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Berufliche Wieder­ein­glie­derung: Zurück in den Beruf nach langer Krankheit

Die stufenweise Wiedereingliederung ist gesetzlich geregelt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Nach langer Erkrankung dürfen Mitarbeiter ihre Arbeit nicht in vollem Pensum wieder aufnehmen – unabhängig von der Ursache.
  • Vielmehr muss der noch an­geschlagene Mitarbeiter schritt­weise an die Arbeit herangeführt werden.
  • Dies geschieht gewöhnlich durch das Absolvieren spezieller Programme zur beruflichen Wieder­ein­glie­derung.
  • Wie lange eine Wieder­ein­glie­derung dauert, hängt von der individuellen Situation ab. Die Einschätzung nimmt i. d. R. ein Arzt vor.
  • Auch während der Wieder­ein­glie­derung beziehen Arbeitnehmer weiterhin Kranken- oder Übergangs­geld von der Krankenversicherung. Der Arbeit­geber zahlt erst, wenn der Mitarbeiter wieder voll einsatz­fähig ist.

Hamburger Modell zur beruflichen Wieder­ein­glie­derung

Die stufenweise Wieder­ein­glie­derung, welche auch unter dem Namen “Hamburger Modell” bekannt ist, verfolgt das Ziel, Arbeitnehmern nach längerer Krankheit den Wiedereinstieg so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Diese Regelungen sind im Paragraf 84 im Sozialgesetzbuch XI verankert. Somit sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren kranken Arbeitnehmern eine stufenweise Eingliederung ins Arbeitsleben zu ermöglichen.

Dauer hängt vom Einzelfall ab

Wie lange eine derartige Wieder­ein­glie­derung andauert, hängt von der individuellen Situation ab. Hierbei entscheidet der Arzt darüber, wie viel Arbeitspensum dem Arbeitnehmer zugemutet werden kann. Je nach Schwere der Erkrankung kann die Wieder­ein­glie­derung bis zu sechs Monate dauern.



Erklärvideo: Zurück in den Beruf nach langer Krankheit


Voraussetzungen der stufenweise Wieder­ein­glie­derung

Damit eine stufenweise Wieder­ein­glie­derung in den Beruf überhaupt vollzogen werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Arbeitnehmer und Arbeitgeber zeigen sich mit der Maßnahme der medizinischen Reha­bilitation einverstanden.
  • Die teilweise Arbeitsmöglichkeit wird durch den behandelnden Arzt bescheinigt.
  • Vor und während der Maßnahme gilt der Arbeitnehmer als arbeitsunfähig.
  • Der Arbeitnehmer wird am bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt.
Arbeitgeber muss betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten
Nach Angaben der Krebsgesellschaft Bremen ist jeder Arbeitgeber zur Eta­blierung eines betrieblichen Ein­gliederungs­manage­ment angehalten, wenn sich eine mehr als sechswöchige, krankheitsbedingte Abwesenheit des Arbeitnehmers erschließt. In dem Zusammen­hang liegt es in der Verant­wortung des Arbeitgebers, wie die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers über­wunden werden kann bzw. welche Hilfen dafür benötigt werden. Wie diese konkret aussieht, entscheidet der Einzel­fall. Eine Möglichkeit ist beispiels­weise die schrittweise Erhöhung der Stunden­anzahl.

Der Stufenplan der beruflichen Wieder­ein­glie­derung

Die Art und Weise wie eine stufenweise Wieder­ein­glie­derung durchgeführt werden soll, ist gesetzlich geregelt. Dabei empfiehlt die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation folgende Herangehensweise:

Haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die stufenweise Wieder­ein­glie­derung geeinigt, wird im Anschluss ein individueller Stufen­plan angefertigt, der von allen beteiligten Parteien zu unterschreiben ist.
Dabei legt der Stufenplan die schrittweise Wiedereinführung in die bisherige Tätigkeit fest. Gewöhnlich kommt es im Laufe der Wieder­ein­glie­derung zu einer schrittweisen Erhöhung der Arbeitsbelastung, bis die vollständige Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt ist.
Weiterhin wird der Prozess der beruflichen Wieder­ein­glie­derung von ärztlichen Unter­suchungen begleitet. Bei Notwendigkeit kann der Stufenplan im Verlauf dem Gesund­heits­zustand angepasst werden, sodass es zu einer Verkürzung, Verlängerung oder gar zum Abbruch kommt.

