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Deutschland – Österreich: So versichert man sich als Grenzgänger

Wohnen in Deutschland und arbeiten in Österreich, oder umgekehrt, hält oft so manche Schwierigkeiten bereit. Bevor man sich auf die Arbeitssuche begibt, sollte man sich über die Situation am Arbeitsmarkt und das Sozialversicherungssystem im Beschäftigungsland informieren. Auch wenn vieles von der EU geregelt ist, sind noch deutliche Unterschiede zu erkennen.

Regelungen der Europäischen Union

In der Europäischen Union wurden bestimmte Regelungen festgesetzt, welche es den EU-Bürgern erleichtern, in einem Mitgliedstaat die Arbeitstätigkeit auszuüben:

Arbeitnehmerfreizügigkeit

Ein EU-Bürger darf in jedem Mitgliedstaat Arbeit suchen und ausüben, ohne dafür eine Arbeitserlaubnis zu benötigen. Außerdem darf er in diesem Land wohnen und auch nach Beendigung der Tätigkeit seinen Aufenthalt weiterführen. Er ist in Bezug auf die Beschäftigung, die Arbeitsbedingungen und andere Sozialleistungen gleich wie die Staatsbürger des jeweiligen Landes zu behandeln.

Arbeitssuche und Arbeitslosigkeit

Während der Arbeitslosigkeit darf man sich bis zu drei Monaten, unter bestimmten Voraussetzungen bis zu sechs Monaten, zur Arbeitssuche in einem anderen EU-, EWR-Land oder der Schweiz aufhalten. Währenddessen darf man die Arbeitslosenversicherung seines Wohnsitzlandes weiterbeziehen, wenn folgende Bedingungen zutreffen:
Erst nach einer vierwöchigen erfolglosen Arbeitssuche im Wohnsitzland, darf man diese im Ausland fortführen. Man muss sich nach der Einreise bei der Arbeitsverwaltung als arbeitssuchend melden und die Kontrollvorschriften erfüllen.

Anerkennung von Berufsabschlüssen

Eine Anerkennung ist nur notwendig, wenn die berufliche Qualifikation unter die reglementierten Berufe in dem neuen Beschäftigungsland fällt. Wenn die Ausübung durch gesetzliche Vorschriften an gewisse Qualifikationen gebunden ist, dann zählt die Tätigkeit zu den reglementierten Berufen. Dazu zählen zum Beispiel Arzt, Apotheker, Lehrer, Architekten usw.

Grenzregion Deutschland – Österreich

Bevor man sich auf die Arbeitssuche in einem anderen Land begibt, sollte man sich über die Situation am Arbeitsmarkt informieren. In diesen beiden Staaten gibt es gewisse gesetzliche Unterschiede, welche man kennen und beachten sollte.

Der Arbeitsmarkt

Arbeitserlaubnis

Deutschland Österreich
Alle Bürger der EU-Mitgliedstaaten sowie von Lichtenstein, Schweiz, Norwegen und Island haben die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Eine Arbeitserlaubnis ist nicht nötig. Alle Bürger der EU-Mitgliedstaaten sowie von Lichtenstein, Schweiz, Norwegen und Island haben die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit. Eine Arbeitserlaubnis ist nicht nötig.
Jedoch braucht man eine Anmeldebescheinigung, wenn man sich länger als drei Monate im Land aufhalten möchte.

Arbeitsbedingungen

Deutschland Österreich
Es ist eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden gesetzlich erlaubt Es ist eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden gesetzlich erlaubt
24-stündige Sonn- und Feiertagsruhe Wochenendruhe von 36 Stunden
Eine Probezeit von bis zu sechs Monaten ist üblich. Es muss eine Kündigungsfrist von zwei Wochen eingehalten werden Die Probezeit ist gesetzlich auf ein Monat beschränkt, in dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis ohne besonderen Grund und ohne Fristen gekündigt werden
Ein Urlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen pro Jahr ist gesetzlich vorgeschrieben Ein Urlaubsanspruch von 25 Arbeitstagen pro Jahr ist gesetzlich vorgeschrieben

Mindestlohn

Deutschland Österreich
Gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 € Mindestlöhne der einzelnen Branchen sind in den Kollektivverträgen geregelt

