist kein Ehepartner vorhanden, erben die Kinder das ganze Vermögen.
  • Lebt eines der Kinder nicht mehr, erbt an seiner Stelle dessen Nachkommen.
  • Bleibt die Ehe kinderlos, bekommt der überlebende Ehepartner drei Viertel des Vermögens, der Rest erhalten die Eltern, Geschwister oder Neffen.
  • Bei kinderlosen Alleinstehenden erben die Eltern. Sind diese bereits verstorben, kommen an ihrer Stelle Geschwister, dann Nichten und Neffen, dann Großeltern, Onkel, Tanten und Cousinen zum Zuge.

Wenn Kinder Geld erben oder sonst zu Vermögen kommen, gilt es bei der Vermögensverwaltung einige Besonderheiten zu beachten. Lesen Sie dazu mehr im Beitrag Vermögensverwaltung für Kinder.

… mehr zu Vermögensverwaltung für Kinder

Nachlassplanung ist sinnvoll

Nun möchten aber viele Erblasser nicht, dass ihr Vermögen so aufgeteilt wird, wie es das Gesetz vorsieht. In diesem Fall ist eine Erbschaftsplanung zu Lebzeiten empfehlenswert. Abändern lässt sich die gesetzliche Aufteilung mit einem Testament bis zu einem gewissen Grad. Denn gemäß Gesetz erben bestimmte Personen einen Pflichtanteil, der 50 % des gesetzlichen Erbteils beträgt.  Das sind Ehepartner, die Nachkommen oder bei kinderlosen Verstorbenen die Eltern. Leben die Kinder des verstorbenen nicht mehr, sind deren Nachkommen die pflichtgeschützten Erben. Nicht weitervererbt werden können die Pflichtanteile des Ehepartners und der Eltern.

Mit Ausnahme dieser Pflichtanteile können also Erblasser bestimmen, wer das Vermögen erbt. So können sie mit Teilungsvorschriften ganz konkret nachweisen, wer welche Vermögenswerte aus dem Nachlass bekommt. Zum Beispiel die Ferienwohnung oder das wertvolle Erinnerungsstück. Sind solche Vorschriften nicht vorhanden, kann die Erteilung lange dauern und teuer werden. Denn die Erben müssen dann selber bestimmen, wer welchen Wertgegenstand erhält.

Häufige Fragen zum Thema Nachlass

Erblasser können ein privates Testament verfassen. Dieses müssen sie komplett von Hand schreiben und es mit der Unterschrift und am besten mit Datum versehen. Zwar ist diese Art der Nachlassregelung bequem, allerdings können beim Formulieren leicht Fehler passieren, sodass der letzte Wille am Ende doch nicht erfüllt wird.

Deshalb ist es ratsam, das Testament beim Notar auszustellen. Dieser kann helfen, die Anordnungen so zu formulieren, dass sie auch rechtlich einwandfrei sind. Außerdem wird das Testament amtlich verwahrt. Das notarielle Testament muss nicht handschriftlich verfasst worden sein.

Sofern sie die Pflichtanteile berücksichtigen, können Erblasser bei ihrem Nachlass nach Belieben Personen etwas vererben oder auch welche enterben. Möglich ist es,  Familienmitglieder und nicht Verwandte als Begünstigte zu ernennen. Ist nur eine Person begünstigt, ist diese Alleinerbe. Alle anderen Familienmitglieder erhalten dann nur ihren Pflichtteil. Der Erblasser kann aber auch eine einzelne Person enterben, in dem er festhält, dass diese nichts erbt. Auch eine juristische Person (z.B. eine Stiftung) darf beim Erbe begünstigt werden und der Erblasser darf beim Erbe Bedingungen aufstellen.

Sobald das Nachlassgericht vom Tod des Erblassers erfährt, muss es die beteiligten Personen über den Inhalt des notariellen Testaments informieren. Normalerweise passiert die sogenannte Testamentseröffnung innert wenigen Tagen.

Liegt nur ein privates Testament vor, wird ebenfalls offiziell der Nachlass eröffnet. Wer ein privates Testament nach dem Tod des Erblassers findet, muss es laut Gesetz dem Nachlassgericht übergeben. Dieses eröffnet es dann wie ein notarielles Testament.

Erben können nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden erhalten. Sofern sie nicht vom Erblasser ausdrücklich als Erbe ernannt oder als Alleinerbe eingesetzt wurden, müssen sie das Erbe aber nicht annehmen. Nach der Testamentseröffnung bzw. nach Bekanntwerden der Erbschaft haben sie sechs Wochen Zeit, um das Erbe vor dem Nachlassgericht abzulehnen.

Es lohnt sich also, sich im Erbfall  ausführlich über den Nachlasswert zu informieren. Allenfalls müssen Erben diese Informationen selber ermitteln, da nicht in jedem Testament der Umfang des Erbens genau angegeben ist. Der Vermögensverwalter oder auch die Bank helfen in so einem Fall weiter. Wie sich die Erben dort ausweisen, erfahren Sie hier.

Es ist möglich, innerhalb eines Jahres nach der Testamentseröffnung den Nachlass vor dem Nachlassgericht anzufechten. Der Grund dafür muss aber triftig sein. Bespiele dafür sind:

  • Wenn der Erblasser beim Verfassen des Testaments bedroht wurde.
  • Wenn ein Pflichtteilberechtiger nicht berücksichtigt wurde.
  • Wenn berechtigte Zweifel daran bestehen, ob das Testament echt ist.

Der Erblasser kann einen Testamentvollstrecker bestimmen, der seine letztwillige Verfügung ausführt und seine Interessen auch nach seinem Tod verwirklicht. Er schützt so sein Lebenswerk vor zersetzender Einwirkung. Der Testamentvollstrecker ist aber auch für die Nachkommen zuständig, wenn sie z.B. minderjährig sind. Ebenfalls vermittelt er bei Konflikten und hilft, den Nachlass wirtschaftlich zu verwalten. Die Aufgaben des Testamentvollstreckers kann der Erblasser im Testament bestimmen.

Wer erbt, muss sich auch mit Erbschaftsteuern befassen. Dabei gibt es allerdings diverse Sparmöglichkeiten. Mehr dazu erfahren Sie, wenn Sie auf den Button klicken.

… mehr zur Erbschaftssteuer

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 20.01.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Maja Sommerhalder
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