Kind krank: Tage, Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern (2022)

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Was zu tun ist, wenn das Kind von berufstätigen Eltern krank wird und welche Rechte und Pflichten Arbeitnehmer in diesem Fall haben.

Inhalt dieser Seite
  1. Gesetzliche Grundlagen
  2. Keine Kind krank Tage übrig?
  3. GKV im Vorteil

Das Wichtige in Kürze

  • Auch wenn alle gesund sind, ist es nicht immer leicht, Familie und Job unter einen Hut zu bringen.
  • Doch was tun, wenn ein Kind krank wird?
  • Welche Rechte und Pflichten haben angestellte Arbeitnehmer?

Kind krank bei berufstätigen Eltern: gesetzliche Grundlagen

Jedem Elternteil stehen pro Jahr und Kind 10 Tage für die Betreuung ihres kranken Kindes zu. Alleinerziehende haben Anspruch auf die vollen 20 „Kind-krank-Tage“. Die maximale Anzahl liegt bei 25 Tagen pro Elternteil, auch wenn sie drei oder mehr Kinder haben.

Der Gesetzgeber stellt allerdings einige Bedingungen:

  • Das Kind ist jünger als 12 Jahre.
  • Es liegt ein ärztliches Attest vor.
  • Die Betreuung ist aus ärztlicher Sicht notwendig.
  • Das Kind und das betreuende Elternteil sind gesetzlich versichert.
  • Es gibt keine andere Person, die im Haushalt lebt und das Kind betreuen könnte.

Gehaltsfortzahlung und Krankengeld

Laut § 616 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist ihr Arbeitgeber verpflichtet das Gehalt weiterzuzahlen, wenn ihr Kind krank ist, und alle oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Es sei denn, der Arbeitsvertrag oder der für ihr Unternehmen gültige Tarifvertrag enthalten eine Ausschlussklausel. Ist eine Ausschlussklausel vorhanden, zahlt die gesetzliche Kranken­versicherung ein Krankengeld in Höhe von 90 Prozent des ausgefallenen Nettoverdienstes (§ 45 SGB V).


Kind krank und privat krankenversichert?

Mitglieder der privaten Kranken­versicherung haben laut BGB ebenfalls Anspruch auf Freistellung für die Betreuung ihres Kindes. Allerdings erhalten sie keinen finanziellen Ausgleich für den Einkommens­verlust. Auch der Abschluss einer privaten Krankentagegeld­versicherung hilft hier nicht weiter.


Krankentagegeld­versicherung nicht zuständig

Mit der privaten Krankentagegeld­versicherung sichert sich der Versicherungs­nehmer gegen Einkommens­verlust bei Arbeitsunfähigkeit ab. Arbeitsunfähigkeit besteht jedoch nur, wenn der Versicherte selbst krank ist.


Ausnahme PKV Signal Iduna

Die private Kranken­versicherung Signal Iduna hat seit einiger Zeit einen neuen Krankentagegeldtarif namens ESP-VA im Portfolio. Der Tarif ESP-VA leistet unter anderem ein Kinderkrankentagegeld, wenn das Kind des Versicherungs­nehmers erkrankt ist. Der Tarif ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft:

  • Das erkrankte Kind und der betreuende Elternteil müssen bei der Signal Iduna eine private Krankenvoll­versicherung haben.
  • Der versicherte Elternteil muss als Arbeitnehmer im Angestelltenverhältnis stehen.

Was tun, wenn keine Kind-krank-Tage übrig sind?

Sind die Ihnen zustehenden Krankheits­tage aufgebraucht, gibt es mehrere Möglichkeiten.

  • Ist ihr Partner oder ihre Partnerin ebenfalls gesetzlich versichert, kann aber aus beruflichen Gründen keine Krankheits­tage nehmen, können die Krankheits­tage auf Sie übertragen werden. Dieses Vorgehen sollte jedoch vorher mit dem Arbeitgeber besprochen werden. Das vermeidet Unmut am Arbeitsplatz.
  • Eine weitere Möglichkeit ist es, bezahlten oder unbezahlten Urlaub zu nehmen. Einen Anspruch auf unbezahlten Urlaub gibt es jedoch nicht. Dies sollte ebenfalls mit dem Arbeitgeber in Ruhe besprochen werden.

Experten-Tipp:

„Sich selbst krankmelden ist gefährlich! Wichtig ist Ehrlichkeit gegenüber seinem Arbeitgeber. Auch wenn es scheinbar der einfachere Weg ist, sollten sich Eltern nicht dazu hinreißen lassen, gegenüber dem Arbeitgeber zu behaupten, selbst krank zu sein, wenn eigentlich das Kind erkrankt ist. Diese Lüge kann zu einer fristlosen Kündigung führen.“

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Katharina Krech
Beraterin

Kind krank bei Arbeitnehmern: GKV im Vorteil

Bei allen Pluspunkten, die die PKV gegenüber der gesetzlichen Kranken­versicherung bietet: Bei den Kind-krank-Tagen und dem finanziellen Ausgleich sind ausnahmsweise die gesetzlich Versicherten im Vorteil. Denn gesetzliche Krankenversicherte haben Anspruch auf Krankengeldzahlung (siehe § 45 SGB V). Wenn der Arbeitgeber nicht zahlt, springt die GKV ein. Diese Leistung erbringt die PKV nicht.

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