Im Stufenplan werden u. a. folgende Angaben festgehalten:

  • Beginn und Ende der Maßnahme
  • Einzelheiten über verschiedene Stufen
  • Rücktrittsrecht vor dem vereinbarten Ende
  • Gründe für einen Abbruch
  • Ruhen von Bestimmungen im Arbeitsvertrag
  • Höhe eines möglichen Arbeitsentgelts
Ende der beruflichen Wieder­ein­glie­derung
Eine stufenweise Wieder­ein­glie­derung gilt als erfolgreich abgeschlossen, wenn der Arbeitnehmer wieder völlig belastbar ist. Für den Fall, dass die schrittweise Wieder­ein­glie­derung vorzeitig abgebrochen wird, bleibt der Arbeitnehmer auch weiter­hin arbeits­unfähig. In dem Zusammenhang müssen weitere medi­zinische oder berufliche Reha­bili­tations­maß­nahmen oder sogar ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente in Erwägung gezogen werden.
… mehr zur Erwerbsminderungsrente

Wer zahlt während Krank­heit und be­ruf­licher Wieder­ein­glie­derung?

Bei Erkrankung eines Arbeitnehmers ist der Arbeitgeber grundsätzlich zur Weiterzahlung des Gehalts angehalten. Diese Zahlungs­ver­pflichtung erstreckt sich über einen Zeitraum von sechs Wochen. Dabei wird der Zeitraum der Entgeltfortzahlung wie ein normales Arbeitsverhältnis be­trachtet, mit dem Unterschied, dass der Arbeitnehmer keine Arbeitsleistung erbringt.

Nach Ende der Entgeltfortzahlung wird kein Arbeitsentgelt gezahlt und das Arbeits­verhältnis ruht. Gesetzlich Versicherte haben dann Anspruch auf Krankengeld. Demnach erhält der Arbeit­nehmer 70 Prozent seines regel­mäßigen Bruttoeinkommens. Dabei wird das Krankengeld im Falle einer Arbeits­un­fähig­keit wegen derselben Krankheit für höchstens 78 Wochen gezahlt. Sofern eine private Kranken­versicherung besteht, springt in dem Fall die Kranken­tage­geld­ver­sicherung ein.

Im Rahmen der stufenweisen Wieder­ein­glie­derung beziehen zurückkehrende Arbeitnehmer weiterhin Krankengeld oder Übergangsgeld. Die gesetzliche Kranken­versicherung das Krankengeld in voller Höhe. Dabei gelten dieselben Voraus­setzungen, wie auch für die Zahlung von Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist bis zum Ende der stufenweisen Wieder­ein­glie­derung für die Zahlung von Übergangsgeld verantwortlich. Dabei ist diese Zahlungs­bereit­schaft des Renten­versicherungs­trägers an gewisse Bedingungen geknüpft:

  • Die Wieder­ein­glie­derung muss innerhalb von vier Wochen nach Ende der Leistungen der medizinischen Reha­bilitation beginnen.
  • Die Notwendigkeit der Wieder­ein­glie­derung muss bis zum Ende der von der gesetzlichen Rentenversicherung finan­zierten Leistungen in der Reha­bili­tations­ein­richtung festgestellt und von dort eingeleitet werden.
Sobald der Arbeitnehmer wieder voll einsatzfähig ist, wird das Arbeitsverhältnis wieder aufgenommen. Erst dann ist der Arbeitgeber wieder für die Zahlung des regelmäßigen Einkommens verantwortlich. Während der Wieder­ein­glie­derung gilt der Arbeitnehmer nämlich weiterhin als krankgeschrieben.
… mehr zur gesetzlichen Krankenversicherung

Fazit

Die stufenweise Wieder­ein­glie­derung ist ein Rechtsverhältnis eigener Art, das der Arbeitgeber und der langzeiterkrankte Arbeitnehmer freiwillig eingehen. Währenddessen ruht das eigentliche Arbeitsverhältnis zwischen den beiden Parteien. Hierbei geht der Arbeitgeber begrenzte Verpflichtungen ein, da das jeweilige Krankengeld von den Rentenversicherungsträgern über­nommen wird. Im Gegenzug gewöhnt sich der Arbeitnehmer langsam durch eine schrittweise Erhöhung der Arbeitszeit an das Pensum eines Vollzeitarbeitenden.


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