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Identitätsdiebstahl Teil 1: Ratgeber für Betroffene

Vor allem die Digitalisierung hat dazu beigetragen, dass sich die Anzahl der Identitätsdiebstähle in den letzten Jahren deutlich erhöht hat. Die im Internet hinterlassenen Datenmassen machen es Dieben einfach, fremde Identitäten anzunehmen und zu missbrauchen. Wir zeigen, wie man sich in solchen Fällen wehren kann.

Identitätsdiebstahl Teil 2: Ein Betroffener berichtet
Identitätsdiebstahl Teil 3: Tina Groll im Experteninterview

Was versteht man unter Identitätsdiebstahl?

Das Phänomen Identitätsdiebstahl beschreibt in erster Linie den Missbrauch personenbezogener Daten einer Person durch Dritte. In dem Zusammenhang nutzen Kriminelle die fremden Daten für ihre gesetzeswidrigen Taten. Treffsicherer bringt man den Sachverhalt auf den Punkt, wenn der Identitätsdiebstahl als Identitätsmissbrauch charakterisiert wird. Im Unterschied zum Diebstahl (zur Diebstahlversicherung) kann der ahnungslose Geschädigte seine Daten weiterhin nutzen und merkt oftmals nicht, dass seine persönlichen Daten für kriminelle Machenschaften missbraucht werden. Gewöhnlich wird ein personenbezogener Betrug nur ausgeführt, um in den Genuss zahlreicher Vermögensvorteile zu kommen. In einzelnen Fällen wird mit dem Identitätsdiebstahl sogar eine Rufschädigung des Betroffenen anvisiert.

Identitätsdiebstahl bildet keinen Straftatbestand

Der Identitätsdiebstahl per se bildet in Deutschland noch keinen Straftatbestand. Allerdings werden einige Formen des Identitätsdiebstahl durch verschiedene Paragraphen im Strafgesetzbuch erfasst:

  • 238 StGB Nachstellung
  • 276 StGB Urkundenfälschung
  • 164 StGB Falsche Verdächtigung
  • 269 StGB Fälschung beweiserheblicher Daten
  • 263a StGB Computerbetrug
  • 202a StGB Ausspähen und Abfangen von Daten

Identitätsdiebstahl im Internet

Identitätsdiebstahl findet heutzutage immer öfter auch im Internet statt. Im Zuge des internetbasierten Identitätsdiebstahls machen sich Täter die Möglichkeiten des World Wide Webs zunutze, um dem Betroffenen durch etwaige Handlungen Schäden zuzufügen. In der Regel wird ihre trügerische Denkweise von einem der zwei möglichen Ziele gelenkt. Zum einen wollen sie einen finanziellen Nutzen aus der Tat ziehen. Zum anderen fügen sie dem Betroffenen aufgrund niederer Beweggründe wie zum Beispiel Hass, nicht erwiderter Liebe und Neid Schaden zu. Je nach Zielverfolgung werden verschiedene Formen von Identitätsdiebstahl im Internet unterschieden:

  • Bestellung von Waren
  • Missbrauch des Namens in Blogs und Foren
  • Erstellung falscher Profile in sozialen Netzwerken
  • Vortäuschung falscher Tatsachen
  • Falsche Verdächtigung und Unterstellung von Straftaten
Spezialfall: Identitätsdiebstahl Facebook

Auch im weltweit bekannten sozialen Netzwerk Facebook kommt es hin und wieder zu Fällen von Identitätsdiebstahl. Folglich werden die Facebook-Profile von Unbekannten kopiert, sodass plötzlich zwei identische Profile im Netzwerk existieren. Dabei klicken sich die Täter durch die Freundesliste des Opfers und schreiben alle Freunde mithilfe persönlicher Nachrichten an. Inhaltlich füllen sie die Nachrichten mit dramatischen Geschichten aus, die den Freunden Geld in Form von Spenden entlocken sollen.

Folgen eines Identitätsdiebstahls

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Diebstahl, bei dem man es nur auf Wertgegenstände abgesehen hat, bringt ein Identitätsdiebstahl weitaus schwerwiegende Folgen mit sich:

Verlust der finanziellen Liquidität

Haben die kriminellen Betrüger Zugang zu sämtlichen finanziellen Mitteln wie Bankkonto, Ersparnissen oder Investmentkonten erlangt, können sie die betreffenden Konten ohne Wissen des Opfers einfach leer räumen.

