Dynamik in der Riester-Rente: So werden die Beiträge automatisch angehoben

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von Nina Bruckmann
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Welche Vor- und Nachteile eine Dynamik in der Riester-Rente hat, wie sinnvoll es wirklich ist und wie Sie der automatischen Anhebung widersprechen.

Inhalt dieser Seite
  1. Dynamik in der Riester Rente
  2. Dynamik sinnvoll?
  3. Wie hoch ist die Dynamik?
  4. Riester Dynamik widersprechen
  5. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Die Dynamik einer Riester-Rente dient vor allem dazu, Kauf­kraft­verluste aufgrund der In­flations­ent­wicklung auszugleichen.
  • Konditionen und Höhe der Dynamik gibt Ihnen der Anbieter in der Regel vor – Sie können dies jedoch auch selbst bestimmen.
  • Der Nachteil: Bei jeder Beitrags­anpassung fallen erneut Abschlussgebühren an.
  • Der Dynamik kann entweder bei Vertragsabschluss oder zu einem späteren Zeitpunkt widersprochen werden.

Was bedeutet Dynamik in der Riester-Rente?

Ebenso wie andere Formen der privaten Renten­versicherung oder eine Kapital­lebens­ver­sicherung ist auch die Riester-Rente eine sogenannte kapitalbindende Versicherung. Bei diesen Versicherungen kann der Kunde zwischen Verträgen ohne Beitrags­dynamik oder einer Dynamik-Option im Ver­sicherungs­vertrag wählen.

Was passiert bei der Entscheidung für eine Dynamik?

Riester-Sparer, die sich für die Dynamik-Option in ihrem Riester-Sparvertrag entscheiden, stimmen zu, dass der Versicherer die Beiträge in regelmäßigen Intervallen um einen bestimmten Prozentsatz erhöhen kann. Der Umfang und die Häufigkeit der Beitrags­steigerungen werden im Vertrag über die Riester-Rente vereinbart. Meist nehmen die Versicherungs­unternehmen alle zwei Jahre eine Beitrags­erhöhung vor, jedoch gibt es auch Riester-Sparverträge mit jährlicher Dynamik.

Wer gibt die Intervalle und die Höhe der Beitrags­anpassungen vor?

Die meisten Riester-Anbieter statten ihre Verträge mit einer Dynamik-Option aus, deren Konditionen im Hinblick auf die Intervalle und die Höhe der Bei­trags­an­passung durch den Versicherer vorgegeben werden. Grundsätzlich besitzen Riester-Sparer jedoch das Recht, beides individuell zu wählen und müssen hier nicht zwingend den Vorgaben des Versicherungs­unternehmens folgen.

Wozu eine Beitrags­dynamik?

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Die Beitrags­steigerungen erfüllen vor allem die Funktion, die Einzahlungen und die Erträge der Riester-Rente an die Inflationsentwicklung anzupassen. Ebenso ist es über die Dynamik möglich, erwartete Gehaltssteigerungen anteilig in eine Riester-Rente zu investieren. Ein solches Vorgehen bietet sich beispielsweise für sehr frühzeitig abgeschlossene Riester-Verträge an, bei denen das Einkommen des Versicherten anfangs noch gering ist, in Zukunft jedoch mit deutlichen Einkommens­steigerungen gerechnet werden kann.

Wie sinnvoll ist die Vereinbarung einer Dynamik für die Riester-Rente?

Sinnvoll ist die Dynamik-Option der Riester-Rente zumindest auf den ersten Blick. Folgende Aspekte sprechen für die Vereinbarung einer Beitrags­dynamik:

  • Durch die Inflation würde die tatsächliche Kaufkraft der späteren Rente sonst kontinuierlich sinken, so dass der Vorsorge­effekt in hohem Maß verlorengehen kann.
  • Zudem ist in diesem Kontext eine langfristige Planung von Bedeutung. Als Inflationsziel für die Eurozone hat die Europäische Zentralbank jährliche Preissteigerungen von etwa zwei Prozent definiert – dieser Wert orientiert sich an der angestrebten Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • Die Anpassung der Beiträge für eine dynamische Riester-Rente sollte also mindestens in diesem Umfang vorgenommen werden.
  • Zudem ist aus heutiger Sicht sowie angesichts der oft jahrzehntelangen Laufzeit von Riester-Sparverträgen nicht auszuschließen, dass sich die Inflation zu einem späteren Zeitpunkt deutlich über die derzeit angestrebten zwei Prozent hinaus verstärkt.

