Arbeits­unfähig nach der Reha – was tun?

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Wie es weitergeht, wenn Sie arbeitsunfähig aus der Reha entlassen werden und wann Sie einen Antrag auf Erwerbs­unfähigkeitsrente stellen müssen.

Inhalt dieser Seite
  1. Wie geht es nach Reha weiter?
  2. Wiedereingliederung nach Reha
  3. Berufliche Reha nach medizinischer Reha
  4. Erwerbs­­minderungsrente nach Reha
  5. Welche Versicherungen zahlen?
  6. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Nach einer medizinischen Reha wird ein Entlassungsbericht vom behandelnden Reha-Arzt verfasst, der über den weiteren Ablauf entscheidet.
  • Wird dem Patienten in diesem Reha-Bericht ein „arbeitsunfähig“ attestiert, gibt es mehrere Möglichkeiten, unter anderem die stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf oder Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation.
  • Kann der Patient nach der Reha dauerhaft weniger als 3 Stunden am Tag arbeiten, gilt er als erwerbsunfähig: Der Reha-Antrag wird in einen Antrag auf Erwerbs­minderungsrente umgewandelt.

Wie geht es nach der Reha weiter?

Entlassungsbericht entscheidet

Nach mehrwöchigen Maßnahmen Rehabilitation (Reha) stellt die Reha-Einrichtung bzw. der Reha-Arzt einen Entlassungsbericht aus. Dieser Bericht enthält wichtige Informationen über die Leistungs­fähigkeit des Patienten – quasi wie ein sozialmedizinisches Gutachten. Der Reha-Bericht ist entscheidend dafür, wie es nach der Reha in Hinsicht auf das Berufs­leben des Patienten weitergeht.

Diese 4 Prognosen sind nach einer Reha möglich

Klicken Sie auf die Option, die Ihrer Situation am nächsten kommt, um direkt zu, entsprechenden Abschnitt in diesem Artikel zu gelangen.

  1. Arbeits­fähig und problemlose Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit
  2. Arbeits­unfähig, aber Möglichkeit auf stufenweise Wiedereingliederung
  3. Arbeits­unfähig, aber Möglichkeit auf berufliche Reha
  4. Arbeits­unfähig und Aussicht auf dauerhafte Erwerbs­unfähigkeit

Was bedeuten „arbeitsfähig“ und „arbeitsunfähig“ im Reha-Abschlussbericht?

Wird Ihnen im Reha-Entlassungsbericht „arbeitsfähig“ bescheinigt, können Sie in der Regel Ihre vorherige oder eine andere berufliche Tätigkeit im gewohnten Umfang direkt wieder aufnehmen. Was ein „arbeitsunfähig“ im Reha-Abschlussbericht bedeutet, erklären wir in den nächsten Kapiteln.

Nach Reha arbeitsunfähig entlassen: Aussicht auf Wiedereingliederung

Die erste Möglichkeit, die ein „arbeitsunfähig“ im Entlassungsbericht anbietet, ist die stufenweise Wiedereingliederung in den alten Beruf. Damit wird die Leistungs­fähigkeit des Arbeitnehmers stückweise getestet. Die Wiedereingliederung beginnt spätestens 4 Wochen nach dem Ende der Reha.

Voraussetzungen für eine stufenweise Wiedereingliederung

  • Mindest­leistungsfähigkeit von 2 Stunden pro Tag
  • Aussicht auf volle Wiederaufnahme der Arbeits­fähigkeit nach Wiedereingliederung
  • Arbeitnehmer, Arbeitgeber und behandelnder Arzt müssen sich auf die Maßnahmen einigen

Wie läuft die Wiedereingliederung ab?

Die stufenweise Wiedereingliederung ist ein gesetzlich geregeltes Programm, damit lange erkrankte Arbeitnehmer stückweise wieder an die Arbeit gewöhnt werden können. Dabei wird ein individueller Stufenplan festgelegt, der die Rahmen­bedingungen der Wiedereingliederung bestimmt. Wie das genau abläuft und wer die Kosten für eine solche Wiedereingliederung übernimmt, haben wir Ihnen in unserem Ratgeber zusammengefasst:

Berufliche Wiedereingliederung nach langer Krankheit

Arbeits­unfähig nach Reha: Möglichkeit auf berufliche Reha

Ist aus gesundheitlichen Gründen die Wiedereinführung in den alten Beruf nicht möglich aber die Arbeits­fähigkeit ist grundsätzlich gegeben, kann auf eine berufliche Rehabilitation gesetzt werden. Dabei handelt es sich um verschiedene Sozialleistungen der Deutschen Renten­versicherung, die die „Teilhabe“ am Arbeits­leben“ fördern und wiederherstellen sollen. Diese sollen nicht nur für die Erhaltung des Arbeits­platzes sorgen, sondern auch zu einer Aus-, Weiterbildung oder Umschulung verhelfen. Eine berufliche Reha kann auch einzeln erfolgen, erfolgt jedoch in den meisten Fällen ergänzend zur medizinischen Reha.