Schädigung der Kreditwürdigkeit

Wurden im Zuge der Erstellung falscher Konten Rechnungsadressen angegeben, die nicht mit der eigentlichen Adresse übereinstimmen, haben Täter ein leichtes Spiel. Dadurch können sie einfach unbemerkt Geld abheben. Findet kein Ausgleich der getätigten Abbuchungen statt, werden die gefälschten Konten negativ von der Schufa erfasst. Hierbei kommt es nicht selten vor, dass die Schädigung der Kreditwürdigkeit erst später aufgedeckt wird, wenn plötzlich die Finanzierung eines Autos (zur KFZ-Versicherung) oder einer Hypothek ins Haus steht und die Kreditvergabe verweigert wird.

Verlust des rechtlichen Anspruchs

Das Interesse der Täter geht meist über finanzielle Informationen wie Bankkontonummern hinaus. Stattdessen zeigen sie überaus großes Interesse an persönlichen Daten wie zum Beispiel Geburtsdatum, Adresse und Personalausweisnummer. Ist der Kriminelle einmal im Besitz dieser sensiblen Daten, kann er einen Führerschein beantragen, Leistungen beziehen oder Anstellungen erschleichen.

Begangene Straftaten führen zur Anklage

Wird die Identität gestohlen und gleichzeitig eine Straftat begangen, kann der ahnungslose Geschädigte dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Sind die Diebe im Besitz offizieller Ausweise, die den Namen des Opfers tragen, und werden verhaftet, landet die Anklage des Gerichts bei dem Betroffenen. Äußerst gravierend gestaltet sich die Situation, wenn der Betroffene erst im Anschluss von der zur Last gelegten Straftat erfährt. Dieser Fall tritt ein, wenn er bei einer Polizeikontrolle plötzlich verhaftet wird oder eine Anstellung aufgrund eines negativ behafteten Führungszeugnisses nicht erhält.

Immenser Aufwand um Ruf wiederherzustellen

In der Regel wird ein Identitätsdiebstahl sehr spät bemerkt, sodass bereits beträchtliche Schäden entstanden sein könnten. In dem Zusammenhang kann es sein, dass man bereits wegen Betrugs mehrfach angeklagt wurde und mit Negativeinträgen in der Schufa belastet wurde. Darüber hinaus können weitere Schwierigkeiten entstehen, die mit enormem finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden sind. Demzufolge werden mehrere Stunden damit verbracht, seinen Namen reinzuwaschen bzw. die Kreditwürdigkeit mithilfe von Dienstleistern wiederherzustellen.

Wie man sich gegen Identitätsdiebstahl wehren kann

Bei Feststellung eines Identitätsdiebstahls müssen Geschädigte umgehend handeln. Dahingehend ist es sinnvoll, wie folgt vorzugehen:

Schritt 1: Kreditauskunftei benachrichtigen und Betrugswarnung ausgeben

Zunächst empfiehlt es sich, sich mit der Betrugsabteilung der Kreditauskunftei in Verbindung zu setzen und sie über den Sachverhalt aufzuklären. Diese können Betrugswarnungen für das zweckentfremdete Konto einrichten, sodass Kreditgeber zur Einholung einer Erlaubnis des Geschädigten verpflichtet sind, bis der Kreditrahmen erweitert werden darf.

Schritt 2: Erstattung einer Anzeige bei der Polizei

Kann man mit großer Sicherheit sagen, Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden zu sein, sollte umgehend eine Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Die Gesetzeshüter führen in der Regel eine Liste betrügerischer Konten. Hierbei ist es wichtig, eine Kopie der Anzeige zu behalten. Sofern man seitens Kreditgebern und anderen Betroffenen um Bestätigung des Identitätsdiebstahls gebeten wird, kann die Nummer des mit dem Fall betrauten Beamten herausgegeben werden.

Schritt 3: Kontakt aufnehmen zu Finanzinstituten und Kreditkartenunternehmen

Hierbei ist es ratsam, die Bank und andere Kreditgeber über den Sachverhalt in Kenntnis zu setzen und gleichzeitig trügerische Abbuchungen oder Überweisungen zu melden. Im Anschluss daran sollten die dargestellten Angaben nochmals in schriftlicher Form eingereicht werden. In dem Zusammenhang empfiehlt sich die Prüfung möglich widerrufener Transaktionen. Weiterhin ist es sinnvoll, das belastete Konto aufzulösen. Ferner sollten Betroffene Gespräche dokumentieren und sämtliche Kopien sowie Aufzeichnungen aufbewahren, die mit dem Identitätsdiebstahl in Verbindung stehen.