Überstundenzuschläge

Deutschland Österreich
Es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf Überstundenzuschläge Für Überstunden gebührt ein Zuschlag von 50% oder Zeitausgleich

Kündigung

Deutschland Österreich
Muss schriftlich erfolgen Kann schriftlich oder mündlich erfolgen
Keine unterschiedlichen Kündigungsfristen für Angestellte und Arbeiter Unterschiedliche Kündigungsfristen für Angestellte und Arbeiter
Kein Anspruch auf eine Abfindung Anspruch auf eine Abfindung

Hinweis: Diese Regelungen können sich fortlaufend ändern. Bevor Sie Ihre Arbeit in Österreich bzw. Deutschland antreten, erkundigen Sie sich daher am besten noch einmal bei der zuständigen Behörde.

Die Arbeitslosenversicherung

Die Arbeitslosenentschädigung ist von der Arbeitslosenversicherung im Land des Wohnsitzes zu entrichten. Daher gelten auch die Voraussetzungen des Wohnsitzstaates. In Österreich und Deutschland variieren die versicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten, welche benötigt werden, um einen Anspruch zu erhalten.

Deutschland

Wenn ein Versicherungspflichtverhältniss von mindestens 360 Kalendertagen in den vergangen zwei Jahren vor der Arbeitslosenmeldung bestanden hat, dann kann ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung geltend gemacht werden.

Österreich

Bei der ersten Inanspruchnahme: 52 Wochen Versicherungszeit innerhalb der vergangenen 24 Monate.
Bei der ersten Inanspruchnahme, vor Vollendung des 25. Lebensjahres, wenn innerhalb von 4 Wochen keine Vermittlung möglich ist: 26 Wochen Versicherungszeit innerhalb der vergangenen 12 Monate.
Bei wiederholter Inanspruchnahme: 28 Wochen innerhalb der vergangenen 12 Monate

Die Krankenversicherung

In Österreich und Deutschland bestehen geringe Unterschiede in Bezug auf die Krankenversicherung. Jedoch sind die beiden Systeme im Leistungsumfang als relativ gleichwertig anzusehen.

  • In Österreich kann man nicht zwischen den Krankenkassen wählen, sie wird je nach Region und Tätigkeit festgelegt.
  • In Österreich wird in Bezug auf die Beitragssätze zwischen Arbeiter, Angestellten und anderen Beitragsgruppen unterschieden. Außerdem sind diese wesentlich niedriger, dafür gibt es mehr Selbstbehalte.
  • In Österreich gibt es die E-Card, auf welcher die persönlichen Daten des Versicherten gespeichert sind. Sie ist bei jedem Arztbesuch mitzubringen. In Deutschland gibt es eine Speicher-Chipkarte.
  • Die Beitragsbemessungsgrenze zur privaten Krankenversicherung liegt in Österreich bei 4860 € monatlich. In Deutschland liegt diese bei 4.237,50 €.
Das sollte man als Grenzgänger wissen

Arbeiten in Deutschland, wohnen in Österreich:

Ist man in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, muss man sich bei einer deutschen Krankenkasse versichern. Spätestens beim Arbeitsantritt muss man dem Arbeitgeber mitteilen, bei welcher Krankenkasse man sich versichern lassen möchte, denn dieser übernimmt dann die Anmeldung.

Arbeiten in Österreich, wohnen in Deutschland:
Wenn man in Österreich sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, wird man vom Arbeitgeber bei der Österreichischen Gebietskrankenkasse angemeldet.

Die Pflegeversicherung

Auch bei der Pflegeversicherung bestehen nur geringe Unterschiede zwischen dem österreichischen und deutschen System. Der Leistungsumfang ist als relativ gleichwertig anzusehen.
In Österreich ist das Pflegegeld eine aus Steuermitteln erbrachte Vorsorgeleistung. In Deutschland müssen von krankenversicherten Personen Pflichtbeiträge für die Pflegeversicherung gezahlt werden. In Deutschland gibt es nur drei Stufen der Bedürftigkeit. Die Pflegestufen I bis III, sowie die Stufe 0. In Österreich besteht ein Rechtsanspruch auf das Pflegegeld.