Beispiele: Inflationsrate in Deutschland der letzten 10 Jahre

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JahrVeränderung gegenüber Vorjahr
20090,3 %
20101,1 %
20112,1 %
20122 %
20131,4 %
20141 %
20150,5 %
20160,5 %
20171,5 %
20181,8 %
20191,4 %
Quelle: statista

Der Nachteil der Dynamik in der Riester-Rente

Für einen Riester-Sparvertrag mit integrierter Dynamik fallen bei jeder Beitrags­anpassung erneute Abschluss­kosten an. Für die Versicherten schmälern diese Kosten u. U. den Ertrag der Riester-Rente. Zwar sind die Versicherungs­unternehmen verpflichtet, diese Abschlusskosten jeweils über die folgenden fünf Jahre zu verteilen, trotzdem wirken sie sich natürlich auf die Sparerträge und die spätere Rentensumme aus. Riester-Sparer, die für ihren Vertrag die Dynamik-Option in Anspruch nehmen wollen, sollten sich also für einen Tarif entscheiden, in denen sich Kosten und Ertragsentwicklung ihrer Riester-Rente trotzdem in einem guten Gleichgewicht befinden.

Wie hoch kann die Dynamik einer Riester-Rente sein?

Aus der Perspektive der Ver­siche­rungs­unter­nehmen orientieren sich die Beitrags­anpassungen einer dynamischen Riester-Rente einerseits an den prognostizierten Inflationsraten und zum anderen an den Vorstellungen der Sparer. Die Ver­siche­rungs­unter­nehmen stellen ihren Kunden deshalb Riester-Verträge mit Dynamik-Optionen zwischen 1 und 10 Prozent zur Verfügung. Bei vielen Anbietern können auch spätere Anpassungen der Dynamik vorgenommen werden.

Wie oft sollten die Beitrags­anpassungen erfolgen?

Die Stiftung Warentest rät aus Kosten­gründen ausdrücklich vor Riester-Verträgen mit einer jährlichen Dynamik ab. Deutlich besser ist es, einen Tarif zu wählen, in dem die Beitrags­anpassung in drei­jährigen Intervallen vorgenommen wird.

Der Dynamik der Riester-Rente widersprechen

Versicherte haben grundsätzlich die Möglichkeit, die Dynamik-Option beim Abschluss des Riester-Sparvertrages abzulehnen. Ebenso können sie der Dynamik zu einem späteren Zeitpunkt widersprechen. Allerdings ist das Zeitfenster für diese Möglichkeit beschränkt. Riester-Sparer, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren die Beitrags­erhöhungen ablehnen, verzichten damit dauerhaft auf die Anwendung der Dynamik-Option auf ihre Riester-Rente. Rückgängig machen lässt sich eine solche Entscheidung dann während der gesamten Laufzeit des Vertrages nicht. Als Konsequenz daraus ist ein In­flations­ausgleich für die Spar- und Rentensumme nicht mehr möglich.

Was, wenn ich zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses auf die Dynamik verzichtet habe?

Wenn zum Zeitpunkt des Vertrags­ab­schlusses für eine Riester-Rente auf die Dynamik-Option verzichtet wurde, hat der Versicherte drei Jahre Zeit, sich zu einem späteren Zeitpunkt für eine Dynamisierung seiner Riester-Rente zu entscheiden. Nach Ablauf des dritten Jahres gilt das Gleiche wie für einen Widerspruch in drei aufeinanderfolgenden Jahren: Die Dynamik-Option ist in diesem Fall ebenfalls unwiderruflich und dauerhaft erloschen.

Fazit

Eine Dynamik-Option ist aus vielen anderen kapitalbildenden Versicherungen bekannt. Dazu gehören unter anderem auch die Berufs­unfähigkeits­versicherung, die Risikolebens­versicherung oder andere Altersvorsorgeformen wie die Rürup-Rente. Dabei hat die Vereinbarung einer Dynamik Vor- und Nachteile. Seitens der Versicherer wird sie stets empfohlen, um der Inflation entgegenzuwirken. Ob sie sinnvoll ist oder nicht, sollte letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

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