Schufa bietet Service für Betrugsopfer

Wer Opfer von Identitätsdiebstahl wurde, kann sich bei der Schufa melden und die Information bei der Schufa speichern lassen. Die Schufa meldet diese Information dann ihren Vertragspartnern. Um diesen Service nutzen zu können, sollen Betroffene nach dem Lesen des Infoblatts das ausgefüllte Download-Formular zusammen mit einer Ausweis-Kopie und der Kopie der Strafanzeige an die Schufa senden.

Schritt 4: Einrichtung einer Kreditsperre

Mit der Sperrung ihres Eintrags bei der Kreditauskunftei können Geschädigte verhindern, dass unzählige neue Konten mit ihrem Namen in Umlauf gebracht werden. Für den Fall, dass der Kriminelle ein Konto eröffnen möchte, wird ihm wegen unmöglicher Statusabfrage kein Kredit bewilligt.

Schritt 5: Juristischen Beistand zu Rate ziehen

Sind Betroffene mit der Situation und dem entstandenen Schaden überfordert, ist es sinnvoll juristischen Beistand aufzusuchen. Sie unterstützen im Umgang mit Inkassounternehmen, Kreditauskunfteien und Kreditgebern.

Maßnahmen um einem Identitätsdiebstahl vorzubeugen

Damit es erst gar nicht zu einem Fall von Identitätsdiebstahl kommen kann, ist es ratsam folgende Ratschläge zu beherzigen:

Problem ins Bewusstsein rufen

Im ersten Schritt ist es sinnvoll, sich Kenntnisse über die Tricks und Betrugsmethoden anzueignen, damit einem Identitätsdiebstahl von vorneherein entgegengewirkt werden kann. Im Zuge dessen sollte man genau darauf achten, wem die persönlichen Daten anvertraut werden.

Bewusster Umgang mit persönlichen Daten

Die persönlichen Daten hält man am besten stets unter Verschluss. Wird seitens einer Person, Webseite oder E-Mail die Abfrage persönlicher Informationen angefordert, ist es sinnvoll, die Notwendigkeit und die übliche Vorgehensweise zu hinterfragen. Beispielsweise würde eine Bank niemals per E-Mail um die Bestätigung der Bankdaten bitten.

Umgebung im Blick behalten

Bei Eingabe personenbezogener Daten ist es ratsam, seine Umgebung stets im Auge zu behalten.

Vorbeugende Maßnahmen – Online

Internet-Schutz

Wer regelmäßig im Internet unterwegs ist, sollte darauf achten, dass sein Computer mit einem umfassenden Sicherheitsschutz ausgestattet ist. In der Regel schützen diese nicht nur vor Viren, Spyware und ähnlichem, sondern bieten ebenso eine sichere Suchtechnologie. Diese warnt ihre Nutzer vor gefälschten Webseiten. Des Weiteren ist es unabdingbar, die Daten mit einer zusätzlichen Firewall abzusichern.

Nutzung starker Passwörter

Grundsätzlich sollten Kennwörter eine Länge von mindestens zehn Zeichen aufweisen und aus einer Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen. Außerdem empfiehlt es sich, die Passwörter regelmäßig zu ändern. Keinesfalls sollten die Passwörter weitergegeben werden – auch nicht an Freunde oder Verwandte.

Sicher surfen in öffentlichen Hotspots

Bei Nutzung eines öffenlich zugänglichen Computers oder Hotspots ist es sinnvoll, keine Online-Banking- oder Kreditkarten-Webseiten aufzurufen.

Absicherung des WLAN-Netzwerks

Damit einem [simple_tooltip content=’Unter Wardriving versteht man das Suchen von vorhandenen WLAN-Installationen, indem man mit WLAN-Equipment die infrage kommende Gegend abfährt‘]Wardriving-Angriff[/simple_tooltip] von vorneherein aus dem Weg gegangen werden kann, ist es empfehlenswert, die Firewall des Routers zu aktivieren und das jeweilige Administratorkennwort zu ändern.

Vorbeugende Maßnahmen – Offline

Umgehende Prüfung der Kontoauszüge

Hierbei ist es wichtig, die Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen monatlich zu überprüfen. Auf diese Weise entgeht man der Gefahr falscher Abbuchungen.

Vernichtung von Dokumenten

Damit kriminelle Täter gar nicht erst in den Besitz personenbezogener Dokumente wie Kontoauszüge, Kreditkartenangebote und abgelaufene Ausweisdokumente gelangen, sollten diese ihren umgehenden Weg in den Aktenvernichter finden.

Absicherung persönlicher Dokumente

Persönliche Dokumente sollten stets in verschließbaren Fächern oder Schränken untergebracht sein. Wertvolle Finanzunterlagen sollten bei der Bank deponiert werden.