Maßnahmen der beruflichen Reha

  • Besondere technische Hilfsmittel für den Arbeits­platz (ergonomische Ausstattung ausgenommen)
  • Kraftfahrzeughilfen
  • Wohnungshilfen
  • Arbeits­assistenz
  • Gründungszuschuss für die Aufnahme einer Selbständigkeit
  • Hilfe bei der Arbeits­suche

Wer zahlt für die beruflichen Reha-Leistungen?

Die Kosten für die Maßnahmen werden vom zuständigen Rententräger übernommen. Für die Dauer der beruflichen Reha zahlt Ihnen die Deutsche Renten­versicherung ein Übergangsgeld. Sie sind auch weiterhin in der gesetzlichen Renten-, Kranken­- und Pflege­versicherung versichert – die Beiträge hierfür übernimmt ebenfalls der Rententräger.

Detaillierte Informationen zu den Leistungen und der Kostenübernahme sowie den Antrag auf berufliche Reha-Leistungen finden Sie hier.

Arbeits­unfähigkeit nach Reha: Erwerbs­minderungsrente

Hat die medizinische Reha und auch die Nachversorgung nicht für eine komplette Genesung gesorgt und können Sie in absehbarer Zeit keinen Beruf ausüben, erhalten Sie womöglich eine Erwerbs­minderungsrente. Dabei gibt es eine wichtige Unterscheidung:

  1. Können Sie dauerhaft weniger als 3 Stunden täglich arbeiten, gelten Sie als voll erwerbsunfähig.
  2. Können Sie dauerhaft zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeiten, gelten Sie als teilweise erwerbsunfähig.

Voraussetzungen zum Erhalt der Erwerbs­minderungsrente

Um eine halbe oder volle Erwerbs­minderungsrente zu beziehen, gibt es neben medizinischen Voraussetzungen noch weitere Bedingungen. Die wichtigsten Voraussetzungen och einmal zusammengefasst:

  • Dauerhaft nicht mehr als 6 Stunden arbeitsfähig
  • Mindest­ens 5 Jahre Beiträge an die gesetzliche Renten­versicherung gezahlt
  • Pflichtmitgliedschaft in der Deutschen Renten­versicherung für mind. 5 Jahre vor Antragstellung.

Alle weiteren Bedingungen zur Erwerbs­minderungsrente, wie etwa die Wartezeit und wie hoch die Rente eigentlich ist, erfahren Sie hier:

Erwerbs­minderungsrente

Antrag auf Erwerbs­minderungsrente stellen

Wird nach Ihrer Reha eine Erwerbs­unfähigkeit bescheinigt und erfüllen Sie alle Voraussetzungen, müssen Sie in jedem Fall selbst den Antrag auf Erwerbs­minderungsrente bei der Deutschen Renten­versicherung stellen. In der Regel erhalten Sie nach der Reha ein Schreiben, in dem alles noch einmal für Sie zusammengefasst ist.


Umwandlung der Reha in eine Erwerbs­minderungsrente

In einigen Fällen kann Ihr Reha-Antrag auch rückwirkend in einen Antrag auf Erwerbs­minderungsrente umgewandelt werden, wenn sich nach der Reha herausstellt, dass Sie erwerbsunfähig sind. Dieser Umwandlung können Sie widersprechen, falls Sie sich selbst für eine Reha entschieden haben. Dann können Sie den Antrag selbst stellen und die Erwerbs­minderungsrente ab dem Zeitpunkt des neuen Antrags laufen lassen.

Haben Sie die Reha dagegen nur auf Anraten Ihrer Kranken­kasse, dem Jobcenter oder der Arbeits­agentur gemacht, haben Sie in der Regel kein Anspruch auf Widerspruch und das Gestaltungsrecht liegt dann bei der Kranken­kasse und Co. Dann wird der Reha-Antrag rückwirkend in einen Renten-Antrag gewandelt.

