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Unfall in der Schule: Wer zahlt?

Der Sturz vom Klettergerüst oder der Zusammenprall mit einem anderen Schulkind: Wer zahlt eigentlich bei einem Unfall in der Schule? Und warum profitieren Kinder und Eltern, wenn auch kleine Unfälle der Versicherung gemeldet werden?

Unfall in der Schule: Welche Versicherung greift?

Für Unfälle in der Schule ist die gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Kinder und Eltern profitieren von dieser Regelung, denn die gesetzliche Unfallversicherung bietet bessere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung.

Die gesetzliche Unfallversicherung kommt nicht nur für die Kosten von ärztlichen Behandlungen auf, sondern gewährt zum Beispiel auch Zuschüsse für eventuell notwendige Haus- oder Wohnungsumbauten. Auch die Kosten für zum Beispiel Unterricht am Krankenbett werden im Bedarfsfall übernommen. Sollte ein gesundheitlicher Schaden nach einem Unfall nicht kurierbar sein, zahlt die Kasse sogar Zuschüsse zu einer lebenslangen Rente.

Grundsätzlich haben behandelnde Ärzte bei der gesetzlichen Unfallversicherung einen größeren Spielraum im Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse. Denn die Gebührenordnung, an die sich die Ärzte zu halten haben, ist hier großzügiger ausgelegt.

Auch kleine Unfälle melden!
Auch kleine Unfälle sollten die Eltern der Kasse melden, denn die Kostenübernahme gilt auch für Folgekosten. Schließlich können auch Monate oder Jahre später Komplikationen auftreten, die im Zusammenhang mit dem Unfall stehen. So kann ein Implantat für einen angeschlagenen Schneidezahn schon mal einen fünfstelligen Euro-Betrag kosten – auch Jahre nach dem eigentlichen Schulunfall.

Sind Schulweg und Ausflüge mitversichert?

Die gesetzliche Unfallkasse ist nicht nur für den Aufenthalt in Schule, Kindertagesstätte und Hochschule zuständig, sondern auch für Hin- und Rückfahrten sowie für Ausflüge. Klassenfahrten fallen ebenfalls darunter.

Vor Gericht wird regelmäßig über Umwege gestritten, die die Kinder auf dem Weg zur oder von der Schule machen. Ob Umwege mit zum Schulweg zählen, entscheiden Richter von Situation zu Situation neu. Entscheidend ist dabei unter anderem das Alter des Kindes. So wird bei einem Grundschüler ein versehentlicher Umweg durch zum Beispiel das Verpassen der richtigen Bushaltestelle eher als Schulweg akzeptiert als bei einem Schüler der Oberstufe.

Unfälle auf dem Heimweg melden
Unfälle in der Schule, der Kindertagesstätte oder der Hochschule werden von den Einrichtungen im so genannten Verbandbuch eingetragen. Sollte das Kind auf dem Heimweg verunfallen, sollten Eltern den behandelnden Arzt unbedingt darauf hinweisen, dass es sich um einen Schulwegunfall handelt. Die Leistungen, die dem Kind zustehen, sind dann größer. Denn wenn die gesetzliche Unfallkasse zuständig ist, gilt eine großzügigere Gebührenordnung, sodass umfangreichere Medikamente und Therapien gezahlt werden können.

Wer übernimmt die Kosten?

Für die Versicherten ist die gesetzliche Unfallversicherung beitragsfrei. Die Kosten der Schüler-Unfallversicherung werden von den Bundesländern bzw. den zuständigen Bezirksverwaltungen getragen.

Die Unfallkassen kümmern sich neben der Schadensregulierung auch um Prävention. Dazu gehören Forschung und Entwicklung sowie Fortbildungen von Pädagoginnen und Pädagogen.

Gibt es Anspruch auf Schmerzensgeld?

Die Aussichten auf ein Schmerzensgeld sind bei einem Schulunfall durchwachsen. Sind keine anderen Personen beteiligt, stehen die Chancen auf einen finanziellen Ausgleich eher schlecht – zumal die gesetzliche Unfallversicherung grundsätzlich kein Schmerzensgeld zahlt. Viele Gerichte hatten zuletzt entsprechende Klagen abgewiesen. Aussichten auf einen juristischen Erfolg gibt es höchstens, wenn der Schule bzw. der Lehrkraft eine grobe Verletzung der Aufsichtspflicht nachgewiesen werden kann.

Aufsichtspflicht Schule

Wer ist aufsichtspflichtig?