Überwachung der Kontobewegungen

Da es eine gewisse Zeit dauert, bis ein möglicher Identitätsdiebstahl ans Tageslicht gebracht wird, sollten die Kontobewegungen stets im Blick behalten werden. Hierzu kann man sich zahlreicher Websites bedienen, die den Kreditstatus kostenfrei anzeigen und die Kreditwürdigkeit überwachen.

Nutzung eines Schutzdienstes

Die Inanspruchnahme eines Schutzdienstes unterstützt bei der Sicherstellung der eigenen Identität. Sie überwacht nicht nur die Kreditwürdigkeit, sondern bietet ebenso proaktiven Schutz durch Benachrichtigungen, falls ein Konto unter dem eigenen Namen eröffnet wird.

Einschaltung der Rechtsschutzversicherung bei Identitätsdiebstahl

Grundsätzlich gestalten sich die Fälle von Identitätsdiebstahl als äußerst problematisch und rufen Fragen wie etwa “Wer kommt für den entstandenen Schaden auf?” ins Gedächtnis der Betroffenen. Umso wichtiger erscheint die Notwendigkeit, sich rechtlichen Beistand durch Einschaltung der Rechtsschutzversicherung zu holen. Mithilfe eines Rechtsanwalts hat der Geschädigte die Möglichkeit, das Geschehene aufzuarbeiten und kann sich gleichzeitig sicherer fühlen. Schließlich steht der Anwalt in sämtlichen Aspekten beratend zur Seite und kann das weitere Vorgehen planen und organisieren. Im weiteren Verlauf können die Rechte des Betroffenen mittels einem strafrechtlichen und zivilrechtlichen Verfahren erstritten werden:

Einleitung eines strafrechtlichen Verfahrens

Hat man infolge eines Identitätsdiebstahls einen Schaden erlitten, sollte der Fall zur Strafanzeige gebracht werden. Dabei ist es unerheblich, ob der Schaden vermögensrelevanter Natur ist oder man Opfer einer Cybermobbing-Attacke (zur Cyber-Versicherung) wurde. Innerhalb des strafrechtlichen Verfahrens gestaltet sich vor allem die Verfolgung des strafbaren Identitätsdiebstahls als schwierig . Die Phishing-Websites mögen sich zwar lokalisieren lassen, jedoch hat dies wenig Nutzen, wenn die genutzten Server weltweit verstreut sind oder über eine Briefkastenfirma verwaltet werden.

Einleitung eines zivilrechtlichen Verfahrens

Neben der Möglichkeit einer Strafanzeige, können Geschädigte auch zivilrechtliche Schritte einleiten. Hier sind mehrere Optionen möglich, die von der Abmahnung, über Unterlassungserklärungen bis hin zu Schadensersatzforderungen reichen. Die zivilrechtliche Durchsetzung von Ansprüchen sollte nicht ohne Einschaltung eines Rechtsanwalts erfolgen. Da sich der Täter ins Ausland (zur Auslandskrankenversicherung) absetzen kann, können die Ermittlungen nach ihm im Sande verlaufen. Vor diesem Hintergrund stellt sich für den Betroffenen eine weitaus relevantere Frage: “Kann das Geld von der eigenen Bank zurückgefordert werden, wenn mit den Bankdaten betrogen worden ist?”

Ordnungsgemäßer Umgang begünstigt die Rückforderung

Die Aussichten auf eine mögliche Rückforderung des Geldes stehen gut, wenn der Geschädigte ihren ordnungsgemäßen Umgang nachweisen kann. Hierfür muss jedoch die im Verkehr und im Vertrag mit der Bank geforderte Sorgfaltspflicht beachtet werden. Demzufolge gibt es seit 2009 eine Beschränkung der maximalen Selbstbeteiligung bei Onlinebanking-Betrugsfällen auf 150 Euro. Somit werden alle darüber hinausgehende Schäden erstattet, vorausgesetzt der Geschädigte hat nicht grob fahrlässig gehandelt, indem die Daten an Dritte weitergegeben wurden.

Fazit

Im Bereich des Identitätsdiebstahls lassen sich unterschiedliche Arten differenzieren. Dieser kann sowohl Vermögensschäden, als auch Rufschädigungen durch Cybermobbing betreffen. Auf alle Fälle sollte alles Erdenkliche in die Wege geleitet werden, damit ein derartiger Angriff auf die eigene Person unattraktiv erscheint. Stellt sich heraus, dass man bereits Opfer eines Identitätsdiebstahls wurde, sollte umgehend gehandelt werden. In dem Zusammenhang ist rechtlicher Beistand zu Rate zu ziehen, damit die notwendigen rechtlichen Schritte eingeleitet werden können.

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