Arbeits­unfähig: Welche Versicherung zahlt wann?

Kranken­geld der gesetzlichen Kranken­kasse

Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer, die länger als 6 Wochen krankgeschrieben sind, erhalten von ihrer gesetzlichen Kranken­­versicherung ein Kranken­geld. Der Anspruch auf Kranken­geld besteht innerhalb eines Zeitraums von 3 Jahren für maximal 78 Wochen. Da hiervon die sechs Wochen, in denen der Arbeitgeber für die Lohnfortzahlung im Krankheits­fall zuständig ist, abgezogen werden, verringert sich der Anspruchszeitraum auf 72 Wochen. Während dieser Zeit erhält der Versicherte Kranken­geld in Höhe von maximal 70 Prozent seines Brutto­lohns.

AU – BU – EU: Die Übergänge sind fließend

  • Eine Arbeits­unfähigkeit (AU) liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer beispielsweise 2 Tage krank geschrieben wird.
  • Kann der Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheit oder Verletzung seinen Beruf für mindestens 6 Monate nicht mehr ausüben, wird aus der Arbeits­unfähigkeit eine Berufs­unfähigkeit (BU).
  • Erst wenn die betroffene Person gar keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen kann, liegt eine Erwerbs­unfähigkeit (EU) vor.

Da zu Beginn einer Erkrankung nicht immer gleich klar ist, wie lange diese andauern wird, ist die Arbeits­unfähigkeit häufig die Vorstufe von Berufs­- und Erwerbs­unfähigkeit.

Erwerbs­minderungsrente der Deutschen Renten­versicherung

Wird aus einer Arbeits­unfähigkeit einer Erwerbs­unfähigkeit, besteht Anspruch auf Erwerbs­minderungsrente, wie bereits im oberen Abschnitt beschrieben. Für die Bewilligung und Auszahlung dieser Rente ist die Deutsche Renten­versicherung zuständig.

Darüber hinaus gibt es auch Erwerbs­unfähigkeits­versicherungen, die als Teil der privaten Vorsorge­ abgeschlossen werden können. Der Unterschied und Vorteil gegenüber der gesetzlichen Erwerbs­minderungsrente: Die Rente ist höher und die Hürden für den Erhalt niedriger.

Infos und Tarifvergleich zur Erwerbs­unfähigkeits­versicherung


Die private Berufs­unfähigkeits­versicherung als leistungsstärkste Alternative

Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung lohnt sich für alle Arbeitnehmer, die im Fall einer Berufs­unfähigkeit nicht gezwungen sein möchten, eine andere Tätigkeit als die ausgeübte annehmen zu müssen. Die Kosten für eine Berufs­unfähigkeits­versicherung richten sich dabei nach Alter, Beruf und Gesundheits­zustand des Versicherungs­nehmers. Die Höhe der späteren Rente – der Berufs­unfähigkeitsrente – kann selbst festgelegt werden.

Der große Vorteil gegenüber anderen Formen der Arbeits­kraftabsicherung: Die private Berufs­unfähigkeits­versicherung zahlt bereits, wenn Sie zu 50 Prozent und für voraussichtlich 6 Monate Ihren aktuellen Job nicht mehr ausüben können – sei es aus psychischen oder körperlichen Gründen. Die gesetzliche Erwerbs­minderungsrente gibt es beispielsweise erst ab einer Unfähigkeit von unter 3 Stunden in irgendeinem Job. Damit ist die private Berufs­unfähigkeits­versicherung die beste Möglichkeit, seine Arbeits­kraft abzusichern.

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Fazit

Nach einer medizinischen Rehabilitation stellt die Reha-Einrichtung einen Entlassungsbericht zusammen. Auf diesem kann „arbeitsfähig“ oder „arbeitsunfähig“ stehen. Wenn Ihnen nach der Reha Arbeits­unfähigkeit bescheinigt wird, gibt es 3 Möglichkeiten, wie es weitergeht:

  1. Sie machen eine stufenweise Wiedereingliederung
  2. Sie machen eine berufliche Rehabilitation zur Ergänzung
  3. Sie gelten als erwerbsunfähig und beantragen Erwerbs­minderungsrente

In der Regel werden Sie von Ihrer Kranken­kasse oder der Deutschen Renten­versicherung benachrichtigt und für das weitere Vorgehen informiert.

(Sämtliche Angaben ohne Gewähr.)

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