Das sollte man als Grenzgänger wissen

Arbeiten in Deutschland, wohnen in Österreich:

Durch die Versicherung bei einer deutschen Krankenkasse zahlt man automatisch auch die Pflegeversicherung. Dadurch hat man einen Anspruch auf das Pflegegeld, selbst wenn man sich in einem anderen EU-Mitgliedsland aufhält.

Arbeiten in Österreich, wohnen in Deutschland:

Grenzgänger haben keinen Anspruch auf das Pflegegeld, da der Wohnsitz in Österreich eingetragen sein muss.

Rentenversicherung

  • In Österreich heißt die Rentenversicherung Pensionsversicherung, während in Deutschland vor allem das Ruhegeld von Beamten als Pension bezeichnet wird.
  • In Österreich werden Leistungen für Kriegsopfer, Verbrechensopfer und bei Impfschäden als Renten bezeichnet.
  • In Österreich bezeichnet man die “Rente bei Erwerbsminderung” als Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension
  • Die Beitragsbemessungsgrenze liegt in Deutschland bei 5950 €, beziehungsweise bei 5000 € in den neuen Bundesländern. In Österreich liegt diese bei 4.860 € und wird als Höchstbeitragsgrundlage bezeichnet.
  • In Österreich gibt es eine Schwerarbeiterpension sowie einen Bonus, wenn man über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeitet.
Das sollte man als Grenzgänger wissen

Man erhält von jedem Staat, in dem man länger als zwölf Monate gearbeitet hat, eine Rente bzw. Pension. Wird dieser Zeitraum nicht überschritten, wird dies in dem Land des Wohnsitzes oder in einem anderen Land, in dem man länger beschäftigt war, berücksichtigt. Man sollte mindestens vier Monate vor Pensionsantritt die Pension/Rente beim zuständigen Versicherungsträger bzw. der Versicherungsanstalt im Staat des Wohnsitzes beantragen.

Unfallversicherung

In Österreich werden bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten die Behandlungskosten im Rahmen der Vorleistungspflicht des zuständigen Krankenversicherungsträgers übernommen, während dafür in Deutschland die Berufsgenossenschaft zuständig ist. In Österreich ist die Allgemeine Unfallversicherung für die meisten Personen zuständig und es existieren nur drei weitere Träger. In Deutschland ist die Zahl der Unfallversicherungsträger wesentlich höher.

Das sollte man als Grenzgänger wissen

Arbeiten in Deutschland, wohnen in Österreich:
Im Normalfall wird man vom Arbeitgeber bei einer Unfallversicherung versichert, er zahlt die Beiträge an den jeweiligen Träger bzw. die Berufsgenossenschaft. Ist man allerdings auch im Staat des Wohnsitzes beschäftigt, ist man dort für beide Arbeitsverhältnisse zu versichern.
Geldleistungen der deutschen Unfallversicherung kommen aus dem Recht zur Auszahlung, die Gewährung von Sachleistungen richtet sich nach dem Land, in dem diese in Anspruch genommen werden. Ein Unfall ist unverzüglich dem Arbeitgeber oder der Berufsgenossenschaft zu melden.
Arbeiten in Österreich, wohnen in Deutschland:
Im Normalfall wird man vom Arbeitgeber bei einer Unfallversicherung gemeldet, er zahlt auch die Beiträge.Auch wenn man in einem anderen EU-Mitgliedsland wohnt, hat man ein Anrecht auf die Leistungen der Unfallversicherung. Man kann sich im Beschäftigungs- sowie Wohnsitzland behandeln lassen. Bei einem Unfall muss man unverzüglich den Arbeitgeber informieren, welcher danach verpflichtet ist, dies innerhalb von fünf Tagen dem zuständigen Versicherungsträger zu melden.

Fazit

Die Regelungen der Europäischen Union erleichtern Grenzgängern die Arbeitssituation erheblich. Jedoch gibt es, vor allem am Arbeitsmarkt, Unterschiede, welche man auf jeden Fall kennen sollte, bevor man sich eine Tätigkeit im Nachbarland sucht. Außerdem ist es wichtig, sich genau über seine Sozialversicherung zu informieren, damit später keine Probleme auftreten. Doch wenn man dann die wichtigsten Grundlagen im Kopf hat, sollte die neue Arbeitssituation kein Problem darstellen.

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