Die Aufsichtspflicht unterliegt in erster Instanz demjenigen Leher, dem die Schüler anvertraut sind. Es haben jedoch auch alle Lehrer einer Schule gegenüber den Schülern, die die Schule besuchen, eine Aufsichtspflicht.

Umfang der Aufsichtspflicht

Die Aufsichtspflicht besteht während des Unterrichtes, der dazwischen liegenden Pausen sowie anderer schulischer Veranstaltungen. Aber auch vor und nach Unterrichtsende bzw. Veranstaltungsende gilt für einen angemessenen Zeitraum bereits eine Aufsichtspflicht.
Die Aufsichtspflicht umfasst im Gegensatz zum Versicherungsschutz weder den Hin- noch den Rückweg.

Unfall in der Schule: Aufsichtspflicht verletzt?

Bei einer grob fahrlässigen Verletzung der Aufsichtspflicht haftet die betroffene Lehrkraft persönlich. In einem solchen Fall zahlt auch keine Versicherung. Der Lehrer muss im Zweifel Heilbehandlungskosten, Medikamente, Sachschäden, Folgekosten und Schmerzensgeld aus eigener Tasche zahlen.

Schadensersatzansprüche können bei öffentlichen Schulen aber auch gegenüber dem Dienstherren (Bundesland) geltend gemacht werden.

Aussicht auf Schmerzensgeld steigt, wenn Dritte involviert sind

Bessere Aussichten auf Schmerzensgeld gibt es, wenn Dritte beteiligt sind. Wurde das Kind zum Beispiel von einem Auto angefahren oder von einem Mitschüler absichtlich verletzt, liegt der Anspruch auf Schmerzensgeld durchaus im Bereich des Möglichen. Hier zahlt entweder die Kfz-Haftpflichtversicherung bzw. die private Haftpflichtversicherung Schmerzensgeld und Schadenersatz. Wurde das Kind jedoch unabsichtlich von einem anderen Schüler geschädigt, gibt es keinen Anspruch auf Schadensersatz. Grundsätzlich tendieren Gerichte im Streitfall dazu, den Kindern keine Absicht zu unterstellen.

Allgemeine Zuständigkeiten

Bei Unfällen, die der Schule, der Hochschule oder dem Kindergarten zugerechnet werden, sind die Unfallkassen der Bundesländer zuständig. Diese sorgen mit ihren Leistungen dafür, dass Folgen für Ausbildung oder Erwerbs­leben möglichst ausgeglichen werden. Ziel ist es, “dass das Kind so gestellt wird, als sei der Unfall nicht passiert“, so die Unfall­kasse Berlin.

Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung

Zu den Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung gehören unter anderem:

Heilbehandlung – Bei einem Schul- oder Wegeunfall übernimmt die Unfallversicherung anstelle der Krankenkasse die anfallenden Kosten für medizinische Behandlungen sowie für Heilmittel und Therapien.

Pflegegeld – Bis zu einer Grenze von gut 1.300 Euro übernimmt die Unfallversicherung die Kosten, die durch Pflegebedürftigkeit entstehen.

Rente – Bei einer Erwerbsminderung von mindestens 20 Prozent zahlt die gesetzliche Unfallversicherung eine Rente, wenn der Gesundheitsschaden mindestens 26 Wochen andauert.

Unfallanzeige

Damit Leistungen von der Unfallkasse erbracht werden, muss die Schule bzw. die Lehrkraft, die die Aufsichtspflicht hatte, eine Unfallanzeige schreiben. Das gilt für alle Arten von Unfällen, die sich im Zusammenhang mit der Schule ereignen.

Unfallanzeige nach Unfall in der Schule (Unfallbericht Schule)

Die Unfallanzeige muss zeitnah geschrieben und an die zuständige Unfallkasse geschickt werden. Im Unfallbericht (=Unfallanzeige) muss der Unfallhergang geschildert werden. Außerdem wird nach Zeugen gefragt. Vorlagen stehen in der Regel auf den Seiten der Unfallkassen zum Download zur Verfügung (Unfallanzeige – Vorlagen der Unfallkasse Berlin).

Schulunfall Arzt – Was muss ich beachten?

Nach einem Schulunfall sollte der betroffene Schüler zu einem sogenannten Durchgangsarzt gebracht werden. Es sei den die Verletzung ist offensichtlich nur gering. Es ist allerdings auch möglich zuerst beim Haus- bzw. Kinderarzt vorstellig zu werden. Dieser verweist den Patienten bei Bedarf weiter.

Durchgangsärzte werden von der gesetzlichen Unfallversicherung bestellt. Sie sind Fachärzte für Chirurgie und Orthopädie, mit Erfahrung im Bereich Unfallmedizin.

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